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Kultur

Kunsthalle Tübingen zeigt „Congo Stars“

 

Afrikanische Kultur

Ausgabe 4, 2019

Die Ausstellung „Congo Stars“ zeigt populäre Malerei von den 1960er-Jahren bis heute, Seite an Seite mit zeitgenössischer Kunst, die sich anderer Medien bedient. In Kooperation mit dem Kunsthaus Graz, dem Königlichen Museum für Zentralafrika Tervuren, dem Iwalewahaus in Bayreuth und PICHA in Lubumbashi werden rund 150 Werke von etwa 70 kongolesischen Künstlerinnen und Künstlern präsentiert, die in Kinshasa, Lubumbashi, Brüssel oder Paris leben.


Surreal. Eddy Kamuanga Ilunga, geboren 1991 in der Demokratischen Republik Kongo, verleiht seinen Figuren häufig einen mystischen Anstrich, indem er die Körper der Menschen aussehen lässt wie Leiterplatten im Inneren von Computern.

Gedanklicher Ausgangspunkt für die Ausstellung ist Fiston Mwanza Mujilas Roman „Tram 83“, in dem der Schriftsteller einen imaginären Ort beschreibt, der zwar von der gesellschaftlichen Realität kongolesischer Metropolen ausgeht, jedoch keiner Stadt konkret zugeordnet werden kann. Auch die Ausstellung baut einen imaginären Ort, der sich aus verschiedenen Realitäten speist und dabei Politik, Ausbeutung, Korruption, Gewalt, Religion, Mythologie, Spiritualität, Starkult, Alltag sowie Vergnügen, Lust und sinnliche Begierden ineinanderschiebt. Entlang von sechs Kapiteln entfaltet sich der Ausstellungsparcours. Dabei verzahnen sich reale Orte mit imaginären, die gemeinschafts- und identitätsbildende Funktion haben und in denen sich Momente des Fiktionalen verdichten.

Zeitleiste. Eine mit Musikstationen, Texten und Originalen dicht bestückte Zeitleiste liefert Informationen zur Ereignisgeschichte und zum Kontext der kongolesischen Kunst. Der Titel der Ausstellung adressiert Populärkultur, Stars und Helden der kongolesischen Gesellschaft. Er bezieht sich darüber hinaus auf den Stern der Flagge, auf die wechselnden politischen Systeme und Regimes, denn nicht nur der Name der heutigen Demokratischen Republik Kongo wurde je nach Staatsdoktrin verändert, sondern auch die Nationalflaggen wechselten ihr Aussehen. Selbst auf den buchstäblichen Griff nach den Sternen verweist „Congo Stars“ auf das kurzlebige, aber ambitionierte Weltraumprogramm Zaires unter Präsident Mobutu in den 1970er- Jahren, das dieser mit Unterstützung einer deutschen Firma zu realisieren versuchte.

Vielfalt. „Congo Stars“ ist alles andere als eine nationale Leistungsschau der Demokratischen Republik Kongo. Vielmehr vermischen sich reale Erfahrungen, Projektionen, Träume und Sehnsüchte von Künstlerinnen, die im Kongo und in Europa leben. Für den Besucher wird nicht zuletzt auch die Sehnsucht nach einem sowohl territorial wie zeitlich außerhalb liegenden positiv besetzten gesellschaftlichen Raum, nach einer Perspektive, die in der Zukunft liegt, spürbar.

IZZ/Kunsthalle Tübingen