Zahnaerzteblatt.de

 

Praxis

Fortbildungsveranstaltung für Berufsschullehrer/innen

 

Finden – Ausbilden – Binden

Ausgabe 1, 2017

Am 1. Dezember des vergangenen Jahres fand in der Geschäftsstelle der Landeszahnärztekammer die Fortbildungsveranstaltung für Berufsschullehrer/innen von Auszubildenden zur Zahnmedizinischen Fachangestellten statt. Prof. Dr. Johannes Einwag, Direktor des Zahnmedizinischen Fortbildungszentrums Stuttgart (ZFZ), informierte die Teilnehmer im Rahmen des Vortrages „Prophylaxe 2.0 – Fit und auf dem neuesten Stand für 2020“ praxisorientiert über Karies, Parodontitis und Co. und dass alles eigentlich ganz einfach ist.

23 Lehrerinnen und Lehrer aus den Berufsschulen für Zahnmedizinische Fachangestellte (ZFA) – in Baden-Württemberg werden die ZFA-Auszubildenden derzeit an 25 Berufsschulstandorten unterrichtet – folgten der landesweiten Ausschreibung zu der jährlich stattfindenden Berufsschullehrerfortbildung. Im Rahmen des Programmes „Finden – Ausbilden – Binden“, erreicht die Landeszahnärztekammer mit dieser Maßnahme neben dem Lernort Zahnarztpraxis, in dem der praktische Teil der Ausbildung vermittelt wird, auch regelmäßig die Lehrkräfte der Berufsschulen und bietet so eine entsprechende Unterstützung. An eineinhalb Wochentagen besuchen ZFA-Auszubildende die Berufsschule und erhalten neben dem praktischen Teil der Ausbildung, der am Lernort Zahnarztpraxis stattfindet, hier ergänzend allgemeine und fachtheoretische Ausbildungsinhalte vermittelt. Im Rahmen dieser dualen Ausbildungsform ist es umso wichtiger, die beiden Ausbildungsorte entsprechend zu verzahnen und die Beteiligten zu unterstützen.

Aktuell und praxisnah. Die „Volkskrankheiten“ Karies, Parodontitis, Periimplantitis und die Fragestellung, was es Neues aus den verschiedenen Perspektiven der Epidemiologie, Ätiologie und Prävention in diesem Zusammenhang gibt, waren zentrales Thema der Veranstaltung. Hier wurden die Teilnehmer entsprechend „abgeholt“ und bereits zu Beginn dargestellt, dass

- eigentlich alles ganz einfach ist,

- alle Beteiligten viel wissen und doch wenig,

- das Wissen im Fluss ist, aber für die angewandte Prävention genug Wissen vorhanden ist.

Biofilmerkrankungen, ein modernes Verständnis der Prophylaxe in allen Altersgruppen ergänzt um entsprechende „Take-Home-Messages“ zur direkten Anwendung und Umsetzung, führten die Teilnehmer aktuell und praxisnah durch den Tag. Die Frage, ob die Umsetzung eines wirksamen Biofilmmanagements im Alltag möglich ist, wurde anhand zielgerichteter Maßnahmen verdeutlicht. So wurde anschaulich dargestellt, dass die Ernährungslenkung, mechanisches und chemisches Biofilmmanagement sowie direkter Schutz, zentrale Bestandteile der Therapie darstellen und im Zentrum der Maßnahmen unverändert die mechanische Entfernung des Biofilms steht.

Praktische Umsetzung. Fluoridierungsmaßnahmen zur Kariesprophylaxe wurden praktisch angesprochen und anhand wissenschaftlicher Leitlinien auch in detaillierter Tiefe begründet. Erhöhung der Fluoroseund Kariesrisiken wurden dargestellt und praktische Konsequenzen daraus abgeleitet. Maßnahmen der zielgruppenspezifischen Prophylaxe bei

- Kleinkindern,

- im Kindergartenalter,

- im Schulalter,

- bei Erwachsenen,

- bei Senioren

machten zusammenfassend deutlich, dass in den verschiedenen Lebensabschnitten Prophylaxe funktioniert, wenn alle Beteiligten gut zusammenarbeiten.

Der fachwissenschaftliche und dennoch zu jedem Zeitpunkt sehr gut verständliche Vortrag hat den Berufsschullehrern eine Fülle wertvoller Informationen gegeben, die optimal in den Berufsschulunterricht integriert werden können.

beck@lzk-bw.de

 

Aktuelles aus dem PRAXIS-Handbuch

 

Neue Muster-Dokumente im PRAXIS-Handbuch – Teil 2

Ausgabe 1, 2017

Das PRAXIS-Handbuch der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg bietet eine große Auswahl an Muster-Dokumenten aus einem breiten Themenbereich für die Zahnarztpraxis an. Neben der regelmäßigen Aktualisierung dieser Muster-Dokumente versucht die LZK BW, den Kammermitgliedern durch die Ausarbeitung neuer Muster-Dokumente weitere Unterstützung im Bereich der praxisinternen Qualitätssicherung anzubieten. Mit dem folgenden Teil 2 wird die Vorstellung neuer Muster-Dokumente aus dem PRAXIS-Handbuch abgeschlossen.

