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Kommunikation

Gemeinsame Konferenz der Öffentlichkeitsbeauftragten

 

Glaubwürdigkeit in der Krise?

Ausgabe 7, 2018

Normalerweise tagt es sich besser bei schlechtem Wetter. Mit schlechtem Wetter konnte Potsdam am 25. und 26. Mai allerdings nicht dienen. Im Gegenteil – die Sommerresidenz des ehemaligen Preußen-Königs Friedrich des Großen begrüßte die Öffentlichkeitsbeauftragten von Kammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen zu ihrer gemeinsamen Konferenz bei herrlichem Sonnenschein und schwülen Temperaturen. Eine erfolgreiche Tagung hatten die Öffentlichkeitsbeauftragten dennoch – das lag am ansprechenden Tagungsthema und nicht zuletzt auch an den Gastgebern aus Brandenburg und ihrer schönen Landeshauptstadt.

Die Debattenkultur in den Sozialen Medien ist zunehmend enthemmt. Die Anonymität der Kommunikation im Internet lässt bei vielen Nutzern offenbar alle Hemmungen fallen. Für ihre hasserfüllten Tiraden haben diese User keine Sanktionen zu befürchten. Der thematische Schwerpunkt des ersten Tages der Tagung, die unter neuer Konzeption und dem neuen Namen „gemeinsame Konferenz der Öffentlichkeitsbeauftragten“ erstmals in dieser Form stattfand, lag auf Fake News und Hate Speech. Die Bundeszahnärztekammer als Gastgeberin der diesjährigen Konferenz hatte zu diesem Tagungsthema mit Dr. Tong-Jin Smith, Lars Niggemann und Denise Lichte drei renommierte PR-Experten eingeladen.

Neue Gatekeeper. Die enthemmte Kommunikation im Netz ist auch ein Ergebnis der sich verändernden Kommunikation in den Massenmedien: Schneller, interaktiv mit direktem Feedback, spezialisierten Medien und vor allem einer Medienwelt, in der Journalisten und professionelle Pressestellen keine Gatekeeper mehr sind und keine Deutungshoheit mehr haben. Die neuen Nachrichtenfaktoren sind Exklusivität und Shareability in den Sozialen Medien. Konflikte, Kriege, spannende Rettungsaktionen. Unfälle, dramatische Fluchtgeschichten, immer audio-visuell dargestellt, sind die PR-Themen, die „laufen“. Der an ethische Grundsätze gebundene Journalist wird ersetzt durch einen neuen Journalisten, der nunmehr Verbreitungsmanager und Navigator ist. Die Journalistin und Dozentin am Institut für Publizistik und Kommunikationswissenschaft an der Freien Universität Berlin, Dr. Tong-Jin Smith, macht zwei Trends aus, um sich heute zu positionieren: Sponsored Content, die Mischung von Redaktionellem mit Werbung und Influencer Marketing, die gezielte Nutzung von Meinungsführern, um über sie Werte und Produkte zu vermitteln.

Kommunikation 4.0. Die Kommunikation 4.0 steht noch am Anfang. Sie ist gekennzeichnet von Bots, automatisierten Maschinen, die Tweets und Likes absetzen, Trollen, digitalen Pöblern und Fake Publishern. Bots und Trolle sind der neue Geschäftszweig im Darknet. Falsche Twitter-Profile, Likes und Followers – alles kann gekauft werden. Die Folge ist „ein Informations- Kriegsschauplatz“, sagt Lars Niggemann und empfiehlt Unternehmen, ihre Krisenkommunikation zu digitalisieren, in dem sie eine individuelle Informationsbeziehung aufbauen. Erfundene, falsche oder irreführende Nachrichten, manipulierte und retuschierte Bilder, alles mit dem Ziel, Anderen Schaden zuzufügen oder sich einen Vorteil zu verschaffen. Das sind Fake News. Denise Lichte empfiehlt als Gegenmaßnahmen ein engmaschiges Monitoring und einen Verhaltenscodex für Mitarbeiter, die oftmals Auslöser von Fake News sind.

Interne Themen. Der zweite Tag der Tagung war internen Themen vorbehalten: Der Geschäftsführer der Initiative proDente, Dirk Kropp informierte über virale Kommunikation. Rechtsanwalt Jan Mönikes betrachtet die DSGVO als Schranke für die professionelle PR.

Barbara Ermes stellte den Twitter-Account der BZÄK vor. Dr. Regine Chenot beleuchtete das Nationale Gesundheitsportal und stellte die Aktivitäten des ZZQ vor. Dr. Pochhammer und Jürgen Herbert gaben aktuelle Informationen zum Online-Rollout der Telematik. Abschließend warb Dr. Sanaz von Elsner für das Fehlerberichts- und Lernsystem für Zahnarztpraxen, „CIRS dent – Jeder Zahn zählt!“ Die nächste gemeinsame Konferenz der Öffentlichkeitsbeauftragten findet 2019 in Hamburg in organisatorischer Verantwortung der KZBV statt.

» mader@lzk-bw.de