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Kultur

Zwei Lindauer Ärzte machen die Bodenseeinsel zur Tagungsstadt

 

Warum sich in Lindau neben den Zahnärzten auch die Nobelpreisträger treffen

Ausgabe 11, 2018

Die BZK Tübingen veranstaltet seit 1966 ihre jährliche Fortbildungstagung in Lindau. Dort sind die Zahnärzte in guter Gesellschaft, denn schon seit 1951 treffen sich auf der Insel Mediziner. Außer Psychotherapeuten sind das vor allem die Nobelpreisträger – neben Medizinern auch Physiker und Chemiker. Aber wie kommt es, dass die 25.000-Einwohnerstadt der weltweit einzige Treffpunkt der Nobelpreisträger ist?

Man kann sich die Gesichter der Lindauer Stadträte vorstellen, als der Frauenarzt und Stadtratskollege Franz Karl Hein im Winter 1950 mit der Idee an sie herantrat, Nobelpreisträger nach Lindau einzuladen. Hein ging es wie seinem Kollegen Gustav Parade, der damals Internist am Lindauer Krankenhaus war: Beide hatten an UniKliniken gearbeitet, waren aber 1945 im kleinen Lindau gelandet. Beide waren hier unterfordert. Zudem war die Lage der Medizin hierzulande nicht gut: Unter den Nationalsozialisten hatte Deutschland den Anschluss an die Forschung verloren. Hein und Parade wollten von Koryphäen der Medizin lernen. Und da wollten sie die allerbesten Lehrer, also die Nobelpreisträger.

Zumindest Hein hat von Anfang an noch zwei Nummern über eine ÄrzteFortbildung hinaus gedacht. Auch wenn viele Lindauer ihn für einen Spinner hielten, hat er recht behalten. „Lindau wird hier eine Chance geboten, zumindest intereuropäisch eine Rolle zu spielen, die durch andere Kongresse nie erreicht werden kann“, hat Hein schon im November 1950 in einem Antrag an den Stadtrat vorhergesagt. Er wunderte sich, dass vorher niemand auf die Idee gekommen war, den Nobelpreisträgern die Gelegenheit zu geben, „sich in der Öffentlichkeit über ihr Forschungsgebiet oder über die Gründe, die zur Verleihung des Nobelpreises führten, auszusprechen“.

Regelmäßige Treffen. So ist Lindau heute tatsächlich der einzige Ort der Welt, an dem sich Nobelpreisträger regelmäßig treffen, nachdem sie in Stockholm die begehrte Auszeichnung erhalten haben. Möglich ist das nur, weil Hein und Parade in Lennart Graf Bernadotte jemanden fanden, der sofort begeistert war, wie aus seinem Antwortbrief zu Jahresbeginn 1950 hervorgeht. Er werde gerne den Ehrenvorsitz übernehmen: „Die Tagung halte ich für sehr wichtig, und ich glaube, dass es von größter Bedeutung ist, dass Wissenschaftler aus allen Ländern zusammentreffen, um sich über die unruhige Lage der Welt zu unterhalten.“

Bernadotte half mit seinen verwandtschaftlichen Kontakten zum schwedischen Königshaus, sodass Hein und Parade unter anderem eine Liste mit allen MedizinNobelpreisträgern der Jahre 1939 bis 1949 erhielten. Auf dieser Grundlage legte vor allem Hein los. Er überzeugte seine zweifelnden Stadtratskollegen, und drei Monate später trafen sich im Juni 1951 sieben Nobelpreisträger im Lindauer Stadttheater mit Ärzten aus dem ganzen deutschsprachigen Raum. Unter den Laureaten waren drei Deutsche sowie ein USAmerikaner, ein Schwede, ein Däne und ein Schweizer. Dabei kamen sie nicht wegen der Vortragshonorare, denn die gab es damals ebenso wenig wie heute. Die Spitzenforscher nahmen sogar Kosten auf sich, denn der Stadtrat hatte für sie zwar freie Unterkunft und Verpflegung beschlossen, die Reisekosten aber nur ab der deutschen Grenze. Sein Flugticket zahlte der Amerikaner William Murphy also selbst.

