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Kultur

Die Fondation Beyeler zeigt Balthus

 

Legendäre Kunst

Ausgabe 8, 2018

Balthus (1908–2001) zählt zu den letzten großen Meistern der Kunst des 20. Jahrhunderts. Die Retrospektive in der Fondation Beyeler vereint bedeutende Gemälde dieses legendären Künstlers und reflektiert seine vieldeutigen Bildinszenierungen. In seinen ebenso ruhevollen wie spannungsreichen Werken treffen Gegensätze zusammen, die Wirklichkeit und Traum, Erotik und Unschuld, Sachlichkeit und Rätselhaftigkeit sowie Vertrautes und Unheimliches auf einzigartige Weise verbinden.

Die Fondation Beyeler widmet dem legendären Künstler Balthus, mit vollem Namen Balthasar K?ossowski de Rola, eine retrospektiv angelegte Ausstellung. Es ist die erste zu Balthus in einem Schweizer Museum seit zehn Jahren und die erste umfangreiche Präsentation seines Schaffens in der deutschsprachigen Schweiz überhaupt

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Von Balthus’ späten Kindheitsjahren in Bern, Genf und Beatenberg über seine Heirat mit der Schweizerin Antoinette de Watteville und die gemeinsamen Aufenthalte in der französischen wie auch der deutschen Schweiz bis hin zu den letzten Jahrzehnten seines Lebens im alpinen Rossinière bestand fortwährend eine enge Beziehung des Künstlers zur Schweiz.

Balthus zählt zu den großen Meistern der Kunst des 20. Jahrhunderts und erweist sich als einer der singulärsten. In seinem vielschichtigen und facettenreichen Schaffen, das ebenso Verehrung wie Ablehnung erfährt, verfolgte Balthus einen künstlerischen Weg, der geradezu entgegengesetzt zu den Strömungen der modernen Avantgarden verlief.

Meisterwerke. Den Ausgangspunkt für die Ausstellung in der Fondation Beyeler markiert Balthus’ monumentales Meisterwerk „Passage du Commerce-Saint-André“ von 1952–1954, das sich seit längerer Zeit als Dauerleihgabe im Museum befindet. In diesem rätselhaften Gemälde verdichtet sich in besonderem Maße Balthus’ intensive Beschäftigung mit räumlichen wie zeitlichen Dimensionen im Bild und deren Verhältnis zu Figur und Objekt. Ausgehend von diesem Aspekt, wird die Ausstellung rund 50 zentrale Gemälde des Künstlers aus sämtlichen Schaffensphasen vereinigen. In dieser Perspektive sollen auch Balthus’ teilweise provokante Strategien der bildlichen Inszenierung und damit nicht zuletzt die Ironie und Abgründigkeit seiner Kunst beleuchtet werden.

Die Ausstellung, die mit Unterstützung der Familie des Künstlers realisiert wird, wird von Dr. Raphaël Bouvier, Kurator, und Michiko Kono, Associate Curator, kuratiert und danach im Museo Thyssen-Bornemisza in Madrid gezeigt. Bis zum 2. September wird in Riehen eine Doppelausstellung mit Werken von Alberto Giacometti (1901-1966) und Francis Bacon (1909-1992) gezeigt. Erstmals widmet sich ein Museum beiden Künstlern, die Freunde waren, aber auch Rivalen.

IZZ/Fondation Beyeler

 

Reiss-Engelhorn-Museen zeigen Mumien

 

Geheimnisse des Lebens

Ausgabe 8, 2018

Es war eine Sensation, als im Jahr 2004 zwanzig verschollen geglaubte Mumien in den Depots der Mannheimer Reiss-Engelhorn- Museen (rem) wiederentdeckt wurden. Ihre Erforschung war der Beginn eines großen internationalen und interdisziplinären Mumienforschungsprojekts, dem German-Mummy-Projekt. Seit 2008 sind die Mannheimer Mumien und die rem-Ausstellung auf Tour. Nach mehrjähriger Reise über zwei Kontinente, durch sieben Länder und mit drei Millionen Besuchern kommen sie zurück.

Mit vielen neuen Forschungsergebnissen und zahlreichen, in Mannheim bisher nicht gezeigten Mumienfunden präsentieren die rem nach über zehn Jahren wieder eine große Mumienausstellung. Ein besonderer Fokus liegt diesmal auf der Mumienforschung. Die Besucher lernen unterschiedliche Methoden kennen, z. B. der Anthropologie, Genetik, Radiologie oder Forensik. Einzigartige Objekte und überraschende Erkenntnisse zeigen eindrucksvoll, dass Mumien außergewöhnliche und bedeutsame Archive darstellen. Obwohl vor Jahrhunderten oder Jahrtausenden gestorben, über moderne Forschung ist es möglich, den erhaltenen Körpern faszinierende Geheimnisse und Geschichten von Leben und Leiden der Vergangenheit zu entlocken.

Mit der neuen Mumienausstellung setzen die Reiss-Engelhorn-Museen erneut Maßstäbe in der Präsentation von Forschungserkenntnissen. Dank der Datengewinnung mit neuesten Computertomografen und Laboranalysen gewinnen die Wissenschaftler ein immer differenzierteres Bild einzelner Mumienfunde. In den vergangenen Jahren ließen sich viele spannende Rätsel lösen oder neu aufwerfen.

Themenbereiche. Die Ausstellung beschäftigt sich unter anderem mit den Themen „Vorzeitliche Tiermumien”, „Als Paar im Moor konserviert”, „Mord im Alten Ägypten”, „Ötzis Krankenakte” oder „Kinderzähne als Glücksbringer in Altamerika”. Mit Hilfe einer Virtual-Reality-Station erleben die Besucher Forschung und Wissenschaft hautnah. Sie tauchen in Jahrtausende alte Geheimnisse ein und erhalten faszinierende Einblicke in die Welt der Mumien – vom Tod gezeichnet und vom Leben geprägt. Zu den Sammlungsbeständen der Reiss-Engelhorn-Museen zählt eine weibliche Mumie in Rückenlage mit gekreuzten Unterschenkeln. Sie stammt aus Peru und ist über 500 Jahre alt. Ihre Hände sind fest zu Fäusten geschlossen und ruhen auf dem Oberkörper. Dank moderner computertomografischer Aufnahmen erhielten die Wissenschaftler einen Einblick in die Hände der Mumie und sahen: Darin liegen zwei kleine Gegenstände, die als Kinderzähne identifiziert werden konnten.