Zahnaerzteblatt.de

 

Berufspolitik

Vertreterversammlung der LZK BW

 

Die Kammer – Partner und Macher

Ausgabe 1, 2019

Der 7. Dezember 2018 wird noch für längere Zeit in Erinnerung bleiben – an diesem Tag wählten die Delegierten der CDU in Hamburg Annegret Kramp-Karrenbauer zu ihrer neuen Vorsitzenden. Die Delegierten hatten die Wahl zwischen drei Kandidaten. Am 7. Dezember fand ein weiterer Akt der Demokratie statt – das höchste Beschlussgremium der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg kam zu seiner Vertreterversammlung zusammen. Die gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Organe und Gremien der Landeszahnärztekammer legten Bericht und Rechenschaft über ihre Arbeit ab.

Im vergangenen Jahr präsentierte LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert anhand einer Timeline gemeinsam mit seinem Vize die Jahresbilanz, in diesem Jahr wurde ein neues Format für die Berichterstattung eingeführt: Neben dem Präsidenten und dem Vizepräsidenten Dr. Norbert Struß informierten die Vorstandsmitglieder Dr. Norbert Engel, Dr. Peter Riedel, Dr. Bert Bauder und Dr. Hendrik Putze über die Arbeit und die Beschlussfassungen in den vom Vorstand eingesetzten Unterarbeitsgruppen Qualität, strukturelle und personelle Entwicklung und Nachfolgeregelung in den Fortbildungseinrichtungen und im Informationszentrum Zahngesundheit sowie Zahnärztlicher Notfalldienst.

Keine Chance für Disruption. Der Präsident begann in diesem Jahr philosophisch und erörterte den Mythos Disruption, von Matthias Horx aufgebracht, um ein neues Phänomen in Ökonomie und Politik zu beschreiben. Disruption entsteht immer dann, wenn alte Systeme träge, selbstgerecht und zukunftsblind werden. Aber die Mehrheit der Unternehmen ist durchaus vital und lernfähig – ebenso wie der Berufsstand. „Deshalb lassen Sie uns nicht klagen, sondern gestalten – damit die Disruption keine Chance hat“. Aktiv gestaltet hat die Kammer beim Thema renditegesteuerte Zahnärztegesellschaften, befand der Präsident, „selten haben wir ein solches Sperrfeuer entfacht“. Und zwar auf mehreren Ebenen: „Beim Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) unterstützen wir den Ansatz der KZBV, als Kammer bemühen wir uns um eine Änderung im Heilberufe-Kammergesetz, um die Kammermitgliedschaft juristischer Personen des Privatrechts festzuschreiben und gemeinsam mit der KZV BW haben wir eine Aktion auf Kreisvereinigungsebene initiiert.“

Dr. Tomppert informierte die Delegierten weiterhin über die EUDatenschutz- Grundverordnung. „Hier hat die LZK brilliert – unsere Task Force hat es geschafft, zügig eine barrierefreie, d. h. für Zahnärzte geeignete Handreichung zu erstellen und diese im Gespräch mit dem Landesdatenschutzbeauftragten abzustimmen“. Bezüglich der noch immer nicht erfolgten Novellierung der Approbationsordnung für Zahnärzte fand der Präsident klare Worte. Die Landesregierung sei verpflichtet, Geld in die Hand zu nehmen, um den Nachwuchs fit zu machen. „Und es kann auch nicht sein, dass einige Prothetiker ausbrechen und dem Berufsstand in den Rücken fallen“.

„Bei der Gebührenordnung tut sich nichts“, resümierte Dr. Tomppert und plädierte für einen alternativen Verfahrensweg anstelle der ständigen Forderung nach einer GOZ-Punktwerterhöhung.

Zwei Geschwindigkeiten. Die Vernetzung mit den anderen Länderkammern sei erfolgreich, betonte Dr. Tomppert, „wir haben alle unsere Anträge in der Bundesversammlung durchgebracht.“ Jetzt gelte es die fachliche Zusammenarbeit auch in anderen Bereichen zu intensivieren. Dazu haben sich die Südkammern Bayern, Hessen, Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg im Arbeitskreis „Zukunft der Kammern“ zusammengeschlossen.

Weitere Themen auf der Agenda des Präsidenten waren ein Sachstandsbericht zu den Anstrengungen der Heilberufe-Kammern Approbationsbehörde zu werden sowie die Arbeit in der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit (LAGZ), im Bereich der Alters- und Behindertenzahnheilkunde sowie bei der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit.

Politischer Erfolg. LZK-Vize Dr. Norbert Struß berichtete über den Arbeitskreis Aufbereitung zahnärztlicher Instrumente (AKAZI), der sich am 9. Juli unter Leitung von Ministerialdirigentin Dr. Monika Vierheilig konstituiert hat. Die Konstituierung ist Ergebnis der politischen Bemühungen der LZK, die Kollegenschaft beim Thema Praxisbegehungen zu unterstützen. Im Arbeitskreis werden aktuelle Probleme bei der Aufbereitung von Medizinprodukten im Rahmen der laufenden Praxisbegehungen mit den Vertretern des Sozialministeriums und den zuständigen Regierungspräsidien diskutiert und versucht, Lösungswege zu erarbeiten. Weiterhin informierte Dr. Struß über die Aktivitäten des Arbeitskreises „FUTURE NOW – Junge Zahnärzte in Baden-Württemberg“ zur Förderung des beruflichen und standespolitischen Nachwuchses.

Patientenzentrierte Versorgung. Bisher habe noch kein Qualitätsindikator den Beweis erbracht, zur Verbesserung der Versorgung einen Beitrag zu leisten. Stattdessen sei Qualität ein Wirtschaftlichkeitsinstrument der Politik. „Aber Qualität ist Aufgabe des Berufsstandes und im Zentrum steht der Patient“, so Dr. Norbert Engel, Referent für Qualitätsmanagement und Versorgungsforschung und Berichterstatter für die Unterarbeitsgruppe Qualität des Vorstandes. Man sei sich daher bei der Klausurtagung einig gewesen, „dass die patientenzentrierte Versorgung ein wesentliches Element der Berufsausübung“ ist.

Gewachsene Juwelen. Als Berichterstatter für die Unterarbeitsgruppe der kammereigenen Fortbildungseinrichtungen informierte Dr. Peter Riedel die Delegierten, dass man im Hinblick auf die anstehenden Nachfolgeregelungen sich sowohl mit allen strukturellen Varianten beschäftigt habe als auch zwei Findungskommissionen eingesetzt hat.

