Zahnaerzteblatt.de

 

Praxis

Gesund beginnt im Mund

 

Die Mundgesundheit im Pflegealltag verankern

Ausgabe 3, 2018

Während in der Politik noch über den Pflegenotstand, überfordertes Personal und fehlende Fachkräfte diskutiert wird, haben sich am 19. Januar in Ulm über 60 interessierte Mitarbeiter aus den Leitungsebenen stationärer Pflegeeinrichtungen eingefunden, um bei einem Workshop zu erfahren, wie sie die Mundgesundheit und damit die Lebensqualität der Bewohner in ihren Einrichtungen nachhaltig verbessern können und wie die Zahnärzte sie dabei unterstützen können. „Wir haben ein erprobtes Praxiskonzept und sind überzeugt, dass Zahnärzteschaft und Pflege das leisten können“, sagte LZK-Referent für Alterszahnheilkunde Dr. Elmar Ludwig.

„Früher haben Angehörige bei der Aufnahme häufig nach einem Zahnarzt in der Einrichtung gefragt“, berichtet Beata Türk vom Wohn- und Pflegezentrum Elisabethenhaus in Ulm, „heute präsentieren wir stolz unser Kooperationsprojekt, von dem sowohl die Pflegekräfte als auch unsere Bewohner profitieren“. Die Einrichtungsleiterin erzählte den Kollegen vom Aufbau des Schulungsprogramms in ihrer Einrichtung: „Alle Pflegekräfte wurden von Dr. Ludwig geschult, später haben wir dann Schulungs- Mitarbeiter benannt, die als Multiplikatoren die Schulung für neue Kollegen übernommen haben“. Heute seien die Mitarbeiter sensibilisiert für die Mundgesundheit, erkennen jede Prothesendruckstelle und werfen nicht mehr nur die Prothese mit Corega ins Glas. Die Lebensqualität der Bewohner sei nachhaltig verbessert, was „wir daran erkennen, dass viele Bewohner durch die bessere Essensaufnahme an Gewicht zugelegt haben“.

Gesund beginnt im Mund. Empathische Pflegekräfte mit geschärftem Blick für die Mundgesundheit pflegebedürftiger Menschen und zufriedene Bewohner, die kein Essen mehr verweigern und am Gemeinschaftsleben teilnehmen – das war das Ziel des Ulmer Workshops. Wie das gelingen kann, zeigte Dr. Elmar Ludwig mit viel Elan, Motivation und zahlreichen praktischen Tipps und Übungen. Gesund beginnt im Mund – das war die erste Botschaft des Tages. Dr. Ludwig vermittelte den Pflege-Leitungskräften ein tieferes Verständnis für die Wechselwirkung zwischen Mundgesundheit und Allgemeingesundheit. Anhand zahlreicher Studienergebnisse vermittelte er eindrücklich, dass eine gute Mundgesundheit nicht nur Mundgeruch und Schmerzen verhindert, sondern gleichzeitig eine wirksame Infektionsprophylaxe darstellt.

Mehr Chancen als Risiken. Im zweiten Teil des Workshops stellte Dr. Ludwig die breite Palette an Hilfsmitteln vor, die der Arbeitskreis Alterszahnheilkunde und Behindertenbehandlung der LZK erarbeitet hat und zur Verfügung stellt: Verschiedene Vortragsformate und Skripte, Pflegehandbuch, Pflegefilm, Mundhygienekoffer und Modelle. An den Modellen durften sich am Nachmittag dann alle beim Ein- und Ausgliedern eines Zahnersatzes üben. Geübt wurde auch das rückenschonende Zähneputzen am Bett und am Stuhl. Den Abschluss des Workshops bildete der Austausch zusammen mit den anwesenden Zahnärzten, um die Möglichkeiten eines Kooperationsvertrages zwischen Zahnarztpraxen und Pflegeeinrichtungen auszuloten.

mader@lzk-bw.de

 

GOZ-Nr. 3290 neben den GOZ-Nrn. 3300 und 3310

 

Nebeneinanderberechnung empfehlenswert?

Ausgabe 3, 2018

Seit März 2017 vertritt die Bundeszahnärztekammer die Auffassung, dass neben der Nachbehandlung einer Wunde bzw. der Revision einer Wunde sitzungsgleich und für die gleiche Wunde daneben die Wundkontrolle berechnet werden kann. Ist diese Berechnungsmethode uneingeschränkt zu empfehlen?

Die Frage, ob bei derselben Wunde (im selben Operationsgebiet) einerseits eine Wundkontrolle nach der GOZ-Nr. 3290 und sitzungsgleich nach erfolgter Kontrolle eine Nachbehandlung oder Wundrevision nach den GOZ-Nummern 3300 oder 3310 berechnet werden kann, ist nicht unumstritten.

