Zahnaerzteblatt.de

 

Kommunikation

Tag der Zahngesundheit 2018 in Konstanz

 

Große Öffentlichkeitswirkung am See

Ausgabe 11, 2018

Sonnenschein, Kinderlachen und gute Laune: Die landeszentrale Auftaktveranstaltung zum Tag der Zahngesundheit am 25. September 2018 auf dem Konstanzer Münsterplatz war ein voller Erfolg. Zahlreiche Zuschauer, Kindergruppen, Senioren und Medienvertreter waren dabei und kamen auch an den nachfolgenden Aktionstagen zum Tag der Zahngesundheit ins ErlebnisForum Zahngesundheit im weit sichtbaren weißen Pagodenzelt. „Gesund beginnt im Mund. Mach mit … Denk auch an die Menschen mit Handicap und Pflegebedarf“ war das diesjährige Motto, das die Prävention in der Pflegebedürftigkeit in den Fokus rückte. In Sachen Karies bei Kindern gab es indes wieder gute Nachrichten.

Noch am Donnerstagnachmittag in der Woche des Tags der Zahngesundheit kommen die Mitarbeiterinnen des Teams der Regionalen Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit Konstanz im ErlebnisForum Zahngesundheit kaum zum Durchschnaufen. Im Zelt wimmelt es nur so von Kindern, die mit ihren Eltern die Attraktionen rund um die Zahngesundheit mitmachen wollen. „Wir finden das alles sehr gut, was hier geboten wird“, sagt eine Mutter, die ihre strahlende Tochter auf dem Arm trägt. „Sie freut sich besonders auf die Puppe Tim, die sie aus der Kita kennt. Dank ihm findet sie die Zahnbürsten hier toll.“ Natürlich kommen auch die Plaque-Neon-Schau, der Zahnputzbrunnen und der Ausflug in die Mundhöhle unter dem Mikroskop sehr gut an. „Und am Ende haben wir einen Apfel bekommen“, sagt die Mutter lächelnd. Es sind diese kleinen Reaktionen, die auch den Mitarbeiterinnen im weißen, weit sichtbaren Pagodenzelt immer wieder ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Was beim Tag der Zahngesundheit in Konstanz auffällt: Auch Schulklassen einer ortsansässigen Schule für Kinder mit Behinderung kommen regelmäßig vorbei. Außerdem ist Seniorenzahnmedizin sehr gefragt. Viele ältere Herrschaften kommen ins Zelt und lassen sich beraten.

Gesunde Zähne. Es passt zum Motto des diesjährigen Tags der Zahngesundheit „Gesund beginnt im Mund. Mach mit … Denk auch an die Menschen mit Handicap und Pflegebedarf“. Wie in jedem Jahr präsentierten sich die wichtigsten Protagonisten der Prophylaxe Baden-Württembergs am Tag der landeszentralen Auftaktveranstaltung zum Tag der Zahngesundheit im Rahmen einer Pressekonferenz. Vor der feierlichen Eröffnungsveranstaltung auf dem Konstanzer Münsterplatz nur wenige Meter entfernt vom Ufer des Bodensees informierten die Fachleute Vertreter der Medien im städtischen Theater über den aktuellen Zahngesundheitsstatus der Kinder und Jugendlichen im Land, aber auch über die Entwicklung in der Zahnheilkunde und Prävention bei Pflegebedürftigen. In Sachen Prophylaxe bei Kindern schreibt die badenwürttembergische Zahnärzteschaft ihre Erfolgsgeschichte weiter, wie der Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit und Präsident der Landeszahnärztekammer, Dr. Torsten Tomppert, berichtete. „Drei Zwölfjährige teilen sich einen kaputten Zahn“, erläuterte er. Dr. Tomppert bezog sich auf die Deutsche Mundgesundheitsstudie V. Damals hatte Baden-Württemberg den besten Wert, in der DAJ-Studie wurde Baden-Württemberg zwar überholt. Die jüngste Erhebung der Deutschen Arbeitsgemeinschaft für Jugendzahnpflege e. V. (DAJ) ergab für das Bundesland aber nach wie vor einen sehr guten mittleren DMFT-Wert bei den Zwölfjährigen. Er liegt derzeit bei 0,38. 1997 lag dieser Wert bei 1,43. Dr. Tomppert betonte, dass diese hervorragende Entwicklung nur dank der Zusammenarbeit aller Beteiligten in der Prophylaxe zustande kommt. „Das klappt nur in Zusammenarbeit mit den Erzieherinnen und Erziehern, den Lehrerinnen und Lehrern sowie den Eltern. Unterstützung erfahren sie durch die gesetzlichen Krankenkassen im Land, das Sozialministerium, den Landkreis- und Städtetag BW, die Landeszahnärztekammer BW und die Kassenzahnärztliche Vereinigung BW, die alle gemeinsam in der LAGZ BW bei der Zahngesundheitsförderung an einem Strang ziehen“, sagte er und verwies auf die rund 1400 niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzte, die Vertragszahnärzte der AGZs sind und ebenfalls hervorragende Arbeit leisten.

