Zahnaerzteblatt.de

 

Berufspolitik

Vertreterversammlung der Bezirkszahnärztekammer Freiburg

 

Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung verteidigen

Ausgabe 6, 2019

„Es muss endlich Schluss sein mit der Ideologie der Freiberuflichkeit“, tönte einst Ulla Schmidt MdB, Gesundheitsministerin a. D. Dabei sind die Freien Berufe ein Beschäftigungsmotor, denn jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ist Mitglied in einem Freiberufler-Team. Die Freien Berufe und die mit ihnen verbundenen Selbstverwaltungen haben unsere soziale Marktwirtschaft, das bundesdeutsche Gemeinwesen, stark gemacht. Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung gilt es daher in der Bundesrepublik und im europäischen Kontext zu verteidigen. Der Vorsitzende der BZK Freiburg, Dr. Peter Riedel, stellte Kernthemen, die den Berufsstand betreffen, in den Mittelpunkt seines Berichts.


Abstimmung. Die Vertreterversammlung der Bezirkszahnärztekammer Freiburg verabschiedete einstimmig Resolutionen und Anträge zur Stärkung der Freiberuflichkeit.

Die Wichtigkeit, die der Vorsitzende der BZK Freiburg der Freiberuflichkeit beimisst, wurde bereits zu Beginn seines Berichts deutlich, als er an den Koalitionsvertrag erinnerte: „Die Freiberuflichkeit der niedergelassenen Ärzte und Zahnärzte ist unverzichtbares Element für die flächendeckende ambulante Versorgung. Sie ist ein Garant für die Diagnose- und Therapiefreiheit und für die freie Arztwahl“. Dr. Riedel zufolge werden wesentliche Freiheiten des Zahnarztes „durch ständig neu geschaffene Regelungen der Sozialgesetzgebung und der Rechtsprechung massiv eingeschränkt, teilweise beseitigt“. Dazu zählt er „gesetzliche Vorgaben wie Leistungskataloge, ein engmaschiges Regelwerk von Richtlinien und Wirtschaftlichkeitsprüfungen“, die die „Therapiefreiheit in der GKV im Rahmen der Sachleistung“ einschränken. Staatliche Vorschriften und Anforderungen an Praxisausstattung, Qualitätssicherung (Stichwort Hygiene) und Fortbildung nähmen ständig zu. Darüber hinaus sparte er auch nicht mit Kritik an der neuen „Richtlinie über eine Verhältnismäßigkeitsprüfung“.

Europäische Charta. Die EU verspricht sich durch den „Abbau berufsrechtlicher Regulierung“ neue Wachstumsimpulse. Dr. Riedel: „Bewährte Strukturen beruflicher Selbstverwaltung dürfen aber nicht zugunsten einmaliger Beschäftigungseffekte infrage gestellt und voreilig aufgegeben werden“. Die Bedeutung der Freien Berufe und ihrer Institutionen für die europäische Gesellschaft gilt es herauszustellen. Dazu unterstützt Dr. Riedel die Forderung der Bundeszahnärztekammer nach Verabschiedung einer „Europäischen Charta der Freien Berufe“.
Was Deregulierung bewirkt, ist an dem „Dentalketten-Dilemma, den sogenannten Medizinischen Versorgungszentren“ zu erkennen. „Die Niedrigzinspolitik in Europa führt zu einem großen Interesse an renditeträchtigen Projekten“, betonte Dr. Riedel. Ursprünglich versprach sich der Gesetzgeber eine „Sicherung der medizinischen Versorgung auf dem Lande“. Allerdings, so der Vorsitzende, wurden Z-MVZ „bevorzugt in Städten, Ballungsgebieten und strukturstarken Regionen gegründet. Sie leisten keinen Beitrag zur Verbesserung der Versorgung auf dem Land“. Und er fügt hinzu: „Ärztliche Arbeit und Freiberuflichkeit haben nichts mit Industrie zu tun. In der Industrie zählt materielle Wertschöpfung, Absatzsteigerung und Gewinnmaximierung“. Die Staatseingriffe in die Kompetenzen der Selbstverwaltung sind in dem jüngst verabschiedeten Terminservice- und Versorgungsgesetz ebenfalls ablesbar. Auch die „Übernahme der Mehrheitsanteile durch das BMG an der Gesellschaft Telematik (gematik) ist ein weiterer Eingriff in die Kompetenzen der Selbstverwaltung“.
Der BZK-Vorsitzende spannte in seinem Bericht einen weiten Bogen, ging auf die unendliche Geschichte des seit Jahrzehnten währenden GOZ-Punktwertstillstands ein, hob die positive Steigerung der Auszubildendenzahl gegenüber dem Jahr 2017 hervor, die großartige Resonanz auf die Fortbildung für ZFAs in Rust, die mit 800 Teilnehmerinnen bereits vier Wochen vor der Tagung ausgebucht war, und sparte auch die Herausforderung an Verwaltung und Vorstand nicht aus, die im Rahmen der Erhebung der Kammerbeiträge und der Kursgebühren zu bewältigen waren.