Kommentierung. Im März 2017 hat die Bundeszahnärztekammer ihre Kommentierung geändert. Danach können neben der GOZNr. 3290 weitere selbstständige Leistungen wie sich anschließende Maßnahmen der Nachbehandlung (GOZ-Nr. 3300) oder Wundrevision (GOZ-Nr. 3310) zusätzlich berechnet werden, auch wenn beide Maßnahmen im selben Wundgebiet erbracht wurden. Wie wird diese Interpretation begründet? Zum einen damit, dass in den fraglichen Gebührennummern kein gegenseitiger Leistungsausschluss formuliert sei. Es ist richtig, dass es formell keinen solchen Ausschluss gibt. Es ist allerdings fraglich, ob es richtig ist, daraus abzuleiten, dass alles, was explizit nicht verboten ist, auch ohne Berücksichtigung weiterer inhaltlicher Sachverhalte immer automatisch erlaubt ist.

Zum zweiten wird betont, dass in der Leistungslegende der Nachbehandlung und Wundrevision die Kontrolle expressis verbis nicht erwähnt wird. Das stimmt. Allerdings stellt sich die Frage, ob unselbstständige Teilleistungen in den GOZ-Nummern typischerweise erwähnt sind. In der Regel ist dies nur bei sogenannten Komplexleistungen seit 2012, im Übrigen jedoch nicht der Fall.

Drittens wird das angebliche offensichtliche Missverhältnis der Bewertung der Nachkontrolle (55 Punkte) und Nachbehandlung (65 Punkte) betont. Das führe dazu, dass bei einer Verneinung der Nebeneinanderberechnung für den Aufwand der Nachbehandlung im Verhältnis zum Aufwand der Nachkontrolle offensichtlich unverhältnismäßig wenig Mehrhonorar zur Verfügung stehe. Ähnlich verhalte es sich mit der Wundrevision. Das ist allerdings in einer Vielzahl von geregelten Sachverhalten in der GOZ ebenso festzustellen, sodass zu Recht die Frage zu stellen ist, wie viel Bedeutung und faktische Rechtskraft auch diesem Argument beigemessen werden kann.

Wundkontrolle. Anzumerken ist hier beispielsweise, dass in der GOZ-Nr. 4150 die Kontrolle und die Nachbehandlung nach parodontal- chirurgischen Eingriffen in ihrer Bewertung sogar gleichgesetzt werden. Mehrere Jahre nach Inkrafttreten der neuen GOZ bestand Einigkeit darüber, dass eine Wundkontrolle mit nachfolgender Wundbehandlung nicht zusätzlich berechnungsfähig ist, weil die Kontrolle als unselbstständige Durchgangsleistung, die typischerweise auch zur sitzungsgleichen Wundbehandlung dazugehört, einzustufen ist. Jetzt schreibt die BZÄK: „Das Ergebnis der Kontrolle (Wundkontrolle) ist Grundlage für die nachfolgende Therapie.“ Der Umschwung der Kommentierung ist fachlich nicht ganz nachvollziehbar. Gerade weil sich die Notwendigkeit einer Nachbehandlung oder Wundrevision immer erst aus der Kontrolle ergibt, spricht nach wie vor viel dafür, die Kontrolle in diesem Zusammenhang nicht als selbstständige Leistung, sondern als zwingende Vorbedingung anzusehen. Ohne primäre Kontrolle dürfte es schwierig sein, einen weitergehenden Handlungsbedarf festzustellen. Denn ohne vorherige Inaugenscheinnahme einer Wunde (also eine Wundkontrolle) ist keine Nachbehandlung denkbar. Entweder ergibt sich nur eine Kontrollbedürftigkeit, die dann nach der GOZ-Nr. 3290 berechnet wird, oder aber die Notwendigkeit einer Nachbehandlung (GOZ-Nr. 3300) oder einer Wundrevision (GOZ-Nr. 3310), wobei bei diesen beiden weitergehenden Nachbehandlungsmaßnahmen die Kontrolle von der umfänglicheren Leistung der jeweiligen Wundbehandlung überdeckt wird.

Selbstständige Leistung. Die Kontrolle bleibt als selbstständige Leistung also nur bestehen, wenn nicht darüber hinaus an der Wunde manipuliert wird. Insgesamt bleibt festzuhalten, dass es doch ernst zu nehmende Bedenken gegen eine orts- und sitzungsgleiche Berechnung der GOZ-Nummern 3290 und 3300 bzw. 3310 bei derselben Wunde gibt. Es bleibt abzuwarten, ob und in welcher Form die widerstreitenden Auffassungen durch die Rechtsprechung (hoffentlich) unter Abwägung aller Aspekte gewertet werden und sich mit der Zeit für den liquidierenden Zahnarzt eine klare Richtschnur bei der Berechnung abzeichnen wird.

Solange das nicht der Fall ist, mag der Ansatz der GOZ-Nummern 3290 und 3300 bzw. 3310 bei derselben Wunde in derselben Sitzung durchaus vertretbar sein. Die strittige Auslegung sollte jedoch jedem Kollegen bekannt sein, da ein gewisses Streitpotenzial von der Nebeneinanderberechnung ausgeht.

