Zahnaerzteblatt.de

 

Berufspolitik

Approbationsordnung Zahnärzte

 

Und sie bewegt sich doch – nach 64 Jahren Stillstand!

Ausgabe 7, 2019

Endlich ist es geschehen! Ich begrüße sehr, dass der Bundesrat es in seiner Sitzung am 7. Juni im dritten Anlauf geschafft hat, der längst überfälligen Novellierung der zahnärztlichen Approbationsordnung zuzustimmen.

Zwar wurde das Vorklinikum aufgrund der laufenden Verhandlungen zwischen Bund und Ländern zum Masterplan Medizinstudium 2020 vorerst ausgeklammert. Aber ein erster wichtiger Schritt zur Reform des klinischen Teils des Studiums ist getan, der komatöse Patient ist erwacht. Damit entsprechen die Rahmenbedingungen für die Hochschulen den aktuellen wissenschaftlichen Anforderungen. Wichtig ist auch, dass nicht nur die zahntechnische und prothetische Ausbildung im Klinikum erhalten bleibt. Endlich konnte auch das Problem bisher fehlender Verfahrensregeln für die Anerkennung ausländischer Berufsabschlüsse im Rahmen der Gleichwertigkeitsprüfungen geklärt werden, denn mit der Neufassung der Approbationsordnung werden diese Verfahrensregeln erstmals bundesweit einheitlich definiert.

Der zweite Schritt der notwendigen Reformen zum ersten Studienabschnitt, der Vorklinik, erfolgt in den anstehenden Beratungen zwischen Bund und Ländern zum Masterplan Medizinstudium 2020. Die Entscheidungen dazu werden voraussichtlich noch dieses Jahr fallen. Hier müssen wir nach wie vor darauf achten, dass unsere standespolitischen Forderungen adäquat berücksichtigt werden.
Spannend wird noch einmal die bisher weiterhin ungeklärte Finanzierungsfrage um die Folgekosten. Der Bundesrat fordert hier eine Beteiligung des Bundes. Als Grundlage des Dialogs für die weiteren Gespräche wurde der Medizinische Fakultätentag von den Ländern beauftragt, bis Sommer ein Kalkulationskonzept vorzulegen. Es wird sich zeigen, wie ernst es Bund und Ländern mit ihrer Aussage ist, eine hohe zahnmedizinische Ausbildungsqualität im Interesse der Patienten zu sichern, wenn es darum geht, die dafür notwendigen Mehroder Folgekosten verantwortungsvoll zu übernehmen.

Dr. Torsten Tomppert,
Präsident der
Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg

 

Deutsche Parlamentarische Gesellschaft

 

Gesundheitspolitik zum Frühstück

Ausgabe 7, 2019

Sieben Bundestagsabgeordnete der Regierungskoalition, die Mitglieder im Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags sind, folgten der Einladung des LZK-Vorstandes am 15. Mai 2019 in die Deutsche Parlamentarische Gesellschaft (DPG). In intensiven Einzelgesprächen erörterten die Vorstandsmitglieder mit den Abgeordneten die von LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert in seiner Begrüßung skizzierten gesundheitspolitischen Themenfelder.

Adressat. Der Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestags ist der richtige Adressat für die berufspolitischen Forderungen der Zahnärzteschaft - der LZK-Vorstand in der Deutschen Parlamentarischen Gesellschaft.

Heike Baehrens (SPD), Dr. Rudolf Henke (CDU), Michael Hennrich (CDU), Alexander Krauß (CDU), Karin Maag (CDU), Dietrich Monstadt (CDU) und Lothar Riebsamen (CDU) waren der Frühstücks- Einladung in die Parlamentarische Gesellschaft gefolgt.

Berufsrechtliche Regelung. Noch bevor die Abgeordneten in die Einzelgespräche mit dem LZK-Vorstand einstiegen, sprach LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert den Mitgliedern des Gesundheitsausschusses den Dank der Zahnärzteschaft aus. „Wir begrüßen, dass im Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) eigene Regelungen für Z-MVZ getroffen wurden“. Dennoch könne dies erst der Anfang sein. Es sei dringend erforderlich, zu einem späteren Zeitpunkt entsprechende berufsrechtliche Regelungen im Zahnheilkundegesetz zu verankern. Für die Einzelgespräche der Vorstandsmitglieder mit den Abgeordneten skizzierte der LZK-Präsident in seiner Begrüßung drei zentrale Themenfelder:

