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Berufspolitik

Klausurtagung des LZK-Vorstandes

 

Qualitätsförderung ist originäre Aufgabe des Berufsstandes

Ausgabe 7, 2018

Der LZK-Vorstand ging von 4. bis 5. Mai 2018 in Klausur. Der erste Tag war dem Thema „Qualitätsdefinitionen und Qualitätsdimensionen der zahnärztlichen Versorgung in Deutschland“ und den Konsequenzen für Patient und Profession vorbehalten. Am zweiten Tag stand das Thema „Status quo und neue Qualitätsinitiativen der Zahnärzteschaft in Baden-Württemberg“ auf der Agenda. Auf der Basis umfangreicher Informationen durch die geladenen Referentinnen und Referenten und nach intensiver Diskussion positionierte sich der LZK-Vorstand zum Abschluss seiner Klausurtagung inhaltlich zu den beiden Themenkomplexen mit einem Memorandum.

Zur Thematik des ersten Klausurtages hatte der LZK-Vorstand Dr. Martina Lietz aus dem Ressort Nicht-medikamentöse Verfahren beim Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) und den wissenschaftlichen Direktor des Instituts Deutscher Zahnärzte (IDZ), Prof. Dr. Rainer Jordan, eingeladen. Der Zeitpunkt der Klausurtagung war bestens gewählt – seit 30. April lag der Abschlussbericht des Auftrags N15-01 „Bewertung der systematischen Behandlung von Parodontopathien“ vor, den der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am 19.3.2015 erteilt hatte. Der Vorbericht vom 24.1.2017 erhitzte die Gemüter. Mit Dr. Martina Lietz war nun die Autorin des Abschlussberichtes zur systematischen Behandlung von Parodontopathien anwesend und konnte aus erster Hand berichten. In ihrem Vortrag gab sie zunächst einen Einblick in Aufgaben, Methoden und Verfahren der Qualitätsprüfung im Bereich der zahnärztlichen Versorgung durch das IQWiG und ging dann exklusiv auf die Ergebnisse des vorliegenden Abschlussberichtes zur systematischen Behandlung von Parodontopathien ein. Inzwischen gibt es für sechs Therapieansätze einen Hinweis oder Anhaltspunkte für einen höheren Nutzen. Beim Vorbericht waren es lediglich zwei Behandlungsarten gewesen. Das IQWiG arbeitet evidenzbasiert und setzt bei der Methodik vor allem auf Randomized Controlled Trials (RCT), weil „ein kausaler Nutzennachweis ausschließlich mit RCTs erfolgen kann und RCTs die höchste Ergebnissicherheit haben“, so Dr. Lietz. Die Randomisierung, die gleichmäßige Verteilung von Störfaktoren, die verdeckte Gruppenzuteilung und die Verblindung seien wesentliche Qualitätsansprüche von RCTs. Das Ergebnis des Abschlussberichtes sei gegenüber dem Vorbericht auch deshalb deutlich besser ausgefallen, weil dem IQWiG zusätzliche RCT-Studien zur Verfügung standen und weitere Auswertungen möglich waren. Hinzu kam, dass Daten aus bereits eingeschlossenen Studien erstmals verwertet werden konnten.

Prof. Jordan kritisierte den alleinigen Einbezug von RCT-Studien, einer noch jungen Wissenschaftsdisziplin, die noch Zeit brauche, um ausreichend Studien vorzulegen. Er forderte den Einbezug auch anderer Studienarten. Zudem sollten nicht nur klinisch relevante Endpunkte wie z. B. Attachment- oder Zahnverlust, sondern auch patientenrelevante Parameter wie die Lebensqualität in die Bewertung einfließen, betonte Prof. Jordan.

In der sich anschließenden Diskussion, die von Dr. Norbert Engel moderiert wurde, lobte LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert die Arbeit von Dr. Lietz. Der Abschlussbericht zeige, dass das IQWiG nicht beratungsresistent sei. Es habe Kritikpunkte wie die mangelnde Patientenorientierung aufgenommen und weitere Studien einbezogen.