Kritik. Dr. Peter Riedel, Vorsitzender des Vorstands, sparte nicht mit Kritik an der neuen Richtlinie über eine Verhältnismäßigkeitsprüfung.


Freiberuflichkeit. Dr. Torsten Tomppert, Präsident der LZK Baden-Württemberg, unterstrich die Bedeutung der Freiberuflichkeit.

Vorstandsteam. Rust ist bereits in kurzer Zeit zum Synonym für Fortbildung par excellence geworden. Dazu trug, so Prof. Dr. Elmar Hellwig und Dr. Riedel, nicht zuletzt Dr. Georg Bach bei, der neben seinem Ressort Gutachten wichtige und wegweisende Impulse zur weiteren Ausgestaltung der Spezialpodien Oralchirurgie und Kieferorthopädie gab. Dass bei Dr. Fotos: Clausen Norbert Struß das Ressort Praxisführung in den besten Händen ist, zeigt einmal mehr sein profunder Bericht. Ebenso wichtig wie die Daten und Fakten zu der hervorragend besuchten Fortbildung in Rust, die Prof. Hellwig als Fortbildungsreferent der VV vorstellte, waren die Zahlen, die Dr. Martin Nägele als Vorsitzender des Haushaltsausschusses der BZK Freiburg erläuterte. Die Bilanz 2017 wurde von der Vertreterversammlung einstimmig beschlossen, Vorstand und Geschäftsführung einstimmig entlastet.


Wahlen. Als Nachfolgerin von Dr. Martin Haas wählte die VV Dr. Helen Schultz, Freiburg (r.); Dr. Yvonne Rydlewski, Freiburg (2. v. r.) folgt Dr. Carla Tornier im Amt.

Wahlen. Der Vorsitzende Dr. Riedel würdigte Dr. Martin Haas, der dem BZK-Vorstand seit 2006 angehörte und für das Ressort „Studenten und junge Zahnärzte“ zuständig war, das er „mit außerordentlichem Engagement und viel Herzblut begleitet hat“. Dr. Haas trat aus persönlichen Gründen von seinem Amt als Vorstandsmitglied zurück, sodass die VV aufgefordert war, einen Nachfolger bzw. eine Nachfolgerin zu wählen. Die Wahl der VV fiel auf Dr. Helen Schultz, Freiburg. Für Dr. Carla Tornier, die bereits beim diesjährigen Neujahrsempfang der BZK Freiburg geehrt und verabschiedet wurde, wählte die VV Dr. Yvonne Rydlewski, Freiburg, nach. Sie wird als stellvertretende Prophylaxe-Referentin Dr. Simone Hauer unterstützen.
Rust brachte wieder einmal symbolisch alle Facetten, die mit Freiberuflichkeit und Selbstverwaltung verbunden sind, zum Glänzen. Die große Dentalfamilie konnte zeigen, dass sie diese Werte aktiv zum Wohle der Patienten, der Kollegenschaft und nicht zuletzt der Gesellschaft lebt und gestaltet.
Weitere Impressionen sowie Anträge und Resolutionen finden Sie unter www.zahnaerzteblatt.de.

