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Titelthema

25 Jahre Dentalhygienikerin in Baden-Württemberg

 

Prophylaxe-Profis mit Passion

Ausgabe 7, 2019

Im Jahr 1994 wurde im Zahnmedizinischen Fortbildungszentrum Stuttgart (ZFZ) die bundesweit erste Fortbildung zur Dentalhygienikerin (DH) eingeführt. Sie war die Grundlage für die Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin in ganz Deutschland und Basis für die Musterfortbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer. Im Laufe der letzten 25 Jahre wurde die Ausbildung zur Dentalhygienikerin den Prophylaxe-Bedürfnissen stetig angepasst und immer weiter professionalisiert. Heute tragen die Absolventinnen den Titel „DHProfessional“ und sind aus der Zahnarztpraxis nicht mehr wegzudenken. Ein Rückblick.

Pionierarbeit. Im Oktober 1994 feierte der DH-Pilotkurs in Stuttgart seinen Abschluss.

Prävention. Durch die Dentalhygienikerin wird die präventionsorientierte Zahnmedizin in der Praxis gezielt gefördert.

Spaß am Lernen. Die Teilnehmerinnen des DH-Kurses am ZFZ Stuttgart sind motiviert dabei.

Erfolgsgeschichte. Im Mai 2018 wurde der 25. DH-Kurs am ZFZ Stuttgart erfolgreich beendet.

Vor 25 Jahren vollzog die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg als erste Zahnärztekammer in Deutschland mit der Einführung der Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin einen revolutionären Schritt. Erstmals wurde gezielt die präventionsorientierte Zahnmedizin in der Praxis durch die Installation einer hochqualifizierten Fachkraft für Prophylaxe gefördert. Gleichzeitig wurde mit der Stufenfortbildung im dualen System eine Möglichkeit für Frauen geschaffen, sich trotz Babyoder Pflegepausen stetig weiterbilden zu können. Der Vorteil: Einmal gewonnene Qualifikationen (z. B. ZMP/ZMF) bleiben erhalten und können auch noch nach einer längeren Pause weiter aufgebaut werden. In Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf war die Zahnärzteschaft Baden-Württemberg mit der Einführung der Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin der bundesweiten Entwicklung um viele Jahre voraus. Der damalige Referent für Zahnmedizinische Mitarbeiter/innen der LZK BW, Dr. Klaus-Peter Rieger (im Jahr 2011 verstorben) gilt als der Vater der strukturierten Aufstiegsfortbildung für Zahnmedizinische Mitarbeiter/ innen, von der Prophylaxemitarbeiterin über die Zahnmedizinische Fachassistentin (ZMF), Zahnmedizinische Prophylaxeassistentin (ZMP) bis zur Dentalhygienikerin. Er hat das Fortbildungsmodell entscheidend und schnell vorangetrieben. Das Zahnmedizinische Fortbildungszentrum Stuttgart (ZFZ) nahm schließlich unter der Leitung von Direktor Prof. Dr. Johannes Einwag bei der Entwicklung des Berufsbilds Dentalhygienikerin eine Vorbildfunktion für ganz Deutschland ein.

1993

  • Schaffung der gesetzlichen Grundlage im Gesundheitsstrukturgesetz Artikel 22 für die Qualifizierung zur Dentalhygienikerin (DH) in Deutschland (Änderung des Gesetzes zur Ausübung der Zahnheilkunde)

1994
  • Die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg reagierte als erste Zahnärztekammer in Deutschland auf die neue Gesetzeslage und führte die Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin ein. Im Oktober 1994: Abschluss des Pilotkurses am ZFZ Stuttgart zur Dentalhygienikerin

1999
  • Die Bundeszahnärztekammer verabschiedet eine Musterfortbildungsordnung auf der Basis des baden-württembergischen Erfolgsmodells der Dentalhygienikerin. Sie ist die Basis für die Einführung der Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin durch weitere Landeszahnärztekammern. Gründung der Deutschen Gesellschaft für Dentalhygienikerinnen e. V. (DGDH) zur Bündelung der Interessen der in Deutschland tätigen DHs.

2004
  • Festakt zum zehnjährigen Jubiläum der Aufstiegsfortbildung Dentalhygienikerin in Baden-Württemberg. Innerhalb von zehn Jahren wurden 153 Dentalhygienikerinnen am ZFZ Stuttgart qualifiziert.

