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Kultur

„American Way of Life“ im Museum Frieder Burda

 

How real is real?

Ausgabe 3, 2018

Film und Fernsehen, Konsum und Kapital, Politik und Medien – sie alle leben von der Übertreibung, und sie alle sind damit per se Verbündete und Verbreiter der Lüge, des Fakes. Gleichzeitig sind sie es, die unser Bild von Amerika bis heute bestimmen – allein weil sie die Imaginationen amerikanischen Selbstverständnisses tatsächlich beherrschen. Die Images des „American Way of Life“, die in den Medien und der Unterhaltungsindustrie produziert werden, können bestehende Machtverhältnisse und Vorstellungen von Wirklichkeit zementieren, aber auch radikal in Frage stellen.

Mit rund 70 Meisterwerken der US-Gegenwartskunst, wie Andy Warhols Race Riot (1964), Jeff Koons’ lebensgroßer Skulptur Bear and Policeman (1988) oder Jenny Holzers Leuchtschriftinstallation Truisms (1994) zeigt die Ausstellung „America! America! How real is real?“ im Museum Frieder Burda, wie Künstler von den 1960er-Jahren bis heute die amerikanische Realität kommentieren – und damit auch, wie sich der amerikanische Umgang mit Wirklichkeit und Wahrheit in den vergangenen Jahrzehnten dargestellt hat. Denn das ambivalente Verhältnis von Real und Fake, die Strategien von Traum und Täuschung haben sich über Jahrzehnte hinweg auch immer wieder in der Bildkultur Amerikas niedergeschlagen – ob sie nun „nur“ gespiegelt oder aber souverän mit ihnen gespielt wurde. Mit zahlreichen internationalen Leihgaben und Werken aus der Sammlung Frieder Burda, in der die US-Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg einen wesentlichen Schwerpunkt bildet, lädt „America! America! How real is real?“ nun zu einer Exkursion durch diese visuelle Kultur Amerikas ein.

Gesellschaftswandel. Dabei zeigt die Ausstellung wie Künstler den Wandel der Gesellschaft, ihren Umgang mit Bild und Abbild, Realität und Täuschung mit immer wieder neuen Mitteln, Techniken und Strategien kommentieren. Sie streifen dabei unweigerlich sehr aktuelle Phänomene: Wenn „Fake News“ und „Alternative Facts“ inzwischen zu vielgebrauchten Schlagwörtern geworden sind, macht dies nur deutlich, wie in der realen Welt der Politik wie der Medien nicht mehr zwischen nachgewiesener Wirklichkeit und eindeutigen Falschaussagen unterschieden wird.

Erzählstruktur. Die amerikanische Kunst seit der Pop-Art hat daraufhin sehr verschiedene Erzählstrukturen entwickelt. Dabei geht es um eine radikale Hinwendung zu Themen des amerikanischen Alltags, seinen Mythen, Desastern und Projektionen, einer Bilderflut, die zusammen mit einer neuen Musik und einer aufregenden Erzählkultur in zahllosen Filmen Hollywoods sehr populär und unmittelbar aufbereitet wurde und in ihrem Sog auch ein breites Publikum in Europa mit sich reißen und begeistern konnte.

IZZ/Museum Frieder Burda