» johannes.clausen@izz-online.de

 

Hygiene-Beratung der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg

 

Ein echter Bestseller

Ausgabe 6, 2019

Am 21. Juli 2009 stand Marco Wagner in Bad Ditzenbach am Eingang der Praxis von Asta Tyroller und drückte den Klingelknopf. Es war die erste Hygiene-Beratung, die er für die Landeszahnärztekammer durchführte. Hätte ihm damals jemand gesagt, dass die Hygiene-Beratung der Kammer an ihrem 10. Geburtstag über 650 Beratungen angeboten hat, der Leiter der Abteilung Praxisführung in der LZK-Geschäftsstelle hätte die Zahl für einen Scherz gehalten: „Eine Beratung der Kammer bei ihrem Mitglied war 2009 absolutes Neuland und wir konnten überhaupt nicht abschätzen, ob sich die Beratung etablieren würde.“

Dr. Jürgen Carow, Dr. Norbert Engel, Dr. Christian Hoch, Dr. Burkhard Maager, Dr. Carsten Ullrich und Dr. Norbert Struß hießen die Pioniere von damals. In der konstituierenden Sitzung des Praxisführungsausschusses im März 2009 diskutierten sie über ein neues Dienstleistungsangebot der Kammer, nachdem die Zahnärztin Asta Tyroller per handgeschriebenem Fax darum gebeten hatte, dass eine unabhängige und neutrale Person der Kammer in ihre Praxis kommt und man gemeinsam nach Optimierungsmöglichkeiten für das praxisinterne Hygienemanagement sucht. „Es bestand insbesondere der Wunsch nach einer praxisnahen und rechtssicheren Beratung, ohne gewerbliche Interessen“, erinnert sich Marco Wagner.
Mit der Entscheidung im Praxisführungsausschuss und dem Beschluss des LZK-Vorstandes für das neue Serviceangebot hatten die Baden-Württemberger 2009 im Bundesgebiet ein Alleinstellungsmerkmal. Erst in den Jahren danach zogen andere Länderkammern mit einer ähnlichen Dienstleistung nach.


Serviceangebot. Seit 2014 boomt die Hygiene-Beratung der Kammer.

Professionalisierung. Nach der ersten Beratung in Bad Ditzenbach nahm das neue Serviceangebot schnell an Fahrt auf. Ein Flyer wurde aufgelegt, die Werbetrommel im Zahnärzteblatt und in den Rundschreiben kräftig gerührt. Ein Übriges tat die Mund-zu-Mund-Propaganda infolge der großen Zufriedenheit der Kammermitglieder nach einer Beratung. Die Telefone in der LZK-Geschäftsstelle standen nicht mehr still. Die „Ein-Mann-Beratung Marco Wagner“ stieß an ihre Grenzen. Viele interessierte Praxen mussten sich oftmals über ein halbes Jahr bzw. in Spitzenzeiten bis zu einem Jahr gedulden, bis sie einen Beratungstermin erhielten. Ein untragbarer Zustand, zumal die behördlichen Begehungen nach dem Medizinproduktegesetz 2014 begannen und die Nachfrage nach fachlich kompetenter und rechtssicherer Unterstützung durch die Kammer massiv stieg. Die Vertreterversammlung der Landeszahnärztekammer reagierte umgehend und genehmigte mehrmals eine personelle Aufstockung der Abteilung Praxisführung, um der enormen Nachfrage Rechnung zu tragen. Heute zählt das Hygiene- Beratungsteam in der Abteilung Praxisführung vier Köpfe: Neben Marco Wagner sind Andrea Krämer und Anita Schaible mehrmals in der Woche auf Beratungstour in ganz Baden-Württemberg unterwegs. Im Büro wird das Beraterteam von Nadine Schütze unterstützt. Sie stellt die Dokumentationsmappen für die Hygiene-Beratungen zusammen und wertet die Evaluationsbögen aus.

