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Wissenschaft

Gemeinsame Studie der Universität Heidelberg und Universität Marburg

 

COPD und Parodontitis – gibt es einen Zusammenhang?

Ausgabe 5, 2018

Die Thoraxklinik der Universität Heidelberg führt derzeit in Zusammenarbeit mit der Poliklinik für Zahnerhaltung der Universität Heidelberg und dem Universitätsklinikum Marburg eine Studie durch. Ziel ist die Untersuchung der Wirksamkeit einer Parodontalbehandlung auf die systemische Inflammation und Prävention von Exazerbationen bei Patienten mit chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD). Es handelt sich um eine multizentrische, prospektive, randomisierte, kontrollierte Parallel-Gruppen-Pilotstudie.

Parodontale Gesundheit und systemische Erkrankungen hängen untrennbar zusammen. Auch wenn die Mechanismen komplex und noch nicht vollständig verstanden sind, gilt ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und koronarer Herzkrankheit, Diabetes mellitus, Frühgeburtlichkeit sowie Untergewichtigkeit von Neugeborenen, rheumatoider Arthritis und Pneumonie inzwischen als unbestritten und wissenschaftlich erwiesen.

Tödliche Erkrankung. In den letzten zwei Jahrzehnten ist der Zusammenhang zwischen Parodontitis und chronisch obstruktiver Lungenerkrankung (COPD) immer mehr in den Fokus des Interesses gelangt. Die COPD zählt weltweit zu den häufigsten und tödlichsten Erkrankungen überhaupt. In Deutschland sind von den über 40-Jährigen etwa zehn bis zwölf Prozent betroffen. Die Erkrankung ist nicht heilbar und schreitet stetig voran. Bis zum Jahr 2020 wird die COPD weltweit den dritten Platz unter den häufigsten zum Tode führenden Krankheiten einnehmen.

Exazerbationen. Plötzliche und akute Verschlechterungen einer COPD werden als sog. Exazerbationen bezeichnet. In über 30 Prozent der Fälle ist die Ätiologie für diese Exazerbation unbekannt. Jede Exazerbation bedarf in der Regel intensiver medizinischer Behandlung, verschlechtert die Lebensqualität des betroffenen Patienten und erhöht die Mortalität. Deshalb ist es eines der wichtigsten Ziele, effektive Therapien zu entwickeln, um das Risiko für Exazerbationen zu senken und Exazerbationen zu verhindern.

Epidemiologische Studien. Da bereits mehrere epidemiologische Studien den Zusammenhang zwischen chronischer Parodontitis und COPD untersucht und eine positive Assoziation gefunden haben, gilt auch der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Exazerbation der COPD als sehr wahrscheinlich. Es wird eine komplexe Interaktion zwischen der entzündlichen Erkrankung und dem erhöhten Grad der systemischen Entzündung mit zirkulierenden Entzündungsmediatoren wie hochsensitives Creaktives Protein (hsCRP), Fibrinogen (FB), Leukozyten (WBC), Metalloproteinasen (MMP-8, MMP-9) und Interleukinen (IL-6, IL-1-beta) angenommen. Bis heute ist der Effekt einer parodontalen Behandlung auf die Häufigkeit des Auftretens akuter Exazerbationen bei COPD aber nicht ausreichend untersucht.

Pilotstudie. Die Thoraxklinik der Universität Heidelberg führt derzeit in Zusammenarbeit mit der Poliklinik für Zahnerhaltung der Universität Heidelberg und dem Universitätsklinikum Marburg eine multizentrische, prospektive, randomisierte, kontrollierte Parallel- Gruppen-Pilotstudie (EXperTENTION- Trial) durch. Dabei wird untersucht, ob bei Patienten mit COPD, die gleichzeitig eine Parodontitis aufweisen, durch gute Mundhygiene und Behandlung der bestehenden Parodontitis die Häufigkeit von Exazerbationen gesenkt werden kann.

Hierzu wird der Effekt einer Parodontalbehandlung auf das CRP im Blut und auf die Zeit bis zum Auftreten einer Exazerbation untersucht. Gleichzeitig wird die Korrelation der Biomarker MMP- 8, IL-6 und IL-1-beta im Blut und im gingivalen Sulkusfluid untersucht sowie das parodontale Mikrobiom und das Mikrobiom in Speichel/Sputum verglichen.

Diese Studie wird unter Leitung von Prof. Dr. Michael Kreuter, Thoraxklinik des Universitätsklinikums Heidelberg, und dem Vorsitzenden der internationalen GOLD-Komitees, der internationalen COPD Leitlinie, Prof. Vogelmeier von der Universität Marburg, durchgeführt.

Dr. Claudia Bauer-Kemeny, Universitätsklinikum Heidelberg