  • Die Richtlinie über eine Verhältnismäßigkeitsprüfung vor Erlass neuer Berufsreglementierungen, die bis 2020 durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie in nationales Recht umgesetzt wird.
  • Die dringend notwendige Anpassung der GOZ.
  • Die zunehmende Versozialrechtlichung im Bereich der Zahnärzteschaft.
Dr. Tomppert erinnerte im Zusammenhang mit dem Verhältnismäßigkeitstest an die „Sonderrolle der Heilberufe“. Der nationale Gesetzgeber sei verpflichtet zu prüfen, ob das Ziel des hohen Niveaus des Gesundheitsschutzes ausreichend berücksichtigt wird. „Für die Erhebung einer sachgerechten Gebühr ist für uns Zahnärztinnen und Zahnärzte entscheidend, dass die GOZ fachlich und betriebswirtschaftlich zeitgemäß ist“, mit diesen Worten mahnte Dr. Tomppert eine notwendige Anpassung des GOZ-Punktwertes an. Bezüglich des seit 1988 nicht mehr angepassten GOZ-Punktwertes unterbreitete Dr. Tomppert den Abgeordneten auch einen Vorschlag: Eine einmalige sofortige Erhöhung und in der Folge eine regelmäßige Dynamisierung. Abschließend sprach Dr. Tomppert noch eine aus Kammersicht ungünstige Entwicklung an, die Aufnahme von zahnärztlich relevanten Vorgaben ausschließlich in das SGB V, wie sie beispielsweise aktuell bei den Regelungen zu fremdfinanzierten Z-MVZ erfolgt ist. „An dieser Stelle wäre eine Regelung im Zahnheilkundegesetz sowie in den Heilberufe-Kammergesetzen der Länder zusätzlich wünschenswert“, betonte Dr. Tomppert. Diese drei gesundheitspolitischen Themenkomplexe, die aus Kammersicht und für die Zahnärzteschaft deutschlandweit von Bedeutung sind, lieferten genug Gesprächsstoff für die Einzelgespräche mit den Abgeordneten. Nach einer intensiven und ausgiebigen Diskussion und mit dem Dank an die Mitglieder des LZKVorstandes, verabschiedeten sich die Abgeordneten in die parlamentarische Arbeit.

» mader@lzk-bw.de



Begrüßung.
LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert begrüßte die Bundestagsabgeordneten und skizzierte die gesundheitspolitischen Themenfelder für die Gespräche.


Juristische Person.
Dr. Eberhard Montigel und LZK-Direktor Axel Maag haben mit Dr. Rudolf Henke, der auch Präsident der Ärztekammer Nordrhein ist, über das Thema „Juristische Person des Privatrechts als Kammermitglieder“ gesprochen.


Zahnheilkundegesetz.
Dr. Bert Bauder sprach bei Karin Maag die dringend erforderliche Verankerung von Regelungen zu Z-MVZ im Zahnheilkundegesetz an.


Intensiv.
Dr. Dr. Heinrich Schneider war im intensiven Austausch mit Dietrich Monstadt, der im Gesundheitsausschuss für den zahnärztlichen Bereich zuständig ist.


Diskussion.
Dr. Peter Riedel rückte im Gespräch mit Alexander Krauß einige falsche Vorstellungen über investorengeführte Z-MVZ und ihre Intentionen zurecht.


Pflegebereich.
Lothar Riebsamen tauschte sich mit Dr. Norbert Struß über die Pflegesituation und das Engagement der Zahnärzteschaft für Ältere und Menschen mit Behinderung aus.


BW-Abgeordneter.
Die persönlichen Erfahrungen beim Zahnarzt und insbesondere die Rechnungsstellung durch den Zahnarzt waren Gesprächsthema zwischen Dr. Hendrik Putze und Michael Hennrich aus Nürtingen.


Ausbildung.
Der stv. Geschäftsführer Thorsten Beck erörterte mit Heike Baehrens Fragen der Ausbildung von Pflegekräften und ZFAs sowie der Qualifizierung von Pflegekräften im Bereich der Mundpflege.

 

Interview mit Dipl.-Volkswirt Christoph Besters zur zahnmedizinischen Versorgung

 

„Wir stellen uns den künftigen Herausforderungen“

Ausgabe 7, 2019

Baden-Württemberg ist in puncto zahnmedizinische Versorgung sehr gut aufgestellt: Die Zahnärztinnen und Zahnärzte sind motiviert, es gibt keine unterversorgten Regionen. Das sind die Big Points des Versorgungsberichts 2019, den die Kassenzahnärztliche Vereinigung Baden-Württemberg (KZV BW) vorgelegt hat. Dennoch gibt es große Herausforderungen wie den strukturellen Wandel im zahnärztlichen Beruf und dessen Auswirkungen auf die zukünftige Versorgung. Fragen zum Thema an Dipl.-Volkswirt Christoph Besters, stellv. Vorstandsvorsitzender der KZV BW.