Standardisiert. Mit den Jahren hat sich die Hygiene-Beratung stetig professionalisiert: Die Inhalte wurden erweitert, neue gesetzliche Anforderungen umgesetzt. Der Ablauf der Beratung folgt einem standardisierten Muster: Eine Woche vor dem eigentlichen Beratungstermin nehmen die Hygiene-Berater der Abteilung Praxisführung Kontakt mit der Praxis auf: Über verschiedene Abfragen, wie zum Beispiel die Geräte im Aufbereitungsraum, stellen die Kammer- Berater sicher, dass sie optimal auf den Praxisbesuch vorbereitet sind. In der Praxis angekommen, werden nach der Vorstellung erst einmal die erforderlichen Hygiene-Dokumente besprochen. In diesem Zusammenhang werden alle Parameter rund um das Leiten und Lenken von Qualitätssicherungsdokumenten besprochen, einschließlich deren Einbindung in die regelmäßig stattfindenden Teambesprechungen. Danach begibt sich der Beratungs- Tross auf den Praxis-Rundgang. Weil die Kammer sowohl auf die Kontrollen des Gesundheitsamtes, die nach dem Infektionsschutzgesetz prüfen, als auch auf die Begehungen des Regierungspräsidiums, die nach dem Medizinproduktegesetz prüfen, vorbereitet, inspizieren die Kammer-Berater infektionshygienisch sowohl Wartezimmer, Toiletten, Röntgenraum, Praxislabor, das Verfahren der Unterhaltsreinigung und das Praxiswäschemanagement als auch die Behandlungsräume. Herzstück der Beratung ist das Durchspielen der Aufbereitungsprozesse, beginnend im Behandlungszimmer über den Transport sowie die sich anschließende vollständige Aufbereitung der Medizinprodukte im Aufbereitungsraum, um Schwachpunkte auszumachen und Verbesserungspotenzial zu eruieren.
In der Regel dauern die Hygiene- Beratungen in den Praxen vor Ort vier bis sechs Stunden. Jede Beratung wird intensiv nachbereitet und der Praxisinhaber erhält einen praxisindividuellen Hygiene-Empfehlungsbericht. Diese Empfehlungsberichte ermöglichen eine strukturierte Abarbeitung möglicher Defizite im Hygienemanagement der Zahnarztpraxis sowie einen reibungslosen und ohne Beanstandungen ablaufenden Behördenbesuch. Alle an der Beratung teilnehmenden Mitarbeiter/innen erhalten zudem eine Fortbildungsbescheinigung. Viele Praxen schneiden im Anschluss an die Hygiene-Beratung der Kammer bei einer behördlichen Begehung sehr gut ab – „vorausgesetzt, die Empfehlungen der Kammer wurden von der Praxis umgesetzt“, ergänzt Marco Wagner mit einem Schmunzeln. Jedenfalls scheint auch dies ein Grund zu sein, warum die Nachfrage nach der Hygiene-Beratung auch nach zehn Jahren unverändert hoch ist.
„Die Hygiene-Beratung ist ein Dienstleistungsbaustein der Abteilung Praxisführung“, erklärt Marco Wagner, „im sensiblen Bereich der Praxisbegehungen hat unsere Hygiene- Beratung einen sehr hohen Stellenwert, denn es findet hierauf eine optimale Vorbereitung statt, die die Vielzahl an Fortbildungskursen ergänzt – sozusagen von der Theorie in die praktische Umsetzung“.

» mader@lzk-bw.de

 

Hygieneberatung der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg

 

Herzlichen Glückwunsch zum 10. Geburtstag

Ausgabe 6, 2019

Über 650 Kammermitglieder haben ein besonderes Dienstleistungsangebot der Kammer, die Hygieneberatung in Anspruch genommen. Zum 10. Geburtstag der Hygieneberatung habe ich einige von ihnen kontaktiert, um nach ihren Erfahrungen, ihren persönlichen Erinnerungen und ihren Geburtstagswünschen zu fragen. Es haben mich unglaublich nette Geschichten und Erinnerungen rund um die Hygieneberatungen von Marco Wagner und seinem Team erreicht.

am

Durch die Hilfestellung, Bewertung und Erläuterung bei der LZK-Hygieneberatung war die Begehung durch das RP im Februar 2017 wesentlich erleichtert. Sie konnte gelassener angegangen werden, wichtige Kriterien der Kontrolle waren vorab schon für ausreichend oder eben noch verbesserungswürdig bewertet worden. Es blieb genügend Zeit, nötige Anpassungen im Praxisablauf vorzunehmen. So zeigte sich die Kammer als Partner der Zahnärzteschaft – Herr Wagners Kompetenz ist exzellent. Und nach der Hygieneberatung durfte das gestellte umfangreiche Protokoll noch als Multiplikator im Qualitätszirkel weitere interne Schulungen erleben. Das war für mindestens fünf weitere Kollegen so wertvoll wie für mich.

