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Zahnärzteblatt Baden-Württemberg 08/2018

Editorial

Ausgabe 8, 2018

» Selbstverwaltung aktiv. Wie ginge es dem Berufsstand, wenn es die Selbstverwaltung von Kammer und KZV im Spannungsfeld zwischen Politik und vielen Akteuren im Gesundheitswesen nicht gäbe? Was wäre, wenn die Gesundheitspolitik nicht zentral von Berlin oder wie beim Datenschutz von Brüssel aus gesteuert wäre, sondern jedes Bundesland eigenverantwortlich und im Zusammenwirken mit den Selbstverwaltungen, der Politik und anderen Akteuren die Gesundheitspolitik gestalten könnte?

Was sich seit vielen Jahren im Bereich der Telematik-Infrastruktur abspielt, erinnert viele an ein Trauerspiel. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich auch die Delegierten der KZV BW in ihrer VV dezidiert gegen die gesetzlich angedrohten Honorarkürzungen wehrten und in einem Beschluss forderten, die Frist für die Durchführung des Versichertenstammdatenmanagements mindestens bis zum 31.12. 2019 zu verlängern. Guido Reiter berichtet in seinem Beitrag „TI-Rollout: Delegierte fordern Fristverlängerung“ über den Verlauf und die Beschlüsse der Vertreterversammlung der KZV BW.

» Telemedizin – ein neues Keyword fand spätestens seit der intensiven Diskussion auf dem 121. Deutschen Ärztetag in Leipzig Eingang in den allgemeinen Sprachgebrauch. E-Health ist ein Thema für Ärzte und für Patienten – und natürlich auch für die Selbstverwaltung in Baden-Württemberg. Davon konnten sich die Delegierten der Landeszahnärztekammer auf ihrer Vertreterversammlung aus erster Hand überzeugen. Mit „docdirekt“ hat die KVBW als erste Kassenärztliche Vereinigung in Deutschland ein Telemedizin-Projekt auf den Weg gebracht, über das der stv. Vorstandsvorsitzende der KV, Dr. Johannes Fechner, berichtete. Lesen Sie dazu mehr im Beitrag von Andrea Mader über die Vertreterversammlung der Landeszahnärztekammer BW.

» Steigende Zahl von MVZ. Aktiv wurde die Selbstverwaltung auch im Hinblick auf die rapide ansteigende Zahl von MVZ im Land. Mit Schreiben vom 11. Juli 2018 an Sozialminister Manfred Lucha MdL hat der Vorstand der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg auf diese Entwicklungen hingewiesen und an den Minister appelliert, eine Bundesratsinitiative ins Leben zu rufen mit dem Ziel, Fremd- und Großinvestoren den Zutritt zum Bereich der vertragszahnärztlichen Versorgung zu verwehren. Auch Dr. Torsten Tomppert, Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, setzt sich in seinem Kommentar „MVZ – oder wie Kommerz die Versorgungslandschaft verändert“ mit dem leidigen Themen und mit Lösungsvorschlägen auseinander. So fragt er: „Sind Genossenschaftsmodelle, eine intensivere Förderung von Einzelpraxen und ÜBAGs zahnärztlich sinnvolle Alternativen zu MVZ-Strukturen? Zum gleichen Thema kommentiert Dr. Hans Hugo Wilms unter dem Titel „Gefahr erkannt, Gefahr gebannt“ auf Seite 18.

Im ZBW-Interview befragt Guido Reiter den Vorsitzenden des Vorstandes der KZBV, Dr. Wolfgang Eßer, zu den folgenreichen Veränderungen durch arztgruppengleiche MVZ. Dazu Dr. Eßer: „Arztgruppengleiche MVZ gefährden die flächendeckende und wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung“. Sein Appell: Der Spielraum für MVZKapitalinvestoren muss massiv beschränkt werden.

» Komplexer Fall. Die hemifaziale Mikrosomie (HFM) stellt eine komplexe kraniofaziale Fehlbildung dar. Prof. Dr. Dr. Christian Freudlsperger beschreibt unter der Überschrift „Bignathe Umstellungsosteotomie mit alloplastischem Kiefergelenkersatz“ die interdisziplinäre Behandlung einer ausgewachsenen Patientin mit HFM, bei der eine bignathe Umstellungsosteotomie in Kombination mit einem alloplastischen Kiefergelenkersatz durchgeführt wurde.