2005
  • Anpassung der Musterfortbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer an die modernen Anforderungen der Zahnheilkunde.

2012
  • Berufspolitische Diskussion über die Akademisierung nichtärztlicher Gesundheitsberufe, u. a. über die Einführung eines Bachelorstudiums für die Dentalhygienikerin. Am Ende bleibt es beim bewährten Aufstiegsmodell zur Kammer-DH.

2014
  • Festakt zum 20-jährigen Jubiläum der Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin. Seit ihrer Einführung wurden in Baden-Württemberg am ZFZ Stuttgart 400 Dentalhygienikerinnen qualifiziert. Die Musterfortbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer wurde aktualisiert.

2016
  • Einführung des Berufsbilds Dentalhygieniker/in Professional in Baden-Württemberg, parallel dazu wurde für den Verwaltungsbereich der Zahnarztpraxis die Aufstiegsfortbildung Dentale/r Fachwirt/in eingeführt.

2018
  • Abschluss des 25. Dentalhygienikerinnen-Kurses im Mai 2018 am ZFZ Stuttgart.

2019
  • Innerhalb der letzten 25 Jahre wurden beim ZFZ Stuttgart 500 Dentalhygienikerinnen qualifiziert. Festakt zu 25 Jahren Dentalhygienikerin in Baden-Württemberg und 20 Jahre DGDH am 5. Juli 2019 in Ludwigsburg.

Deutschland. Außer in Baden- Württemberg haben die Zahnärztekammer Berlin/Landeszahnärztekammer Brandenburg sowie die Landeszahnärztekammern Hamburg, Westfalen- Lippe und Bayern eine duale Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin etabliert. Deutschlandweit gibt es derzeit 600 Dentalhygienikerinnen, die sich über eine Kammer- Fortbildung qualifiziert haben.

Alternative zum Studium. Wer die Hochschulreife oder Fachhochschulreife hat, kann das Berufsbild Dentalhygieniker/in Professional über eine Lehrzeitverkürzung von 12 Monaten erreichen, da die Fortbildungsinhalte bereits während der Ausbildung erworben werden. Das Praxisjahr entfällt als Zulassungsvoraussetzung. So schafft man es in dreieinhalb statt in fünf Jahren zur/zum DH-Professional!

» richter@lzk-bw.de

 

Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin im ZFZ Stuttgart

 

„Ein Highlight meines beruflichen Lebens“

Ausgabe 7, 2019

Die Interviewanfragen häufen sich in den letzten Tagen und Wochen beim Direktor des Zahnmedizinischen Fortbildungszentrums Stuttgart. Keine Frage, dass auch die ZBW-Redaktion mit einem der Pioniere der Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin im 25. Jubiläumsjahr ein Gespräch führt. Ich treffe einen entspannten Prof. Dr. Johannes Einwag in Praxiskleidung um acht Uhr morgens im ZFZ Stuttgart. Fast zwei Stunden nimmt er sich Zeit für das Gespräch.

Gespräche mit Prof. Dr. Johannes Einwag verlaufen meistens anders als geplant. Noch bevor ich meinen vorbereiteten Fragenkatalog abarbeiten kann, katapultiert mich der Direktor des Zahnmedizinischen Fortbildungszentrums Stuttgart mit zwei Schlagworten mittenrein in die aktuelle bildungspolitische Debatte. Schlagwort Nr. 1: Der Deutsche Qualifizierungsrahmen und die Verortung der Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin in diesem Qualifizierungsrahmen. Schlagwort Nr. 2: Das Vorhaben von Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU), Ausbildungsabschlüsse mit akademischen Graden zu bezeichnen und die massive Kritik, die der Bundesbildungsministerin mit ihrem Vorschlag für einen Berufsbachelor entgegenschlägt. Erst im Verlauf des Gesprächs wird sich der Gedankenkreis um diese beiden Schlagworte mit der Positionierung von Johannes Einwag schließen. Zurück zum eigentlichen Anlass für das Gespräch: 25 Jahre Aufstiegsfortbildung zur Dentalhygienikerin in Baden-Württemberg und Deutschland. Das Jubiläum ist eng mit dem Zahnmedizinischen Fortbildungszentrum Stuttgart und Prof. Dr. Johannes Einwag als Direktor des ZFZ Stuttgart verbunden. 1994 hatte das ZFZ Stuttgart den ersten Pilotkurs zur Dentalhygienikerin in Deutschland angeboten, nachdem die gesetzliche Grundlage für die Qualifizierung zur DH mit dem Inkrafttreten des Gesundheitsstrukturgesetzes im Januar 1993 geschaffen wurde.

