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Leitartikel

Aufgaben und Perspektiven der Prävention in der Pflege nach § 22a im SGB V

Ausgabe 11, 2018

Wenn wir über Pflegebedürftigkeit nachdenken, ist für die meisten von uns die Prävention in Sachen Zahn- und Mundgesundheit sicher nicht das erste, das uns in den Sinn kommt. Dabei haben wir alle gelernt, jeden Tag unsere Zähne zu pflegen. Denn die Bedeutung der Prävention zeigt sich selten so deutlich und unmittelbar wie bei der Vermeidung von Zahnerkrankungen.

Das gilt natürlich in gleicher Weise bei Pflegebedürftigkeit. Pflegebedürftigkeit heißt aber eben sehr oft auch, ohne besondere Aufklärung und Anleitung selbständig nicht optimal für die eigene Mundgesundheit sorgen zu können. Wer Pflegebedürftige dabei unterstützt, benötigt ebenfalls entsprechende Beratung und Anleitung.

Mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz wurde deshalb der Anspruch auf Präventionsleistungen deutlich erweitert. Das war überfällig und schloss sich konsequent an die Verbesserung der Abrechnungsmöglichkeiten für Besuchsbehandlungen an. Und so wie die Abrechnungszahlen zeigen, dass die Besuchsleistungen bereits gesteigert werden konnten, erwarte ich von allen Beteiligten, dass sie die neuen Präventionsleistungen nutzen, um die Möglichkeiten, die die Prävention auch und gerade bei Pflegebedürftigkeit bietet, in die Fläche zu tragen und zu verstetigen.

Wenn Untersuchungen zeigen, dass die Zahn- und Mundgesundheit pflegebedürftiger Menschen schlechter ist als der Durchschnitt, ist die Stärkung der Prävention aber nur der wichtige erste Schritt, bei dem wir nicht stehenbleiben dürfen. Pflegebedürftige benötigen nicht nur zahnmedizinische Präventionsleistungen, sondern auch Therapieleistungen. Und da zeigen die Zahlen trotz des gestiegenen Bewusstseins in der jüngsten Vergangenheit gerade keinen nennenswerten Zuwachs.

Für die betroffenen Pflegebedürftigen ist das fatal. Denn ungeachtet weiterer gesundheitlicher Probleme ist die Zahn- und Mundgesundheit ein Aspekt, der erheblichen Einfluss auf die Lebensqualität hat.

Wie in so vielen anderen Bereichen bedarf es hier individueller Versorgungslösungen. Entscheidender Maßstab muss dabei die oder der einzelne Pflegebedürftige mit ihren oder seinen Wünschen, Bedürfnissen und Möglichkeiten sein. Der Zusammenarbeit mit Angehörigen, Pflegekräften und anderen an der individuellen Versorgung beteiligten Professionen kommt eine große Bedeutung zu. Und auch der Einsatz neuer Technologien und Innovationen kann in besonderer Weise einen Mehrwert bieten. So haben sich zum Beispiel die technischen Möglichkeiten im Rahmen der aufsuchenden Behandlung bereits immens erweitert. Sie konsequent zu nutzen, kann Pflegebedürftigen belastende und aufwändige Besuche in der Praxis ersparen, die unter Umständen eine Versorgung sonst erschwert oder sogar verhindert hätten.

Auf diese Weise im Zusammenspiel der Professionen und vor allem im Zusammenwirken mit den Patienten Versorgungslösungen zu suchen und zu finden, die den Wünschen der Pflegebedürftigen und ihren Bedarfen entsprechen, im jeweiligen Pflegesetting umsetzbar sind und die Lebensqualität verbessern – das muss der Anspruch an eine moderne Prävention und Therapie bei Pflegebedürftigkeit sein.