Netzwerk Versorgungsforschung. Den zweiten Tag der Klausurtagung eröffnete Prof. Dr. Stefan Listl von der Universität Radboud in den Niederlanden. Prof. Listl ist Inhaber des Lehrstuhls „Quality and Safety of Oral Health Care“ an der Radboud Universität in den Niederlanden sowie Leiter der Sektion Transnationale Gesundheitsökonomie der Universität Heidelberg. Prof. Listl führte aus, dass die Gesundheitsausgaben weltweit steigen. Bei begrenzten Ressourcen steige damit der Kostendruck. Der drittgrößteAusgabenposten sind die Munderkrankungen. Die höchsten Kosten entstehen durch Diabetes. Die Gesundheitsökonomie beschäftigt sich damit, wie das Wohlbefinden der Bevölkerung mit den vorhandenen verfügbaren Ressourcen optimiert werden kann. „Nicht, wie die Kosten reduziert werden können“, betonte Prof. Listl.

Im Folgenden stellte Prof. Listl drei internationale Projekte vor, an denen er mitarbeitet und erörterte Möglichkeiten und Perspektiven der Gründung eines zahnärztlichen Netzwerkes Versorgungsforschung in Baden-Württemberg, unter Einbeziehung der Landeszahnärztekammer.

Im abschließenden Vortrag des Tages nahm Akademie-Direktor und Unterarbeitsgruppenmitglied Prof. Winfried Walther eine Qualitätsanalyse aus Sicht der Wissenschaft und des niedergelassenen Praktikers vor. Prof. Walther plädierte dafür, die Synergien zwischen Praxis und Wissenschaft zu nutzen, um die Versorgung für den Patienten zu verbessern.

» mader@lzk-bw.de

 

Starke Argumente für Vergütungsverhandlungen

 

ZäPP: Vorsprung durch Strategie und Daten

Ausgabe 7, 2018

Wie bereits im vergangenen Jahr kommt Mitte Juli wieder ZäPP in die Zahnarztpraxen in Baden-Württemberg: ZäPP steht für Zahnärzte- Praxis-Panel und meint die Erhebung und den Aufbau einer neuen, qualitativ hochwertigen Datenbasis zur Kostenstruktur in den Praxen, die eine starke Vertretung der zahnärztlichen Interessen in Vergütungsverhandlungen mit den Krankenkassen ermöglichen wird. Im Jahr 2017 wurde ZäPP erstmals im Auftrag der KZV BW in Baden-Württemberg durchgeführt. Ab 2018 wird die Erhebung bundesweit in allen KZV-Bereichen eingeführt. Dadurch kann die bisherige statistische Erhebung für das KZBV-Jahrbuch entfallen und zugleich auf eine breitere Basis gestellt werden. Eminent wichtig: die Unterstützung und Teilnahme der Zahnärztinnen und Zahnärzte in Baden-Württemberg.

Rückblende. „Die KZV Baden- Württemberg hat mit ZäPP bereits im vergangenen Jahr sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Teilnehmerquote war mit über 11 Prozent sehr zufriedenstellend, dadurch konnten die Ergebnisse bereits in den Vertragsverhandlungen mit den Krankenkassen im Jahr 2018 mit verwendet werden“, sagte die Vorstandsvorsitzende der KZV Baden- Württemberg Dr. Ute Maier. Im Jahr 2017 wurden im Bereich der KZV BW Insgesamt 4.660 Praxen angeschrieben (alle Praxen, die zwei Jahre lang in gleicher Praxiskonstellation gearbeitet haben), davon haben 542 Praxen geantwortet (11,6 Prozent) und 533 Fragebogen konnten für die Auswertung herangezogen werden (11,4 Prozent). Maier: „Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein großes Dankeschön, verbunden mit der Bitte, auch zukünftig an dieser wichtigen Aktion teilzunehmen um die Rückläuferquote weiter zu erhöhen.“