Das Informationszentrum Zahngesundheit (IZZ) soll nach dem Willen beider Körperschaften als Dach erhalten bleiben für die Koordination der gemeinsamen Öffentlichkeitsarbeit von Kammer und KZV, so Dr. Bert Bauder, Berichterstatter für die Unterarbeitsgruppe IZZ.

„Der zahnärztliche Notfalldienst der Stadt Stuttgart findet bei uns statt“. Diese und weitere Aktivitäten einer Z-MVZ GmbH sowie die Vorfälle rund um einen Zahnunfall in Biberach bildeten den Hintergrund für die Einrichtung der Unterarbeitsgruppe Zahnärztlicher Notfalldienst, so Dr. Hendrik Putze. Kammer und KZV sind beim Notfalldienst durch einen öffentlichrechtlichen Vertrag verbunden, so lag es nahe, dass die in beiden Körperschaften vorhandenen Arbeitsgruppen fusionierten und jetzt dabei sind, eine einheitliche Notrufnummer und eine Webseite auf die Beine zu stellen.

Anträge und Resolution. Im Rahmen der Aussprache zum Bericht des Präsidiums und des Vorstandes verabschiedeten die Delegierten dann vier Anträge:
  • zur Approbationsordnung für Zahnärzte mit der Aufforderung an die Landesregierung, die finanziellen Mittel im Landeshaushalt von Baden-Württemberg zur Umsetzung zur Verfügung zu stellen,
  • zur Beschränkung der Gründungsberechtigung von Krankenhäusern für zahnmedizinische MVZ sowie die Forderung nach einer Pflichtmitgliedschaft juristischer Personen des Privatrechts in der Kammer,
  • zum berufspolitischen Nachwuchs mit der Aufforderung an die Zahnärztinnen, sich künftig stärker in die Zahnärztliche Standespolitik und in die Gremien der Selbstverwaltung einzubringen,
  • zum seit 1988 unveränderten GOZ-Punktwert mit einer Aufforderung an den BZÄK-Vorstand, sich mit neuen Strategien um eine Anpassung zu bemühen sowie eine Resolution, in der die Delegierten feststellten, dass angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte auch in einem finanzinvestorgeführten MVZ als Freiberufler den Werten der Freiberuflichkeit verpflichtet sind.

Europäische Gesundheitspolitik. Über die seltene Gelegenheit, die eigene Arbeit und die des Brüsseler Büros der Bundeszahnärztekammer vorzustellen, freute sich der Büroleiter Dr. Alfred Büttner. Gerne sei er auch nach Stuttgart gereist, weil die baden-württembergischen Zahnärzte bekannt seien für ihr Interesse an Europa. Dr. Büttner gab den Delegierten zunächst einen Rückblick über den Verlauf des von der Kommission angestrengten Dienstleistungspaketes. „Der ökonomische Blick auf das Berufsrecht greift zu kurz“. Mit dem Verhältnismäßigkeitstest sollte das Berufsrecht weiter hinterfragt werden. Die Bereichsausnahme für die Heilberufe war politisch nicht machbar. Die über Dr. Andreas Schwab MdEP erreichte Sonderrolle als einzige Berufsgruppe geht auch auf das Konto von LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert, dem Dr. Büttner für sein Engagement am Vorabend der Entscheidung im Binnenmarktausschuss beim Politischen Abend der BZÄK in Brüssel nochmals dankte. Abschließend gab Dr. Büttner noch einen Ausblick auf die anstehende Europawahl am 26. Mai 2019. Der Berufsstand habe derzeit nicht viele Ansprechpartner, aber viele Europaabgeordnete kommen aus Baden-Württemberg. Diese Kontakte gelte es zu nutzen, um sich zu wappnen für das nächste Ungemach aus Brüssel: Die Generaldirektion Binnenmarkt der Europäischen Kommission hat eine wissenschaftliche Studie ausgeschrieben, die die Zusammenhänge von beruflicher Regulierung und Qualität der erbrachten Leistung untersuchen soll.

Berichte und Satzungen. Die Berichte der Referenten lagen den Delegierten schriftlich vor, ebenso die der Fortbildungseinrichtungen. Mündlich gaben Dr. Georg Bach und Dr. Eva Hemberger ihre Berichte zur Zahnärztlichen Patientenberatungsstelle Baden-Württemberg und zur Baden-Württembergischen Versorgungsanstalt für Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte ab. Mit einem Antrag unterstützte die Vertreterversammlung dann die Initiative des Verwaltungsrates der Patientenberatung Baden-Württembergs, auf Bundesebene auf die Wiederaufnahme des Dialogs zwischen gemeinsamem Vorstandsausschuss der Patientenberatung (BZÄK und KZBV) und den jeweiligen Partnern in den Bundesländern zu bestehen.

An Satzungsänderungen standen in diesem Jahr an: Die Beitragsordnung, die Gebührenordnung sowie die Reisekostenordnungen und die Aufwandsentschädigungsordnung. Auf Antrag von Dr. Lux sollten die Verleihbestimmungen für die Verdienstmedaille der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg geändert werden. Die Delegierten stimmten dem vom LZK-Vorstand vorgelegten neuen Konzept einstimmig zu.

Haushaltswesen. Der zweite Tag ist traditionsgemäß dem Haushalts- und Rechnungswesen vorbehalten: Nach einem ausführlichen Bericht der Haushaltsausschussvorsitzenden Dr. Eva Hemberger genehmigte die Vertreterversammlung die konsolidierte Bilanz der Landeszahnärztekammer und der Fortbildungseinrichtungen mit Haushaltsüberschreitungen für das Jahr 2017, entlastete den Rechnungsführer, genehmigte den IZZmit ZBW-Haushalt 2019 sowie den Haushalt 2019 der Zahnärztlichen Patientenberatungsstelle Baden- Württemberg ebenso wie den Haushalts- und Stellenplan 2019 der Landeszahnärztekammer mit Bezirkszahnärztekammern und Fortbildungseinrichtungen.

Abschließend bestimmte die Vertreterversammlung in Art und Höhe die Beitragstabelle der LZK BW für das Rechnungsjahr 2019 in der vorliegenden Fassung mit der Einzeldarstellung in den vier Kammerbereichen.

» mader@lzk-bw.de

 

Vertreterversammlung der BZK Stuttgart am 21. November 2018

 

Herausforderungen aktiv begegnen

Ausgabe 1, 2019

Die Delegierten der Bezirkszahnärztekammer Stuttgart trafen sich am 21. November 2018 im Zahnärztehaus zur Vertreterversammlung. Auf der Tagesordnung standen neben den Berichten des Vorstands auch die Verabschiedung des Haushalts 2019. Themen, die intensiv und teilweise auch kontrovers diskutiert wurden, waren vor allem die Zahnmedizinischen Versorgungszentren (Z-MVZ), Praxisbegehungen, Notdienst und Zahnmedizin in der Pflege.