Wo finde/erhalte ich das PRAXIS-Handbuch?

- Aktuelle Online-Version über www.lzkbw.de

- Als CD-ROM per Post bzw. als Download-Link über die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg.

Neue Muster-Dokumente über die Schaltfläche „3. Qualitätssicherung: Anhang“:

Rubrik „3.4 Betriebsanweisungen“ – „3.4.5 Hygiene“:
Hier finden Sie zwei Muster-Betriebsanweisungen für die eingesetzten Aufbereitungsgeräte (Reinigungs- und Desinfektionsgerät, Dampfsterilisator (inkl. Siegelgerät))!

Rubrik „3.5 Formulare“ – „3.5.8 Hygiene“:
Hier finden Sie drei Muster-Formulare für die praxisinterne Festlegung von Beladungsmustern für die eingesetzten Aufbereitungsgeräte!

- 3.5.8.19 Muster-Beladungsmuster für das Reinigungsund Desinfektionsgerät (RDG)

- 3.5.8.20 Muster-Beladungsmuster für ein Gerät, das Reinigung, Desinfektion und Sterilisation miteinander kombiniert (Kombinationsgerät)

- 3.5.8.21 Muster-Beladungsmuster für den Autoklav

Rubrik „3.9 Verfahrensanweisungen“ – „3.9.1 Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin“:
Hier finden Sie eine Muster-Verfahrensanweisung für das Vorgehen nach einer Nadelstichverletzung!

- Ziffer 3.9.1.1 Verfahrensanweisung für das Vorgehen nach einer Nadelstichverletzung

Rubrik „3.9 Verfahrensanweisungen“ – „3.9.3 Medizinprodukte“:
Hier finden Sie eine Muster-Verfahrensanweisung für die Meldung von Medizinprodukte-Vorkommnissen (z. B. Funktionsstörungen) an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)!

- Ziffer 3.9.3.1 Verfahrensanweisung für die Meldung von Vorkommnissen (BfArM)

Weitere wichtige Muster-Dokumente über die Schaltfläche „3. Qualitätssicherung: Anhang“:

Rubrik „3.3 Aushang - Einsichtnahme“ – „3.3.2 Hygiene“:
Hier finden Sie einen Muster-Hygieneplan für die Individualisierung auf die Praxisgegebenheiten!

- 3.3.2.1 Hygieneplan

Rubrik „3.7 Merkblätter“ – „3.7.4 Hygiene“:
Hier finden Sie zu verschiedenen Hygienethemen praktische Merkblätter!

- 3.7.4.1 Aufbereitung von Medizinprodukten durch Dritte

- 3.7.4.2 Behandlung immunsupprimierter Patienten

- 3.7.4.3 Hygienische und Chirurgische Händedesinfektion

- 3.7.4.4 Manuelle Reinigung und Desinfektion von Übertragungsinstrumenten der Einstufung „Semikritisch B“

- 3.7.4.5 Schutzmaßnahmen für die zahnmedizinische Behandlung von MRSA-Patienten.

Ihre LZK Geschäftsstelle

 

Der GOZ-Ausschuss informiert

 

Parodontitistherapie korrekt berechnet

Ausgabe 1, 2017

Die Anforderungen der Patienten hinsichtlich Tragekomfort und geringer Sichtbarkeit von Zahnspangen sowie der Anspruch auf ein perfektes Ergebnis der KFO-Behandlung verleihen der Digitalisierung von diagnostischen Routinen neben innovativen therapeutischen Verfahren einen Schub.

Die Geb-Nr. 4005 liefert eine graduelle Einstufung des parodontalen Zustands nach Art eines Screenings. Dieser Index kann als Instrument eines Screenings auf parodontale Läsionen oder Verlaufskontrollen bei bestehender bzw. nach behandelter Parodontopathie angewendet werden.

Spülung und Medikamente. Der Leistungstext der GOZ-Nr. 4020 lautet „Lokalbehandlung von Mundschleimhauterkrankungen ggf. einschließlich Taschenspülungen, je Sitzung“. Die Lokalbehandlung beinhaltet die Therapie bei der Veränderung und/oder Entzündungen der Mundschleimhäute. Die einfache Spülung von Zahnfleischtaschen mit antibakteriellen Lösungen erfüllt den Leistungsinhalt. Die Nummer 4020 ist auch neben parodontalchirurgischen Leistungen berechnungsfähig.