Ein großes Thema im Berufsstand sind die deutlich zunehmenden Kosten im Zusammenhang mit z. B. den gestiegenen Anforderungen an Hygienemaßnahmen, Dokumentation und Datenschutz. „Bei der Bemessung der Vergütung muss dies Berücksichtigung finden“, bringt es die Vorstandsvorsitzende auf den Punkt. Die Informationen aus ZäPP über die wirtschaftliche Situation der Zahnarztpraxen sollen die notwendige Grundlage schaffen, um mit belastbaren Daten und noch stärkeren Argumenten die Interessen der Zahnärztinnen und Zahnärzte in den Verhandlungen mit den Krankenkassen optimal vertreten zu können.

Bundesweit. Nachdem die KZV BW sowie die KZV Nordrhein bereits positive Erfahrungen mit ZäPP gemacht haben, hat sich die KZBV nun dazu entschieden, anstatt der bisherigen Kostenstrukturerhebung das ZäPP bundesweit in allen KZV-Bereichen durchführen zu lassen. Hierfür hat man sich – wie die KZV BW bereits im Vorjahr – für das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung in Deutschland, kurz „Zi“, entschieden. Das Zi hat mit Praxisdatenerhebungen bereits jahrelange Erfahrung im ärztlichen Bereich, es ist ein renommiertes und von vielen Seiten anerkanntes und geschätztes Forschungsinstitut, dessen Erhebungen auch im Bewertungsausschuss der Ärzte berücksichtigt werden. Dass nun die KZBV denselben Weg einschlägt, zeigt, dass die KZV BW mit ihrer Entscheidung, die Kostenstrukturen in den Praxen über ein wissenschaftliches Institut evaluieren zu lassen, genau richtig lag. Die Erfahrungen aus der letztjährigen Erhebung in Baden-Württemberg sind in die Umfrage der Bundesebene eingeflossen.

Strategie. „ZäPP ist konzeptionell sattelfest und strategisch angelegt“, so Dr. Ute Maier. Ziel ist eine wissenschaftlich fundierte Erhebung und Analyse der Kostenstrukturen in den Zahnarztpraxen über mehrere Jahre, um deren Entwicklung nachvollziehen und nachweisen zu können. Unerlässlich ist dafür die hohe Akzeptanz bei den Zahnärztinnen und Zahnärzten.

Das Zi, das von der KBV und den Kassenärztlichen Vereinigungen der Länder getragen wird, hat fundierte Kenntnisse über die Einflussfaktoren (zahn-)ärztlicher Versorgung. Um Vertraulichkeit, Schutz und Anonymität der Daten zu gewährleisten, wird eine unabhängige Treuhandstelle eingeschaltet. Personenbezogene Informationen der Zahnarztpraxen auf dem Deckblatt des Fragebogens werden dadurch strikt von den im ZäPP gespeicherten, pseudonymisierten Erhebungsdaten des Fragebogens getrennt. Für das Zi wie auch für die KZV sind Rückschlüsse auf die einzelne Zahnarztpraxis anhand der im ZäPP gespeicherten und ausgewerteten Daten absolut ausgeschlossen.

Erhebung 2018. In der zweiten Julihälfte erhalten die Praxen in Baden-Württemberg vom Zi die Erhebungsunterlagen mit dem Fragebogen für das ZäPP (Voraussetzung: zwei Jahre lang gleiche Praxiskonstellation). Das Zi betont, dass zur Bearbeitung umfangreiche Hilfestellungen gegeben werden. Die Bearbeitung ist auch im Online-Portal www.zäpp.de möglich, der Registrierungsschlüssel ist in den Informationen enthalten.