ZBW: Herr Besters, woran lässt sich erkennen, dass die Situation der zahnmedizinischen Versorgung in Baden-Württemberg sehr gut ist?

Besters: Wir haben keinen einzigen unterversorgten Landkreis in Baden-Württemberg, wir haben kein Problem mit der Sicherstellung der Versorgung durch die insgesamt 8.000 Zahnärztinnen und Zahnärzte, die im letzten Jahr in über 21 Millionen Behandlungssitzungen 6,5 Millionen gesetzlich Versicherte behandelt haben. Das sind beeindruckende Fakten, die für eine insgesamt sehr gute Versorgungssituation sprechen.

Welchen Herausforderungen stehen Sie in der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg gegenüber?

ist der strukturelle Wandel im zahnärztlichen Beruf. Es gibt mehrere Dimensionen: Wir haben den Wandel des Geschlechterverhältnisses zwischen Frauen und Männern, wir haben die individuelle Neurelation von Berufstätigkeit einerseits sowie Familien- und Privatleben andererseits. Wir verzeichnen einen starken Anstieg der Anstellungsverhältnisse. Entscheidend ist, junge Zahnärztinnen und Zahnärzte mit umfassender und kompetenter Beratung für die Niederlassung in eigener Praxis zu motivieren.

Motivation. „Entscheidend ist, junge Zahnärztinnen und Zahnärzte mit umfassender und kompetenter Beratung für die Niederlassung in eigener Praxis zu motivieren“, betont Dipl.-Volkswirt Christoph Besters, stellv. Vorsitzender der KZV BW.

Eine Nachfrage zu dem starken Anstieg der Anstellungsverhältnisse: Wie sehen die aktuellen Zahlen aus?

Nehmen wir ganz aktuell den Zeitraum April 2018 bis April 2019: Hier ist die Anzahl derer, die sich in eigener Praxis niedergelassen haben, im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 110 gesunken, während die Anzahl der angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte um 201 gestiegen ist. Die Angestellten machen inzwischen knapp 24 Prozent der Vertragszahnärzteschaft aus. Und auch sie leisten einen unverzichtbaren Beitrag für die Versorgung in unserem Bundesland. Einer aktuellen Umfrage zufolge beabsichtigen 76 Prozent der angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte in Baden-Württemberg, die jünger als 35 Jahre sind, sich in eigener Praxis niederzulassen.

Sie haben sich dafür stark gemacht, dass mehr Zahnärztinnen und Zahnärzte je Praxisinhaber angestellt werden dürfen, was Sie dann auch erreicht haben. Was ist der Hintergrund?

Wir haben uns seit Jahren dafür eingesetzt, dass die bisher geltende Begrenzung auf maximal zwei angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte pro Vertragszahnärztin beziehungsweise Vertragszahnarzt aufgehoben wird. Unsere Forderung wurde vor kurzem durch unsere Bundesorganisation umgesetzt, sodass nun bis zu vier Zahnärztinnen und Zahnärzte angestellt werden können. Hierdurch wird zweierlei möglich: Jüngere Zahnärztinnen und Zahnärzte erhalten so eher eine Perspektive für die Anstellung in größeren Praxen fernab der Ballungszentren und die Sicherstellung der Versorgung gerade auch im ländlichen Raum erfährt eine Stärkung.

Zahnmedizinische Versorgungszentren, Renditeerwartungen, Geldabfluss – ist dies die Struktur der zahnärztlichen Versorgung der Zukunft?

Nicht, was die Praxen in der bisherigen Struktur und den klassischen „Zahnarzt vor Ort“ betrifft. In Baden-Württemberg vertrauen 97 Prozent der Menschen ihrer Zahnärztin und ihrem Zahnarzt vor Ort, wie unsere Patientenumfrage aus dem Jahr 2017 nachweist. Wir haben allerdings die Entwicklung, dass die Zahl der von Fremdinvestoren getragenen Z-MVZ erheblich zunimmt.

Warum bereitet Ihnen die Entwicklung der Z-MVZ Sorgen?