Die Z-MVZ waren das Thema der Vertreterversammlung – sowohl im Bericht des Vorsitzenden, Dr. Eberhard Montigel, als auch in der anschließenden Diskussion. Mit deutlichen Worten kritisierte der Vorsitzende der BZK Stuttgart zu Beginn seines mündlichen Berichts die steigende Anzahl von Z-MVZ, die von Fremdinvestoren und mit Fremdkapital betrieben werden. Diese seien ausschließlich auf Rendite ausgerichtet und Therapieentscheidungen würden anhand von „Vorgaben fachfremder Investoren auf finanzieller Basis“ getroffen. Zudem unterlägen sie nicht dem Zugriff der Kammer und somit auch nicht dem Berufsrecht, da sie als juristische Personen keine Kammermitglieder seien. Ziel müsse deshalb sein, die Z-MVZ in die Kammern zu integrieren und auch juristische Personen als Kammermitglieder aufzunehmen. Er forderte, den Patientenschutz vor das Profitstreben zu stellen. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch, die junge Generation von Zahnärztinnen und Zahnärzten anzusprechen und für das Ehrenamt zu begeistern, um somit die Selbstverwaltung zu stärken.

Lösungen erarbeiten. Die Delegierten waren sich darüber einig, dass es hier guter Lösungen bedarf, die gemeinsam mit der Politik erarbeitet werden müssen, da ansonsten das System der zahnmedizinischen Versorgung in Deutschland infrage gestellt werde. Auch Dr. Torsten Tomppert, Präsident der LZK BW und Delegierter der BZK Stuttgart, sieht großen Handlungsbedarf. Es müsse an die Politik die Forderung herangetragen werden, dass Z-MVZ als juristische Personen ebenfalls Kammermitglieder werden. Der Zahnarzt als Freier Beruf müsse vor Fremdkapital geschützt werden, wie dies auch bei anderen Freien Berufen der Fall sei. Deshalb müsse in der Berufsordnung verankert sein, dass der Geschäftsführer und die Mehrheit der Gesellschafter eines Z-MVZ Zahnärzte sein müssen und dass kein Fremdkapital an Dritte abfließen dürfe.

Vorstandsarbeit. Im Bereich von Digitalisierung und Datenschutz werden die Herausforderungen immer größer, berichtete Dr. Montigel. Deshalb sei das Referat Praxisführung um den Bereich Digitalisierung erweitert worden. Dank des großen Engagements des Referenten und stv. Vorsitzenden der BZK Stuttgart Dr. Hendrik Putze konnten im Jahr 2018 zahlreiche Seminare und Informationsveranstaltungen zum Thema Datenschutz durchgeführt werden. Die Kammermitglieder seien umfassend informiert worden und konnten die Anforderungen der DSGVO in ihrer Praxis entsprechend umsetzen. Die mündlichen Berichte von Dr. Hendrik Putze, Referent für Praxisführung und Digitalisierung, Dr. Gerhard Cube, Referent für das Gutachterwesen, Dr. Edith Nadj-Papp, Referentin für Jugendzahnpflege und Prophylaxe, und Dr. Bernd Krämer, Referent für Zahnmedizinische Mitarbeiterinnen, boten ebenfalls Stoff für angeregte und konstruktive Diskussionen.

Einig waren sich Vorstand und die Delegierten darüber, dass man den Herausforderungen für den Berufsstand aktiv begegnen und Perspektiven für die Zukunft aufzeigen müsse.

» gabi.billischek@izz-online.de

 

Resolutionen und Beschlüsse der Vertreterversammlung der KZV BW

 

Kein Systemumbau durch Finanzinvestoren

Ausgabe 1, 2019

Einstimmiges Votum für den Erhalt und die Stärkung der flächendeckenden zahnmedizinischen Versorgung: Freiberuflichkeit und die Selbstverwaltung mit Gestaltungsspielraum sind Voraussetzungen dafür. Mit dieser Resolution und weiteren Beschlüssen positionierten sich die Delegierten der Vertreterversammlung der KZV BW am 30. November und 1. Dezember in Donaueschingen in aller Deutlichkeit. Einem Systemumbau durch versorgungsfremde Investoren will man vehement entgegenwirken. Vorstand und Ehrenamt der KZV BW sandten ein wichtiges Signal an den Berufsstand und die Öffentlichkeit: Kontinuierlich hohes Engagement von freiberuflich tätigen Zahnärzten ist wichtiger denn je.

„Es ist Zeit, sich über den Begriff der Nachhaltigkeit klar zu werden“, leitete Dr. Dr. Alexander Raff, der Vorsitzende der Vertreterversammlung, sein Statement ein. Zunächst unprätentiös und ruhig, doch bald schon wurde der Tonfall kritischer, als sich Raff den „Bundesverband der nachhaltigen Zahnheilkunde“ vornahm – ein MVZ-Interessenverband, der auf Bundesebene aktiv ist. Und ausgerechnet dieser Verband nehme Nachhaltigkeit in der medizinischen Versorgung in Anspruch. Hedgefonds aus Bahrein oder Kaffeeröster hätten ein großes Interesse, möglichst hohe Renditen einzufahren, es gehe denen aber nicht um nachhaltige Versorgung, so Dr. Dr. Raff. „Nachhaltigkeit für sich zu besetzen und zu pervertieren, ist reine Augenwischerei und eine Frechheit dieses Bundesverbandes“, bekräftigte der VV-Vorsitzende. „Freiberuflich tätige Zahnärztinnen und Zahnärzte, die freie Therapieentscheidung, die flächendeckend gute Versorgung und ihr Fortbestand: Das ist Nachhaltigkeit“, so Raff.

