Informationszentrum Zahngesundheit

Eine Einrichtung der Zahnärzteschaft Baden-Württemberg

Fortbildungskongress mit dem Thema „Zahnerhaltung 2020“

Pressetext zur 53. Fortbildungstagung der BZK Tübingen in Lindau (Langfassung 13.9.2018)

Neueste Erkenntnisse und modernste Therapiekonzepte

Die Fortbildungstagung der Bezirkszahnärztekammer Tübingen am 14. und 15. September 2018 steht ganz im Zeichen der Zahnerhaltung. Dem wissenschaftlichen Leiter, Professor Dr. Bernd Haller, Ärztlicher Direktor der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie am Universitätsklinikum Ulm, geht es in erster Linie um neueste Erkenntnisse und modernste Therapiekonzepte für die Praxis. Bei den zukunftsorientierten Vorträgen werden Materialien und Techniken vorgestellt, die unter Schonung der bestehenden Substanz und mit minimalinvasivem Vorgehen zu guten klinischen Langzeiterfolgen führen.

Den Auftakt macht Univ.-Prof. Dr. Sebastian Paris, Berlin, der neueste Erkenntnisse aus der Kariesforschung vortragen und diagnostische und therapeutische Methoden erläutern wird, die eine frühe Erkennung und Behandlung von Karies erlauben und bei der Füllungstherapie ein minimal-invasives Vorgehen möglich machen. Damit es gar nicht erst zu Karies kommt, sind in den letzten Jahren verschiedene neuartige Prophylaxeprodukte entwickelt worden. Prof. Dr. Matthias Hannig, Homburg/Saar wird die wissenschaftliche Datenlage zu diesen neuen Mundhygieneartikeln darlegen und deren Stellenwert in der Prophylaxe herausarbeiten. Sein besonderes Augenmerk liegt auf Zusatzstoffen wie Hydroxylapatit, Chitosan, Pflanzenextrakten und ätherischen Ölen oder Probiotika.

Restaurationen aus Komposit

Diskutiert werden außerdem moderne Restaurationen im Front- und Seitenzahnbereich, die durch Komposite eine stetige Weiterentwicklung erfahren haben. PD Dr. Tobias T. Tauböck, Zürich, wird in seinem Referat die Neuentwicklungen auf dem Prüfstand stellen und Hinweisen zur klinischen Anwendung, zur Entscheidungsfindung und zur Fehlervermeidung geben. Minimalinvasive Füllungstechniken, von denen die Patienten heutzutage in vielerlei Hinsicht profitieren, sind erst dank der adhäsiven Befestigung auf der Zahnoberfläche möglich. Prof. Dr. Bernd Haller, Ulm, wird in seinem Vortrag zeigen, dass der Erfolg maßgeblich von der richtigen Anwendung dieser Haftvermittler abhängt. Er wird außerdem darlegen, welches Adhäsiv für welchen Zweck geeignet ist und anhand der gängigsten Anwendungssituationen Stärken und Schwächen der einzelnen Adhäsivtypen analysieren.

Ästhetik spielt eine große Rolle

Abnutzungserscheinungen der Zähne bis hin zur Schädigung der Zahnhartsubstanz sind oft schon bei jüngeren Patienten zu beobachten. Einzelne Zähne oder ganze Zahnreihen können durch unbewusste Gewohnheiten wie Knirschen und Pressen oder durch Fehlbelastung in Mitleidenschaft gezogen werden und deutlich an Höhe verlieren. Das beeinträchtigt die Ästhetik, kann aber auch zum Zahnverlust führen sowie anatomische Strukturen im Kiefer- und Gesichtsbereich beeinträchtigen. Durch die Fortschritte in der Material- und Adhäsivtechnik kann auch in diesen Fällen substanzschonend behandelt werden. Prof. Dr. Jürgen Manhart, München, zeigt, wie eine Versorgung mit Vollkeramik bei Patienten mit Abrasions- bzw. Erosionsgebiss aussehen kann.

Schöne Restaurationen im Frontzahnbereich anzufertigen, ist der Wunsch jedes Zahnarztes. Ulf Krueger-Janson, Frankfurt, hat für das ästhetisch sensible Gebiet der Frontzahnrestaurationen Konzepte bereit, wie man minimalinvasiv mit einfachen Schichttechniken den Aufbau eines natürlichen Zahns imitieren kann.
Bei starkem Zahnhartsubstanzverlust stellt sich allerdings die Frage, ob Kompositmaterial allein in der Lage ist, einen ausgehöhlten Zahn so zu stabilisieren, dass er weiterhin dem Kaudruck standhält. Univ.-Prof. Dr. Diana Wolff, Tübingen, geht in ihrem Vortrag auf glasfaserverstärkte Komposite ein, die durch ihre besondere Zug- und Druckfestigkeit die direkte zahnärztliche Füllungstherapie erleichtern, indem sie mechanisch induzierten Stress gleichmäßig in der vergleichsweise großen Restauration verteilen.

Vitales Zahnmark

Wenn eine Karies tief ist, sodass die Pulpa (auch als das Zahnmark oder Zahnnerv bezeichnet) tangiert wird, werden in jüngerer Zeit – unter Umgehung einer Wurzelkanalbehandlung – Maßnahmen zur „Teilvitalerhaltung“ der Pulpa durch eine partielle Pulpotomie vorgeschlagen. Da die Vitalerhaltung des Zahnmarks Voraussetzung für den langfristigen Erhalt eines Zahnes ist, wird es sich lohnen, den Ausführungen von Prof. Dr. Roland Weiger, Basel, Aufmerksamkeit zu schenken. Er stellt auf der Basis aktueller klinischer Studien die Erfolgsaussichten einer partiellen Pulpotomie dar.

Die Diagnose und Therapie von Zahnschmerzen ist eine zentrale zahnärztliche Tätigkeit, doch nicht immer passen die Angaben der Patienten zu einer erkennbaren Zahnerkrankung. Dr. Dr. Frank Sanner, Frankfurt, kennt wie jeder Zahnarzt typischen und atypischen Zahnschmerz. Um den Weg zur richtigen Diagnose zu erleichtern, kann es hilfreich sein, verschiedene Formen von dentogenen und nicht-dentogenen Schmerzursachen zu differenzieren.

Reparieren ist erlaubt

Zu den minimalinvasiven Behandlungsmethoden gehört mittlerweile auch die intraorale Reparatur zahnärztlicher Restaurationen. Dadurch wird gesunde Zahnhartsubstanz geschont und die Überlebensrate der Primärrestaurationen verlängert. Besonders bei lokalisierten Defekten oder überschaubarer Sekundärkaries sind Reparaturen das Mittel der Wahl. PD Dr. Anne-Katrin Lührs, Hannover ,hält Reparaturkonzepte für Komposit- und Amalgamfüllungen sowie für indirekte Restaurationen bereit, die - wie alle Referate - im Auditorium diskutiert werden können.

Der wissenschaftliche Fortbildungskongress der BZK Tübingen kehrt zurück in die Lindauer Inselhalle. Das 1981 erbaute Kongresszentrum, das mehr als drei Jahrzehnte lang den Bodensee-Kongress beherbergte, wurde für rund 50 Millionen Euro saniert und erweitert. Nun finden die über 800 Zahnärztinnen und Zahnärzte ein angenehmes Ambiente vor, das konzentriertes Arbeiten bei der wissenschaftlichen Tagung erlaubt und mehr Raum für die begleitende Dentalausstellung bietet.

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