Gespräch. Gut gelaunt und mit vielen innovativen Gedanken präsentierte sich Prof. Dr. Johannes Einwag im ZBW-Gespräch.

ZBW: Ich frage Johannes Einwag deshalb als erstes, welche persönliche Tragweite das Jubiläum für ihn besitzt:

Prof. Einwag: Rückblickend betrachtet, ist die Installation der Aufstiegsfortbildung zur DH das Highlight meines beruflichen Lebens. Ich kam 1992 nach Baden-Württemberg, eigentlich bin ich als „Prophylaxe-Prof“ im ZFZ eingestellt worden. Damals war die zahnmedizinische Welt in Deutschland im Umbruch in Richtung Prävention: Die ersten Landesarbeitsgemeinschaften für Zahngesundheit mit dem Ziel flächendeckender Gruppenprophylaxe waren gegründet, das Studium der Zahnmedizin wurde – u. a. in Zusammenhang mit dem Einigungsvertrag – teilweise umstrukturiert (Prävention und Parodontologie erhielten einen größeren Stellenwert u. a. durch Einführung eigenständiger Prüfungsfächer im Staatsexamen), erstmals konnten individualprophylaktische Maßnahmen in der gesetzlichen Krankenversicherung (IP1-IP4) abgerechnet werden.
Das heißt, die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen waren günstig (Schlagwort „Prophylaxe statt Prothesen“), die Zahnärzte waren intensiver geschult, erste Abrechnungsmöglichkeiten (für Kinder und Jugendliche) waren vorhanden. Jetzt brauchte es „nur“ noch qualifizierte Mitarbeiter zur Umsetzung dieser Maßnahmen im Alltag der 50.000 Praxen in Deutschland und zwar nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene! Es mussten Fortbildungsformate entwickelt werden mit dem Ziel, zeitnah eine ausreichende Anzahl von Mitarbeitern in Primär- und Sekundär-Prophylaxe flächendeckend für alle Zahnarztpraxen qualifizieren zu können. Ein ganzes Maßnahmenbündel wurde in der Folge durch die Zahnärztekammern geschnürt, um den unterschiedlichen Anforderungen gerecht zu werden: von der „Prophylaxehelferin“ bis zur ZMP/ZMF. Allesamt Erfolgsmodelle, wie sich an der Entwicklung der Mundgesundheit in der Bundesrepublik in den vergangenen Jahren eindrucksvoll dokumentieren lässt.
Mit dem Gesundheitsstrukturgesetz schuf der Gesetzgeber zusätzlich die Grundlage für die Qualifizierung zur Dentalhygienikerin und legte zugleich über eine Änderung des Zahnheilkundegesetzes fest, welche Leistungen delegiert werden dürfen.
Es war eine Chance, die vom Vorstand und der Vertreterversammlung der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg umgehend genutzt wurde: Überall in der Welt gab es bereits Dentalhygienikerinnen, vielerorts allerdings als eigenständiger, von der ZAH/ZFA unabhängiger Ausbildungsberuf. Dies war in Deutschland politisch nicht gewollt. Also mussten andere Wege gefunden werden, um das fachliche Potenzial einer Dentalhygienikerin mit dem Schwerpunkt der Sekundärprophylaxe der Parodontitis- Patienten unter bundesdeutschen Rahmenbedingungen zu realisieren. Mit Dr. Klaus-Peter Rieger als Referent für Zahnmedizinische Mitarbeiterinnen der Landeszahnärztekammer Baden- Württemberg, hatte ich einen kongenialen Partner gefunden, ein neues, innovatives Bildungsformat, die „Aufstiegsfortbildung“ zu realisieren. Gemeinsam mit ihm, Manuel Eichinger und Angelika Kohler-Schatz haben wir den Pilotkurs am ZFZ 1994 konzipiert und in den kommenden Jahren immer weiterentwickelt.
Der Erfolg gab uns Recht: Die Jahre später formulierte und noch heute gültige Musterfortbildungsordnung der Bundeszahnärztekammer basiert auf der Vorarbeit der Fortbildungsordnungen der LZK Baden-Württemberg.