Dr. Martin Braun, Pfullingen
Hygieneberatung im Oktober 2015

10 Jahre Hygieneberatung – was fällt mir dazu ein? Zum einen herzlichen Glückwunsch der Abteilung Praxisführung – sie hat es in den letzten Jahren geschafft, bundesweit führende Expertise aufzubauen und die Zahnärzte in Baden-Württemberg vor Ort im Rahmen von Hygieneberatungen oder durch telefonische Beratungen kompetent zu unterstützen.
Zum anderen aber auch Frustration darüber, dass der Staat die Anforderung an die Aufbereitung immer höher schraubt, ohne uns die dadurch entstehenden höheren Kosten auf der Einnahmenseite (Stichwort stagnierender GOZ-Punktwert) zu vergüten. Was für ein bürokratischer Irrsinn, alle korrekt abgeschlossenen Aufbereitungsvorgänge und seit Neuestem auch noch Wischdesinfektionen zu dokumentieren und durch Unterschrift freizugeben. Viel sinnvoller wäre doch, wie auch schon der Normenkontrollrat empfohlen hat, die nicht korrekt abgelaufenen Vorgänge zu dokumentieren.

Dr. Hendrik Putze
Hygieneberatung im November 2014

Herzliche Glückwünsche zum 10. Geburtstag. Als eine der ersten Praxen, die die tolle Beratung und Unterstützung durch Herrn Wagner erfahren durften, wünschen wir Ihnen noch viele weitere erfolgreiche Jahre mit zufriedenen Zahnärzten und Mitarbeitern. Uns haben Sie damals sehr geholfen und in unserer Arbeit bestätigt und motiviert. Vielen Dank dafür.

Asta Tyroller und Praxisteam
Hygieneberatung im Juli 2009

In sehr angenehmer Art und Weise ist Herr Wagner mit uns Punkt für Punkt, Schritt für Schritt, Zimmer für Zimmer und Aufgabe für Aufgabe durchgegangen, hat den gegenwärtigen Zustand eingeschätzt, sich oft lobend, aber auch an einigen Stellen kritisch geäußert. Seine humorvolle und lockere Art und Weise hat uns dabei geholfen und uns motiviert, die für 2017/2018 anstehenden Aufgaben der Neugestaltung des Hygieneregimes sowie der Erneuerung der Sprechzimmer gesetzeskonform vorzubereiten und durchzuführen. Auch während der Umbaumaßnahmen und der Renovierung der Praxis stand Herr Wagner uns jederzeit helfend und beratend kurzfristig zur Verfügung.
Nur leider konnte er uns, die wir ja eigentlich Kieferorthopäden und keine „Sesselfurzer“–Bürokraten sind, nicht weiterhelfen bei der Aufgabe, das Dickicht der Dokumentation und Nachweisführung zu ergründen und zu beherrschen. Das wird uns sicher ein ewiges Graus und Hindernis sein, unsere Aufgaben zum Wohle der uns anvertrauten Patienten mit Freude zu erfüllen.
Herrn Wagner und seinem Team wünschen wir auch weiterhin alles Gute, Gesundheit, und dass sein bis jetzt nie versiegender „Trotzdem“–Humor auch weiterhin anhält und vielleicht doch uns zu diesen Aufgaben noch ansteckt und auf uns überschwappt.