Europatagung. Zahlen mussten auch die Teilnehmer. Dabei gingen die Lindauer ganz groß vor. Die deutschlandweit verteilte Postwurfsendung trug einfach die Adresse „An alle Ärzte“. Und die kamen tatsächlich zahlreich zur „Europatagung der Nobelpreisträger der Medizin in Lindau“.

Von Anfang an wollte Hein aber auch die anderen Naturwissenschaftler, also Physiker und Chemiker, nach Lindau holen. Er schlug abwechselnde Tagungen vor – so ist es bis heute geblieben. Zusätzlich gibt es seit dem Jahr 2000 alle fünf Jahre interdisziplinäre Treffen, zu denen die Laureaten aller drei Fachbereiche eingeladen sind. Die bis zu 700 Teilnehmer sind schon seit dem dritten Treffen vor allem Nachwuchswissenschaftler. Wobei heute kaum noch Studenten nach Lindau kommen, sondern Doktoranden und PostDocs.

Im Laufe der Jahre hat es in Lindau viele denkwürdige Begegnungen gegeben. In den 50erJahren sind dort solche Wissenschaftler, die vor den Nazis geflohen waren, erstmals auf solche getroffen, die für NaziDeutschland gearbeitet hatten. Immer waren die Treffen auch sehr politisch. So haben 18 Nobelpreisträger sich 1955 in der sogenannten Mainauer Erklärung gegen mögliche Einsätze von Atomwaffen ausgesprochen. Umweltschutz war bei den Treffen schon in den 60erJahren ein Thema, lange bevor der Club of Rome sich damit befasst hat. Und zuletzt haben im Sommer 2015 am Bodensee mehr als 70 Nobelpreisträger eindringlich vor den Folgen des Klimawandels gewarnt.

In den 90erJahren gerieten die Nobelpreisträgertreffen in eine Krise. Noch aktive Laureaten kamen kaum an den Bodensee. Die Lindauer Tagung hatte den Ruf eines Altherrentreffens. Finanziell stand die Tagung auf unsicheren Beinen. Denn schon Mitte der 50erJahre hatte die Stadt die Verantwortung an ein Kuratorium abgegeben, mit der gräflichen Familie der Bernadottes von der Mainau an der Spitze, die sich jedes Jahr schwerer tat, die nötigen Mittel zu erbetteln.

Die Wende brachte Roman Herzog, der als erster Bundespräsident die Lindauer Tagung besuchte und deren Potenzial für den Wissenschaftsstandort Deutschland erkannte. Er regte die Gründung einer Stiftung an und fand mit dem DeutschSchweizer Wolfgang Schürer den dafür richtigen Mann. So brachte die 50. Tagung im Jahr 2000 nicht das Ende, sondern die Wende. Schürer hatte gute Kontakte zur Spitze der deutschen Wirtschaft und sammelte in wenigen Jahren ausreichend Stiftungskapital und warb um Sponsoren und Fördergeber, die das Budget der Tagungen sichern, von denen heuer jede mindestens eine Million Euro kostet.

Nachwuchs. Schürer hat die Tagung außerdem für die ganze naturwissenschaftliche Welt geöffnet. Jedes Jahr treffen sich inzwischen die besten Nachwuchswissenschaftler aus mehr als 80 Ländern in Lindau. Damit steigt das Niveau und damit das Interesse der Laureaten. Auch deren Teilnehmerzahl wird immer größer. Einen Rekord gab es 2015: Denn mehr als 70 Nobelpreisträger haben sich nur in Lindau getroffen, das gab es nicht einmal in Stockholm. Während Nobelpreisträger automatisch eingeladen sind, müssen die jungen Teilnehmer ein strenges Auswahlverfahren durchlaufen. Für die knapp 700 Plätze bewerben sich regelmäßig mehr als 20.000 junge Menschen.

Alle Teilnehmer beschwören dabei den „Spirit of Lindau“, der sich nur schwer beschreiben lässt. Das Erfolgsrezept ist, dass hochkarätige wissenschaftliche Diskussionen mit geselligen Anlässen wechseln. Wer kann schon von sich sagen, dass er mal mit einem Nobelpreisträger Walzer getanzt hat? Aber das Lindauer Treffen wird für viele auch zur Jobbörse: Mancher bekommt unerwartet einen Ruf an eine weit entfernte Uni, weil er in Lindau jemandem aufgefallen ist.