Intensive Arbeit. Vertragswesen, Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) und Medizinische Versorgungszentren, standespolitisches Engagement der jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte, Telematikinfrastruktur, Gutachterwesen, Zahnärzte- Praxis-Panel: Zu diesen und weiteren Themen bezog Vorstandsvorsitzende Dr. Ute Maier detailliert Stellung. Die Kritik am Verband der Ersatzkassen (vdek) wegen dessen inakzeptablen Gebarens in den Vergütungsverhandlungen mit der De-facto-Aufkündigung der Vertragspartnerschaft hielt auch in der VV an. Dr. Maier: „Es gibt beim vdek im Land keine Entscheidungsbefugnis mehr, das ist die Aufgabe der Selbstverwaltung durch die Selbstverwaltung.“ Wenn man nach höheren Instanzen schreie, sei das „eine Kapitulation vor sich selbst“. Dass das Vorgehen Methode hat, zeigen die von den Ersatzkassen angestrengten Schiedsamtsverfahren in fünf Bundesländern. Dr. Maier: „Die Versorgung kann nicht mit Maßgabe ‚möglichst billig‘ sichergestellt werden.“ Und weiter: „Wir werden für den Erhalt der Selbstverwaltung kämpfen!“

Dr. Uwe Lückgen, der Sprecher des Landesbeirates, würdigte die „extrem gute Vorbereitung“ auf die Schiedsamtsverhandlung, an der auch er teilgenommen hatte. Die andere Seite hätte mit ihrer Argumentation nicht punkten können. Auf die Frage von Dr. Carsten Ullrich nach der weiteren Strategie antwortete Dr. Maier: „Wir müssen jetzt abwarten, ob der vdek tatsächlich vor Gericht geht und den Schiedsspruch beklagt“ (stand bei Redaktionsschluss nicht fest).

Die intensive Diskussion der Delegierten drehte sich auch um die MVZ-Problematik und das geplante Terminservice- und Versorgungsgesetz. „Es ist ein großer Erfolg, dass wir es geschafft haben, die Politik zu sensibilisieren“, sagte stellv. Vorstandsvorsitzender Ass. jur. Christian Finster. In einigen Punkten sei man „noch nicht dort, wo wir hinwollen“, aber „wir werden uns weiter dafür starkmachen, für die Sache, den Politikern gegenüber, in der Öffentlichkeit“, betonte Finster. „Den Druck muss man jetzt aufrechterhalten, wir erwarten, dass politisch sehr verantwortungsvoll agiert wird zum Erhalt unserer guten zahnmedizinischen Versorgung“, kündigte stellv. Vorstandsvorsitzender Dipl.-Volkswirt Christoph Besters an.

Dass „das falsche, ungerechte Instrument der Degression abgeschafft werden soll, ist vorbehaltlos zu begrüßen“, betonte Dr. Eberhard Montigel. „Mit der Mehrkostenregelung in der KFO ist eine Idee aus Baden-Württemberg aus 2004 jetzt endlich auch auf Bundesebene angekommen und ins Gesetz eingeflossen“, erläuterte Dr. Maier. Dass eine entsprechende Vereinbarung bereits 2004 mit der AOK BW und anschließend auch mit den BKKen und der SVLFG gelungen ist, zeigt wie durch eine „gemeinsame und zukunftsweisende Vertragspartnerschaft“ die Versorgung der Versicherten verbessert und insbesondere gestaltet werden kann.

Programm. Einen Sachstandsbericht zum „Standespolitischen Programm 2017 – 2022“ gab Dr. Uwe Lückgen. Im Zentrum: Freiberuflichkeit, Zukunft der Selbstverwaltung, Strukturwandel im Berufsstand, Sicherstellung der Versorgung, das kollegennahe Prüfwesen, Bürokratieabbau und last, but not least die junge Zahnärztegeneration und ihr Engagement in ihren Selbstverwaltungskörperschaften. Lückgen hob die ins Leben gerufene Zukunftswerkstatt der KZV BW hervor und die beiden Zukunftsreferenten Dr. Christian Engel und Dr. Florentine Carow-Lippenberger, die sich intensiv um die Zukunftsfragen und die Einbindung junger Zahnärztinnen und Zahnärzte ins Ehrenamt kümmern. Lückgen: „Die Partizipation der Kolleginnen und Kollegen im Ehrenamt ist ein entscheidender Faktor für die Zukunft unserer Selbstverwaltung.“

Engagement. In seinem Abschluss- Statement appellierte Dr. Dr. Raff an die Delegierten und die Zahnärztinnen und Zahnärzte: „Überlegen Sie ganz persönlich, wo Sie sich einbringen können!“ Kontinuierlich hohes Engagement von freiberuflich tätigen Zahnärzten sei wichtiger denn je. Die nächste Vertreterversammlung findet am 28. und 29. Juni 2019 in Donaueschingen statt.

» guido.reiter@kzvbw.de

 

Vorstand der KZV BW im Interview

 

„Werte leben in unruhigen Zeiten“

Ausgabe 1, 2019

Im Gespräch: Der Vorstand der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg mit der Vorstandsvorsitzenden Dr. Ute Maier und den stellvertretenden Vorstandsvorsitzenden Ass. jur. Christian Finster und Dipl.-Volkswirt Christoph Besters zu aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im zahnärztlichen Berufsfeld.

Die Betonung von „Werten“ zieht sich durch den Bericht des KZVVorstands 2018. Welche gesellschaftliche Botschaft hat die Zahnärzteschaft in diesen turbulenten Zeiten?

Dr. Maier: Als Selbstverwaltungsorgan haben wir zunächst einen klar definierten gesetzlichen Auftrag. Aber wir verstehen uns gleichermaßen als verantwortungsbewusster gesellschaftspolitischer Akteur. Wenn vielerorts demokratische und rechtsstaatliche Strukturen in Frage gestellt werden, wenn Werte wie Mitmenschlichkeit buchstäblich verfallen, sind wir doch nicht außerhalb des Ganzen. Wir stehen mitten in der Gesellschaft – der Strukturwandel innerhalb der Zahnärzteschaft ist ja auch ein Spiegel gesellschaftlicher Entwicklungen. Es ist vieles im Umbruch und da gilt es anzupacken und zu gestalten.

Welches Resümee ziehen Sie, Herr Finster und Herr Besters, für die Zahnärzte in Baden-Württemberg?

Finster: Die erwähnte Unsicherheit war generell spürbar, nicht zuletzt weil dieses Land nach der Bundestagswahl vor einem Jahr eine historisch lange Zeit ohne reguläre Bundesregierung und damit ohne wirkliche politische Steuerung hinter sich hat. Monatelang war überhaupt nicht klar, wohin die Reise geht. Gerade im Bereich der Gesundheitspolitik wäre aber etwas mehr Planbarkeit und politische Verlässlichkeit wichtig. Und auch der dynamische neue Gesundheitsminister Spahn hat eine Weile gebraucht, um festzustellen, dass er nicht der Schattenkanzler ist, sondern in seinem originären Verantwortungsbereich genug zu tun hat. Bei der Umsetzung der europäischen Datenschutzgrundverordnung hatte die Zahnärzteschaft beispielsweise eine gewaltige Aufgabe zu stemmen.

