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Kommunikation

Gemeinsame Konferenz der Öffentlichkeitsbeauftragten

 

Telematik als kommunikative Herausforderung

Ausgabe 6, 2019

In diesem Jahr trafen sich die Öffentlichkeitsarbeiter von Landeszahnärztekammern und Kassenzahnärztlichen Vereinigungen sowie die für die Öffentlichkeitsarbeit zuständigen Standespolitiker am 17. und 18. Mai in Hamburg. Nur einen Steinwurf von Außenalster und Lange Reihe in St. Georg entfernt, begrüßten die Gastgeber der KZV und der Kammer der Hansestadt zur gemeinsamen Konferenz. Das Team aus Baden-Württemberg bildeten Dr. Torsten Tomppert, LZK-Präsident, Dr. Hans-Hugo Wilms, Öffentlichkeitsreferent der KZV BW, Florian Wahl, Leiter Stabsstelle Kommunikation und Politik der KZV BW, Johannes Clausen, Leiter des IZZ, und Andrea Mader, Leiterin Abteilung Öffentlichkeitsarbeit der LZK BW. Den Mittelpunkt der Tagung bildete ein Thema, das den Berufsstand aktueller denn je betrifft: „Telematikinfrastruktur, ePA und Co – Herausforderungen für die Kommunikation zahnärztlicher Körperschaften“.

Brandaktuell. Der Zeitpunkt für solch eine Tagung, die unter neuer Konzeption und dem neuen Namen „gemeinsame Konferenz der Öffentlichkeitsbeauftragten“ zum zweiten Mal in dieser Form stattfand, konnte nicht besser sein. In genau dieser Woche hatte Bundesgesundheitsminister Spahn das Digitale Versorgung Gesetz (DVG) vorgelegt, mit welchem die digitale Transformation im Gesundheitswesen weiter beschleunigt werden soll. Dieses sieht maßgebliche Neuerungen wie die Weiterentwicklung der elektronischen Patientenakte (ePA) vor. Patienten sollen Anspruch auf die Speicherung ihrer medizinischen Versorgungsdaten in der ePA haben. Das Anlegen, Speichern und Verwalten der Daten in der ePA soll vergütet werden. Hierzu wird es Positionen im BEMA geben. Das Bonusheft und auch der Impfausweis, der Mutterpass sowie das U-Heft für Kinder sollen Bestandteil der ePA werden.

Sanktionen? Zudem sieht dieses Gesetz die Erweiterung der TI und die Ausweitung der Sanktionsregelung vor. Apotheken (bis 2020) und Krankenhäuser (2021) werden verpflichtet, sich an die TI anzuschließen. Weitere Gesundheitsberufe (u. a. Pflege sowie Hebammen) können dies freiwillig tun. Das Thema IT-Sicherheit mit Anforderungen zur Gewährleistung derselben in der vertragszahnärztlichen Versorgung soll die KZBV in Richtlinien festlegen. Gleiches gilt für einen Leistungsanspruch von Apps.
„Wie ein roter Faden ziehen sich Fristen und Sanktionen durch alle Digitalisierungsgesetze. Überzeugungsarbeit, das Werben um Akzeptanz wären aus unserer Sicht der bessere Weg“, so der KZBV-Vize Dr. Karl-Georg Pochhammer in seiner Begrüßung.

Telematik. Schwerpunkt des ersten Tages war das Thema Telematikinfrastruktur, welches von zwei Referenten der gematik, also der Gesellschaft, die die Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen organisiert, behandelt wurde. Diese beiden Vorträge wurden mit Interesse aufgenommen, da Jens Spahn erst bei dem kürzlich verabschiedeten Terminservice- und Versorgungsgesetz sein Ministerium – sozusagen „per Federstrich“ – zum Mehrheitsgesellschafter der gematik mit 51 Prozent der Geschäftsanteile gemacht hat. Die weiteren Geschäftsanteile sind zu 24,5 Prozent auf den GKV-Spitzenverband und zu 24,5 Prozent auf die Spitzenorganisationen der sogenannten „Leistungserbringer“, darunter auch die KZBV, entfallen. Künftig reicht grundsätzlich die einfache Mehrheit der Stimmen für Beschlüsse der gematik aus, sofern nicht zwingende gesetzliche Mehrheitserfordernisse dem entgegenstehen. Dies soll – so Spahn – dazu führen, dass Entscheidungsprozesse in der gematik effizienter als bisher gestaltet werden.
Dazu gab es ausreichend Diskussions- und Beratungsbedarf der Öffentlichkeitsbeauftragten der Zahnärzteschaft, zumal bei diesen Themen viele Zielgruppen angesprochen werden müssen und es sehr komplex sei, dieses über Jahre sehr negativ wahrgenommene Vorhaben zu kommunizieren. Es wurden kritische Stimmen geäußert, dass eine Kommunikation sich deutlich schwieriger gestalte, wenn die Einführung der TI zusätzliche finanzielle Belastungen für die Praxen auslöse

Elektronische Patientenakte. Am zweiten Tag stand die elektronische Patientenakte im Vordergrund – als Thema auch kontrovers, nicht minder komplex und nicht minder ein Paradigmenwechsel sowohl für die Zahnarztpraxen als auch für die Patientinnen und Patienten. Es wurden in der Diskussion große Fragezeichen von Standespolitikern und Beauftragten für Öffentlichkeitsarbeit aufgeworfen in Bezug auf das Thema Datenschutz und Datensicherheit der ePA. Zudem wurden Sorgen geäußert, dass vielen Patientinnen und Patienten die nötige Gesundheitskompetenz fehlen könne, um verantwortungsvoll eine Entscheidung treffen zu können, welche Daten in der ePA zukünftig gespeichert würden und welche nicht.
Als Fazit lässt sich festhalten, dass die digitale Transformation das Gesundheitswesen erreicht hat und dieses von der Selbstverwaltung auch kommunikativ begleitet werden wird. Wichtig dabei wird sein, klar, deutlich und glaubwürdig die Dinge darzustellen, die Vorteile zu betonen, aber auch vorhandene Fehler zu benennen.

» florian.wahl@kzvbw.de