Kein Wunder, dass New York, Tokio oder Abu Dhabi über Jahre versucht haben, diese Tagung vom Bodensee wegzulocken. Deshalb mussten Lindau, aber auch der Freistaat Bayern, die Bundesrepublik Deutschland und die Europäische Union sich anstrengen, um die Tagung zu halten. Weil sich Lindau die 50 Millionen für eine neue Tagungshalle nie hätte leisten können, hat der Freistaat Bayern fast 30 Millionen Euro Sonderförderung bewilligt. Seit dem Frühjahr ist die neue Inselhalle fertig. Und dort treffen sich nun die Nobelpreisträger ebenso jedes Jahr wie die Zahnärzte.

Dirk Augustin

 

Dentalhistorische Sammlung im sächsischen Zschadraß

 

Die Vergangenheit der zahnärztlichen Medizin

Ausgabe 11, 2018

Unter den weltweit 20 Museen zur Geschichte der Zahnheilkunde nimmt die dentalhistorische Sammlung in Zschadraß einen ganz besonderen Platz ein. Die Museumsanlage vereint Historie und Wissenschaft. Sie zeigt die Geschichte der zahnärztlichen Berufsausübung anhand von Feldzahnarztstühlen, Tretbohrmaschinen und in wissenschaftlichen Abhandlungen. Viele wichtige Exponate des seit 1990 bestehenden Museums stammen aus Baden-Württemberg. Am 30. November schließt es seine Tore – zumindest für die spontan vorbeischauende Öffentlichkeit, nicht für angemeldete Gruppen und Fachbesucher.

Die im deutschsprachigen Raum einzigartige Sammlung vereint 850 private Sammlungen, mehr als 190 Bibliotheken, zwölf Archive von Universitäten und Institutionen, zehn Firmen- und acht Museumsarchive unter ihrem Dach. Der Ort Zschadraß, in dessen Namen die slawische Herkunft anklingt, liegt im Städtedreieck Dresden, Leipzig und Chemnitz. Er beherbergt seit 2006 eine eindrucksvolle Ausstellung zur Geschichte der Zahnmedizin, der Zahntechnik und der Mundhygiene. Auf einer Fläche von mehr als 250 Quadratmetern sind historische Zahnarztstühle, Röntgengeräte, Sterilisatoren, Kautschukvulkanisierkessel, Goldwalzen und Jacketkronen-Brennöfen zu sehen. Materialien wie Prothesenkautschuk, historische Prothesenzähne aus Porzellan und Kunststoff sowie Präge- und Gussmetalle runden den Ausflug in die Vergangenheit der zahnärztlichen Medizin ab. Auch die angegliederte Bibliotheca Dentaria, die mehr als einhundertfünfzig Fachbibliotheken umfasst, bewahrt das dentalhistorische Erbe und macht es für wissenschaftliche Aufarbeitungen zugänglich.

Schlummernde Schätze. Die Anfänge der Sammlung gehen auf das Jahr 1990 zurück. Damals kaufte der gebürtige Thüringer Andreas Haesler im sächsischen Grimma die Praxis eines Zahntechnikerkollegen. Manche der Instrumente und Einrichtungsgegenstände stammten noch aus der Zeit vor dem zweiten Weltkrieg und waren zu schade für den Sperrmüll. Es sprach sich schnell herum, dass der neue Inhaber ein Faible für historische Gerätschaften aus dem Gebiet der Zahnheilkunde hat. „Die Leute kamen auf mich zu und boten mir ihre Sachen an“, berichtet der passionierte Sammler. Von 2000 bis 2006 war die Ausstellung im Kanzleihaus von Schloss Colditz untergebracht. Doch vor zwölf Jahren mietete Zahntechniker Haesler, der Kopf hinter dem Dentalhistorischen Museum, vier Häuser auf dem Gelände der Diakonie-Kliniken Zschadraß, um alle Schätze unterzubringen. Auf der Ausstellungsfläche sind jedoch nur ungefähr ein Prozent der Bestände zu sehen; 99 Prozent lagern in Archiven, verteilt auf die vier Gebäude, die der eingetragene Verein zur Förderung und Pflege des Dentalhistorischen Museums zur Verfügung hat.