Besters: Während sich die Politik um sich selbst gedreht hat, haben wir tagtäglich für eine gute zahnmedizinische Versorgung im ganzen Land gearbeitet. Das Prinzip der Selbstverwaltung hat sich dabei umso mehr bewährt. Ohne Selbstzufriedenheit, aber mit Genugtuung können wir feststellen: die Situation ist im ganzen Land überwiegend gut, es gibt keinen unterversorgten Bereich. Das geht auch aus unserem Versorgungsbericht hervor, den wir 2018 erstmalig herausgegeben haben. Gleichwohl wird uns die Versorgung im ländlichen Raum zunehmend mehr beschäftigen. Zu nennen wäre außerdem das Chaos um die bisher völlig missglückte Digitalisierung des Gesundheitswesens, die in den Zahnarztpraxen für viel Unsicherheit und Unmut gesorgt hat.

Im Vertragswesen steht der Baden- Württembergische Weg mit Ihrem Konsensmodell im Zentrum Ihrer Aktivitäten. Wie lief es denn in diesem Jahr mit den Vertragspartnern?

Finster: Wir haben in der ersten Jahreshälfte Abschlüsse mit der AOK, den Betriebskrankenkassen, der SVLFG-LKK, der Knappschaft und der IKK classic herbeiführen können. In den meisten Fällen liegt die Vergütung in allen Leistungsbereichen über der Grundlohnsumme. Lediglich der Verband der Ersatzkassen hat trotz maximaler Kompromissbereitschaft auf unserer Seite das bereits vereinbarte Ergebnis wieder kassiert. Diese Abkehr von der Vertragspartnerschaft ist eine mehr als bedenkliche Entwicklung.

Konkret zum Verband der Ersatzkassen: In Baden-Württemberg haben Sie im Juli ein Vertragsergebnis erzielt, das dann vom vdek auf Bundesebene kassiert wurde. Was ist der Hintergrund, wie kommt man aus so einer vertrackten Situation heraus?

Finster: Dieser Situation ist ja ein monatelanger Verhandlungsmarathon vorausgegangen, bei dem wir den Ersatzkassen weit entgegengekommen sind. Die zwischenzeitliche Einigung ist dann von vdek auf Bundesebene abgelehnt worden, weswegen wir uns gezwungen gesehen haben, das Schiedsamt anzurufen. Das Verhalten von vdek ist unverantwortlich, weil der Abschluss sehr moderat gewesen wäre und auch die schwierige finanzielle Lage einzelner Ersatzkassen berücksichtigt hat. Noch bedenklicher ist aber die Tatsache, dass die neue Landesleitung von vdek offensichtlich keinerlei Verhandlungsmandat hat. Ein föderales Prinzip wird aber vom Gesetzgeber explizit gefordert. Zum weiteren Verfahren: Zunächst muss jetzt das Schiedsamt entscheiden. Perspektivisch stellt sich tatsächlich die Frage, ob die Ersatzkassen wieder zu einer vertragspartnerschaftlichen Linie zurückfinden, was ja nicht zuletzt im Sinne ihrer eigenen Versicherten wäre. Wir stehen dafür jedenfalls auch weiterhin bereit.

Im Sommer waren die Medien voll mit dem schwierigen Thema zahnmedizinische Versorgungszentren, Veränderungen in der Versorgungsstruktur und Fehlsteuerung zulasten des ländlichen Raumes.

Dr. Maier: Dass wir das Thema an die Öffentlichkeit gebracht haben, war bitter notwendig, denn hier ereignet sich nicht weniger als eine großflächige Erosion der Versorgungsstrukturen. Eigentlich sollten diese Zentren die Versorgungssituation im ländlichen Raum verbessern, aber in der Realität entstehen sie zum größten Teil in den finanzstarken Ballungsräumen und ziehen viele jüngere Zahnärztinnen und Zahnärzte an. Die fehlen dann in der Versorgung in den übrigen Teilen des Landes, wo Praxisinhaber oft keine Nachfolger mehr finden. Vielfach stehen große Finanzinvestoren wie Private Equity Gesellschaften dahinter, die in den deutschen Dentalmarkt investieren, um hohe Renditen zu erzielen – nicht, weil sie irgendein Interesse an der Versorgung hätten.

Wie geht es mit dem MVZ-Thema weiter? Wie könnte man den Zugang von Fremdinvestoren begrenzen?

Finster: Das Einfallstor für die Investoren ist vielfach der Aufkauf maroder Krankenhäuser, womit sie die Berechtigung erwerben, zahnärztliche MVZ zu gründen, auch wenn diese Kliniken nicht zahnmedizinisch tätig sind. Es müsste für die Gründungsberechtigung also festgelegt werden, dass einerseits ein fachlicher Bezug des Investors zur zahnmedizinischen Versorgung, als auch die räumliche Nähe der bestehenden Einrichtung zur geplanten Zentrum bestehen muss.

Ein Aufregerthema ist die Anbindung der Praxen an die Telematikinfrastruktur. Der Selbstverwaltung kommt hier eine wichtige Rolle zu: die Zahnärzte zu unterstützen und zu informieren. Wie sieht das konkret in der täglichen Praxis aus?

Besters: Wir haben die Zahnärzteschaft per Rundschreiben und Gesundheitstelegramm regelmäßig über die aktuellen Entwicklungen informiert und bieten eine qualifizierte Beratung für alle, die sich an uns wenden. Entscheidend ist darüber hinaus, dass wir uns als Standesvertretung weiter lautstark für die Interessen der Zahnärzteschaft einsetzen. Bei den höheren Erstattungspauschalen haben wir mit unserer Forderung effektiv etwas erreichen können.

Ein Blick in die Zukunft: Was bringt das neue Jahr, was muss dringend umgesetzt werden, was steht auf Ihrer Liste ganz oben?

Dr. Maier: Ein ganz großes Feld ist die Versorgung pflegebedürftiger Mitbürgerinnen und Mitbürger. Wir haben hier große Fortschritte erzielen können, aber es gibt immer noch zu viele Menschen, die noch nicht in ausreichendem Maß von der zahnmedizinischen Versorgung erreicht werden. Daran arbeiten wir, u. a. durch weitere Kooperationsverträge mit Pflegeheimen, mehr Hausbesuche oder durch eine bessere Aufklärung und Unterstützung des Pflegepersonals.

Finster: Zu wünschen wäre eindeutig, dass die Politik Maßnahmen zum Abbau unnötiger Bürokratie in den Praxen auf den Weg bringt, damit die Zahnärztinnen und Zahnärzte sich wieder mehr der Behandlung und weniger der Verwaltung widmen können.