Wir reden von denjenigen MVZ, die nicht von Zahnärztinnen oder Zahnärzten betrieben werden, sondern in denen Private-Equity- Investoren das Sagen haben. Wir sehen das mit Sorge, da diese Entwicklung zu einer „Industrialisierung“ der Zahnmedizin führen kann, bei der es weniger um die Versorgungssicherheit und das Wohl der Patientinnen und Patienten geht. Ein Schritt in die richtige Richtung war, dass die Bundesregierung in dem im Mai 2019 verabschiedeten Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) für eine räumliche Begrenzung der Gründungsbefugnis von Krankenhäusern für Z-MVZ gesorgt hat. Ob das schon ausreicht, werden wir genau beobachten.

Als Berufsvertretung der Zahnärzteschaft Baden-Württembergs und als Selbstverwaltung ist die KZV gefordert. Wie lautet Ihr versorgungspolitisches Ziel?

Die zahnmedizinische Versorgung, wie wir sie in Baden-Württemberg kennen, ist ein hohes Gut für jeden Einzelnen. Wir engagieren uns intensiv dafür, dass trotz der vielfältigen strukturellen und gesellschaftlichen Veränderungen weiterhin die flächendeckende, wohnortnahe zahnärztliche Versorgung mit hohem Qualitätslevel in Baden-Württemberg angeboten werden kann. Hierbei versteht sich die KZV auch als Dienstleister, der durch Beratung und Serviceangebote Unterstützung gewährt.

Herzlichen Dank für das Gespräch./strong>

Die Fragen stellte Guido Reiter.

 

KZV BW legt Versorgungsbericht 2019 vor

 

Gut versorgt in Baden-Württemberg

Ausgabe 7, 2019

Aktuelle Versorgungszahlen für jeden Landkreis und jede Kommune in Baden-Württemberg, strukturelle Entwicklungen im Berufsstand und veränderte gesetzliche Rahmenbedingungen, Anpassungen bei den Leistungen für besondere Zielgruppen wie Pflegebedürftige und Kleinkinder, dazu eine aktuelle Umfrage unter angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzten: Mit dem Versorgungsbericht 2019, der zur Vertreterversammlung Ende Juni erschienen ist, liefert die KZV Baden- Württemberg ein umfassendes und serviceorientiertes Dossier zur vertragszahnärztlichen Versorgung im Land.

Service. 2018 erstmalig herausgegeben, ist der Versorgungsbericht der KZV BW bereits eine wichtige und von vielen Vertretern von Kommunen und Verbänden in Anspruch genommene Informationsquelle. Ziel des Berichtes ist die transparente und nachvollziehbare Darstellung der Situation der vertragszahnärztlichen Versorgung vor Ort sowie von aktuellen Trends und Entwicklungen.

Kennzahlen. „Baden-Württemberg ist in der zahnmedizinischen Versorgung gut aufgestellt. Es gibt keine unterversorgten Landkreise. Doch es bestehen auch in Baden- Württemberg künftig Herausforderungen im Rahmen der Sicherstellung.“ Dies betonen die KZVVorstände Dr. Ute Maier, Ass. jur. Christian Finster und Dipl.-Volkswirt Christoph Besters im Editorial des Versorgungsberichts. Insgesamt versorgen 8.027 Vertragszahnärztinnen und -zahnärzte in 5.185 Praxen die gesetzlich Versicherten im Land. Landesweit hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr nochmals verbessert: Kamen im vergangenen Jahr noch 1.380 Menschen auf eine Vertragszahnärztin bzw. einen Vertragszahnarzt, verbesserte sich dieses Verhältnis im laufenden Jahr auf 1.374 zu eins.

Regionale Versorgung. Die wohnortnahe Versorgung ist in allen Teilen des Landes gesichert. Eine Unterversorgung wird bei einem Versorgungsgrad von 50 Prozent oder weniger angenommen. Alle Stadt- und Landkreise in Baden-Württemberg befinden sich deutlich über dieser Grenze. Dennoch gibt es regional große Unterschiede – während der Enzkreis einen Versorgungsgrad von 68 Prozent aufweist, sind es im Stadtkreis Baden-Baden als erneutem Spitzenreiter 135 Prozent. Der Zahnmedizinische Versorgungsatlas bietet einen guten Überblick, wie die Versorgung in den jeweiligen Kreisen aufgestellt ist. Im umfangreichen Teil „Fakten und Daten“ ist zudem die Anzahl der Vertragszahnärztinnen und -zahnärzte in jeder einzelnen der gut 1.100 Kommunen im Land aufgeführt.

