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Tour de Ländle

Bezirkszahnärztekammer Stuttgart

 

Tour de Ländle 2019 gestartet

Ausgabe 4, 2019

„6 Jahre GOZ 2012 – Stolpersteine, Tipps und Hilfestellungen“ lautet das Motto der diesjährigen Tour de Ländle der BZK Stuttgart. Auf der Basis des von den drei GOZ-Referenten Dr. René Kaufhardt, Dr. Wolfgang Gerner und Dr. Dr. Alexander Raff gemeinsam entwickelten Vortrags informierten die Referenten die Kollegenschaft an diesem Abend im Zahnärztehaus kompetent und ausführlich zu den Themen Analogberechnungen, Begründungen sowie Honorarvereinbarungen.

Der Kreisvorsitzende Dr. Hendrik Putze freute sich über das große Interesse der Stuttgarter Kolleginnen und Kollegen am Thema GOZ. Er gab zu Beginn ein kurzes Update zu aktuellen Entwicklungen im Bereich der Telematik, des Datenschutzes und zu Änderungen in der Abrechnung.


GOZ. Bei der Kreisvereinigungssitzung im Rahmen der Tour de Ländle 2019 der BZK Stuttgart gaben die GOZ-Referenten Dr. Wolfgang Gerner (l.) und Dr. Dr. Alexander Raff Tipps und Hilfestellungen zum Einsatz der Gebührenordnung.

Analogberechnungen. Da Analogberechnungen häufig von den PKVen in Frage gestellt werden, sei die formal korrekte Argumentation entscheidend, erläuterte Dr. Wolfgang Gerner. Sein Tipp ist, auf die Beschlüsse des Beratungsforums zurückzugreifen. Dieser Zusammenschluss aus den PKVen, der Zahnärzteschaft sowie den Beihilfestellen habe verschiedene Leistungen aus dem Bereich der Endodontie konsentiert, die analogisiert werden können. Als Beispiele führte er neben der Entfernung des nekrotischen Pulpengewebes, den Verschluss weiter apikaler Foramina sowie Perforationsdeckungen und die Entfernung eines frakturierten Wurzelkanalinstrumentes an. Bei Rückfragen oder Nichterstattung könne dann auf die Beschlüsse des Beratungsforums verwiesen werden (https://www. bzaek.de/goz/beratungsforum-fuergebuehrenordnungsfragen.html).
Beispielhaft schilderte er den Fall einer Revisionsbehandlung, die mit der Implantatinsertion analogisiert wurde und bei dem die Liquidation bei der PKV durchgefallen war.
Ist die Leistung tatsächlich selbständig sowie medizinisch notwendig und die analoge Position ähnlich? Während bei der vorliegenden Revisionsbehandlung die medizinische Notwendigkeit und Selbständigkeit der Leistung klar gegeben waren, war die Auswahl nach dem Kriterium der Gleichartigkeit problematisch einzustufen. Besser geeignet seien zum Beispiel die Entfernung eines Wurzelstiftes, die Entfernung einer Krone oder die Wurzelkanalaufbereitung als gleichwertig heranzuziehende Leistung.

Begründungen. Zur Bemessung der Gebühren bzw. des Steigerungsfaktors ist laut Dr. Dr. Alexander Raff eine stichhaltige Begründung der Schwierigkeit und des Zeitaufwands einer Leistung unumgänglich, die bestimmte Formalien berücksichtigt. Deshalb legte er den Kollegen ans Herz, bereits während der Behandlung zu reflektieren, was an der Tätigkeit schwierig und zeitaufwändig ist. Insbesondere bei Gutachterfällen, die vor Gericht gehen „ist das A und O eine individuelle, stichhaltige und für einen Sachverständigen nachvollziehbare und nicht schematisierte Begründung“. Die Begründung müsse auf die einzelne Leistung bezogen sein. Die Leistung könne z. B. erschwert sein durch Verhalten, Anatomie und Physiologie des Patienten, die verwendete Technik, das verwendete Material oder die angewandte Methode. Dr. Dr. Raff empfahl den Kolleginnen und Kollegen, auch die Umstände bei der Ausführung miteinzubeziehen und genau das zu notieren, „was im individuellen Fall schwierig war“.

Honorarvereinbarungen. Dr. Dr. Raff unterstrich, dass es insbesondere durch die seit Jahrzehnten unterlassene Punktwertanhebung in der GOZ in zunehmend vielen Fällen unerlässlich ist, eine Honorarvereinbarung zu treffen. Diese Honorarvereinbarung ist vor Beginn der Behandlung vom Zahnarzt persönlich und vor allem schriftlich mit dem Patienten abzuschließen. Dadurch wird neben der freien Honorarhöhe insbesondere auch die Honorarsicherheit erreicht und der Behandler/in wird unabhängig von Einwänden der PKVen hinsichtlich angeblich nicht vorhandener medizinischer Notwendigkeit oder angeblich falscher Begründungen oder Analogien.

» gabi.billischek@izz-online.de