Besters: Die Anbindung der Praxen an die Telematikinfrastruktur wird über den Jahreswechsel hinaus ein zentrales Thema bleiben. Wir haben ein hervorragendes Gesundheitssystem, aber bei der Digitalisierung sind wir Entwicklungsland. Wenn diese Schere etwas zusammengeht, profitieren viele davon.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellten Dr. Holger Simon-Denoix und Florian Wahl

 

Ehrenamt der KZV BW im Interview

 

„Wertvoll wirken für den Berufsstand“

Ausgabe 1, 2019

Lebendige Vertreterversammlungen, Diskussionsfreude und Meinungsvielfalt, kollegiales Miteinander, klare Kante bei den Beschlüssen – alles Zeichen einer Selbstverwaltung, die ihren Auftrag verantwortungsvoll mit viel Energie zum Wohle der Kollegenschaft wahrnimmt. So wünschen sich das auch der VV-Vorsitzende Dr. Dr. Alexander Raff und Dr. Uwe Lückgen, der Sprecher des Landesbeirates. Im Interview ziehen sie Bilanz, geben Einblick in Ehrenamt und standespolitische Aktivitäten und benennen die Herausforderungen der Selbstverwaltung der Zukunft.

Herr Dr. Dr. Raff, kurz vor dem Jahreswechsel: Wie sieht Ihre Bilanz aus zu diesem berufspolitisch sehr ereignisreichen und anspruchsvollen Jahr?

Dr. Dr. Raff: Wenn man sich unsere Vertreterversammlungen anschaut mit der enormen Vielzahl an Themen und den ausführlichen Debatten, ziehe ich eine sehr positive Bilanz. Das ist lebendiges Ehrenamt, das seinen Auftrag und seine Aufgaben ernst nimmt. Sich informieren, diskutieren, Meinungen austauschen, die Richtung der KZV BW vorgeben als Vertreterinnen und Vertreter der Kollegenschaft in Baden-Württemberg, das wird bei uns stets aufs Neue eingelöst. Unser ehrenamtliches Handeln ist eingebettet in ein kollegiales Miteinander, das freut mich besonders. Und es tut einfach gut, dass man in so einer zweitägigen, fordernden Versammlung auch lockere Momente hat, dass man zusammen lacht, mal auch was nicht so ernst nimmt. Das gehört unbedingt dazu.

Herr Dr. Lückgen, war es aus Ihrer Sicht ein gutes Jahr mit guten Ergebnissen? Oder hätten Sie sich mehr gewünscht?

Dr. Lückgen: Wir müssen nicht unzufrieden sein. Wir haben alle wichtigen Themen aktuell auf dem Schirm, wir sind hervorragend aufgestellt in Baden-Württemberg mit starker Ausrichtung auf die Bundesebene mit zunehmendem Einfluss, unsere berufspolitischen Überzeugungen umzusetzen. In den Gremien der KZBV ist Baden-Württemberg Impulsgeber. Wir wünschen uns natürlich noch mehr positive Ergebnisse für die Kolleginnen und Kollegen, das ist klar und das ist ja auch der Ansporn, auf der Grundlage des Erreichten neue Ziele festzulegen und bestmöglich umzusetzen.

Die Sommer-VV war intensiv und geprägt von Diskussionsfreude und hohem Engagement der Delegierten. Ein Konzept für die Selbstverwaltung der Zukunft?

Dr. Lückgen: Die Diskussion ist wichtig, reicht aber nicht. Aktives Handeln und Engagement sind für mich entscheidender. Das ist arbeitsintensiv. Ich möchte präzisieren: Die diskussionsfreudigen und kritischen Delegierten bilden einen Eckpfeiler im Gesamtkonzept Selbstverwaltung der Zukunft. Die Standesvertretung lebt auch durch das Engagement vieler Kolleginnen und Kollegen, dies ist ein weiterer Eckpfeiler. Ich nenne als Beispiel die Fachreferenten und die Kreisvereinigungsvorsitzenden und ihre wichtige Rolle an der Basis. Hinzu kommen alle Zahnärztinnen und Zahnärzte, die eine Aufgabe in der KZV BW übernommen haben und sich engagieren. Wir sind da sehr gut besetzt, müssen aber auch dahinter sein, dass wir die junge Zahnarztgeneration rechtzeitig für die Übernahme von Verantwortung im Ehrenamt gewinnen. Auch das zählt für mich zu den Eckpfeilern.

Es ist eines Ihrer Hauptanliegen, gerade die jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte für die Selbstverwaltung zu gewinnen.

Dr. Dr. Raff: Das liegt mir sehr am Herzen, das stimmt. Ich habe in einem wissenschaftlichen Aufsatz eine sehr gute, kurze Definition gelesen: „Selbstverwaltung meint die eigenverantwortliche Erledigung öffentlicher Aufgaben durch die davon Betroffenen“. In Fragen der zahnmedizinischen Versorgung sind wir alle betroffen, über 7.900 Kolleginnen und Kollegen. Und wir haben die Chance, auf Grundlage unseres Fachwissens und im Aufgabenrahmen der KZV BW die Versorgung für die gesetzlich Versicherten zu gestalten, neue Versorgungsnotwendigkeiten zu erkennen, drängende Probleme aufzugreifen und zu kommunizieren, die richtigen Fragen zu stellen und zu beantworten. Wir müssen den Strukturwandel mitbegleiten, den Generationenwechsel und die Vorstellungen der jungen Kollegen und vor allem Kolleginnen. Wir müssen uns um die deutlich steigende Anzahl der angestellten Zahnärzte Gedanken machen. Aber nicht nur die Zahnärztinnen und Zahnärzte wandeln sich, sondern damit auch die Praxisstrukturen. Zuvorderst sei hier die Entwicklung bei den fachgruppengleichen MVZ angesprochen. Ein super drängendes Thema!

Wie binden Sie die junge Zahnärztegeneration ins Ehrenamt ein, wie kommen Sie in Kontakt?

Dr. Lückgen: Nehmen wir gleich mal unsere Vertreterversammlung. Die ist mit der letzten Wahl deutlich jünger geworden. Wir haben Zukunftsreferenten, die die Fragen und Wünsche ihrer Generation aufnehmen und in die Diskussion einbringen. Es gibt zahlreiche Veranstaltungen, beispielsweise der zahnmedizinischen Fachschaften, vom SummerDentival bis zum Zahni- Kick, die wir gerne begleiten. Die Berufskunde-Vorlesung an den Universitäten in Baden-Württemberg ist für mich die Veranstaltung, die angehenden Kolleginnen und Kollegen für ihre Interessenvertretung zu sensibilisieren. Wir stellen hier die Körperschaften mit ihren Aufgaben vor und die Möglichkeiten sich für den Berufsstand zu engagieren. In einem entspannten Rahmen lernt man die Selbstverwaltung als moderne, aktuelle, flexible Einheit der Kollegenschaft kennen – und kann sie für sich entdecken.