Ländliche Kreise. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung definiert für Baden-Württemberg insgesamt neun „ländliche Kreise“. In sechs dieser Kreise hat sich der Versorgungsgrad im Vergleich zum Vorjahr sogar verbessert, was überdies mit einem Anstieg der Bevölkerungszahlen vor Ort einhergeht. Auch in weiteren Kreisen mit ländlicher Prägung ist trotz steigender Einwohnerzahlen ein Anstieg des Versorgungsgrades zu verzeichnen. Insgesamt ist die Versorgung also auch in ländlichen Gebieten nahezu stabil. Gleichzeitig werden sich die verschiedenen strukturellen Entwicklungen im Berufsstand zukünftig verstärkt auf die örtliche Versorgung auswirken, weswegen die KZV Baden-Württemberg diese Entwicklungen aktiv begleitet, mitgestaltet und auf gute Rahmenbedingungen hinwirkt.

Praxisstrukturen. Wie sich die Versorgung vor Ort in den nächsten Jahren entwickeln wird, hängt nicht zuletzt mit der Entwicklung der Praxisstrukturen zusammen, die hier ebenfalls dargestellt ist. Dabei ist insbesondere die Thematik der Zahnmedizinischen Versorgungszentren (ZMVZ) zu betrachten, deren Gründungsmöglichkeiten mit dem Terminserviceund Versorgungsgesetz seit diesem Jahr jedoch deutlich eingeschränkt wurden. Übersichtlich stellt der Versorgungsbericht dar, dass sich die Z-MVZ im Wesentlichen in den Ballungszentren konzentrieren und wie sich die landesweite Anzahl von Einzelpraxen, Berufsausübungsgemeinschaften und ZMVZ insgesamt verändert. Diese Entwicklung wird die KZV BW weiterhin im Auge behalten, damit dauerhaft in allen Regionen des Landes eine wohnortnahe Versorgung gewährleistet ist.

Zielgruppen. Während das generelle Niveau der Zahngesundheit in Deutschland bereits sehr hoch ist und die Präventionsanstrengungen der letzten Jahrzehnte große Erfolge zeigen, wurden gerade in der letzten Zeit verstärkt bestimmte Zielgruppen in den Blick genommen, die noch nicht in vergleichbarem Maße von einer lückenlosen Prophylaxe profitieren. Diese Entwicklungen sind ebenfalls im Versorgungsbericht dargestellt. So hat sich insbesondere die Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen zuletzt stark verbessert. Grund dafür sind einerseits die seit 2014 geschlossenen Kooperationsverträge zwischen Pflegeeinrichtungen und Vertragszahnärzten, die die zahnmedizinische Versorgung der Pflegebedürftigen regeln. Die Zahl solcher Kooperationen steigt in Baden- Württemberg mit jedem Jahr an, bisher gibt es bereits über 500 Verträge. Darüber hinaus betreuen viele Zahnärztinnen und Zahnärzte Menschen in stationärer Pflege aber auch ohne Kooperationsvertrag.
Für Kinder in den ersten Lebensjahren wurde ebenfalls der gesetzliche Versorgungsanspruch verbessert und eine bestehende Versorgungslücke geschlossen: Ab sofort gibt es neue zahnärztliche Prophylaxeleistungen ab dem sechsten Lebensmonat. Die zusätzlichen Früherkennungsuntersuchungen sollen dazu beitragen, frühkindliche Karies zu vermeiden.

Berufsstand im Wandel. Immer mehr Zahnärztinnen und immer mehr Angestelltenverhältnisse.

Praxisstrukturen. Die Anzahl von Einzelpraxen und (Ü-)BAG sinkt, MVZ werden dagegen immer häufiger.

Berufsstand. Weiterhin stellt der Versorgungsbericht mithilfe aktueller Zahlen dar, wie sich die Strukturen innerhalb des Berufsstandes verändern. So steigt der Anteil der Zahnärztinnen jährlich an: Während diese mit 41 Prozent gegenüber 59 Prozent Zahnärzten derzeit noch in der Minderheit sind, gibt es in den jüngeren Altersgruppen sowie im Studium der Zahnmedizin längst deutlich mehr Frauen. In wenigen Jahren werden diese insgesamt in der Mehrheit sein, was auch die Anforderungen an das Berufsprofil verändert.