Wohlfühlpraxis. „Aus Baden- Württemberg haben wir ganz viele Exponate“, berichtet der Hausherr. „Aus dem Badischen stammt zum Beispiel diese seltene ,Wohlfühlpraxis‘ hier, aus der Zeit um 1880.“ Den Schmerzgeplagten sollte ein angenehmes Zimmer geboten werden, ähnlich der „guten Stube“ jener Epoche, um dem Patienten etwas von der Angst zu nehmen. Haesler betont den vergleichsweise hohen Stand dieser ergonomisch eingerichteten Praxis. Das gute Stück setzt sich aus vielen Teilen zusammen, gestiftet unter anderem von einer „Zahnarztdynastie“ (Zitat Haesler) aus Offenburg. Die südwestdeutschen Sammlungsbestände kommen aus Stuttgart, Offenburg, Tuttlingen, Heidenheim, Ulm, Göppingen, Tübingen, Freiburg, Karlsruhe und zahlreichen anderen Städten. „Aus Tübingen habe ich größere Bestände in Form von Büchern, tausende Schriftstücke der Eberhard-Karls-Universität und von ehemaligen Professoren.“

Kenner und Kinder. „Fachfremde“ Besucher, wie der gelernte Zahntechniker sie nennt, werden vom Dentalhistorischen Museum genauso angesprochen wie Branchenkenner – und Kinder. Faszinierend ist für viele die Tierund Menschenschädelsammlung, in der man z. B. Flusspferd-, Orang- Utan-, Maulwurf- und Fledermausschädel findet, aber auch Zähne von Höhlenbären, Mammuts, Pottwalen oder Haifischen. Manche Exponate sind mehr als 2500 Jahre alt: Dazu zählen Zahn- und Zungenreiniger aus dem Orient genauso wie Pinzetten und Spatel aus römischer Zeit. Zu der Sammlung gehören zudem Zahnbürsten aus dem spanischen Königshaus, eine Dokumentation über Zahnanomalien sowie eine „Kaumaschine“, eine Art Gebiss aus Kuhknochen.

Mannheimer Stifter. Das Technoseum in Mannheim (frühere Bezeichnung Landesmuseum für Technik und Arbeit), beteiligte sich an dem Ausstellungsbereich zum Wirken von Philipp Pfaff, dem Königlich Preußischen Hofzahnarzt. Der Leibarzt Friedrichs des Großen schrieb die „Abhandlung von Zähnen des menschlichen Körpers und deren Krankheiten“ und gilt als Begründer der deutschen Zahnmedizin. In 3500 Stunden rekonstruierte Haesler das Arbeits- und Studierzimmer Pfaffs; Unterstützung bekam er von Dr. Ilona Marz, die die Zahnmedizinhistorische Sammlung an der Berliner Humboldt-Universität betreut hat. Grundlage für diesen Teil der Ausstellung ist jedoch die Sammlung des Mannheimer Zahnarztes und Oralchirurgen Dr. Rolf Will, der auch die Büste des „Hof- Zahn-Arztes und privilegierten Chirurgici“ stiftete.

Spenden erwünscht. Ohne die Einsatzfreude des Gründers und seiner Frau würde das Museum in dieser Form nicht existieren, ebensowenig ohne die ehrenamtliche Tätigkeit der anderen Vereins- und Fördermitglieder und ohne Spenden. Wirtschaft und Wissenschaft unterstützten bisher tatkräftig den Ausbau der Sammlung. Leider hat alle Unterstützung nicht genügt, denn zum Jahresende kündigte der Gründer des Dentalhistorischen Museum eine teilweise Schließung an. Bis Ende November ist noch Gelegenheit, um das Museum zu besuchen. Zumal sein 57-jähriger Gründer voller dentalhistorischer Geschichten und Geschichte steckt. Nicht nur der aus Baden-Württemberg. Und wer im Advent mit einer größeren Gruppe den berühmten Dresdner Striezelmarkt oder den ebenso schönen Leipziger Weihnachtsmarkt besuchen und dies gleich mit einem Abstecher nach Zschadraß verbinden möchte: Andreas Haesler lässt sich dann trotz der Winterpause gern auf den Zahn fühlen. Nach rechtzeitiger Voranmeldung, versteht sich.

