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Praxis

Seminarangebot und technische Lösungen

 

Gewaltprävention für mehr Sicherheit in den Praxen

Ausgabe 4, 2019

Die meisten Zahnärztinnen und Zahnärzte, aber auch die Mitarbeiterinnen in der Praxis werden mit diesem Problem früher oder später konfrontiert: Wie soll man sich verhalten, wenn Patienten unangenehm auftreten oder gar aggressiv werden? Besonders die Vorstellung von Bedrohungen oder Gewalt während des nächtlichen Notdienstes, wenn man allein in der Praxis ist, trägt zur Verunsicherung bei. Doch gezielte Prävention ist möglich und sinnvoll. Der richtige Umgang mit dem Gegenüber und ein selbstbewusstes Auftreten können trainiert werden. Und es gibt technische Lösungen wie Notruf-Apps für zusätzliche Sicherheit.


Prävention. Es gibt verschiedene Angebote und Mittel zur Abwehr bzw. Prävention von Gewalttaten.

Mehr Straftaten. Medienberichten zufolge ist die Zahl der Straftaten gegen Ärztinnen und Ärzte in Baden-Württemberg zuletzt deutlich gestiegen. Während es im Jahr 2014 offiziell noch 62 Fälle waren, wurden 2017 bereits 92 Fälle registriert. Keine Zahlen gibt es für medizinische Fachangestellte, generell ist jedoch von einer hohen Dunkelziffer auszugehen. Steigende Gewalt gegenüber der Ärzteschaft und den Praxisteams in Deutschland ist damit ein immer größeres Problem, das auch von den Berufsverbänden und Organisationen der Selbstverwaltung im Gesundheitswesen ernst genommen wird.

Gesetzeslage. Spätestens nach dem tödlichen Messerangriff auf einen Allgemeinmediziner in Offenburg im vergangenen Jahr setzte eine breite öffentliche Debatte darüber ein, wie Ärzte und Angehörige anderer Berufsgruppen wie beispielsweise Rettungssanitäter besser geschützt werden können. Der Verband medizinischer Fachberufe forderte etwa, dass Gewalt gegen Praxisteams in den Straftatbestand „Tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und Rettungsdienstmitarbeiter“ aufgenommen wird. 2017 wurde im Bundestag bereits ein „Gesetz zur Stärkung des Schutzes von Vollstreckungsbeamten und Rettungskräften“ beschlossen, das tätliche Angriffe auf Vollstreckungsbeamte stärker sanktioniert und dies auch auf Angehörige von Feuerwehr, Katastrophenschutz und Rettungsdiensten ausweitet.

Präventionskonzepte. Was jedoch können Praxisinhaber selbst ganz konkret unternehmen, um sich und ihre Angestellten besser zu schützen? Klar ist: Es gibt verschiedene Angebote und Mittel zur Abwehr bzw. Prävention von Gewalttaten. Grundsätzlich sollte man sich aber damit auseinandersetzen, dass es absolute Sicherheit nicht geben kann. Eine Zahnarztpraxis ist kein Hochsicherheitstrakt, auch wird man schwerlich in jedem Wartezimmer Metalldetektoren wie bei der Sicherheitskontrolle an Flughäfen installieren können. Umso entscheidender ist jedoch, dass die Praxen Notfallpläne entwickeln und jedem Beteiligten im Team zu jeder Zeit klar ist, wie man mit aufdringlichen oder aggressiven Personen umgehen sollte. Eine förderliche Anlaufstelle, um rechtzeitig Präventionskonzepte zu entwickeln, stellen hier die Kriminalpolizeilichen Beratungsstellen dar, die man unter www.polizei-beratung.de findet.
Hilfreich ist in jedem Fall Erfahrung im Umgang mit potenziell gefährlichen Patienten, das nötige Maß an Selbstbewusstsein und wenn nötig auch die Fähigkeit, sich zu verteidigen. All das kann gezielt trainiert werden. So gibt es von privaten Anbietern wie von K(Z)Ven und (Zahn-)Ärztekammern regelmäßig Seminare und Fortbildungen zum Thema „Bedrohungsmanagement“, dazu Deeskalationskurse, Sicherheitstrainings und Kommunikationskurse.