Der Fragebogen besteht wieder aus drei Teilen. In Teil A werden Angaben zur Praxisstruktur und Praxisorganisation (z. B. Räumlichkeiten, Personal, Wochenarbeitszeit) in den Jahren 2016 und 2017 erfragt. In Teil B sind Angaben zu den erbrachten Leistungen im GKV- und PKV-Bereich in den Jahren 2016 und 2017 zu machen. Die Zahlen zum GKVBereich kann jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer aus seinem persönlichen Dokumentenbereich von der Website der KZV BW herunterladen. Die Zahlen zum PKVBereich sind mit Hilfe des Praxisverwaltungssystems zu ermitteln. In Teil C werden die Finanzdaten der Praxis erfragt. Die Finanzdaten sind durch den Steuerberater auszufüllen. Zur Vereinfachung hat das Zi für Steuerberater ein Softwaremodul entwickelt, das die ZäPP-Fragenstruktur unterstützt und die geforderten Zahlen für 2016 und 2017 generiert. Damit die Zahlen aus den einzelnen Jahren miteinander verglichen werden können, müssen immer die Zahlen des steuerlichen Jahresabschlusses zugrunde gelegt und übermittelt werden. Hat eine Praxis bereits im letzten Jahr teilgenommen und daher Daten inklusive 2016 geliefert, ist nun eine Datenlieferung lediglich für 2017 ausreichend, was den Aufwand für den Teilnehmer deutlich reduziert.

Das Fristende für die Rücksendung der Erhebungsunterlagen an das Zi ist der 30. September 2018. Bis Ende Januar 2019 wird das Zi die Erhebungsunterlagen auswerten und der KZV BW die Ergebnisse für die Vergütungsverhandlungen 2019 zur Verfügung stellen.

Benefit. Den großen Nutzen hat nach Meinung von Dr. Ute Maier die gesamte Zahnärzteschaft in Baden-Württemberg. Durch ZäPP erhält die KZV BW spezifisches, aussagekräftiges und belastbares Datenmaterial über die Kostenentwicklungen in den Praxen im Land, was wiederum die Verhandlungsposition der KZV BW stärkt und schlussendlich dem einzelnen Zahnarzt zugutekommt. Von großem Mehrwert sind für jeden teilnehmenden Zahnarzt die Feedbackberichte des Zi mit einer Chefübersicht, die eine Verlaufsbetrachtung der wirtschaftlichen Entwicklung der eigenen Praxis beinhaltet, sowie einem Praxisbericht mit Vergleichen der Praxisdaten zur Zahnärzteschaft in Baden- Württemberg. Auch wenn es etwas Aufwand bedeutet, so wird der Teilnehmer mit einer Aufwandspauschale entschädigt.

„Wir Zahnärzte werden einen Benefit davon haben“, bekräftigt Dr. Ute Maier. „Ich möchte Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen deshalb wieder um ihre Unterstützung für ZäPP bitten – ganz in Ihrem eigenen Interesse. Machen Sie mit!“ Wird der vollständig ausgefüllte und vom Steuerberater testierte Fragebogen innerhalb der Rücksendefrist zurückgeschickt, gibt es als finanzielle Anerkennung für den Aufwand eine Pauschale. Nach Abschluss der Erhebung erhalten die teilnehmenden Praxen zudem individuelle Praxisberichte, die die eigenen Eckdaten zusammenfassen und einen Vergleich mit landesweiten Durchschnittswerten erlauben. Diese Informationen können dann auch als Planungsinstrumente für die Praxis genutzt werden. Bei regelmäßiger Teilnahme am ZäPP werden die Praxisberichte und somit die individuellen Praxisauswertungen und Planungsmöglichkeiten für den Praxisinhaber von Jahr zu Jahr interessanter und wertvoller.

» guido.reiter@kzvbw.de

 

DSGVO-Seminar der BZK Stuttgart

 

Fit für das neue Datenschutzrecht in der Praxis

Ausgabe 7, 2018

Über 700 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an drei Seminartagen! Die seit 25. Mai 2018 geltende europäische Datenschutz-Grundverordnung ist aktuell das Megathema in den Zahnarztpraxen. Bei den drei Seminaren der Bezirkszahnärztekammer Stuttgart in Heilbronn, Schwäbisch-Gmünd und Filderstadt gab Dr. Hendrik Putze, Referent für Praxisführung und Digitalisierung der BZK Stuttgart und Mitglied der LZK-Task Force zur EU-DSGVO einen kompakten Überblick zur praktischen Umsetzung des neuen Datenschutzrechts in der Zahnarztpraxis.