Handlungsbedarf. Zu denken gebe allerdings ein weiteres Ergebnis der Begleituntersuchung, das zeigt, dass Karieserfahrung abhängig vom Bildungs- und damit auch vom Sozialstatus ist. „Das lässt sich bei der Betrachtung der verschiedenen Schultypen ablesen“, sagte Dr. Tomppert. Schülerinnen und Schüler am Gymnasium hatten im Schnitt mit einem DMFT-Wert von 0,16 deutlich weniger Karieserfahrung als Kinder anderer Schultypen. „Hier gibt es Handlungsbedarf, indem wir die Gruppenprophylaxe zunehmend auf soziale Brennpunkte konzentrieren. Denn Herkunft und Bildungsstand der Eltern dürfen in einem reichen Land wie dem unseren keine Rolle spielen für die Gesundheit der Kinder. Hier Chancengleichheit herzustellen, ist sehr wichtig.“

Vor allem bei den unter Dreijährigen sei eine frühzeitige Gewöhnung ans Zähneputzen wichtig, denn laut der epidemiologischen Begleituntersuchung litten 15 Prozent der Kinder unter Nuckelflaschenkaries. „Wir beobachten in Deutschland gerade bei den Kleinsten eine hohe Rate an Milchzahnkaries, der wir frühzeitig entgegenwirken möchten. Dazu dient auch die Aufgabe, z. B. die Erzieherinnen und Erzieher zu schulen und über die Wichtigkeit regelmäßiger Mundpflege – auch schon bei den Kleinsten – hinzuweisen“, sagte der Vorsitzende des Prophylaxeausschusses und Prophylaxereferent der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Bernd Krämer, der in diesem Zusammenhang den Pressevertretern die Weiterentwicklung des Zahnärztlichen Kinderpasses vorstellte.

Alterszahnheilkunde. Wie wichtig die Zahngesundheit für Pflegebedürftige ist, stellte Dr. Ute Maier dar. Die Vorsitzende des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg und Vorsitzende des Verwaltungsrats des Informationszentrums Zahngesundheit griff in der Pressekonferenz das Thema des Tags der Zahngesundheit wieder auf. „Im Jahr 2035 sind nach einer Studie des Instituts der Deutschen Wirtschaft voraussichtlich rund eine halbe Million Menschen im Land auf Pflege im Alter angewiesen, der Anteil der Pflegebedürftigen an der Bevölkerung im Südwesten wird von 3,3 Prozent auf 4,3 Prozent steigen“, sagte sie. Im Moment stellt sich die Situation so dar, dass der große Teil der Pflegebedürftigen zu Hause betreut wird, nur ein kleiner Teil lebt in Heimen. 2015 wurden 236.220 Pflegebedürftige (72 Prozent) zu Hause versorgt, davon wiederum der Großteil durch Angehörige und nur ein kleinerer Teil durch ambulante Dienste. Vollstationär in Heimen lebten 92.077 Pflegebedürftige (28 Prozent). Mit Wirkung zum 1. Juli 2018 wurde der Leistungskatalog für die zahnärztliche Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderung erweitert. Dank des hohen Einsatzes vonseiten der Zahnärzteschaft hat dieser Personenkreis, der in der Regel eine deutlich schlechtere Mundgesundheit aufweist als der Durchschnitt jetzt einen Rechtsanspruch auf zusätzliche zahnärztliche Vorsorgemaßnahmen. „Um all diesen Aufgaben nachzukommen, gibt es seit 2014 die Möglichkeit, Kooperationsverträge zwischen niedergelassenen Zahnärzten und Pflegeheimen abzuschließen. In Baden-Württemberg hat sich die Zahl der abgeschlossenen Verträge in den vergangenen Jahren stetig erhöht“, sagte Dr. Maier. Im September 2018 gab es Vereinbarungen mit 422 Pflegeheimen. Dies entspricht einem Anteil von knapp 25 Prozent aller Pflegeeinrichtungen. Insgesamt engagierten sich in Baden- Württemberg etwa 900 Zahnärztinnen und Zahnärzte intensiv in der Betreuung von pflegebedürftigen Menschen und Menschen mit Behinderung. „Pionierarbeit leisten die 41 Senioren- und Behindertenbeauftragten im Land; sie sind die erste Anlaufstelle für zahnärztliche Kolleginnen und Kollegen, die sich in einer Pflegeeinrichtung engagieren möchten oder bereits engagiert sind“, sagte Dr. Maier.