Mattias Larsson
Hygieneberatung im Oktober 2016

Wir haben die LZK-Hygieneberatung schon drei Mal in Anspruch genommen. Als große oralchirurgische Praxis sind wir darauf angewiesen, dass wir auf dem neuesten Stand sind. Beim ersten Besuch von Herrn Wagner waren wir sehr gespannt, wie er unsere baulichen Maßnahmen beurteilen würde. Aber sämtliche Maßnahmen fanden seine Zustimmung. Die Praxis hat sich dann entschieden, fünf Mitarbeiterinnen bei den Kursen des Landesgesundheitsamts fortbilden zu lassen. Auch haben wir eine hohe Summe für einen neuen Steri investiert. Als Frau Krämer zuletzt in der Praxis war, hatten wir das Gefühl, dass sich alle Ratschläge und Empfehlungen von Herrn Wagner positiv ausgewirkt haben.
Sehr profitiert haben wir auch von der Fortbildung „Aufbereitung von Medizinprodukten in der Zahnarztpraxis“ (Hygiene-Modullehrgänge H1 – H3) der LZK BW für Zahnmedizinische Mitarbeiterinnen mit dem Referentenduo Andrea Krämer und Dr. Ali-Reza Ketabi, die für den Bezirk Stuttgart vom ZFZ Stuttgart veranstaltet wurde.
Wir sind der LZK sehr dankbar für dieses Angebot. Es hilft uns, damit wir nicht in die Falle laufen. Wir schätzen die hohe Fachkompetenz – es werden durch Herrn Wagner und sein Team keine Meinungen vertreten, sondern gesichertes Wissen vermittelt. Wir können uns verlassen und haben bei einer anstehenden Begehung das sichere Gefühl alles richtig gemacht zu haben.

Dr. Erich Kleinknecht
Hygieneberatungen 2010, 2016 und 2018

 

5. landesweiter SuB-Erfahrungsaustausch

 

Ausgabe 6, 2019

Zu einem wichtigen Informations- und Kommunikationsforum für die Senioren- und Behindertenbeauftragten (SuB) der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg (LZK) gehört der jährliche landesweite SuB-Erfahrungsaustausch, der am 13. April 2019 in seiner mittlerweile fünften Auflage in Stuttgart stattfand. Ziel der Veranstaltung: Die Senioren und Behindertenbeauftragten über die aktuelle Gesetzeslage sowie über die Entwicklungen in der Alters- und Behindertenzahnheilkunde zu informieren. Darüber hinaus gab es einen Impulsvortrag zum Thema geistige Behinderung sowie der Umgang mit Schmerzpatienten, die sich verbal nicht äußern können.

Im Bereich Alters- und Behindertenzahnheilkunde ist Baden-Württemberg gut aufgestellt: Landesweit gibt es 40 Senioren- und Behindertenbeauftragte als erste Anlaufstelle für Zahnärztinnen und Zahnärzte, die sich gerne in einer Pflegeeinrichtung engagieren möchten oder bereits engagieren. Gleichzeitig stellen sie sich als Ansprechpartner für Pflegeeinrichtungen, mobile Pflegedienste sowie pflegende Angehörige zur Verfügung, die die Mundhygiene ihrer Bewohner oder ihrer Angehörigen verbessern möchten. Dr. Torsten Tomppert, Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg (LZK) dankte zu Beginn der Veranstaltung allen Beteiligten für dieses beständige ehrenamtliche Engagement. Insbesondere würdigte er die Verdienste von Dr. Carla Tornier, die sich Ende 2018 aus ihren Ämtern zurückzog. Sie engagierte sich sowohl im Arbeitskreis Alterszahnheilkunde und Behindertenbehandlung der LZK Baden-Württemberg tatkräftig und unermüdlich als Vertreterin des Bezirks Freiburg und war Senioren- und Behindertenbeauftragte im Kreis Emmendingen.


Unermüdlicher Einsatz. Die Senioren- und Behindertenbeauftragten der LZK BW engagieren sich für pflegebedürftige Menschen in ihren Landkreisen.

