Informationszentrum Zahngesundheit

Eine Einrichtung der Zahnärzteschaft Baden-Württemberg

43. Jahrestagung der südbadischen Zahnärzteschaft in Rust

43. Jahrestagung der südbadischen Zahnärzteschaft in Rust Zahnerhaltung als Kernaufgabe zahnärztlicher Tätigkeit  

(April 2018). Schon in den vergangenen Jahren war der Zuspruch von Zahnärztinnen und Zahnärzten aus Baden-Württemberg und den Nachbarländern so groß, dass die südbadische Zahnärzteschaft angesichts von gut 2000 Kongressteilnehmern und einer großer Dentalausstellung von einer der beliebtesten Fortbildungsveranstaltungen in Deutschland sprechen kann. Die diesjährige Fortbildungstagung für Zahnmediziner hat der wissenschaftliche Leiter Prof. Dr. Elmar Hellwig, Freiburg unter das Thema „Zahnerhaltung einmal anders - Parodontologie und Endodontologie in der zahnärztlichen Praxis“ gestellt. Wie der Vorsitzende der Bezirkszahnärztekammer Freiburg, Dr. Peter Riedel, im Vorfeld ausführte, ermöglichen neue endodontische und parodontologische Konzepte, auch diejenigen Zähne zu erhalten, die man vor wenigen Jahren noch extrahiert hätte. „Auch wenn Implantologie und Prothetik vielversprechende Optionen nach Zahnverlust bieten, so bleibt der Fächerkanon Zahnerhaltung die Kernaufgabe der zahnärztlichen Tätigkeit.“ Endodontie Da in den letzten Jahren die Häufigkeit von endodontischen Maßnahmen dank moderner Schlüsseltechnologien stetig angestiegen ist, nimmt das Thema in der Fortbildungstagung der Bezirkszahnärztekammer Freiburg breiten Raum ein. Dieses Teilgebiet der Zahnheilkunde konzentriert sich auf die Wurzelkanalbehandlung und das im Innern eines jeden Zahnes befindliche Nervengewebe samt den versorgenden Blutgefäßen. Karies, Unfälle oder funktionelle Überlastungen können zu einer Entzündung bzw. Verletzung des Nervengewebes führen und einen Eingriff notwendig machen. Durch moderne Diagnose- und Behandlungsverfahren, den Einsatz optimierter Instrumente und Materialien können Wurzelkanalbehandlungen mit großer Zuverlässigkeit und Vorhersagbarkeit durchgeführt werden. Das gilt vor allem bei Zahnunfällen, über die Prof. Dr. Gabriel Krastl, Direktor der Poliklinik für Zahnerhaltung und Parodontologie in Würzburg, referieren wird. Kinder und Jugendliche, die am häufigsten von Unfällen mit Zahnbeteiligung betroffen sind, haben Zähne mit noch nicht abgeschlossenem Wurzelwachstum. Mit vitalerhaltenden Maßnahmen kann erreicht werden, dass die Zahnwurzeln ihr Längen- und Dickenwachstum fortsetzen und der Zahn langfristig erhalten werden kann. In vielen Fällen ist eine kieferorthopädische oder chirurgische Extrusion (von extrudere = herausdrängen) ein sinnvoller Weg im Sinne der Zahnerhaltung. Über die „forcierte Extrusion als Behandlungskonzept für ausweglose Fälle“ wird Dr. Gernot Mörig, Düsseldorf, sprechen. Er kann erläutern, dass unter Einsatz kieferorthopädischer Prozeduren sogar  Zähne, die unter Knochenniveau frakturiert  sind, durch diese Maßnahme elongiert und dadurch gerettet werden können. Darüber hinaus wird sein Vortrag zeigen, wie durch Anregung der körpereigenen Kompetenz neuer Knochen hinzugewonnen wird. Diese Therapie kommt ohne körperfremde Materialien und meist ohne Antibiotika aus. Milchzähne erhalten Die „Endodontie bei Milchzähnen" behandelt Dr. Hubertus von Waes von der Klinik für Kinderzahnmedizin in Zürich. Er schildert die verschiedenen Vorgehensweisen, mit denen schwer zerstörte Kindermilchzähne erhalten werden können. Dazu gehören Verfahren wie eine indirekten Überkappung oder die Pulpektomie, bei der das Zahnmark vollständig entfernt wird und gesunden Wurzelpulpen mit Medikamenten überdeckt werden, um diese vital zu erhalten. Mehrere Faktoren sind für den Erfolg dieser Maßnahme wichtig: Die Pulpa sollte möglichst steril und atraumatisch amputiert und mit einem möglichst physiologischen, selbstdesinfizierenden, bioinduktiven, Material überdeckt werden. Der dauerhafte Erfolg jeder endodontischen