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Im Blick

25 Jahre DH in Deutschland

 

Mit Weitblick und Visionen

Ausgabe 8/9, 2019

Am 5. Juli 2019 feierten die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg und das Zahnmedizinische Fortbildungszentrum Stuttgart ein besonderes Jubiläum: 25 Jahre Fortbildung zum/zur Dentalhygieniker/in in Deutschland. Zum Festakt, der als parodontologische Fortbildungsveranstaltung gestaltet wurde, kamen aus dem gesamten Bundesgebiet 850 Teilnehmer, (darunter 400 von ca. 1.500 aktiven Dentalhygieniker/innen in Deutschland) in das Forum am Schlosspark nach Ludwigsburg. Auch der Präsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Peter Engel, ließ es sich nicht nehmen, mit den Pionieren der Aufstiegsfortbildung zur DH in Deutschland aus Baden-Württemberg zu feiern.

Teilnehmer. 400 von ca. 1.500 Dentalhygieniker/innen in Deutschland waren zu den Feierlichkeiten zum 25-jährigen Jubiläum ihres Berufsbildes nach Ludwigsburg gekommen.

Mit einem Pilotkurs am ZFZ Stuttgart hat 1994 alles begonnen, resümierte ZFZ-Direktor Prof. Dr. Johannes Einwag, „das kleine Pflänzchen“ war gesät. 25 Jahre später sprach Prof. Einwag den Dentalhygieniker/innen eine besondere Wertschätzung aus: „Wer einmal mit einer DH in der Praxis gearbeitet hat, will nicht mehr darauf verzichten und jemals wieder ohne DH arbeiten. Die Qualifikation und die Intensität einer DH ist so dramatisch anders“.
Im Zentrum der Tätigkeit einer Dentalhygienikerin steht die parodontale Nachsorge. In diesem Bereich kann die Dentalhygienikerin ihre ganze Kompetenz und Qualifikation dokumentieren.

Fundament. Die Parodontologie ist das Fundament moderner Zahnmedizin, davon ist Prof. Dr. Christof Dörfer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie, überzeugt. Die Parodontologie habe sich in den vergangenen 25 Jahren mit einer bisher nicht dagewesenen Dynamik entwickelt. Dabei seien Erkenntnisse zutage getreten, die die moderne Zahnmedizin nachhaltig beeinflusst haben und weiter beeinflussen werden, so Prof. Dörfer. „Parodontologie zwingt dazu, biologisch zu denken, Konzepte zu hinterfragen und Patienten einzubinden“. Diese Personalisierung einer evidenzgetriebenen Zahnheilkunde sei das Fundament einer modernen Zahnmedizin in einer modernen Gesellschaft.

Zukunftsorientiert. Mit seinen Ausführungen inspirierte Prof. Dörfer auch BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel, der zahlreiche Aspekte des Vortrags als Aufgaben für die Zahnärzteschaft mitnahm: Neu denken, nicht entmutigen lassen, Anstöße geben und „weg von eingefahrenen Denkmustern, sonst bewältigen wir die Zukunft nicht!“ Der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg gratulierte Dr. Engel zu ihrem Weitblick, als erste Zahnärztekammer das Potenzial einer DH-Aufstiegsfortbildung erkannt zu haben. Beim Leiter des ZFZ Stuttgart, Prof. Einwag bedankte sich der BZÄK-Präsident: „Seiner Vision einer bedarfsgerechten Versorgung ist es zu verdanken, dass es Dentalhygieniker/innen gibt“.

Qualifikationsrahmen. LZKPräsident Dr. Torsten Tomppert ging auf die aktuelle Debatte um die Akademisierung ein und erinnerte daran, dass die Kammer der Aufstiegsfortbildung zur DH den Titel „Professional“ hinzugefügt hat, um die Wertigkeit der praktischen und kommunikativen Fähigkeiten zu unterstreichen. Gleichwohl beschäftige sich die LZK mit der Thematik Akademisierung intensiv und werde das Thema „DH als Bachelor“ bei einer Vorstandsklausur diskutieren. Ungeachtet dessen muss die DH auf Level 6 im Deutschen Qualifikationsrahmen verortet werden, forderte Dr. Tomppert, um die Wertigkeit der Kammer-DH gegenüber der Bachelor-DH nach außen zu dokumentieren.

Weitblick. „Fortschritts- und zukunftsorientiert“ habe die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg neue Konzepte entwickelt, lobte BZÄK-Präsident Dr. Peter Engel.

Wertigkeit. LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert forderte die Verortung der DH auf Level 6 im Deutschen Qualifikationsrahmen.

Verzahnung. Die Glückwünsche der Europäischen Gesellschaft für Parodontologie überbrachte deren Past-Präsident Priv- Doz. Dr. Gernot Wimmer und fesselte das Publikum mit seinem Vortrag zu den Wechselwirkungen von parodontaler und allgemeiner Gesundheit. Die Forschungsergebnisse der letzten Jahre weisen darauf hin, dass die Verzahnung von Mundgesundheit und Allgemeingesundheit noch inniger sei als bislang vermutet. Gesund beginnt im Mund – mehr als nur ein Schlagwort!

Miteinander für Patienten. Eine Jubiläumsfeier ohne die Vertretung der Hauptakteure, das geht selbstverständlich nicht. Sylvia Fresmann vertritt als Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Dentalhygieniker/innen etwa die Hälfte der DHs in Deutschland. Sie nahm in ihrem Grußwort Bezug auf den Fachkräftemangel und mahnte sowohl zu einer leistungsgerechten Bezahlung als auch zu mehr Wertschätzung für die am weitesten fortgebildeten Mitarbeiterinnen in der Praxis. Zur Stärkung der Attraktivität des Berufsbildes schlug sie eine Imagekampagne vor, denn DHs würden mit Blick auf die demografische Entwicklung in Zukunft noch wichtiger: „Ich sehe uns in der Pflicht, in der Alterszahnmedizin mitzuarbeiten!“.

Ehrungen. LZK-Referent für Zahnmedizinische Mitarbeiterinnen, Dr. Bernd Stoll ehrte die fünf jahrgangsbesten DHs für ihre herausragenden Leistungen.

Ehrungen. Die Ehrung der Jahrgangsbesten DHs der letzten fünf Jahre nahm LZK-Referent für Zahnmedizinische Mitarbeiter/ innen, Dr. Bernd Stoll vor und gratulierte Tamara Kloos, Yvonne Schumann, Sarah Zell, Corinna Wieland, Alexandra Mattes und Luisa Winkler zu ihren Traumnoten. Der Referent für Zahnmedizinische Mitarbeiterinnen der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg vergaß auch nicht, an seinen Vorgänger und innovativen Wegbereiter der Aufstiegsfortbildung, Dr. Klaus-Peter Rieger zu erinnern, der leider viel zu früh verstorben ist. Sein Dank galt auch den Arbeitnehmervertreterinnen im Berufsbildungsausschuss.

Das Team gewinnt. Den Abschluss des „Fortbildungs-Festaktes“ bildete der Vortrag von Priv- Doz. Dr. Christian Graetz über „Prävention, Therapie und Nachsorge parodontaler Erkrankungen. „Einmal (Biofilm entfernen) ist keinmal! Biofilme entwickeln sich ein Leben lang – also müssen sie auch lebenslang entfernt werden! Nur: Wer macht das? Wer macht was?“
Klare Antwort: Eine Aufgabe an das ganze Team mit der DH im Mittelpunkt der parodontalen Nachsorge!

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