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Reihen-Untersuchungen bei den Landessommerspielen von Special Olympics in Offenburg

 

Ein Tag ohne Zahlen und Bilanzen

Ausgabe 7, 2017

Nach den Pilotveranstaltungen in Werkstätten für Menschen mit Behinderung im vergangenen Jahr wurde es vom 16. bis 19. Mai für das Team des Healthy Athletes-Programms von Special Olympics Baden-Württemberg ernst. Zum ersten Mal wurden bei Landessommerspielen in Baden-Württemberg im Rahmen des Programms „Special Smiles – Gesund im Mund“ Reihenuntersuchungen und Mundhygieneunterweisungen für die geistig und mehrfachbehinderten Sportler angeboten. Außerdem war das Gesundheitsprogramm mit dem Augenprogramm „Opening Eyes – Besser sehen“ vertreten.

Da die Untersuchungen in einem Zelt stattfinden sollten, waren umfangreiche Planungen notwendig. Aus der deutschen Special-Olympics- Zentrale in Berlin wurden ausrangierte Untersuchungsstühle der Bundeswehr und ein Zahnputzbrunnen herangekarrt. Den Kariestunnel stellte die AG Zahngesundheit Karlsruhe zur Verfügung. Verbrauchsmaterialien mussten bestellt und Helfer gewonnen werden.

Zahlreiche freiwillige Helfer. Der Kreisvorsitzende Dr. Conrad Gast, der Senioren- und Behindertenbeauftrage, Frank Timmermann, der Vertreter der AG Zahngesundheit, Dr. Rainer Wagner, sowie Dr. Katrin Dahncke, Zahnärztin am Gesundheitsamt, unterstützten perfekt und unkompliziert das Koordinatoren- Team von Special Smiles Baden-Württemberg, bestehend aus Roswitha Henkel, Dr. Abdul Bissar, Dr. Guido Elsäßer und dem Gesundheitswissenschaftler Florian Rauch, dem verantwortlichen Koordinator des gesamten Healthy Athletes-Programms in Baden- Württemberg. Schnell waren weitere Kolleginnen und Kollegen aus Offenburg und Umgebung als Untersucher gewonnen, obwohl diese wertvolle Behandlungszeit opferten und in den Praxen fehlten. Einige brachten sogar ihre Mitarbeiterinnen mit. Das Anfärben der Zähne, der Gang durch den Kariestunnel und die anschließenden Putzübungen übernahm das Team der AG Zahngesundheit Offenburg unterstützt durch Mitarbeiterinnen aus der AG Zahngesundheit Karlsruhe. Somit waren insgesamt 14 Zahnärztinnen und Zahnärzte, 21 zahnmedizinische Assistentinnen aus den Praxen und der AG Zahngesundheit sowie 14 Mitarbeiter der Firma Wrigleys in Teams für jeweils einen halben Tag im Einsatz. Das gesamte Gesundheitsprogamm wird von der AOK Baden-Württemberg und das Zahnprogramm von Wrigleys gesponsert.

Nach einer kleinen Pressekonferenz, bei der auch Dr. Gast als Vertreter der Landeszahnärztekammer ein Grußwort sprach, ging es los. Nahezu 100 Athleten wurden untersucht. Für viele der 770 Sportler war die Entfernung zwischen den Untersuchungszelten im Bürgerpark zu den Sportstätten am Rande der Stadt leider zu weit, um in den Wettbewerbspausen die Zelte des Gesundheitsprogramms aufzusuchen.

Untersuchungsstuhl. Viele Teilnehmer setzten sich völlig entspannt auf den Untersuchungsstuhl und erzählten stolz von „ihrem Zahnarzt“. Andere waren sichtlich nervös, weil sie schon lange nicht mehr beim Zahnarzt waren. Erfreulicherweise wurde nur bei Wenigen Behandlungsbedarf festgestellt, lässt man die Schmutzgingivitiden außer Acht.

Die Untersuchungsergebnisse wurden standardisiert erhoben, dokumentiert und werden wissenschaftlich ausgewertet. Schon vor Ort wurden die Daten auf die Server von Special Olympics übertragen. Die Athleten bekamen die Untersuchungsergebnisse und die Mundhygieneempfehlungen in den Gesundheitspass von Special Olympics eingetragen. Dieser ist in leichter Sprache verfasst und kann bei der nächsten Teilnahme an einem Angebot von Healthy Athletes ® wieder mitgebracht werden. Außerdem bekamen die Sportler noch eine Tüte überreicht, gefüllt mit Zahnpasta, einer Zahnbürste, einem Schaubild für die richtige Zahnpflege in leichter Sprache, Zahnpflegekaugummis und einem Apfel.

Man muss sich beim Blick auf die guten Ergebnisse darüber im Klaren sein, dass als Athleten von Special Olympics nur die fitten Menschen mit geistiger und mehrfacher Behinderung antreten. Die Untersuchungsergebnisse sind daher nicht repräsentativ für die gesamte Gruppe von Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung.

Im Augenprogramm wurde von 47 Helfern (Optimetristen und Augenärzten) die Sehfähigkeit geprüft. Athleten mit Sehfehler bekamen kostenfrei eine gesponserte Brille nach den Spielen zugeschickt. Athleten ohne Sehfehler durften sich eine Sonnenbrille aussuchen.

Gewinnbringend. Obwohl wir etwas enttäuscht über die Fallzahl waren, empfanden alle Beteiligten die Tage als sehr gewinnbringend. Athleten konnten sich angstfrei untersuchen lassen und bekamen Tipps zur Verbesserung ihrer Zahnpflege, Eltern erhielten wichtige Informationen, an wen sie sich bei komplexen Fragestellungen wenden können und auch die Helfer genossen die Möglichkeit des ungezwungenen, niederschwelligen Kontaktes zu Menschen mit geistiger Behinderung. Die stimmungsvolle Eröffnungsfeier mit Entzünden des olympischen Feuers, die Athleten-Disco, sowie die fröhliche Atmosphäre an den Sportstätten und bei den Siegerehrungen bleiben in schöner Erinnerung. Ein Helfer von Wrigleys meinte: „endlich mal ein Tag ohne Zahlen und Bilanzen; ein sinnvoller Tag“. Und viele Helfer signalisierten: „Gerne wieder“.

Dr. Guido Elsäßer & Florian Rauch