Impulsvortrag. Wertvolle Informationen über Menschen mit geistiger Behinderung übermittelte der Gastreferent Dr. Norbert Bohnert, leitender Oberarzt der Séguin-Klinik am Epilepsiezentrum Kork. Er lieferte damit gleichzeitig nützliche Tipps für den Umgang mit geistig behinderten Patienten in der Zahnarztpraxis oder in einer Pflegeeinrichtung, denn meist müssen sich die Zahnärzte gleich auf mehrere Handicaps einstellen: Menschen mit geistiger Behinderung haben oftmals gleichzeitig schmerzhafte Grunderkrankungen. Sie können sich zu ihren Schmerzen verbal aber nicht äußern. Auch ist ihr Schmerzverhalten völlig unterschiedlich und sie kommunizieren ihre Schmerzen sehr individuell. Oft haben Menschen mit geistiger Behinderung sogar ein viel sensibleres Schmerzempfinden, was sich durch Verhaltensauffälligkeiten bemerkbar machen kann. Dr. Bohnert zeigte auf, wie man Schmerzen bei betroffenen Patienten besser erkennt und bei der Diagnosestellung zurate ziehen kann. Er empfahl, die Angehörigen bei der Untersuchung immer mit einzubeziehen, da sie Verhalten und Reaktionen der Patienten viel besser deuten können. Eine Videodokumentation kann ebenfalls hilfreich sein. Vonseiten der (Zahn-) Ärzte ist außerdem Empathie sehr wichtig, denn Schmerzerkennung und Schmerzmanagement bei geistig behinderten Menschen sind auch stark von den Ansichten und Einstellungen des Fachpersonals abhängig.

Aktuelles aus der KZV. Das im Januar 2019 in Kraft getretene Pflegepersonalstärkungsgesetz hat auch Auswirkungen auf die zahnmedizinische Versorgung von Menschen in Pflegeeinrichtungen. Dr. Ute Maier, Vorsitzende des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KZV) erläuterte, welche Pflichten sich daraus für die KZV BW ableiten. Mit dem neuen Gesetz kommt eine konkrete Verpflichtung für stationäre Pflegeeinrichtungen hinzu: Sie müssen Kooperationsverträge mit geeigneten vertrags(zahn)ärztlichen Leistungserbringern abschließen. Das Gesetz verlangt außerdem, dass die Kassen(zahn)ärztliche Vereinigung auf Antrag der Pflegeeinrichtung zur Sicherstellung einer ausreichenden (zahn)ärztlichen Versorgung innerhalb von drei Monaten einen entsprechenden Vertrag vermitteln muss. Die Pflegeeinrichtungen müssen dafür eine verantwortliche Pflegekraft für die Zusammenarbeit mit den vertrags(zahn)ärztlichen Leistungserbringern benennen. Dr. Maier setzt bei der Umsetzung der gesetzlichen Forderungen auf das Prinzip der Freiwilligkeit: Eine Umfrage klärt derzeit ab, welche Zahnärzte bereit sind, Kooperationsverträge zu schließen. Zusätzlich werden die Kreisvereinigungsvorsitzenden sowie die SuB in den Prozess mit eingebunden. Derzeit gibt es nach § 119b SGB V 490 Kooperationsverträge.


Schmerzverhalten. Dr. Norbert Bohnert zeigte auf, dass Menschen mit geistiger Behinderung einer sensiblen Herangehensweise bei der (zahn)ärztlichen Behandlung bedürfen.

Hilfen zur Teilhabe. Ein Recht auf individualprophylaktische Leistungen nach § 22a SGB V haben nicht nur Versicherte, die einem Pflegegrad zugeordnet sind, sondern auch Versicherte, die Leistungen aus der Eingliederungshilfe bekommen, erläuterte der Referent für Behindertenzahnheilkunde der LZK BW, Dr. Guido Elsäßer.
Menschen mit Behinderung, die z. B. in einer Behindertenwohneinrichtung leben oder in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderungen arbeiten, sind daher Anspruchsberechtigte für individualprophylaktische Maßnah- Fotos: Richter men nach § 22a, auch wenn sie nicht pflegebedürftig sind, da die Wohnheime und Werkstätten über die Eingliederungshilfe finanziert werden und die Menschen daher Leistungen aus der Eingliederungshilfe bekommen. In den nächsten Jahren werden zahlreiche Gesetze im Rahmen des Bundesteilhabegesetzes geändert und den Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention angepasst. So soll beispielsweise die Eingliederungshilfe bald nicht mehr Teil der Sozialhilfe sein.<br/> Dr. Elsäßer berichtete außerdem über das Fortschreiten der Medizinischen Behandlungszentren für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen (MZEB), die die Versorgungslücke für erwachsene schwerbehinderte Patienten schließen sollen, wenn sie für die sozialpädiatrischen Zentren zu alt sind. In Baden-Württemberg sind derzeit vier MZEB ermächtigt und acht in Planung. Inwieweit hier Kooperationen mit Zahnärzten möglich werden, bleibt abzuwarten. Abschließend wies Dr. Elsäßer auf die Zahnarztsuche der LZK-Homepage hin, die von Angehörigen von Menschen mit Behinderung sehr gelobt wird. Er bat darum, die Kollegenschaft immer wieder daran zu erinnern, die Einträge ihrer Praxen zu überprüfen und zu aktualisieren, insbesondere nach barrierenabbauenden Umbaumaßnahmen.


