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Gemeinsame Gutachtertagung im Zahnärztehaus Freiburg

 

Zurück zu den Wurzeln

Ausgabe 11, 2017

Die 110 Sitzplätze im großen Hörsaal des Freiburger Zahnärztehauses waren nahezu alle belegt, als dort am ersten Oktobersamstag die Gutachtertagung ausgerichtet wurde. Der Tradition der vergangenen Jahre folgend, war es erneut eine gemeinsame Gutachtertagung beider Körperschaften und so trafen sich neben den Vertragsgutachtern der Bezirksdirektion Freiburg auch die Privat- und Gerichtsgutachter der Bezirkszahnärztekammer Freiburg. Geladen waren außerdem, auch dies eine Freiburger Tradition, Vertreter der Krankenkassen.

Die diesjährige Qualifizierungsveranstaltung für Gutachter besann sich auf die Grundlagen der gutachterlichen Tätigkeit und stand unter dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“. In den Jahren zuvor standen bei den Freiburger Tagungen „die Frage der Schuld“ (2013) und „die Macht der Sprache“ (2015) als Generalthema im Mittelpunkt.

Den Auftakt bildete der Vortrag des Gutachterreferenten der Bayerischen Landeszahnärztekammer, Prof. Dr. Dr. Andreas Schlegel. Der Münchner Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurg ist neben seiner Tätigkeit für die BLZK auch als Gutachterreferent der KZV Bayerns tätig und hat direkt nach seinem Amtsantritt auch eine curriculäre Fortbildung für Gutachter konzipiert und auf den Weg gebracht. In den Mittelpunkt seiner Ausführungen stellt er die Dokumentation, der er eine entscheidende Bedeutung beimaß, sowohl im Hinblick auf den Kollegen, dessen Leistungen begutachtet werden sollen, als auch was den Gutachter und seine Wertungen betrifft. Zahlreiche hervorragend dokumentierte Fallbeispiele untermauerten die Ausführungen, die von einer exzellenten Expertise und jahrzehntelanger chirurgischer Erfahrung zeugten.

Aktuelle Gerichtsurteile. Die Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden- Württemberg, Dr. Ute Maier, gliederte ihren Vortrag in vier Teile. Zunächst stand die Qualifizierung von vertragszahnärztlichen Gutachterinnen und Gutachtern im Fokus ihrer Ausführungen. In einem weiteren Teil ging Kollegin Maier auf Neuerungen in der Vertrags- und Gesetzeslage ein, um dann direkt zu aktuellen Gerichtsurteilen überzuwechseln, die das Gutachterwesen betreffen. Ein kurzer Exkurs auf die neue Heilmittelverordnung rundete die Ausführungen ab. Ihr Fazit: Das vertragszahnärztliche Gutachterwesen ist in unserem Bundesland gut aufgestellt, seine Ergebnisse fallen zur Zufriedenheit aller Beteiligten (auch der Krankenkassen) aus. Zudem ist es in den vergangenen Jahren gelungen, eine stattliche Anzahl neuer Kolleginnen und Kollegen für das Gutachterwesen zu gewinnen. Gefahr lauert indes von extern: Jüngste Gerichtsurteile stellen unser körperschaftliches Gutachterwesen in Zweifel, hier gilt es achtsam zu sein.

Kultureller Reichtum. „Zurück zu den Wurzeln“ führte auch die vergnügliche, lehrreiche und kurzweilige Reise mit dem in Münstertal ansässigen Kultur- und Kunstexperten Arno Herbener, der die Frage zu beantworten hatte: „Warum sind wir (Südbadener) so, wie wir sind?“ Er zeigte auf, dass sich die Alemannen das Beste, was Kelten, Römer und Franken hinterlassen haben, zu eigen gemacht und daraus das geschaffen haben, was die Region heute so beliebt macht.

Dr. Roland Heckle, Endingen, war ein echter Aktivposten in der früheren Gutachterstelle der Bezirksdirektion Freiburg der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, die leider nach der Kündigung der entsprechenden Vereinbarung durch die Krankenkassen aufgelöst werden musste. Kollege Heckle hatte sich einer enormen Fleißarbeit unterzogen und vier Gutachterfälle aufgearbeitet, um den Verlauf vom Mängelgutachten bis in den Prothetik- Einigungsausschuss zu präsentieren. Akzentuiert hatte Kollege Heckle hierzu Fragen formuliert, wobei ihm seine jahrelange Erfahrung in der Gutachterstelle zugute kam. Eine eingehende und fruchtbare Diskussion war der Lohn für die aufwändige Arbeit des in Endingen am Kaiserstuhl niedergelassenen Kollegen.