Ein großes Thema im laufenden Jahr war die von der KZV BW erstmals durchgeführte Versichertenumfrage. Als Sie die Ergebnisse erfahren haben, wie war Ihre spontane Reaktion?

Dr. Dr. Raff: Die Ergebnisse haben mich sehr gefreut – als Zahnarzt, als Standesvertreter und als Baden-Württemberger, der hier ausgesprochen gerne lebt. Die Umfragewerte, die erhoben wurden, sind außerordentlich gut. In diesen unruhigen Zeiten mit großen Unsicherheiten in vielen Lebensbereichen ist in puncto zahnmedizinische Versorgung durch den Zahnarzt des Vertrauens alles in Ordnung. Für diesen klaren Vertrauensbeweis spreche ich ein großes Dankeschön an unsere Patientinnen und Patienten aus. Vertrauen muss man sich hart erarbeiten, es entsteht aus Vertrauen, das macht es so besonders und wertvoll. Dieses ausgesprochene Vertrauen ist die unabdingbare Basis, gleichzeitig aber auch das Spezifikum freiberuflichen zahnärztlichen Handelns.

Herzlichen Dank für das Gespräch!

Die Fragen stellte Guido Reiter

 

Gemeinsame Gutachtertagung der LZK BW und der KZV BW in Stuttgart

 

Fallstricke und Verteidigungsstrategien im zahnärztlichen Gutachterwesen

Ausgabe 1, 2019

Zur gemeinsamen Gutachtertagung hatten beide zahnärztlichen Körperschaften unseres Bundeslandes geladen und so füllten am 17. November 2018 gut 300 Vertrags-, Gerichts- und Privatgutachter den Versammlungsraum des Dormero Hotels in Stuttgart. Ziel des Organisationsteams war es, Lösungswege bei Problemfällen im Gutachterwesen aufzuzeigen, aber auch die fachliche Fortbildung sollte nicht zu kurz kommen.

Den Auftakt zum Tagungsprogramm steuerte Professor Dr. Marc Schmitter bei, der über Fallstricke bei der Verwendung keramischer Werkstoffe aus gutachterlicher Sicht sprach. Wer hier einen eher spröden, auf werkstoffkundliche Fragestellungen fokussierten Beitrag erwartet hatte, sah sich (angenehm) überrascht, vermochte der Würzburger Hochschullehrer doch in sehr interessanter und hervorragend dokumentierter Weise auf relevante Probleme bei der Insertion und Beurteilung keramischer Werkstoffe hinzuweisen und wichtige Tipps zu geben. Erste Take-home-message: „Um Misserfolge zu vermeiden, müssen Sie Bruxismus bei Ihren Patienten vor einer Neuversorgung, ggf. mit keramischen Materialien, erkennen, hierfür aber auch über geeignete Diagnoseverfahren verfügen!“ Neuen digital unterstützten Verfahren misst Schmitter hohe Wertigkeit zu.

Dadurch dass bei zahlreichen Studien zu keramischen prothetischen Werkstücken Bruxismus-Patienten von vorneherein ausgeschlossen waren, ist die Datenlage indes nicht eindeutig, es ist lediglich ein Trend erkennbar, der klar in die Richtung Verwendung monolithischer Werkstoffe geht. Konsentiert indes ist die Erkenntnis der unbedingten Erfordernis des Einhaltens von Herstellerangaben der verwendeten Materialien (Mindestschichtstärken/ Dimensionierung von Verbindern/ Konditionierungen/nachträgliches Beschleifen, die Art der Befestigung etc.) – „Sie sehen, ein hochkomplexes Thema, zumal Fehler vom Material nicht verziehen werden!“, so Schmitter.

Diese Vorgaben dienten in der anschließenden Präsentation diverser Patientenfälle quasi als Checkliste, anhand derer die individuelle Fehleranalyse durchgeführt werden konnte. Aber: „Aufgrund der hohen Streuung (Weibullmodul) keramischer Werkstoffe sind diese als vulnerabel und sensibel anzusehen und deshalb gibt es auch eine nicht zu unterschätzende Zahl schicksalhafter Versagensfälle.

Verteidigungsstrategien. „Vor Gericht und auf hoher See ...“, wer kennt es nicht, dieses Bonmot? Rechtsanwalt Tobias Meyer machte aus der Not eine Tugend und stellte Verteidigungsstrategien in einer mündlichen (Gerichts-)Verhandlung vor. Angriffspunkte der gegnerischen Seite, so Meyer, seien der Inhalt des Gutachtens an sich, aber auch die Person des Gutachters selbst. Vor allem falls die gutachterliche Persönlichkeit in den Fokus anwaltlicher Aggression gelangen sollte, sei unbedingte Gelassenheit des Gutachters geboten, „lassen Sie sich keinesfalls provozieren!“ Inhaltliche Kritik- und Angriffspunkte können durch richtigen Sprachgebrauch von vornherein vermieden werden, so dass das Ergebnis korrekt und kompetent vertreten werden kann.

Ehrungen. Neuland beschritten die beiden zahnärztlichen Körperschaften Baden-Württembergs, indem erstmals im Rahmen einer Gutachtertagung Gutachterinnen und Gutachter, die in den vergangenen beiden Jahren ihre gutachterliche Tätigkeit beendet haben, geehrt wurden und neu gewonnene körperschaftlich- gutachterlich tätige Kolleginnen und Kollegen begrüßt wurden. Startpunkt und Schlusspunkt gutachterlicher Tätigkeit im Kreise der „Gutachterfamilie“ – eine schöne und kollegiale Geste!

BMV-Z. In die eher raueren Sphären des gutachterlichen Alltags wurden das Auditorium durch die Vorstandsvorsitzende der KZV Baden- Württemberg, Dr. Ute Maier, und durch den Gutachterreferenten der LZK Baden-Württemberg, Dr. Bert Bauder, geführt, indem Updates im vertragszahnärztlichen und im privat-/gerichtszahnärztlichen Gutachterwesens vermittelt wurden. Den ersten Teil des Vortragsblocks der Vorstandsvorsitzenden der KZV Baden-Württembergs nahmen Änderungen des nun für alle Kassenarten gültigen BMV-Z ein; hier stieß vor allem der § 4 (Gutachterwesen) auf hohes Interesse des Auditoriums, wurde dort doch das gleichberechtigte Mit- und Nebeneinander des einvernehmlich vereinbarten vertragszahnärztlichen Gutachterwesens und des MDK geregelt. Mit großen baden-württembergischen Kassen konnte bereits eine Regelung dahingehend erzielt werden, dass das körperschaftliche Gutachterwesen als das gültige vereinbart wird, mit dem vdek indes steht eine solche Regelung aus, da die vdek- Bundesspitze das MDK-GA-Wesen präferiert. Zwei aktuelle Begutachtungsfälle, die Dr. Ute Maier vorstellte (Zuständigkeit des MDK und Begutachtung nach Eingliederung Langzeitprovisorium), nahmen den zweiten Teil der Ausführungen der KZV-Vorsitzenden ein. Hinweise zur aktuellen Vertragslage rundeten ihre Ausführungen ab.