Behandlung hängt jedoch zum großen Teil davon ab, wie vollständig es gelingt, das komplizierte Wurzelkanalsystem von Bakterien, deren Stoffwechsel-Produkten und den Resten des zerfallenen Zahnmarks zu reinigen. Ein weiteres wichtiges Thema des Kongresses dreht sich daher um die Revision einer bereits erfolgten Wurzelkanalbehandlung, die dank neuer Techniken und neuer Erkenntnisse im Bereich der Mikrobiologie durchaus erfolgreich ist. Prof. Dr. Michael Hülsmann von der Poliklinik für Präventive Zahnmedizin, Parodontologie und Kariologie in Göttingen, wird erläutern, in welchen Fällen eine erneute Wurzelkanalbehandlung angezeigt ist. Diagnostik und Therapieplanung in der zeitaufwendigen Endodontie ist das Thema von PD Dr. David Sonntag, Düsseldorf. Zusammen mit dem Vortrag von Dr. Christoph Kaaden, München, über den endodontischen Workflow in der täglichen Praxis, erfährt man hier nicht nur viel Neues zu den theoretischen Grundlagen, sondern die Referenten gehen mit vielen Fallbeispielen auch gezielt auf das praktische Arbeiten und Assistieren ein. Ferner werden viele kleine Tipps und Tricks gezeigt, die den Behandlungsablauf erleichtern sollen. Parodontaltherapien Der langfristige Erhalt natürlicher Zähne in einem gesunden, funktionellen, ästhetisch akzeptablen und schmerzfreien Zustand ist nur dann möglich, wenn auch dem Zahnhalteapparat genügend Aufmerksamkeit gewidmet wird. Wie man in der Parodontologie durch die Beherrschung von Infektionen eine fortschreitende Zerstörung des Zahnhalteapparates Einhalt gebietet, zeigt Univ.-Prof. Dr. Peter Eickholz auf. Der Direktor der Poliklinik für Parodontologie am Zentrum für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde der Universität Frankfurt am Main plädiert dafür, dass eine Parodontaltherapie so wenig invasiv wie möglich und so invasiv wie nötig durchgeführt wird. „Behandlungskonzepte für eine regenerative Parodontaltherapie“ kommen von Univ.-Prof. Dr. Henrik Dommisch von der Berliner Charité. Dieser Vortrag wird einen Überblick hinsichtlich der Indikationsbereiche für die Regeneration bieten, die unterschiedlichen regenerativen Techniken vorstellen sowie die wissenschaftlichen Evidenz beleuchten. Dabei gilt sein Augenmerk den im Rahmen regenerativ-chirurgischer Eingriffe eingesetzten Biomaterialien, für die es inzwischen eine Vielzahl wissenschaftlicher Untersuchungen gibt, die den Einsatzbereiche sowie die Vorhersagbarkeit der Anwendung zum Inhalt haben. Prof. Dr. Petra Ratka-Krüger, Leiterin der Sektion Parodontologie an der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie der Universität Freiburg, wird sich zum Abschluss der Tagung mit „chirurgischen Optionen bei Rezessionen“ beschäftigen. Exponierte Wurzeloberflächen, die bei vielen Patienten vorhanden sind und sich in Zahnhalsüberempfindlichkeit und Wurzelkaries manifestieren, können oft nur mit Hilfe der plastischen Parodontalchirurgie therapiert werden. Auch Verfahren der gesteuerten Geweberegeneration werden heute zur Rezessionsbehandlung herangezogen. Die Transplantation von Bindegewebe oder Gingiva zur Wurzeldeckung kann zu Komplikationen an der Entnahmestelle der Transplantate führen. Daher wurden unterschiedliche Ersatzmaterialien entwickelt, für die noch keine Langzeitergebnisse vorliegen, die jedoch erste vielversprechende Erfolge zu verzeichnen haben. Spezialpodien Eingebettet in den wissenschaftlichen Kongress sind in diesem Jahr drei Spezialpodien: Die Foren Kieferorthopädie und Oralchirurgie wurden in den vergangenen Jahren sehr gut angenommen, zumal sie vom fachlichen Update über moderne Therapieverfahren bis zu nicht alltäglichen klinischen Fragestellungen alles umfassen, was nicht nur den Spezialisten, sondern auch den Generalisten interessiert. In diesem Jahr kommt noch ein Forum für Zahntechniker hinzu, sodass sich erstmalig die gesamte „Dentalfamilie“ in Rust trifft.

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