In Dr. Elisabeth Busam äußerte sich schließlich die Vorsitzende der gastgebenden Regionalen Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit im Landkreis Konstanz. „Menschen mit Behinderung oder Pflegebedarf zählen nach wie vor zur Hochrisikogruppe für Karies und Parodontalerkrankungen“, sagte sie. „Eine starke Einbeziehung der Eltern, Angehörigen und Erzieher in die Mundhygiene und die Anwendung von speziellen Hilfsmitteln wie Zahnbürsten mit dicken Griffen und Zahnbürsten mit dreifachem Bürstenkopf können die Pflege enorm erleichtern. Dabei geht es darum, gemeinsam mit den Prophylaxefachkräften individuelle Konzepte, Pflegerituale und Techniken zu entwickeln, die dem jeweiligen Kind angepasst sind. Dazu gehören auch der sinnvolle Einsatz von Fluoriden, Chlorhexamed-Gel und Xylitol.“ Wichtig sei von Beginn an eine gute Prophylaxe- und Ernährungsberatung der Eltern.

Feierliche Eröffnung. Nach der Pressekonferenz stand die traditionelle landeszentrale Auftaktveranstaltung zum Tag der Zahngesundheit an. Bei Kaiserwetter fanden sich zahlreiche Zuschauer und die ersten Kindergruppen vor der Veranstaltungsbühne auf dem Konstanzer Münsterplatz ein. Der Jazzmusiker Paul Amrod eröffnete die Veranstaltung gemeinsam mit seiner Tochter und einem „Zahnrap“. Die in Konstanz wohnende Moderatorin Martina Meisenberg führte souverän durch das Eröffnungsprogramm vor ihrer Haustür. Ihre Bühnengäste waren Dr. Torsten Tomppert und Dr. Ute Maier, der Vertreter der Stadt Konstanz, Roland Wallisch, und der Geschäftsführer der Regionalen Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit im Landkreis Konstanz, Dr. Karl- Ernst Roth. Die Bühnengäste gaben jede Menge Wissenswertes zur Mundhygiene preis.

Dann öffnete das Erlebnisforum Zahngesundheit seine Tore. In neuem Glanz dank einer farblich neu abgestimmten visuellen Gestaltung begeisterte es die Kinder und Erzieherinnen und brachte ihnen die Grundpfeiler der Zahngesundheit nahe. Nach dem Gang durch die Plaque-Neon-Schau übten die Kinder angeleitet von den Prophylaxefachkräften das richtige Zähneputzen und die zugehörige Technik am Zahnputzbrunnen. Der zahnärztliche Bereich ist dank der Firma KaVo Dental GmbH, Biberach an der Riß, die seit vielen Jahren Geräte und eine Behandlungseinheit für das Forum Zahngesundheit bereitstellt, und der Firma Carl Zeiss Microscopy GmbH, Göttingen, deren Mikroskop die Bakterien sichtbar macht, anschaulich vertreten.

Dazu kommen viele zahngesunde Lebensmittel im Zelt und Zahnputzsets zum Mitnehmen. Das engagierte Team war die ganze Woche über im Einsatz und sorgte dafür, dass die vielen Besuchergruppen das Erlebnis im Pagodenzelt so schnell wohl nicht vergessen. Die Präsenz auf dem Münsterplatz zeigte auch eine große Medienwirkung. Der Südkurier berichtete schon vorab in einem zweiseitigen Interview mit Dr. Torsten Tomppert über die Veranstaltung. Der SWR und der Privatsender Radio 7 waren beim bunten Treiben im ErlebnisForum Zahngesundheit dabei und sendeten darüber Beiträge. Der rege Besucherstrom an den vier Aktionstagen zum Tag der Zahngesundheit zeigte, dass sich das ErlebnisForum Zahngesundheit auch in Konstanz wieder sehr öffentlichkeitswirksam präsentierte.