Notrufnummer. Trotz aller Präventionsbemühungen kann eine Eskalation nicht völlig ausgeschlossen werden. Die Polizei empfiehlt, in Gefahrensituationen, auch wenn diese nur subjektiv gefühlt sind, immer den Polizeinotruf 110 anzurufen, weil dort die Experten der Polizei gleich die richtigen Fragen stellen und es keinen Umweg über einen Drittanbieter gibt. Gleichzeitig kann es Situationen geben, in denen man nicht mehr in der Lage ist, eine Nummer einzutippen und die Lage zu schildern, und gerade deswegen darauf angewiesen ist, unauffällig und schnell Hilfe zu holen. In Banken etwa gibt es standardmäßig einen Notruf-Knopf für Überfälle, was in Zahnarztpraxen eher selten der Fall ist. Für die meisten Smartphones gibt es heute jedoch eine SOS-Funktion, über die mit wenigen Handgriffen ein Notruf abgesetzt werden kann, ohne erst eine bestimmte Nummer wählen zu müssen.



Notruf-Apps.
Sollte ein Handy keine serienmäßig integrierte Notruf-Funktion haben, gibt es verschiedene kostenfreie und kostenpflichtige Angebote für Notruf- Apps oder auch sogenannte „Heimweg-Apps“. Oftmals sind solche Angebote GPS-basiert, so dass die App bei Alarmauslösung automatisch den Standort mitteilt. Der Nutzen solcher Anwendungen ist jedoch umstritten. Vertreter der Polizei betonen, dass diese zumindest das subjektive Sicherheitsgefühl stärken können und damit durchaus hilfreich sein können. Eine wirkliche Alternative zum 110-Notruf würden solche Apps hingegen nicht darstellen.

Betreuung. Ganz entscheidend ist zudem die Nachsorge und Betreuung der Betroffenen, sollte es in einer Praxis tatsächlich zu einem Vorfall kommen. Die Angst darf nicht dauerhaft den Arbeitsalltag überlagern. Eine kompetente psychologische Betreuung trägt dazu bei, das Geschehene besser verarbeiten zu können und mit dem Arbeitsplatz perspektivisch wieder ein positives Gefühl zu verbinden.

» holger.simon-denoix@kzvbw.de

 

Die Individualprophylaxe: Grundlage einer qualitätsorientierten Zahnmedizin

 

Prophylaktische Leistungen

Ausgabe 4, 2019

Die Individualprophylaxe ist eine wertvolle Maßnahme zur Gesunderhaltung der Zähne und wird individuell in der Zahnarztpraxis durchgeführt. Die Abrechnung von Individualprophylaxeleistungen erfolgt mittels unterschiedlicher Gebührenpositionen, die im folgenden Beitrag differenziert und näher umschrieben werden.

GOZ-Nr. 1000. Erstellen eines Mundhygienestatus und eingehende Unterweisung zur Vorbeugung gegen Karies und parodontale Erkrankungen, Dauer mindestens 25 Minuten

Bei der Gebührenposition handelt es sich um die diagnostische Leistung des Zahnarztes bzgl. des Zustandes der Gingiva und der Mundhygiene. Die Leistung darf nur einmal innerhalb eines Jahres abgerechnet werden und ist mit einer Mindestzeit (25 Minuten) belegt.

