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Leitartikel

Die Zukunft hat begonnen

Ausgabe 3, 2019

Der Wind des Wandels weht. Demografie, Strukturwandel, Digitalisierung und Europa stellen Herausforderungen für die zukünftige zahnmedizinische Versorgung und damit für Patienten, Zahnärzte und Selbstverwaltung dar.

Wissenschaftliche Quantensprünge und technologische Innovationen sowie ein Mehr an Bürokratie und ein höheres Anspruchsverhalten der Gesellschaft stehen veränderten Verhältnissen und Bedürfnissen der Zahnärzteschaft gegenüber. Nahezu die Hälfte unseres Berufsstandes ist weiblich, mehr als zwei Drittel der aktuell Zahnmedizin Studierenden ebenso. Anders geartete Prioritätensetzung der jüngeren Generation bei der Berufsausübung zugunsten des erklärten Wunsches, mehr Zeit für Familie und Freizeit haben zu wollen und nicht viel Zeit mit Überstunden in der Praxis zu verbringen, sind deutlich erkennbar.
Dies sind mögliche Gründe dafür, dass der Weg in die eigene Praxis heute später gesucht oder langfristig das Angestelltenverhältnis bevorzugt wird. Verschärft wird dieser Trend dadurch, dass andere Player den Gesu nd heitsbereich betreten und beispielsweise Fremdinvestoren Groß-MVZ und Praxisketten gründen.
Nun, wo stehen wir? Welche Konzepte haben die zahnärztlichen Körperschaften zu bieten? Wohin müssen wir steuern? Die Bundesversammlung der BZÄK hat sich im November des letzten Jahres in Frankfurt intensiv damit befasst, wie mit diesem Strukturwandel umzugehen ist und eine flächendeckende, patientenzentrierte Versorgung durch fachlich und wirtschaftlich unabhängige Zahnärzte weiterhin gewährleistet werden kann.


Dieses in erster Linie, so die von einem Verband initiierte Forderung, durch Einführung einer starren Frauenquote für alle berufspolitischen Gremien erreichen zu wollen, konnte nicht überzeugen. Breite Unterstützung fanden vielmehr Anträge, den berufspolitischen Nachwuchs insgesamt zu fördern. Damit soll eine stärkere personelle Repräsentanz junger Kolleginnen und Kollegen in den Gremien und inhaltlich eine stärkere Beachtung ihrer Bedürfnisse erreicht werden. In Baden-Württemberg werden bereits aktuell höchste standespolitische Ämter von Frauen bekleidet und die Realität zeigt in Studentenvertretungen und bei standespolitischen Nachwuchsveranstaltungen eine deutliche Zunahme der Kolleginnen.
Als strategisches Konzept wurde von der Landesz a h n ä r z t e k a m m e r Baden-Württemberg bereits im Jahr 2014 der Arbeitskreis „Future NOW – Junge Zahnärzte in Baden- Württemberg“ gegründet, der seit 2015 gemeinsam mit der Kassenzahnärztlichen Vereinigung in Baden- Württemberg geführt wird. Hier wird der Kontakt zu den Zahnmedizinstudenten der Landesuniversitäten, zu Assistenten, jungen Kollegen und Neuniedergelassenen hergestellt. Ziel ist die fachliche und unabhängige Information, Beratung, Unterstützung und Begleitung in einer sich dramatisch verändernden Welt der Zahnmedizin. Und Ziel ist es auch, die jungen Kolleginnen und Kollegen zu ermuntern, sich aktiv in die politische Gestaltung der zukünftigen Rahmenbedingungen zahnärztlicher Berufsausübung einzubringen.