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Fluoridlack verhindert Entstehung von Karies

IQWiG mit „Rapid Report“ im beschleunigten Verfahren

 

„Fluoridlack trägt wirksam zur Remineralisierung der Zahnoberfläche bei und verhindert die Entstehung und das Fortschreiten von Karies.“ Zu dieser Bewertung kommt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) im „Rapid Report“ zur „Fluoridlackapplikation im Milchgebiss zur Verhinderung von Karies“. Besonders bei kleinen Kindern biete der Einsatz von Fluoridlack Vorteile. Nach dem Aufbringen des Lacks sei Karies an Milchzähnen seltener aufgetreten als bei der Versorgung ohne Fluoridierung. „Das IQWiG leistet mit seiner Analyse und Bewertung einen wertvollen Beitrag um die derzeitige, durch eine Zahnpastawerbung entfachte Diskussion zum Nutzen der Fluoridierung wieder zu versachlichen“, betonte Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der KZV BW.

Zwar verbessert sich generell die Mundgesundheit in Deutschland kontinuierlich, wie die Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie nachweist; auch Karies ist in Deutschland stark rückläufig, die Zahl der kariesfreien Gebisse hatte sich bei 12-jährigen Kindern von 1997 bis 2014 verdoppelt. Problematisch allerdings: Bei unter 3-Jährigen gibt es „fast keinen Rückgang solcher Zahnschäden“, stellte das Institut fest. Im Durchschnitt lasse sich bei rund 14 Prozent der 3-Jährigen in Deutschland Karies an den Milchzähnen feststellen.
 

Rapid Report. Beauftragt vom Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA), gingen externe Sachverständige und Wissenschaftler des IQWiG der Fragestellung nach, ob das Aufbringen von Fluoridlack im Milchgebiss Vorteile bietet im Vergleich zur üblichen Versorgung ohne spezifische Fluoridierungsmaßnahmen. Der G-BA hatte den Auftrag verknüpft mit der Anforderung eines Bericht im beschleunigten Verfahren, daher die Bezeichnung „Rapid Report“. Untersucht wurden nach Angaben des Instituts „Ergebnisse aus 15 randomisierten kontrollierten Studien (RCTs), in denen insgesamt 5.002 Kinder mit Fluoridlack behandelt wurden, während 4.705 Kinder keine Fluoridierung erhielten“.  

Die Ergebnisse der Studien seien „sehr heterogen“ gewesen, bemerken die Autoren, dennoch „ließ sich ein deutlicher Vorteil von Fluoridlack feststellen: Nach dem Aufbringen des Lacks trat Karies an Milchzähnen seltener auf als ohne Fluoridierung. Bei etwa jedem 10. Kind könnte damit Karies gänzlich verhindert werden.“ Sofern bereits Karies aufgetreten ist, könne „zumindest das Fortschreiten vermindert“ werden. In der IQWiG-Pressemeldung heißt es weiter: „Für den Nutzen des Fluoridlacks war es offensichtlich egal, ob die Kleinkinder bereits Karies oder noch ganz gesunde Zähne hatten.“  

In Bezug auf Zahnerhalt, Zahnschmerzen und dentale Abszesse bleibe der Nutzen der Fluoridlackapplikation mangels aussagekräftiger Daten unklar. Die Wirksamkeit zur Remineralisierung der Zahnoberfläche und zur Verhinderung der Entstehung wie auch des Fortschreitens von Karies dagegen ist deutlich.. Speziell bei kleinen Kindern biete der Einsatz von Fluoridlack Vorteile, weil er schnell aushärten würde.

guido.reiter@kzvbw.de

Info:
Im Auftrag des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) hat das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) die „Fluoridlackapplikation im Milchgebiss zur Verhinderung von Karies“ untersucht und die Ergebnisse in einem „Rapid Report“ zusammengestellt. Der Bericht ist vollumfänglich im Internet erhältlich:

www.iqwig.de/download/N17-03_Fluoridlackapplikation-im-Milchgebiss_Rapid-Report_V1-0.pdf