GOZ-Nr. 1010. Kontrolle des Übungserfolges einschließlich weiterer Unterweisung, Dauer mindestens 15 Minuten

Die Leistung ist innerhalb eines Jahres dreimal abrechenbar und stellt eine Ergänzungsleistung zur GOZ 1000 dar. Auch hier ist eine Mindestzeit (15 Minuten) hinterlegt.
Die bei den GOZ-Positionen 1000 und 1010 angegebenen Mindestzeiten sind bei Bedarf auf mehrere Sitzungen zu verteilen. Eine Nebeneinanderberechnung mit Beratungs- und Untersuchungsleistungen nach der GOZ (0010, 4000, 8000) oder der GOÄ sind nur möglich, wenn sie anderen Zwecken dienen.

GOZ-Nr. 1020. Lokale Fluoridierung zur Verbesserung der Zahnhartsubstanz, zur Kariesvorbeugung und -behandlung, mit Lack oder Gel, je Sitzung

Die Leistung dient der Vorbeugung von Karies oder der Behandlung von Initialkaries mittels fluoridhaltigen Lacken oder Gelen. Sie ist maximal viermal innerhalb eines Jahres abrechenbar. Sie ist nicht bei der Behandlung von überempfindlichen Zahnflächen oder der Glattflächenversiegelung ansetzbar. Diese werden mit der GOZ 2010 bzw. GOZ 2000 abgerechnet. Das eingesetzte Medikament ist nicht gesondert berechnungsfähig.
Sollen Leistungen nach den GOZ-Positionen. 1000, 1010, 1020 in kürzeren Abständen berechnet werden, ist dies gem. § 6 Abs. 1 GOZ möglich.

GOZ-Nr. 1030. Lokale Anwendung von Medikamenten zur Kariesvorbeugung oder initialen Kariesbehandlung mit einer individuell gefertigten Schiene als Medikamententräger, je Kiefer

Die Leistung ist nur ansetzbar für die Benutzung einer individuell hergestellten und in der Praxis eingesetzten Medikamententrägerschiene (keine konfektionierten Schienen). Das angewendete Medikament kann rezeptiert werden, jedoch können keine Kosten für das Material berechnet werden. Zahnärztliche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Herstellung und Eingliederung der Schiene sind gem. § 6 Abs. 1 GOZ analog zu berechnen. Die Herstellungskosten werden gem. § 9 GOZ abgerechnet.

GOZ-Nr. 1040. Professionelle Zahnreinigung

Die Leistung umfasst Maßnahmen zur Reinigung der supragingivalen und gingivalen Bereiche der Zähne, an Kronen, Brücken und bedingt abnehmbarem Zahnersatz – nicht herausnehmbarem Ersatz. Inhalt ist das Reinigen der Zwischenräume, das Entfernen des Biofilms, die Politur der Zähne und abschließende Fluoridierungsmaßnahmen. Die Reinigung von Verbindungselementen ist nicht beschrieben und kann analog gem. § 6 Abs. 1 GOZ abgerechnet werden.
Nicht neben der PZR berechenbar sind: 1020, 4050, 4055, 4070, 4075, 4090 und 4100. Die GOZ 1060 kann zur Nachkontrolle/-behandlung angesetzt werden.

Autorenteam des GOZ-Ausschusses der LZK BW

 

Gute und rechtzeitige Vorbereitung ist entscheidend

 

Die Schaltfläche „5. Praxisbegehung – Was nun?“ im PRAXIS-Handbuch

Ausgabe 4, 2019

Die Themenfelder Medizinprodukte und Hygiene sind in der Zahnarztpraxis eng verzahnt und betreffen alle Beteiligten gleichermaßen. Als Praxisinhaber benötige ich zum Wohl meines Patienten eine hygienisch einwandfreie Arbeitsumgebung, in der alle zur Anwendung kommenden Medizinprodukte und Materialien unmittelbar verfügbar sind. Die praxisinterne Abstimmung für den reibungslosen Behandlungsablauf erfordert regelmäßige Teambesprechungen und einen stetigen fachlichen Austausch. So weit so gut. Doch wie bereiten Sie sich optimal auf eine Praxisbegehung vor? Die LZK BW bietet Ihnen hierzu ein umfangreiches Informations- und Serviceangebot, das im Folgenden vorgestellt wird.