Marko T. Hinz

 

Große Themenausstellung im Kunstmuseum Stuttgart

 

Ekstase in Kunst, Musik und Tanz

Ausgabe 11, 2018

Ekstasen sind so alt wie die Menschheit. Die Ausstellung „Ekstase“ spürt dem Zustand des Außer-sich-Seins in seiner kunsthistorischen und der damit verbundenen kulturellen Bedeutungsgeschichte nach und nimmt dabei zentrale Themenbereiche in den Blick. Die große Themenausstellung im Kunstmuseum Stuttgart widmet sich diesem Phänomen der Ekstase. Anhand paradigmatischer Beispiele von der Antike bis in die Gegenwart beleuchtet die Ausstellung die unterschiedlichen spirituellen, politischen, psychologischen, sozialen, sexuellen und ästhetischen Implikationen von Euphorie- und Rauschzuständen zwischen Askese und Exzess.

Der Ausstellung liegt die These zugrunde, dass es sich bei der Sehnsucht nach bewusstseinserweiternden Erfahrungen um ein elementares menschliches Streben und damit um ein Phänomen der globalen Gesellschaft handelt. Von jeher gehen Menschen über physische und mentale Grenzen hinaus, um in einen anderen Bereich der Wahrnehmung zu gelangen.

Definitionen. Über die Jahrhunderte unterliegen ekstatische Erlebnisse unterschiedlichen Definitionen und Bewertungen, zugleich lassen sich jedoch verbindende Konnotationen finden. Ekstase wird stets als ambivalentes Phänomen gedeutet, denn der Zustand des Außer-sich-Seins birgt neben dem überbordenden Glücksgefühl auch mit dem Kontrollverlust einhergehende Gefahren. Das aus der Norm fallende Individuum und das Kollektiv stellen in Gesellschaften, die durch kapitalistische Ideale wie Gewinnoptimierung, maximale Effizienz und konstantes Wachstum geprägt sind, eine Bedrohung dar.

Facetten. 71 internationale Künstlerinnen und Künstler thematisieren in ihren Werken das Bedürfnis nach Entgrenzung, darunter Marina Abramovi?, Jean Benner, Gian Lorenzo Bernini, Louise Bourgeois, Günter Brus, Lovis Corinth, Salvador Dalí, Rineke Dijkstra, Otto Dix, Marlene Dumas, Dan Graham, Andreas Gursky, Ayrson Heráclito, Carsten Höller, Paul Klee, Paul Pfeiffer, Pablo Picasso, Aura Rosenberg, Egon Schiele, Jeremy Shaw, Franz von Stuck, Wolfgang Tillmans, Andy Warhol, La Monte Young, Francisco de Zurbarán.

Kunstwerke von der Antike bis in die Gegenwart führen so verschiedene Facetten wie den dionysischen Kult, die religiöse Verzückung, das orgastische Erleben, den brasilianischen Candomblé oder die drogeninduzierte Ekstase vor Augen.

Themenbereiche. Die Ausstellung gliedert sich in neun Themenbereiche, die anhand von rund 230 Kunstwerken der kunsthistorischen sowie der damit verbundenen kulturhistorischen Bedeutungsgeschichte der Ekstase exemplarisch nachspüren. Die Ausstellung blickt dabei auf den Umgang verschiedener Kulturkreise mit Entgrenzungen. Arbeiten von der Antike bis in die Gegenwart führen vor Augen, warum es gerade die Künste sind, in denen ekstatische Erlebnisse behandelt werden. Seit dem klassischen Altertum wird die transzendente Erfahrung mit dem künstlerischen Schaffensprozess und der in der Begegnung mit dem Kunstwerk ermöglichten ästhetischen Erfahrung verbunden. Mittels der Kunst kann so die Konfrontation mit dem Unbekannten, dem Unbenennbaren und Ungreifbaren nachempfunden und anschaulicher gemacht werden. Es ist diese epochenübergreifende, immer wieder infrage gestellte Überzeugung, dass Kunst in der Lage ist, Wahrnehmung und Bewusstsein zu verändern und damit eine Annäherung an ekstatische Momente zu ermöglichen, die das ungebrochene Interesse der Kunstschaffenden an diesem Phänomen erklärt.

Kunstmuseum Stuttgart /IZZ