Angestellte. Eine zentrale Entwicklung, die das vertragszahnärztliche Berufsfeld nachhaltig verändert, ist zudem die wachsende Zahl an Angestelltenverhältnissen, die durch die Ausweitung der Anstellungsmöglichkeiten seit diesem Jahr nochmals zunehmen werden. Bereits jetzt arbeiten in Baden-Württemberg knapp 25 Prozent aller an der vertragszahnärztlichen Versorgung teilnehmenden Zahnärztinnen und Zahnärzte in Anstellung, beinahe zwei Drittel davon sind weiblich.
Angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte tragen längst einen großen Anteil an der Versorgung, gleichzeitig verändert die immer häufigere Entscheidung, sich nicht bzw. nicht sofort selbständig zu machen, die Versorgungsstrukturen. Die Gründe für eine solche Entscheidung sind vielfältig und betreffen sowohl die private Lebensplanung der (zumeist jüngeren) Zahnärztinnen und Zahnärzte als auch deren Vorstellungen in Bezug auf die Berufsausübung. Die KZV BW hat im April 2019 eine repräsentative Befragung unter angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzten in Baden-Württemberg durchgeführt, die sich mit dem Arbeitsalltag sowie den Zielen, Vorstellungen und Wünschen dieser Gruppe befasst.
Die Ergebnisse der Befragung sind auf Seite 23 ff. zusammengefasst.

Ausblick. Zahnmedizin ist nach wie vor für viele ein Traumberuf und dazu ein Berufsfeld, das enorme Möglichkeiten und Spielräume bietet. Die jährlichen Bewerberzahlen an den Universitäten bestätigen, dass sich viele junge Menschen – weit mehr, als Studienplätze zur Verfügung stehen – für ein zahnmedizinisches Studium interessieren. Es ist die Aufgabe der Selbstverwaltung, zeitgemäße Strukturen und Rahmenbedingungen zu schaffen, damit auf Dauer genügend junge Menschen für die Versorgung in Baden-Württemberg zur Verfügung stehen und der Sicherstellungsauftrag erfüllt werden kann. Der jährliche KZV-Versorgungsbericht soll dazu beitragen, indem er für Entscheidungsträger in Politik und Verwaltung transparent macht, wie die Situation ist, wo Probleme bestehen bzw. auftreten können und welche Entwicklungen im Gang sind.

» holger.simon-denoix@kzvbw.de

 

KZV-Befragung der angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte

 

Gute Rahmenbedingungen für die zukünftige Versorgung

Ausgabe 7, 2019

Die zunehmende Zahl an Anstellungsverhältnissen ist Ausdruck eines tiefgreifenden Strukturwandels innerhalb der Zahnärzteschaft und hat Konsequenzen für die Versorgung. Doch wie sieht der Berufsalltag von angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte aus? Mit welchen Erwartungen und Wünschen starten diese in ihr Berufsleben und welche Pläne verfolgen sie langfristig? Aufgabe der Selbstverwaltung ist es, den veränderten Bedingungen Rechnung zu tragen und für gute Rahmenbedingungen zu sorgen. Dieser Fragenkomplex war daher Gegenstand einer Befragung von angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzten durch die KZV BW.

Vom 17. bis 29. April 2019 wurden insgesamt 400 angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte in Baden- Württemberg in computergestützten Telefoninterviews befragt. Die große Resonanz und die hohe Bereitschaft der angerufenen Personen, an der Befragung teilzunehmen, zeigt, wie wichtig für sie eine aktive Gestaltung der Berufsausübungsbedingungen ist. Das Zahnärzteblatt Baden-Württemberg liefert hier die zentralen Ergebnisse, die erstmalig mit dem KZV-Versorgungsbericht 2019 veröffentlicht worden sind.

In wie vielen Praxen waren Sie bereits beschäftigt, die jetzige eingeschlossen?

Die Frage nach den bisherigen Anstellungsverhältnissen in verschiedenen Praxen ergibt, dass angestellte Zahnärztinnen und Zahnärzte durchaus mobil sind. Bei einer durchschnittlichen Zeit von sieben Jahren, die die Befragten bereits in Anstellung arbeiten, war jeder von ihnen im Schnitt in 2,9 Praxen tätig. Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind dabei nur in kleinerem Umfang sichtbar.

Über die Hälfte der Befragten war schon in drei oder mehr Praxen beschäftigt.

Wie viele Wochenstunden beträgt Ihre vereinbarte Arbeitszeit ohne Überstunden?

Die durchschnittliche Arbeitszeit der befragten Zahnärztinnen und Zahnärzte beträgt 29 Wochenstunden. Damit ist diese deutlich geringer als bei niedergelassenen Zahnärztinnen und Zahnärzten, die nach einer Erhebung der KZV Baden-Württemberg aus dem vergangenen Jahr bei über 44 Wochenstunden liegt.

Durchschnittlich 29 Stunden Arbeit pro Woche.