Würdigung. Bei der Verabschiedung von Dr. Carla Tornier aus ihrem Ehrenamt als Senioren- und Behindertenbeauftragte der LZK BW im Kreis Emmendingen waren auch zahlreiche berufspolitische Weggefährten dabei.

Mundgesundheit im Alter. Über aktuelle Entwicklungen in der Alterszahnheilkunde berichtete Dr. Elmar Ludwig, Referent für Alterszahnheilkunde der LZK BW. Er lenkte das Augenmerk zuerst auf neue Studien, die einen Zusammenhang zwischen der Mundgesundheit und Demenzerkrankungen herausgefunden haben. Demnach führt eine Zahnlosigkeit zu reduzierten Hirnaktivitäten. Oder anders herum: Das Kauen unterstützt die kortikale Plastizität und damit die Hirnaktivitäten. Herausgefunden wurde außerdem, dass Bakterien aus der Mundhöhle das Gehirn erreichen und damit Demenzerkrankungen unterstützen oder fördern können.
Dr. Ludwig berichtete schließlich über das Fortschreiten des Expertenstandards zur Erhaltung und Förderung der Mundgesundheit in der Pflege. Die Gruppe, die mit der Ausarbeitung des Expertenstandards betraut ist, umfasst 24 Personen, darunter fünf Zahnärzte. Aus Baden-Württemberg werden Dr. Ludwig und auch Dr. Elsäßer den Prozess begleiten. Im Oktober 2020 ist eine Konsenssitzung geplant, Anfang 2022 sollen dann Workshops die Umsetzung vor Ort anstoßen.

» richter@lzk-bw.de

 

Treffen der VV-Vorsitzenden in Dresden

 

Standespolitischer Erfahrungsaustausch

Ausgabe 6, 2019

Das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) und seine Folgen war einer der Hauptpunkte des Treffens der Vorsitzenden der Vertreterversammlungen der KZVen am 5. und 6. April in Dresden.


Erfahrungsaustausch. Die Vorsitzenden der Vertreterversammlungen der KZVen tauschten standespolitische Erfahrungen aus und berieten aktuelle Themen.

Trotz guter Ansätze, wie z. B. die Abschaffung der Degression, bleiben die Regelungen zur Eingrenzung investorenbetriebener MVZ unbefriedigend. Breiten Raum bei den Berichten aus den Ländern nahm der aktuelle Stand der Punktwertverhandlungen ein. Probleme gibt es dabei in nahezu allen Bundesländern mit dem Verband der Ersatzkassen, der eine partnerschaftliche Zusammenarbeit zunehmend vermissen lässt.
Thema war auch die von Minister Spahn geplante Veränderung in der Kassenlandschaft. Damit würde künftig der Regionalbezug wegfallen. Eine Entwicklung, die nicht im Sinne der Länder sein kann.
Die Vorsitzenden tauschten sich ebenfalls über die Tätigkeit der Stellen zur Bekämpfung von Fehlverhalten im Gesundheitswesen aus. Die Anzahl der gemeldeten Fälle geht nahezu gegen null. Die gesetzlich vorgeschriebene Einrichtung dieser Stellen ist also eher als bürokratische Fehlinvestition zu betrachten.
Das nächste Treffen wird in Rostock zum Thema Qualitätssicherung stattfinden.

Dr. Thomas Breyer