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Leitartikel

Digitalisierung und Telematik in der Zahnarztpraxis

Ausgabe 6, 2019

Im Koalitionsvertrag haben die Regierungsparteien festgestellt: „Die Digitalisierung des Gesundheitswesens ist eine der größten Herausforderungen des Gesundheitswesens in den nächsten Jahren.“ Dem stimme ich uneingeschränkt zu. Sie berührt nicht nur jeden Bereich des Gesundheitswesens, sondern dient auch dazu, möglichst alle Bereiche miteinander zu verknüpfen.

Ein altes chinesisches Sprichwort sagt: „Wenn der Wind des Wandels weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen“. Diesen Worten kommt heute eine besondere Bedeutung zu. Gab es vor dreißig Jahren nur in den allerwenigsten ärztlichen oder zahnärztlichen Praxen Computer, findet man heute kaum noch einen Arzt oder Zahnarzt, der auf einen Praxiscomputer verzichtet. Regelmäßig finden sich in den Praxen Netzwerke, in denen mehrere Computer miteinander verbunden sind. Entgegen allen Beteuerungen sind viele dieser Computer zumindest zeitweise, etwa für notwendige Updates, mit dem Internet verbunden. Die Abrechnung der ärztlichen und zahnärztlichen Leistungen erfolgt ebenso rechnergestützt, wie oft die ärztliche und zahnärztliche Leistung selbst, etwa bei Diagnosen.


Die nächste „Revolution“ schließt sich unmittelbar an. Gerade im Bereich der Medizin und der medizinischen Forschung werden viele Hoffnungen auf die Auswertung großer Datenmengen gesetzt. Dass sich die Gesundheitsindustrie hiervon Umsätze in Milliardenhöhe verspricht, soll dabei nicht verschwiegen werden. Mit den sich hieraus ergebenden ethischen Fragen hat sich 2017 der Deutsche Ethikrat in einem umfangreichen Gutachten auseinandergesetzt. Auch die Datenethikkommission der Bundesregierung, der ich angehöre, befasst sich u. a. mit ethischen Fragen im Zusammenhang mit der Nutzung von Big-Data-Anwendungen und der Nutzung Künstlicher Intelligenz (KI) auch im Gesundheitsbereich.
Big Data ist seit einigen Jahren auch im Gesundheitsbereich ein wichtiges Thema. Die Diskussion um die Nutzung von KI beginnt dagegen erst. Vieles bei der technischen Entwicklung hört sich zurzeit nach Science Fiction an und nicht über alle Entwicklungen, über die wir uns heute Gedanken machen, wird man in zehn Jahren noch reden. Aber die technische Weiterentwicklung zu verleugnen und sich den sich aufdrängenden ethischen und datenschutzrechtlichen Fragen nicht zu stellen, hieße – um im Bild des erwähnten Sprichworts zu bleiben – wie Cervantes Don Quijote gegen Windmühlen zu kämpfen.
Auch der Gesetzgeber kümmert sich verstärkt um diesen Bereich. Ein Gesetz aus 2015 trägt umgangssprachlich den Namen eHealth-Gesetz, wobei darin im Wesentlichen die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und der Ausbau der Telematikinfrastruktur (TI) geregelt wird. Ziel dieser Regelungen ist es, die IT-Sicherheit bei der Vernetzung im Gesundheitswesen auf ein den Anforderungen zum Schutz der Gesundheitsdaten angemessenes Niveau zu heben. Die Auswirkungen sind aktuell durch die Ausstattung jeder Arzt- und Zahnarztpraxis mit Konnektoren zum Anschluss der Praxisnetze an die TI zu spüren. Dass es dabei auch zu Problemen kommt, darf bei mehr als 150.000 ambulant praktizierenden Ärzten und mehr als 50.000 in eigener Praxis tätigen Zahnärzten nicht wundern. Wenn der Konnektor richtig angeschlossen wird, wird dies der IT-Sicherheit dienen.
Zuletzt wurden im April 2019 durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) neue Regelungen zur Digitalisierung im Gesundheitswesen, insbesondere zur elektronischen Patienten- und elektronischen Gesundheitsakte beschlossen. Für den Sommer hat das BMG weitere Gesetzgebungsvorhaben zur Digitalisierung im Gesundheitswesen angekündigt. Es bleibt hier also spannend.