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Leitartikel

Parodontitis nachhaltig und effektiv bekämpfen

Ausgabe 7, 2017

Parodontale Erkrankungen sind bei Erwachsenen der Hauptgrund für den Verlust von Zähnen. Dabei wird die Bedeutung dieser Volkskrankheit, ihre Wechselwirkung mit schweren Allgemeinerkrankungen wie etwa Diabetes, Pneumonien oder Herz-Kreislauf-Problemen in der Bevölkerung völlig unterschätzt. Fatalerweise werden Parodontopathien von den meisten für Bagatellerkrankungen gehalten.

Einerseits ist nach den aktuellen Zahlen der Deutschen Mundgesundheitsstudie (DMS V) gut jeder zweite jüngere Erwachsene an einer behandlungsbedürftigen Parodontopathie erkrankt. In etwa jedem zehnten Fall muss eine schwere Parodontitis konstatiert werden. In den höheren Altersgruppen verstärkt sich dieser Trend dann noch einmal.

Andererseits ist der Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) vor allem im Hinblick auf Prävention und Nachsorge von parodontalen Erkrankungen unvollständig und völlig veraltet. Benötigt wird deshalb eine neue, effektive Aufklärungs- und Behandlungsstrategie im Kampf der Zahnärzteschaft gegen die Parodontitis. Unter Federführung der KZBV und unter Beteiligung namhafter Wissenschaftler und der Bundeszahnärztekammer wird derzeit ein neues, umfassendes Versorgungskonzept erarbeitet. Die Arbeiten daran sind so gut wie abgeschlossen, die Veröffentlichung ist bis Ende des laufenden Jahres geplant. Das Konzept wird dann die Basis für eine grundlegende Neuausrichtung der Parodontitisversorgung in der GKV sein.

Präventionsorientierung. Herzstück wird die konsequente Präventionsorientierung sein: Auf Bevölkerungsebene soll durch gezielte Aufklärungskampagnen die Gesundheitskompetenz im Hinblick auf Parodontalerkrankungen gestärkt und verbessert werden. Die folgenschweren Auswirkungen parodontaler Erkrankungen auf die Allgemeingesundheit müssen ebenso vermittelt werden wie geeignete Präventionsmaßnahmen. Auf der Individualebene benötigen wir Zahnärzte mehr Zeit, um unsere Patienten umfassend und individuell zu beraten. Nur so kann die erforderliche Compliance erreicht werden. Zur Sicherung eines nachhaltigen Behandlungserfolges fehlt es außerdem an einer strukturierten Nachsorge in Form der Unterstützenden Parodontitistherapie (UPT). Entsprechend muss der GKV-Leistungskatalog erweitert, den wissenschaftlichen Erkenntnissen angepasst und ergänzt und die Honorierung so gestaltet werden, dass eine qualitätsgesicherte Parodontaltherapie ermöglicht wird.

Instanzen. Die Neujustierung der Parodontitistherapie steht momentan noch am Anfang eines langen Weges durch die vorgegebenen Instanzen. Gemeinsam mit den KZVen und mit tatkräftiger Unterstützung von Wissenschaft und BZÄK wird die KZBV alles daran setzen, ein effektives und nachhaltiges Versorgungskonzept zu implementieren. Dabei werden wir letztendlich auch auf die Unterstützung der Politik angewiesen sein. In ganz besonderer Weise benötigen wir aber die Unterstützung von Ihnen, den behandelnden Zahnärztinnen und Zahnärzten in den Praxen. Ich bitte daher um Ihre aktive Hilfe und Mitarbeit bei diesem für den Berufsstand sowie für Millionen von Patienten gleichermaßen bedeutenden Projekt.

Dr. Wolfgang Eßer,
Vorsitzender des Vorstandes der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung