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Praxis

Der GOZ-Ausschuss der LZK BW informiert

 

Wissen Sie eigentlich, wieviel Zeit Sie haben ...

Ausgabe 6, 2019

… für die Erbringung von Leistungen nach der GOZ? Kaum ein Praxisinhaber kennt die kalkulatorischen Eckpunkte bei der Leistungserbringung in der eigenen Praxis, die von größter Bedeutung für den wirtschaftlichen Erfolg sind.

Alljährlich überprüft die Firma Prognos AG im Auftrag der Bundeszahnärztekammer die grundlegenden Wirtschaftsdaten einer zahnärztlichen Musterpraxis. Für die Jahre 2015/2016 hat Prognos auf Grundlage der jährlich weiterentwickelten Daten einen Sollumsatz in Höhe von 273,93 Euro pro Stunde errechnet (siehe Statistisches Jahrbuch der BZÄK, 2017/18). Erstaunlicherweise deckt sich dieser Stundensatz annähernd mit den Statistischen Erhebungen der KZBV für die durchschnittliche vertragszahnärztliche Praxis. Die KZBV gibt für das Jahr 2016 einen Stundensatz von 286 Euro an (siehe Statistisches Jahrbuch der KZBV 2018).

Erhöhter Zeitaufwand. Betrachtet man den Sollumsatz je Stunde in Relation zu den Honoraren für bestimmte Leistungen in der GOZ, kommt man zu teilweise erstaunlichen Ergebnissen, die neben der ohnehin unbedingt notwendigen Punktwertanhebung dringend eine Neubetrachtung der praxisindividuellen Einschätzung des erhöhten Zeitaufwandes bei der Festlegung des Steigerungssatzes nach § 5 Abs. 2 GOZ verlangen. Denn zu häufig wird aus Bequemlichkeit bedauerlicherweise durchgehend der 2,3-fache Satz ohne weitere Überlegung berechnet. Denken Sie daran, der 2,3-fache Gebührenfaktor stellt lediglich die durchschnittliche Leistung dar. Die zahnärztliche Beurteilung, inwieweit eine Leistungserbringung durchschnittlich war, kann nicht erfolgen, ohne die ggf. niedrige Honorarhöhe der Leistung zu kennen und damit zu wissen, wie einfach und schnell der Verordnungsgeber offenbar die Leistung eingeschätzt hat.
Für die Entfernung eines einwurzeligen Zahnes stehen knapp zwei Minuten beim 2,3-fachen Satz zur Verfügung. Die Sollzeit für eine zweiflächige Füllung beträgt nur 6,86 Minuten. Die Beseitigung grober Vorkontakte müsste innerhalb von 1,4 Minuten erledigt sein. Dies sind nur einige Beispiele.

Chefsache. Die Honorarkalkulation und Gebührenbemessung sind Chefsache. Für eine auskömmliche Berufsausübung sollte sich jeder Zahnarzt unbedingt mit der Zeitkalkulation für zahnärztliche Leistungen beschäftigen. Nur so kann ein adäquates Honorar unter Berücksichtigung des Bemessungskriteriums „Zeitaufwand“ in § 5 Abs. 2 GOZ erzielt werden. Eine umfassende Tabelle und weitere Erläuterungen finden Sie z. B. auf der Homepage der Zahnärztekammer Bremen in der Rubrik GOZ (https://zaek-hb.de/ goz). Die Zeitrelation bezieht über den Sollumsatz zwar die Praxiskosten mit ein. Diese sind jedoch je nach Materialkosten, Aufbereitungsbedarf und ggf. Rüstzeiten sehr unterschiedlich für die einzelne Leistung.
Im Übrigen reicht bei einer Betrachtung der GOÄ unter gleichen Gesichtspunkten das Honorar für die GOÄ 3 „Eingehende Beratung (Dauer mindestens 10 Minuten)“ bei einer Minuten-Honorar-Relation von 4,41 Euro beim 2,3-fachen Satz und 6,71 Euro beim 3,5-fachen Satz nicht einmal für die Erfüllung der Abrechnungsbestimmung! Ein krasses Beispiel für die fehlende Vergütungsanhebung in unserem Bereich. Selbst mit den eigenen Zahlen des Bundesgesundheitsministeriums im Vorfeld der GOZ-Novellierung 2012 wurden die 10 Minuten der Abrechnungsbestimmung in der Honorierung schon nicht mehr erreicht!

Zeitkalkulation. Besonders eindrucksvoll ist die Betrachtung der Zeitkalkulation bei den adhäsiven Kompositfüllungen nach den GOZ-Nummern 2060 ff. Für eine zweiflächige Adhäsivfüllung stehen beim 3,5-fachen Satz 24 Minuten zur Verfügung. Eine dreiflächige Adhäsivfüllung muss beim 3,5-fachen Satz nach 27,7 Minuten, eine mehr als dreiflächige nach 33,2 Minuten fertig sein. Da bleiben nur zwei Möglichkeiten: Um in diesem Zeitfenster arbeiten zu können, muss die Füllung entweder doppelt so schnell erbracht werden oder halb so gut … oder Sie passen den Steigerungsfaktor so an, dass Sie die Leistung in einer dem Behandlungsfall angemessenen Zeit erbringen können, ggf. unter Zuhilfenahme einer Honorarvereinbarung nach § 2 GOZ.