Der Gutachterreferent der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg definierte in seinen Ausführungen die Anforderungen, die an ein Gutachten und einen Gutachter gestellt werden, um dann zur Beauftragung zur Erstellung eines Gutachtens und dessen Aufbau überzugehen. Den letzten Teil seiner Ausführungen nahmen Strategien zur Fehlervermeidung und zur Erläuterung eines Gutachtens bei Gericht ein.

Angemessenheit. Dem Referentenduo Dr. Dr. Alexander Raff und Dr. Jan Wilz oblag es, ein gutachterlich sehr relevantes Problem darzustellen und zu beleuchten; beide GOZ-Experten sprachen – wen wundert‘s? – über die Angemessenheit von Honorarund Laborleistungen im Gutachten. „Angemessenheit ist immer relativ und nie fix!“, dies das Eingangsstatement der beiden GOZ-Experten. Nur durch die persönliche Betrachtung durch den Gutachter ist eine Beurteilung dieses Sachverhaltes möglich. Somit birgt der Begriff des Ermessens einen klaren Spielraum für eigene gutachterliche Entscheidungsfindungen. Um hier Hilfestellung zu geben, untermauerten die beiden Referenten ihre Ausführungen mit aktuellen GOZ-Urteilen.

Nach einem mit Informationen prall gefüllten Fortbildungstag konnten der LZK-Gutachterreferent, Dr. Bert Bauder, und der Gutachterreferent der KZV BW, Dr. Georg Bach, nach der Abschlussdiskussion die Verabschiedung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer vornehmen und einen guten Nachhauseweg wünschen.

Dr. Bert Bauder, Dr. Georg Bach

 

Landeskongress Gesundheit Baden-Württemberg am 25. Januar 2019

 

Zahnärzteschaft aktiv für eine nachhaltige und zukunftsweisende Versorgung

Ausgabe 1, 2019

Zum Jahresauftakt 2019 findet auf der Landesmesse Stuttgart der vierte Landeskongress Gesundheit unter dem Motto „Gesundheit – von Menschen für Menschen“ statt. Der Kongress ist ein zentrales Forum des baden-württembergischen Gesundheitswesens und widmet sich im interdisziplinären Austausch zentralen Fragen der Gesundheitsversorgung. Als bundesweit einzige Veranstaltung, bei der Verantwortungsträger der Selbstverwaltung, ambulante und stationäre Leistungserbringer, Kostenträger sowie Vertreter von Politik und Interessenverbänden zusammenkommen, setzt der Kongress wichtige Impulse für die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens. Auch die zahnärztlichen Körperschaften beteiligen sich aktiv am Landeskongress und bringen ihre Expertise ein.

Politik. Der Vormittag steht im Zeichen der Politik und kann mit verschiedenen hochkarätigen Gästen der Landes- und Bundesebene aufwarten: Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann wird in seinem Grußwort über die Bedeutung des Gesundheitswesens in Baden-Württemberg sprechen. Von der Berliner Bühne wird zudem der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium für Gesundheit Dr. Thomas Gebhart MdB anwesend sein und über „Aktuelle Herausforderung der Gesundheits- und Pflegepolitik“ aus Sicht des Bundes referieren.

Interaktion. Als weiteren Schwerpunkt setzt der Kongress gezielt auf Partizipation und Interaktion. Der Austausch zwischen den verschiedenen Akteuren im Gesundheitswesen wird durch den Einsatz modernster Kongresstechnik gefördert. Ein eigens für den Landeskongress Gesundheit entwickeltes Programm ermöglicht es den Teilnehmern, über ihre mobilen Endgeräte Fragen und Anmerkungen an die Referenten zu schicken.

Zukunftsfragen. Neben vielfältigen Gelegenheiten zum persönlichen Austausch und Networking dient das World Café Format am Nachmittag zur Diskussion und Vertiefung der Themen. Dazu finden sechs interdisziplinäre Foren zu zentralen Zukunftsfragen statt.

  • Wer versorgt künftig die Patienten in Baden-Württemberg?
  • Tun wir genug für die individuelle Gesundheitsvorsorge?
  • Wie lassen sich strukturelle Probleme bei der Patientenversorgung überwinden?
  • Was ändert sich im Versorgungsalltag der Krankenhäuser?
  • Entspricht das tradierte ärztliche Handeln noch den Bedürfnissen der Patienten?
  • Wie verändert die wachsende Zahl Pflegebedürftiger den medizinischen Alltag?

Im Rahmen der thematischen Foren werden sich Vertreterinnen und Vertreter der Zahnärzteschaft in Baden-Württemberg mit ihrer Expertise und den Erfahrungen aus der Praxis einbringen.

Prävention. Eine gute Vorsorge ist ein elementarer Bestandteil der heutigen zahnmedizinischen Versorgung und für den Erhalt der Zahngesundheit unverzichtbar. Gerade in diesem Bereich wird überdies deutlich, wie sehr sich Medizin und Zahnmedizin gegenseitig beeinflussen und positiv ergänzen können. Das Forum zur individuellen Gesundheitsvorsorge wird von Dr. Ute Maier, Vorstandsvorsitzende der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg ,verantwortet und widmet sich mit kompetenten Gästen den verschiedenen Aspekten der Prävention.

Pflege. Zudem wird im Rahmen des Pflegeforums auch die zahnmedizinische Betreuung pflegebedürftiger Patienten thematisiert, die in den letzten Jahren immer stärker in den Fokus der Versorgung geraten ist. Als Experte steht Dr. Elmar Ludwig, Referent der Landeszahnärztekammer für Alters- und Behindertenzahnheilkunde, zum Dialog bereit.

Teilnehmen. Der Landeskongress Gesundheit richtet sich an Ärzte und Zahnärzte sowie an alle anderen Akteure im Bereich der Gesundheitsversorgung.

» simon-denoix@kzvbw.de