Materialkosten für die im Rahmen dieser Behandlung verwendeten Medikamente sind nicht gesondert berechnungsfähig.

Die GOZ-Ziffer 4025 ist berechnungsfähig, wenn an einem Parodontium unterhalb des Zahnfleischsaums ein lokal wirksames Antibiotikum oder ein Chlorhexidindigluconatpräparat in unterschiedlichen Darreichungsformen eingebracht wird. Die Leistung ist je Zahn und Sitzung einmal berechnungsfähig. Sie kann im Zusammenhang mit der mechanischen Reinigung der subgingivalen Oberflächen zur Anwendung kommen. Das eingebrachte Medikament wird gesondert in Rechnung gestellt.

Professionelle Zahnreinigung. Es ist wissenschaftlich gesichert, dass der Professionellen Zahnreinigung nicht lediglich eine Vorsorgebehandlung, sondern der Charakter einer zahnmedizinisch notwendigen Maßnahme zukommt. Daher ist auch mit der Novellierung der Gebührenordnung für Zahnärzte zum 01.01.2012 unter der GOZ-Nr. 1040 die PZR in das Leistungsverzeichnis aufgenommen worden. Die PZR ist ein Maßnahmenpaket zur systematischen Entfernung aller Arten von Belägen am Zahn und an freiliegenden Wurzeloberflächen im supragingivalen und gingivalen Bereich. Die PZR umfasst – abhängig von der individuellen Notwendigkeit – die Reinigung der Zahnzwischenräume, das Entfernen des Biofilms, die Oberflächenpolitur und ggf. die Fluoridierung der gereinigten Oberflächen.

Befunde und Therapien. Die PZR stellt ggf. sowohl eine Vorbehandlung für weitergehende Maßnahmen am Parodontium als auch ein Nachsorgeprogramm im Sinne unterstützender parodontaltherapeutischer Maßnahmen (UPT) dar. Die subgingivale Belagsentfernung in der PZR im Rahmen einer parodontalen Vor- oder Nachsorge ist von dieser Nummer nicht umfasst und kann daher analog nach § 6 Abs. 1 GOZ liquidiert werden.

Nach der Geb-Nr. 4000 wird das Erstellen und Dokumentieren eines Parodontalstatus berechnet. Die parodontale Befundaufnahme dokumentiert den aktuellen Zustand des Patienten in geeigneter Form. Die Erbringung dieser Leistung kann sowohl der Therapiegrundlage als auch der Nachsorge bzw. der parodontalen Vorlaufskontrolle dienen.

Die Leistungen der Geb-Nr. 4070/4075 betreffen die parodontalchirurgische Therapie im subgingivalen Bereich in einem „geschlossenen“ Verfahren. Sie folgt in der Regel einer Initialtherapie wie oben beschrieben.

Das geschlossene Vorgehen bezeichnet die chirurgische Parodontaltherapie ohne Mobilisierung oder Aufklappen des Zahnfleisches bei Erhaltung der Gingivamanschette.

Im Gegensatz beschreiben die Leistungen der Geb-Nr. 4090/4100 die parodontalchirurgische Therapie im subgingivalen Bereich in einem „offenen“ Verfahren. Sie beinhaltet die teilweise Mobilisierung der beweglichen und ggf. auch der befestigten Gingiva (Aufklappung) von der knöchernen Unterlage.

Die Full-Mouth-Desinfection beinhaltet ein vielfältiges Maßnahmenpaket zur Desinfektion der gesamten Mundhöhle, der Schleimhäute und der Zunge. Es handelt sich um eine Maßnahme, deren Wirksamkeit durch zahlreiche Studien bestätigt wird und somit um eine medizinisch notwendige Maßnahme, die weder in der GOZ noch in der GOÄ beschrieben ist und daher analog nach § 6 Abs. 1 GOZ berechnet werden muss.

Bei einer ggf. notwendigen Laserbehandlung im Sinne einer Photodynamischen Therapie handelt es sich um eine selbstständige zahnärztliche Maßnahme, die weder in der GOZ noch in der GOÄ verzeichnet ist. Beim photodynamischen Verfahren handelt es sich um einen Therapieansatz zur parodonalpathogenen Keimreduktion. Die Photodynamische Therapie wird analog nach § 6 Abs. 1 GOZ berechnet. In diesem Paragrafen wird gefordert, dass die als analoge Gebührenposition gewählte Leistung hinsichtlich Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertig sein muss. Unter Berücksichtigung dieser Vorschrift ist es erforderlich, dass die Materialkosten für z. B. Lichtleiter zur Einmalverwendung oder Photosensitizer zur Einmalverwendung in die Wahl der analogen Gebührenposition einzukalkulieren und nicht gesondert zu berechnen sind.

Autorenteam des GOZ-Ausschusses der LZK BW