Wertschätzung. Der ZFZ-Direktor zeigt Geschenke aus seinen DH-Kursen und ein Hilfsmittel zum praktischen Training der Handinstrumente: Die Metallkugeln.

Am 24. Mai 2019 wurde für Baden-Württemberg ein „Bündnis zur Stärkung der beruflichen Ausbildung und des Fachkräftenachwuchses“ unterzeichnet. Ministerpräsident Winfried Kretschmann betonte, eine Ausbildung sei „eine gleichwertige Alternative zum Studium, die viele Möglichkeiten eröffnet.“
Diese Aussage müsste eigentlich genau im Sinne von Prof. Einwag sein. Den Fachkräftemangel beklagt der Berufsstand massiv. Ich frage Prof. Einwag, was den Ausbildungsberuf Zahnmedizinische Fachangestellte mit seinen modularen Aufstiegsbausteinen gegenüber der „Bachelor DH“ auszeichnet. Seine Antwort überrascht, zeigt er sich doch sehr kompromissbereit und versöhnlich gegenüber der akademischen Ausbildung.

Es gibt verschiedene Zugänge zum Beruf. Die Qualifikationen sind andersartig, aber gleichwertig. Wir können es uns nicht leisten, uns angesichts des Fachkräftemangels auf „den einen“ Weg zu beschränken. Ich bin allerdings überzeugt, dass die über Jahre hinweg im Praxisalltag am Patienten praktizierten Routinen der entscheidende Vorteil unserer Aufstiegsfortbildung sind. Diese Erfahrungen sind durch keine noch so gute theoretische Ausbildung zu ersetzen!
In der Anfangsphase unserer DH-Kurse haben wir bei unseren Nachtreffen mit den Praxisinhabern konstruktive Kritik für die Optimierung der praktischen Routinen erhalten. Wir haben daraufhin den DH-Kurs gesplittet in einen theoretischen Teil im ZFZ und einen Teil in der jeweiligen Praxis der Kursteilnehmer mit einem festgelegten Leistungskatalog. Das hat sich bewährt und ist heute der entscheidende Punkt. Jeder Kurs ist „einzigartig“. Es findet ständig eine Anpassung an aktuelle Entwicklungen statt, zum Beispiel derzeit eine intensivere Vermittlung der Wechselwirkungen zwischen Mundgesundheit und Allgemeingesundheit. Das ist einer der Vorteile des modularen Systems: Eine zeitnahe Anpassung der Fortbildungsinhalte ist jederzeit möglich.

Die zunehmende Konkurrenz auf dem Fortbildungsmarkt für die akademische Ausbildung zur Dentalhygienikerin sieht der ZFZ-Direktor gelassen. Auf die Frage, wie er den neuen Angeboten begegnet, hat er einige überraschende Ideen parat.

Es handelt sich um unterschiedliche Wege mit dem Ziel derselben Qualifikation! Entscheidend ist das Zahnheilkundegesetz, das festgelegt hat, was delegiert werden darf. Und die delegierbaren Leistungen sind bei der „Bachelor- DH“ dieselben wie bei der „Kammer-DH“. Ich finde es nur schade, dass seitens der Anbieter von Bachelor-DH-Ausbildungen so getan wird, als sei die Bachelor- DH die höherwertige Ausbildung. Das ist definitiv nicht der Fall.
Deshalb ist die Verortung der DH (unabhängig vom Weg der Qualifikation) auf Level 6 im Deutschen Qualifikationsrahmen so wichtig. So wird die Gleichwertigkeit auch nach außen dokumentiert.
Unabhängig davon könnte ich mir für diejenigen unserer DHs, die sich im Fortbildungsbereich als Referenten engagieren, ein mit einer Bachelorarbeit verbundenes Zusatzmodul „Didaktik“ mit dem Ziel eines „Bachelor of Dental Hygiene education“ gut vorstellen. Das wäre eine sinnvolle Ergänzung für die spezielle Gruppe der Lehr-DHs und würde mit Sicherheit die Qualität der Fortbildung in diesem Bereich verbessern.
Allerdings kann die Kammer diese Qualifizierung nicht anbieten; hierzu benötigen wir die Kooperation mit den Universitäten!

In den vergangenen 25 Jahren hat das ZFZ Stuttgart über 500 Dentalhygienikerinnen ausgebildet. Zu sehr vielen hat Johannes Einwag noch Kontakt und erzählt, was aus ihnen geworden ist.