Hilfe. Das PRAXIS-Handbuch der LZK BW unterstützt Sie als Praxisinhaber und Ihr Praxisteam bei der regelkonformen Umsetzung der Anforderungen aus dem Hygiene- und Medizinproduktebereich sowie bei der zeitnahen Vorbereitung Ihrer Praxis auf eine Begehung.

Fundstelle. Das Informations- und Serviceangebot finden Sie in der Online-Version des PRAXIS-Handbuchs unter lzk-bw.de wie folgt: „ZAHNÄRZTE“ >>> unter der Rubrik „Praxisführung“ auf das „PRAXIS-Handbuch“ klicken >>> nochmal auf „PRAXIS-Handbuch“ klicken. Auf der Startseite des PRAXIS-Handbuchs klicken Sie bitte die Schaltfläche „5. Praxisbegehung – Was nun?“ an.

Inhalte. Besonders erwähnt werden hier die unter der Schaltfläche 5.1 bereitgestellten Checklisten zur Medizinprodukte-Begehung und zur infektionshygienischen Begehung sowie die unter der Schaltfläche 5.5 hinterlegten Muster-Hygiene-Qualitätssicherungsdokumente. Beispielhaft finden Sie über die Rubrik „5.5.1 Arbeitsanweisungen - Hygiene“ für jeden Einzelschritt der Aufbereitung ein Muster-Dokument. Es können die Muster-Arbeitsanweisungen in Abhängigkeit Ihres Aufbereitungs- und Medizinproduktespektrums ausgewählt und an die Gegebenheiten in Ihrer Praxis angepasst werden (detaillierte Praxis-Individualisierung). Die Rubrik „5.5.2 Aushang - Einsichtnahme - Hygiene“ bietet aushangpflichtige Muster-Dokumente, wie z. B. den Muster- Hygieneplan der LZK BW, zur Bearbeitung an. Sind Sie auf der Suche nach einer Muster-Betriebsanweisung für ein Reinigungs- und Desinfektionsgerät (RDG) und für einen Dampf-Kleinsterilisator (Autoklav), finden Sie diese über die Rubrik „5.5.3 Betriebsanweisungen - Hygiene“.
Über die Rubrik „5.5.4.1 Formulare - Hygiene“ sind Muster-Dokumente für die Risikobewertung und Einstufung der Medizinprodukte, für ein Praxisorganigramm, für die Benennung der freigabeberechtigten Beschäftigten, für die Dokumentation der Freigabe und durchgeführter Routineprüfungen und vieles mehr, abrufbar. Die Rubrik „5.5.4.2 Formulare - Medizinprodukte“ stellt Ihnen weitere Muster-Dokumente, wie z. B. ein Bestandsverzeichnis oder ein Medizinproduktebuch, bereit.

Praxistipp. Arbeiten Sie zu Beginn systematisch die beiden Checklisten zur Vorbereitung und Selbstprüfung durch. Nach der Bearbeitung der beiden Checklisten erkennen Sie den Optimierungsbedarf Ihrer Praxis. Welche der geforderten Vorgaben erfüllen Sie bereits? Wo besteht noch Handlungsbedarf? Die Schaltfläche „5. Praxisbegehung - Was nun?“ im PRAXIS-Handbuch der LZK BW stellt für eine evtl. Optimierung alle erforderlichen Hilfsmittel (z. B. Fragen- und Antwort-Katalog, Regelwerke, fachliche Praxis-Ratgeber, Muster-Hygiene-Dokumente) bereit. Gemeinsam mit einem motivierten Praxisteam arbeiten Sie nun die ausstehenden Aufgaben ab.

Beratung. Die LZK BW unterstützt Sie gern telefonisch, durch Fortbildungsangebote oder in Form einer Beratung in Ihrer Praxis, bei der schrittweisen und fortwährenden Optimierung Ihres Hygienemanagements!

Ihre LZK-Geschäftsstelle