Autorenteam des GOZ-Ausschusses der LZK BW

 

Sicher und richtig verpackt

 

Sterilgutverpackungen im Überblick

Ausgabe 3, 2018

Auf dem Markt wird eine Vielzahl an unterschiedlichen Möglichkeiten, ein Medizinprodukt (Instrument) zu verpacken und anschließend zu sterilisieren, angeboten. Als Verpackungsklassiker kommt in der Zahnarztpraxis die Klarsicht-Sterilgutverpackung als „Rollenware“ zum Einsatz. Der folgende Beitrag gibt einen Überblick über die Optionen bei der Auswahl der richtigen Sterilgutverpackung für Ihre praxisindividuellen Anforderungen, denn im „Verpackungsdschungel“ den Durchblick zu behalten ist für die Zahnarztpraxen nicht einfach. Den Weichverpackungen (Bogenverpackungen, Sterilisationsvliese) wird besondere Aufmerksamkeit geschenkt.

Aufgabe der Sterilgutverpackung? Alle Medizinprodukte, die bestimmungsgemäß die Körperintegrität durchtrennen bzw. bei zahnärztlichchirurgischen/ oralchirurgischen Eingriffen zum Einsatz kommen (Medizinprodukte der Einstufung „kritisch“), sind nach einer validen Reinigung und Desinfektion verpackt zu sterilisieren. Die Sterilgutverpackung muss die Dampfsterilisation ermöglichen, die Sterilität der Instrumente während des Transportes und bei entsprechender Lagerung, bis zur Anwendung am Patienten gewährleisten. Des Weiteren ist zu beachten, dass die Sterilgutverpackungen als Medizinprodukte (93/42/EWG) zugelassen sind und den einschlägigen Normen (z. B. DIN EN 868; DIN EN ISO 11607) entsprechen müssen.

1. Klarsicht-Sterilgutverpackung (Papier/Folie): Auf dem Markt werden heißsiegelfähige und selbstsiegelfähige/ selbstklebende Produkte angeboten. Für das zum Einsatz kommende Siegel-/Einschweißgerät sind unter Berücksichtigung der Angaben des Geräteherstellers und ggf. Prozessvalidierers die Intervalle von Routineprüfungen (z. B. Seal-Check, Tintentest), Wartungs- und Validierungsmaßnahmen festzulegen. In regelmäßigen Abständen müssen Siegelnaht-Zugfestigkeitsprüfungen (in Baden-Württemberg die behördlich akzeptierte Alternative zur Prozessvalidierung) sowie die Herstellung und Begutachtung von Probesiegelnähten (Peeltest) erfolgen. Beim Siegeln ist die Qualität der hergestellten Verpackungen ständig zu überwachen (Siegelnahtkriterien).

2. Sterilgut-Container: Bei den zum Einsatz kommenden Sterilgut-Containern sind die Angaben des Herstellers in puncto Bestückung mit Instrumenten, Verwendungsbegrenzung des Containerfilters, Sicherungsplombierung und die Container-Aufbereitung zu beachten. Der Austausch der Filter der Sterilgut- Container ist zu dokumentieren. Bei einem Sterilgut- Container ist der Nachweis einer durchgeführten thermischen Behandlung (z. B. in Form eines Behandlungsindikatorklebebands, eines einschiebbaren Behandlungsindikators bzw. Behandlungsindikator kombiniert mit der Sicherungsplombe) zu erbringen. Ist der Inhalt an Medizinprodukten nicht ersichtlich (z. B. bei einem Sterilgut-Container) werden die Erstellung einer Pack-/Siebliste (z. B. Dokument mit Foto der Containerbeladung und Bezeichnung der Medizinprodukte) und die Kennzeichnung z. B. des Sterilgut-Containers mit Verweis auf die Pack-/ Siebliste empfohlen.

3. Weichverpackungen (Bogenverpackungen, Sterilisationsvliese): Müssen in der Zahnarztpraxis größere und sperrige Chirurgie-Sets (z. B. Siebe, Kassetten, Implantatboxen) verpackt sterilisiert werden, kann es passieren, dass die klassische Klarsicht- Sterilgutverpackung mit Seitenfalte und/oder das vorhandene Siegel-/Einschweißgerät an „seine/ihre Grenzen stoßen“. Dann können Weichverpackungen (Bogenverpackungen, Sterilisationsvliese) eine echte Alternative darstellen.

Zur Weichverpackung sind flusenfreie und normkonforme Bogenverpackungen, Sterilisationsvliese (z. B. DIN EN 868; DIN EN ISO 11607) zu verwenden. Kommen Bogenverpackungen/Sterilisationsvliese zum Einsatz, ist auf die vom Hersteller vorgegebene normkonforme Falttechnik (Diagonal- oder Parallelverpackung) zu achten und ein entsprechend zugelassenes Klebeband als Behandlungsindikator der Klasse 1 (DIN EN ISO 11140-1) dient als „Verschluss“ der Weichverpackung. In puncto Pack-/Siebliste und Kennzeichnung gilt gleiches wie beim Einsatz von Sterilgut- Containern.

Für den Praxisführungsausschuss der LZK BW Dr. Hendrik Putze