Die Männer im Anstellungsverhältnis arbeiten im Schnitt 31,1 Stunden, Frauen 27,9 Stunden. Auffällig ist zudem, dass Partnerschaft und Familie deutliche Auswirkungen auf die Arbeitszeit haben: Wer keine Kinder unter 14 Jahren hat, arbeitet im Schnitt 4,2 Wochenstunden mehr, wer nicht in einer festen Partnerschaft lebt, 7,1 Stunden mehr.

Wer Kinder hat und in fester Partnerschaft lebt, arbeitet häufiger in Teilzeit.

Aus welchen Gründen haben Sie sich für eine Tätigkeit in Anstellung entschieden?

Bei den Gründen für eine Tätigkeit in Anstellung waren Mehrfachnennungen möglich. Deutlich wird, dass sowohl das Privatleben – insbesondere die Familie (62 Prozent) und persönliche Interessen (51 Prozent) – als auch der Arbeitsalltag in der Praxis eine Rolle spielen. 57 Prozent aller Befragten gaben an, dass das Arbeiten im Team mit ausschlaggebend für die Entscheidung für eine Arbeit in Anstellung war. Auch die Konzentration auf die Behandlung anstelle von Bürokratie spielte für 42 Prozent der Befragten eine Rolle.

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist besonders für Zahnärztinnen in Anstellung wichtig.

Wie zufrieden sind Sie mit Blick auf einzelne Aspekte der Tätigkeit als angestellte Zahnärztin /angestellter Zahnarzt?
Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Aufgrund ihrer Anstellung sind neun von zehn angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzten zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer individuellen Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Auffällig ist, dass Frauen hier eine noch höhere Zufriedenheit äußern als die männlichen Kollegen (91 Prozent zu 85 Prozent). Die höchsten Werte haben bei dieser Frage wiederum diejenigen, die schon seit mindestens zehn Jahren in Anstellung arbeiten.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Gehalt, Arbeitszeitgestaltung, Arbeiten im Team: überall hohe Zufriedenheitswerte.

Gehalt

Insgesamt ist eine hohe Zufriedenheit mit dem Gehalt als angestellte Zahnärztin bzw. angestellter Zahnarzt feststellbar. Männer sind sogar zu 88 Prozent zufrieden oder sehr zufrieden, Frauen zu 83 Prozent. Kaum Unterschiede gibt es bei dem Aspekt, ob der Arbeitsort im ländlichen oder im städtischen Raum liegt.

Insgesamt ist eine hohe Zufriedenheit mit dem Gehalt als angestellte Zahnärztin bzw. angestellter Zahnarzt feststellbar.

Arbeitszeitgestaltung

Bei der Arbeitszeitgestaltung ist eine hohe Zufriedenheit vorhanden. Auffällig ist, dass bei Zahnärztinnen und Zahnärzten in fester Partnerschaft und/oder mit Kindern unter 14 Jahren dieser Wert sogar noch zunimmt. Dies spricht für eine große Flexibilität bei den Praxisinhabern bezüglich der Bedürfnisse ihrer Angestellten.

Bei der Arbeitszeitgestaltung ist eine hohe Zufriedenheit vorhanden

Arbeiten im Team

Beim Arbeiten im Team werden die Ansprüche und Wünsche von angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzten nahezu immer erfüllt. Die besten Werte wurden hier bei denjenigen erzielt, die bereits zehn Jahre oder länger in einem Anstellungsverhältnis arbeiten – 56 Prozent von ihnen sind „sehr zufrieden“.

Im Team werden Ansprüche und Wünsche von Angestellten erfüllt.

Was spricht gegen eine Niederlassung als selbständige Zahnärztin/selbständiger Zahnarzt in ländlichen Gegenden?

Für eine flächendeckende, wohnortnahe Versorgung ist insbesondere die Existenz von Praxen in ländlichen Gegenden wichtig. Die Niederlassungsbereitschaft unter den Zahnärztinnen und Zahnärzten ist daher ein zentraler Faktor, um überall im Land eine gute Versorgung sicherstellen zu können. 44 Prozent sehen keinerlei regionsspezifische Hindernisse. Bei den Zahnärzten sind es 52 Prozent, bei den Zahnärztinnen 40 Prozent.

Für 44 Prozent spricht nichts gegen eine Niederlassung

Die wichtigsten Gründe, die aus Sicht der Befragten gegen eine Niederlassung auf dem Land sprechen, sind die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die ungünstige Verkehrsanbindung, die Verbundenheit mit dem eigenen Wohnort, fehlende kulturelle Angebote und Freizeitmöglichkeiten sowie ein vermeintlicher Patientenmangel. Auffällig ist, dass dies fast durchweg Faktoren sind, die maßgeblich die Attraktivität des ländlichen Raumes generell betreffen und nicht spezifisch die Bedingungen für Zahnärztinnen und Zahnärzte. Von denjenigen, die bereits im ländlichen Raum angestellt sind, sehen nur 7 Prozent die Vereinbarkeit von Familie und Beruf im Fall einer Niederlassung problematisch.