Wir sind wie eine große Familie. Ich habe viele Kontakte und jedes Jahr treffen wir uns bei einer Anzahl regionaler und überregionaler Fortbildungen, insbesondere natürlich beim Jahrestreffen der DGDH in Ludwigsburg. Diese Veranstaltung hat sich zwischenzeitlich zu einem großen Wiedersehenstreffen nicht nur für die Stuttgarter DHs entwickelt; auch für viele DHs aus den anderen Kammerbereichen der Bundesrepublik, aus Österreich und der Schweiz ist diese Tagung ein Muss im Jahresablauf.
Die einzelnen DHs haben sich dabei durchaus unterschiedlich entwickelt: Einige arbeiten in Großpraxen, andere arbeiten verteilt auf zwei oder gar drei Praxen, manche arbeiten in Teilzeit, einige sind auch als Lehrkraft tätig.
Die Möglichkeiten, das Potenzial der Qualifikation zur DH auf der Basis der Aufstiegsfortbildung wird immer wieder deutlich. Wenn es sie nicht gäbe, müsste man sie erfinden.

Die 25 Jahre rückblickend betrachtet – was hat sich verändert, welche Qualifikationen sind heute wie damals zentral?

Im Zentrum der Tätigkeit einer DH steht nach wie vor die parodontale Nachsorge. Die zentralen Strategien haben sich im Laufe der Zeit nur geringfügig geändert; die Tätigkeit der DHs lässt sich auf zwei Bereiche fokussieren: Erstens das mechanische Biofilmmanagement (Stichwort „der Dreck muss weg“). Zweitens die Information, Motivation und Instruktion für eine individuelle risikoorientierte häusliche Prophylaxe.
Keine revolutionären Änderungen der Strategie – allerdings in Einzelbereichen enorme Entwicklungen bei der Umsetzung! Als Beispiel seien genannt das mechanische Biofilmmanagement (von der Handinstrumentation bis zum Pulverstrahl), der Einsatz nicht nur von Antibiotika, sondern auch von Probiotika, die Berücksichtigung der Wechselwirkungen zwischen Mundgesundheit und Allgemeingesundheit.
Prophylaxe ist und bleibt „spannend“ – entsprechend groß ist der „Spaß“ bei der Vermittlung entsprechender neuer Erkenntnisse!

Wer einmal in einem 7er-BMW gesessen ist, wird keinen 1er- BMW mehr fahren wollen. Diesen treffenden Vergleich zieht Prof. Einwag als Antwort auf die Frage, wie er seine Kollegen überzeugt, eine DH in der Praxis anzustellen.

Jeder, der einmal mit einer DH in der Praxis gearbeitet hat, will nicht mehr darauf verzichten und jemals wieder ohne DH arbeiten. Die Qualifikation und die intensive Arbeit einer DH ist so dramatisch anders.

Bei einem Rückblick darf selbstverständlich der Ausblick in die Zukunft nicht fehlen. Auf die Frage, wo Prof. Einwag den Beruf in zehn bis 20 Jahren sieht, überrascht er mit einigen visionäreren Überlegungen und Gedanken.

Fachlich scheint die grundlegende Entwicklung vorgegeben: Abweichungen vom „Gesunden“ werden durch neue Diagnoseverfahren frühzeitiger als bisher erkannt – präventive/therapeutische Eingriffe erfolgen in einem Stadium, das eine weitgehende Restitutio ad integrum ermöglicht – sowohl was Erkrankungen der Zahnhartsubstanz als auch der Weichgewebe betrifft.

  1. 1. der demografischen Entwicklung (die Menschen werden älter),
  2. 2. dem enormen Kostendruck im Gesundheitswesen,
  3. 3. dem Mangel an Fachkräften und
  4. 4. der Feminisierung des Berufsstandes.


Der Zahnarzt in der Einzelpraxis, wie wir ihn kennen, ist angesichts dieser Entwicklungen ein Auslaufmodell. Die Zukunft liegt in „Zahnmedizinischen Versorgungszentren“ – ob uns das passt oder nicht. Ich sehe die DH hier als Leiterin einer „Abteilung für Prävention“ oder in der praxisinternen Fortbildung. Vor diesem Hintergrund müssen wir noch mehr pädagogisch- didaktische Aspekte in unsere Kursinhalte einbauen.

Das Gespräch führte
Andrea Mader