Ein wenig überwältigt war Dr. Hendrik Putze dann schon als er vom Podium der Heilbronner Harmonie auf die bis auf den letzten Platz gefüllten Reihen blickte. „Da habe ich mir was eingebrockt – ich bin ja eigentlich Zahnarzt“. Damit spielte er geschickt auf die Konzeption der Seminarreihe an. „Das Besondere an dem Vortrag ist, dass ein Zahnarzt und kein Jurist oder ITler vor Ihnen steht, der Ihnen seine Dienste verkaufen möchte“. Juristische Unterstützung hat er sich dennoch ins Boot geholt, mit Stefan Oschmann, dem Leiter der Rechtsabteilung und Datenschutzbeauftragten in der LZK-Geschäftsstelle. Denn primäres Anliegen von Dr. Putze ist es, „den Praxen die praktische Umsetzung des neuen Datenschutzrechts in der Praxis juristisch korrekt und doch so einfach und praktikabel wie möglich näherzubringen“.

Online-Handreichung. Praktikabel und bis ins Detail durchdacht, ist die Online-Handreichung zur EUDSGVO, die Dr. Putze und Stefan Oschmann als Mitglieder der vom LZK-Vorstand eingerichteten Task Force zum neuen Datenschutzrecht in den vergangenen Wochen erarbeitet haben: Neun Kapitel umfasst die Handreichung, die sich im LZK-Internetauftritt unter Zahnärzte – Praxisführung – EU-Datenschutz-Grundverordnung befindet, bisher. Ein zehntes und letztes Kapitel wird in Kürze verfügbar sein. Rechtzeitig zu Seminarbeginn steht auch die gesamte Ordnerstruktur mit Merkblättern als Zip-Datei zum Download bereit. Und seit dem 29.5.2018 listet ein Änderungsprotokoll chronologisch alle Änderungen des Projektes auf. Kapitel für Kapitel ging Dr. Putze diese Handreichung im Seminar durch, erläuterte den Aufbau im Webauftritt und gab den Kolleginnen und Kollegen neben praktischen Tipps immer auch seine persönlichen Erfahrungen und Lösungen weiter.

 

Sein besonderes Anliegen: Der interne Datenschutzbeauftragte. „Keiner kennt die Praxisabläufe so gut wie die Mitarbeiter der Praxis und schlussendlich ist der Praxisinhaber ohnehin verantwortlich. Und mit dem Thema Schweigepflicht gehen wir Zahnärzte schon immer verantwortungsvoll um.“ Für den intern bestellten Datenschutzbeauftragten sprechen außerdem die deutlich geringeren Kosten und die Tatsache, dass die Empfehlungen eines externen Datenschutzbeauftragten immer auf das Maximale zielen, was in der Praxis oft gar nicht so umzusetzen ist, so Dr. Putze.

Mit den zur Verfügung gestellten Informationen, Mustertexten und Musterverträgen ist jede Zahnarztpraxis in der Lage, die Anforderungen des neuen Datenschutzrechts zu erfüllen, verspricht der Datenschutzexperte. Dr. Putze informierte die Kolleginnen und Kollegen außerdem, mit welchen Dienstleistern welche Verträge abzuschließen sind, welche Informationen Patienten erhalten müssen und welcher Text auf der Praxishomepage stehen muss. Trotz des ausführlichen Vortrags hatten die Teilnehmer noch viele Fragen – Dr. Putze und Stefan Oschmann blieben aber bis die letzte Frage geklärt war.

» mader@lzk-bw.de

 

„Datenschutz müssen Sie alle umsetzen“

 

Datenschutz Kompakt – KZV bietet Seminar für Zahnarztpraxen

Ausgabe 7, 2018

Die neue Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union (EU-DSGVO), die seit Ende Mai 2018 in allen Mitgliedsstaaten anzuwenden ist, beschäftigt die öffentliche Diskussion seit Monaten. Dem berechtigten politischen Ziel nach einem möglichst umfassenden Schutz persönlicher Daten steht ein ebenso berechtigtes Interesse von Unternehmen genauso wie von Arzt- und Zahnarztpraxen gegenüber, nicht durch unbewusste und unbeabsichtigte Verstöße gegen die Verordnung Abmahnungen und schmerzhaften Bußgeldern ausgesetzt zu sein.