Ein voller Erfolg. Der Tag der Zahngesundheit war auch 2018 wieder eine Veranstaltung mit großem Multiplikatoreffekt, die die Bedeutung und die Erfolgsgeschichte der Prävention deutlich ins Blickfeld der Öffentlichkeit rückte. Der Erfolg ist eine Teamarbeit zwischen der LAGZ, den 37 Arbeitsgemeinschaften für Zahngesundheit in den Stadt- und Landkreisen, den gesetzlichen Krankenkassen, dem Sozialministerium, der LZK BW, der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KZV BW), 1400 Patenzahnärztinnen und -ärzten, Eltern, Erzieherinnen und Erziehern, Lehrerinnen und Lehrern und allen Beteiligten am Tag der Zahngesundheit beim Informationszentrum Zahngesundheit Baden-Württemberg. Weitere Infos zum Tag der Zahngesundheit und Bildimpressionen gibt es im Internet auf www.zahnaerzteblatt. de.

» christian.ignatzi@izz-online.de

 

Stutengarten 2018

 

Ein Beruf wie ein Lottogewinn

Ausgabe 11, 2018

Jubiläum im Stutengarten: Die Zahnarztpraxis Doktor Paula Zahn war auch bei der zehnten Auflage der Kinderspielstadt mit dabei. Und diesmal schaute sogar der Stuttgarter Oberbürgermeister bei den kleinen Patienten vorbei. Ein etabliertes Projekt, das seit Jahren funktioniert und damit einen großen Beitrag zur Öffentlichkeitsarbeit der Zahnärzteschaft leistet.

Drei Wochen dauerte der Einsatz der Zahnarztpraxis Doktor Paula Zahn auch in diesem Jahr wieder. Und der Beruf der Zahnärztin oder des Zahnarztes in der Kinderspielstadt war unter den 500 Kindern, die pro Woche die Stadt mit Leben füllten, wieder besonders beliebt. „Der Zulauf war ungebrochen gut“, war der betreuende Zahnarzt Dr. Gottfried Strayle zufrieden. Er hatte eine eigene Bezeichnung für den Zahnarztjob in der Praxis Doktor Paula Zahn: „Die Jobs bei uns im Zelt sind so schnell vergeben, dass das einfach ein bisschen ist wie ein kleiner Gewinn im Lotto.“ Zehn bis zwölf Nachwuchszahnärztinnen und -ärzte verbrachten ihren Spielstadt-Tag in der Praxis. Die Kinder ahmten den Zahnarztbesuch nach. „Das machen sie relativ gut“, lobte Dr. Strayle, der glaubt, dass die Faszination in der Mischung aus Rezeption, Aufklärung, Untersuchung und Beobachtung liegt. „Das ist schöner und abwechslungsreicher für die Kinder als Jobs, in denen sie jeden Tag das gleiche machen“, sagt Dr. Strayle. Die Gelegenheit, ihre Zahnputztechnik in der Plaque-Neon-Schau zu überprüfen und anschließend am Putzbrunnen zu optimieren, war ebenfalls wie immer ein großer Anziehungspunkt für die Kinder und für ihre Familien, die zu Besuch waren – und auch für den einen oder anderen prominenten Gast. Neben der Bundestagsabgeordneten Karin Maag schaute in diesem Jahr der Stuttgarter Oberbürgermeister Fritz Kuhn in der Praxis Doktor Paula Zahn vorbei und ließ sich selbst die Zähne anfärben, um seine Zahnputzfähigkeiten in der Plaque-Neon-Schau zu begutachten. Anschließend nahm er Platz auf dem Untersuchungsstuhl, auf dem auch schon Ministerpräsident Winfried Kretschmann gesessen hatte. Die Kinder in der Zahnarztpraxis der Kinderspielstadt waren wieder einmal wie selbstverständlich als Multiplikatoren für ihre Familien und Prominente in Sachen Zahngesundheit in Erscheinung getreten. Weitere Fotos unter www.zahnaerzteblatt.de.

» christian.ignatzi@izz-online.de