Neue Gesichter. Die Bezirkszahnärztekammer Freiburg hat mit Dr. Frank Winkeler einen neuen Geschäftsführer, der sich den Tagungsteilnehmern kurz vorstellte. Auch der neue GOZ-Referent Dr. Holger Diehm kam zu Wort und konnte über die Arbeit der rührigen Freiburger GOZ-Stelle berichten. Neben den zahlreichen täglichen Anfragen gilt es auch, gutachterlich tätig zu sein und Rechnungsprüfungen vorzunehmen. Interessante Fallbeispiele, die aufgrund von teilweise kuriosem Vorgehen bei der Rechnungsstellung mitunter auch ein Schmunzeln bei den Tagungsteilnehmern hervorriefen, rundeten die Ausführungen des in Titisee-Neustadt niedergelassenen Kollegen ab.

Professionelle Haltung. Die Befangenheit eines Gutachters ist ein Dauerthema, mit dem sich in letzter Zeit vermehrt beide zahnärztlichen Körperschaften auseinandersetzen müssen, zumeist auf Antrag von Kollegen, deren Leistungen begutachtet werden sollen. Dr. Conrad Gast schilderte zwei Fälle, die ihn als Gutachter betrafen, um dann zusammen mit dem Gutachterreferenten der BD Freiburg und der BZK Freiburg auf die rechtlichen Gegebenheiten und die Vorgaben der Gutachterordnungen überzuleiten. Beides wurde anschließend im kollegialen Kreis intensiv diskutiert. Das einhellige Fazit: Die Beurteilung einer Befangenheitssituation muss primär durch den Gutachter selbst erfolgen. Der Berufsstand an sich ist jedoch so professionell, dass auch z. B. bei räumlicher Nähe eine unabhängige Begutachtung erfolgen kann.

Dr. Georg Bach

 

12. Eurosymposium in Konstanz

 

Minimalinvasive Implantologie

Ausgabe 11, 2017

Das Eurosymposium, das bereits zum zwölften Mal in Konstanz stattfand, hat sich in der süddeutschen zahnärztlichen Fortbildungslandschaft etabliert. Dem Tagungspräsidenten Prof. Dr. Dr. Frank Palm war es erneut gelungen den trinationalen Charakter der Fortbildungsveranstaltung zu bewahren: erfreulich viel vorarlberger Dialekt und Schwyzerdütsch im Auditorium und auch auf der Referentenbühne.

Traditionell ist der erste Tag des Eurosymposiums Live-Operationen im Klinikum Konstanz vorbehalten, die vom Tagungspräsidenten, dem Konstanzer Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgen Prof. Dr. Dr. Frank Palm und seinem Team bestritten wurden. Am zweiten Tag stand der kollegiale Know-how-Transfer mit klarem Schwerpunkt auf dem fachlichen Interesse des Praktikers im Fokus. Der bunte Mix von Referenten aus Praxis und Hochschule konnte diesem Anspruch gerecht werden. Die in den vergangenen Jahren immer stärker gewordene Tendenz zu minimalinvasivem Vorgehen in der Zahnmedizin zog sich wie ein roter Faden durch das wissenschaftliche Programm. Diese Einschätzung bezieht sich nicht nur auf das Material, hier stehen nun kürzere Implantate und solche mit geringerem Durchmesser zur Verfügung und ermöglichen, auf aufwändige und invasive Augmentationsverfahren zu verzichten, sondern auch auf Insertionstechniken, bildgebende Verfahren. Selbst das Troubleshooting ist heute mit minimalinvasivem Ansatz möglich. Gerade auf dem Gebiet des Knochen- und Weichteilmanagements sind dank neuer Therapieansätze, verfeinerter Instrumente und Materialien und verbesserter dreidimensionaler Röntgendiagnoseverfahren mit verringerter Strahlenbelastung nun Implantatversorgungen möglich, welche noch vor wenigen Jahren nur mit deutlich höherem Aufwand für den Patienten möglich waren.

Und so konnten die über 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer wichtige Erkenntnisse über Mini-Implantate, neue Insertionstechniken, die neue Generation von Knochenersatzmaterialien bis hin zur Photodynamischen Therapie im Falle einer Periimplantitis gewinnen. Eine kleine, aber feine Industrieausstellung und ein Kurs für die Teammitarbeiterinnen zur Hygienebeauftragten rundeten die gelungene Fortbildungsveranstaltung ab.

Dr. Georg Bach