Gegen eine Niederlassung auf dem Land sprechen u. a. die ungünstige Verkehrsanbindung und fehlende kulturelle Angebote.

Soll das Angestelltenverhältnis eine Entscheidung für Ihr gesamtes Berufsleben sein oder planen Sie eine spätere Niederlassung in Selbständigkeit?

Eine deutliche Mehrheit von 54 zu 38 Prozent der angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte plant, sich nach einer bestimmten Zeit in Anstellung selbständig zu machen. Einen geringen Unterschied gibt es zwischen den Geschlechtern: 55 Prozent der Männer und 52 Prozent der Frauen planen eine spätere Niederlassung.

Eine deutliche Mehrheit plant, sich in freiberuflicher Praxis niederzulassen.

Auswertung Altersgruppe unter 35

Ein klares Bild zeichnet sich bei der Altersgruppe bis 35 Jahre: Davon planen gut drei Viertel eine spätere Niederlassung.

Drei Viertel der Zahnärztinnen und Zahnärzte unter 35 Jahren planen eine spätere Niederlassung.

Falls eine spätere Niederlassung geplant ist, was wäre die präferierte Form?

Die Frage nach der präferierten Form der Niederlassung zeigt, dass die Einzelpraxis zukünftig nicht mehr die bevorzugte Praxisform sein wird.

Nur eine Minderheit will sich in einer Einzelpraxis niederlassen.

Auswertung Frauen

Besonders deutlich wird dies bei einer geschlechterspezifischen Betrachtung: Nur 27 Prozent der befragten Zahnärztinnen planen eine Niederlassung in der Einzelpraxis, 68 Prozent ziehen dagegen eine BAG/ÜBAG vor. Gerade mit Bezug auf den Wandel des Geschlechterverhältnisses wird deutlich, dass die Einzelpraxis künftig immer seltener werden wird. Bei den Männern ist dieses Verhältnis mit 39 zu 55 Prozent zwar etwas ausgeglichener, die Präferenz ist dennoch eindeutig sichtbar.

Nur 27 Prozent der Zahnärztinnen planen eine Niederlassung in der Einzelpraxis, 68 Prozent ziehen eine BAG/ÜBAG vor.

Was versprechen Sie sich von einer Niederlassung in Selbständigkeit?

Der Handlungsspielraum in der eigenen Praxis ist nach wie vor das entscheidende Kriterium für eine Niederlassung als selbständige Zahnärztin bzw. selbständiger Zahnarzt. Weitere wichtige Aspekte sind die Verdienstmöglichkeiten sowie die flexible Gestaltung persönlicher Arbeits- und Urlaubszeiten. Unterschiede zwischen den Geschlechtern sind bei dieser Abfrage nur sehr begrenzt feststellbar.

Handlungsspielraum in der eigenen Praxis ist nach wie vor das entscheidende Kriterium für eine Niederlassung

Ist für Sie ein ehrenamtliches Engagement bei den zahnärztlichen Berufsvertretungen vorstellbar?

Sehr erfreulich ist, dass sich beinahe die Hälfte aller Befragten ein ehrenamtliches Engagement in den zahnärztlichen Standesorganisationen auch bereits während des Anstellungsverhältnisses vorstellen kann. Dies ist für eine starke Vertretung der Interessen des Berufsstandes von großer Bedeutung, insbesondere wenn auf diese Weise dezidiert auch die Perspektiven der angestellten Zahnärztinnen und Zahnärzte berücksichtigt werden und auf ihre Bedürfnisse eingegangen werden kann.

Für viele vorstellbar: standespolitisches Engagement für eine gute Interessensvertretung.

Bei beiden Geschlechtern ist eine hohe Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement vorhanden. Bei den Zahnärztinnen ist diese sogar noch ausgeprägter. Deutlich wird zudem, dass Familie kein grundsätzliches Hindernis darstellt: Für 44 Prozent derer, die verheiratet/in Partnerschaft sind, sowie für 45 Prozent derjenigen mit Kindern unter 14 Jahren ist ein solches Engagement vorstellbar.

Geringe Unterschiede zwischen den Geschlechtern.

» holger.simon-denoix@kzvbw.de