Im Gegensatz zu großen Konzernen, die sich mit Heerscharen von Fachanwälten rechtzeitig auf die Veränderungen im Datenschutzrecht vorbereiten konnten, waren und sind gerade Zahnarztpraxen mit verschiedenen Auflagen konfrontiert, deren lückenlose Umsetzung sehr komplex ist. In einer von der KZV Baden- Württemberg als Service für die Zahnärzteschaft angebotenen Seminarreihe erläutert die Datenschutzbeauftragte und Datenschutzauditorin Rebecca Wiemer von Wiemer und Arndt – Datenschutz & Online Marketing UG, welche Fragen aufgrund der Datenschutzgrundverordnung in Angriff genommen werden müssen. Unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Niederlassungsformen gibt die Expertin wertvolle Tipps und demonstriert ganz praktisch, wie die Umsetzung am besten gelingen kann.

Datenschutzbeauftragter. So sei die sofortige Bestellung eines fachlich qualifizierten Datenschutzbeauftragten für Zahnarztpraxen mit zehn oder mehr Beschäftigten vorgeschrieben. Bei der Auswahl des Datenschutzbeauftragten sei darauf zu achten, dass nicht nur das nötige Wissen über die Rechtslage vorhanden ist, sondern der Mitarbeiter auch entsprechende IT-Kenntnisse mitbringt und in seiner täglichen Arbeit mit der EDV beschäftigt ist. Notwendig sind überdies regelmäßige Fortbildungen. Der Datenschutzbeauftragte soll nicht nur die Umsetzung von Datenschutzvorgaben sicherstellen, sondern auch bei der Erstellung von Dokumentationen unterstützen, weitere Beschäftigte schulen und die Kommunikation mit den Aufsichtsbehörden erledigen.

Verarbeitung von Daten. Zur Wahrung der Rechte der Betroffenen ist die Informationspflicht bei der Erhebung persönlicher Daten zentral. Diese erstreckt sich auf die Art der zu verarbeitenden Daten, deren Weitergabe, den Zweck der Verarbeitung, die zum Schutz dieser Daten vorgenommenen Maßnahmen sowie die Erreichbarkeit des Datenschutzbeauftragten. Diese Information zur Erhebung personenbezogener Daten muss dabei weder unterschrieben noch mit nach Hause gegeben werden. Auch stehen Praxen nicht in der Pflicht, diese in unterschiedlichen Sprachen bereitzustellen. Ein Exemplar in englischer Sprache vorzuhalten, sei jedoch empfehlenswert. Dazu kommt das Recht auf Berichtigung, Löschung und Sperrung von Daten, wenn Betroffene die Einwilligung widerrufen oder Daten zu Unrecht verarbeitet wurden. Zudem müssen Daten in EDV-Systemen den Patienten auf Verlangen in einem gängigen Format übergeben werden. Auch hatte die Referentin zahlreiche konkrete Tipps, wie die Zahnarztpraxen Datensicherheit in ihrer EDV gewährleisten können (Näheres erläutert der von KZBV und BZÄK herausgegebene Leitfaden).

Sanktionen. Die Frage, die wohl alle Praxisinhaber interessiert, betrifft die drohenden Sanktionen im Falle eines Verstoßes gegen die Regelungen. Hier wurde die Rechtslage deutlich verschärft. Jedoch solle man sich nicht in Panik versetzen und von Abmahnanwälten einschüchtern lassen. Wenn man eine Abmahnung für ungerechtfertigt hält, müsse man sich dies nicht gefallen lassen. „Man kann solchen Abmahnungen auch widersprechen.“

» holger.simon-denoix@kzvbw.de