Weiterentwicklung. Vergessen Sie bitte nicht: Eine Praxis, die nicht auf ihre Kosten kommt, ist von der Pleite bedroht!
Eine Praxis, die gerade eben so über die Runden kommt, veraltet apparativ, bleibt in Sachen Fortbildung und Weiterentwicklung hinter den Anforderungen zurück, ist technologisch überholt und verkümmert personell.
Nur eine Praxis, deren Investition und Arbeitseinsatz genügend Gewinn abwirft, erfüllt ihre Aufgaben für die moderne, qualitätsgesicherte Versorgung der Patienten und ermöglicht auf diese Weise ein erfülltes, erfolgreiches und zufriedenes Arbeitsleben für den Zahnarzt und seine Mitarbeiter.

Autorenteam des GOZ-Ausschusses
der LZK BW

 

Haben Sie schon daran gedacht?

 

Anlasslose Gefährdungsbeurteilung gemäß Mutterschutzgesetz

Ausgabe 6, 2019

In der Vergangenheit musste die Praxis erst im Fall einer mitgeteilten Schwangerschaft einer Mitarbeiterin „anlassbezogen tätig“ werden (z. B. Gefährdungsbeurteilung, Mitteilung/Benachrichtigung an das zuständige Regierungspräsidium). Dies hat der Gesetzgeber im Mutterschutzgesetz geändert. Nun wird zusätzlich eine „anlasslose“ arbeitsschutzrechtliche Gefährdungsbeurteilung für jede arbeitsplatzbezogene Tätigkeit gefordert. Der Praxisinhaber muss grundsätzlich, also unabhängig davon, ob er weibliche Beschäftigte hat oder ob ihm eine Schwangerschaft mitgeteilt wurde, auch eine Beurteilung der Arbeitsbedingungen hinsichtlich des Mutterschutzes durchführen („anlasslos“). Die Übergangsfrist für die Durchführung und Dokumentation der „anlasslosen Mutterschutz-Gefährdungsbeurteilung“ endete bereits am 31.12.2018.

Unterstützung. Das PRAXIS-Handbuch der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg bietet seit Juli 2018 für die Durchführung und Dokumentation der „anlasslosen Mutterschutz-Gefährdungsbeurteilung“ die optimale und praktikable Unterstützung an. Hierzu wurde die bestehende Muster-Gefährdungsbeurteilung „Mutterschutz und Jugendliche“ aus dem PRAXIS-Handbuch um eine neue Seite 3 ergänzt. Die „Muster-Beurteilung der Arbeitsbedingungen gemäß MuSchG“ finden Sie auf der Homepage der LZK BW in der Online-Version des PRAXIS-Handbuchs unter lzk-bw.de („ZAHNÄRZTE“ >>> unter der Rubrik „Praxisführung“ auf das „PRAXIS-Handbuch“ >>> nochmal auf „PRAXISHandbuch“ >>> Schaltfläche „3.1 Qualitätssicherung: Anhang“ >>> „3.1.6 Gefährdungsbeurteilungen“ >>> „3.1.6.14 Mutterschutz und Jugendliche“).

Aufbau und Inhalt. Das Musterformular für die „anlasslose Mutterschutz-Gefährdungsbeurteilung“ im PRAXIS-Handbuch ist tabellarisch aufgebaut. In der ersten Spalte sind bereits Beispiele für praxistypische Arbeitsplätze/ Tätigkeiten eingetragen (diese wurden sozusagen als Hilfestellung aufgeführt und sollten je nach Praxisstruktur ggf. geändert bzw. ergänzt werden). Das konkrete Ergebnis der Beurteilung der Arbeitsbedingungen für die einzelnen Arbeitsplätze/Tätigkeiten wird in der zweiten Spalte eingetragen. Es stehen bereits die folgenden Muster-Beurteilungsergebnisse zum Ankreuzen zur Auswahl: Keine Schutzmaßnahmen erforderlich; Umgestaltung der Arbeitsbedingungen erforderlich; Tätigkeitsfortführung an diesem Arbeitsplatz nicht möglich. In der dritten Spalte wird die jeweilige Beurteilung der Arbeitsplätze/Tätigkeiten mit der Unterschrift des Praxisinhabers inkl. Umsetzungsdatum festgehalten. Die vierte Spalte bietet Platz für eventuell erforderliche Bemerkungen.

Vorgehensweise. Die Arbeitsplätze/Tätigkeiten in der Praxis werden dahingehend untersucht und beurteilt, ob und inwieweit an diesen eine schwangere oder stillende Mitarbeiterin eingesetzt werden kann. Die Beurteilung der Arbeitsbedingungen kann z. B. zu den folgenden Ergebnissen führen: Die Weiterbeschäftigung erfordert keine (weiteren, zusätzlich zu den bereits vorhandenen) Schutzmaßnahmen, die Weiterbeschäftigung erfordert die Umgestaltung der Arbeitsbedingungen oder eine Tätigkeitsfortführung an diesem Arbeitsplatz ist nicht möglich.

Praxistipp: Nutzen Sie die vorgestellte Muster-Gefährdungsbeurteilung aus dem PRAXIS-Handbuch für eine einfache und rechtssichere Durchführung und Dokumentation!

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