Zahnaerzteblatt.de

 

Kommunikation

Sommerempfang der Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten

 

Gesundheitspolitischer Dialog über Sektorengrenzen hinweg

Ausgabe 8/9, 2019


Bei sommerlichen Temperaturen trafen am 10. Juli über 300 Gäste aus Politik, Berufspolitik, Gesundheitswesen und Wirtschaft zum gemeinsamen Sommerempfang der Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten in Stuttgart zusammen. Der Sommerempfang ist inzwischen eine etablierte Veranstaltung, die von den beteiligten Akteuren im Gesundheitswesen gerne für den aktiven Dialog genutzt wird.
In diesem Jahr begrüßten Dr. Norbert Metke, Vorsitzender des Vorstands der Kassenärztlichen Vereinigung BW, sowie der neu gewählte Präsident der Landesärztekammer, Dr. Wolfgang Miller, die Gäste, auch im Namen der weiteren Gastgeber Dr. Ute Maier, Vorsitzende des Vorstands der Kassenzahnärztlichen Vereinigung BW, Dr. Torsten Tomppert, Präsident der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg sowie Dr. Dietrich Munz, Präsident der Landespsychotherapeutenkammer. Der baden-württembergische Sozialminister Manfred Lucha MdL, inzwischen ein regelmäßiger Gast der Veranstaltung, sprach ein motivierendes Grußwort zum Thema sektorenübergreifendes Zusammenarbeiten im Gesundheitswesen. Er betonte, wie wichtig es sei, die Sektorengrenzen in den Köpfen der handelnden Akteure und schließlich auch die Leistungsgrenzen zu überwinden. Das bessere Ineinandergreifen der Sektoren reduziere in der Folge die Kosten, vor allem bei multimorbiden, vulnerablen Patienten. Generell sei das Gesundheitssystem nicht zum Selbstzweck da, sondern müsse eine bedarfsorientierte Leistung bieten.
Manfred Lucha sprach sich für mehr regionale Versorgungsverantwortung aus. Das Ziel sei, ein Präventionsbudget auf Landesebene einzuführen. Im Laufe des Abends nutzten die Präsidenten der Heilberufe-Kammern die Gelegenheit, den Sozialminister auf die Übertragung der Aufgabe als Approbationsstelle an die jeweilige Kammer anzusprechen. Aus der Landes- und Bundespolitik sowie aus dem Ministerium für Soziales und Integration waren beim Sommerempfang unter anderem vertreten: Karin Maag MdB, gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Bundestagsfraktion, die gesundheitspolitischen Sprecher der Landtagsfraktionen Rainer Hinderer MdL, SPD, und Petra Krebs MdL, Bündnis 90/Die Grünen, Oliver Hildenbrand, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Baden-Württemberg, Jürgen Keck MdL (FDP), Claudia Martin MdL (CDU), Bärbl Mielich MdL, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales und Integration (Bündnis 90/Die Grünen), Ministerialdirigentin Dr. Monika Vierheilig und Ministerialrat Dr. Thilo Walker.

» richter@lzk-bw.de

 

Sensationelle Erkenntnisse aus Tierversuchen

 

Durchbrüche – bei Mäusen

Ausgabe 8/9, 2019

James Heathers, 37, Psychologe an der Northeastern University in Boston, will mit dem Twitteraccount @justsaysinmice das Bewusstsein dafür schärfen, dass an Nagern gewonnene Erkenntnisse nicht automatisch für Menschen gelten.

SPIEGEL: Ist Grundlagenforschung an Mäusen überflüssig?

Heathers: Natürlich nicht. Die Maus ist ein Standardmodell der Biologie, und das aus guten Gründen. Ich habe kein Problem mit der Forschung an sich, sondern mit der Art, wie sie oft kommuniziert wird. Deshalb habe ich im April angefangen, auf Twitter Beispiele für Studienergebnisse zu sammeln, die als sensationelle Durchbrüche gefeiert wurden – aber eben nur für Mäuse gelten. Der Zusatz „bei Mäusen“ ist schon lange eine Art Running Gag unter Wissenschaftlern.

Der Hashtag hat schnell sehr viele Menschen interessiert. Hatten Sie große Resonanz erwartet?

Sie hat mich sehr überrascht. Ich habe das nur aus einer Laune heraus gemacht, um zu sehen, was passiert. Ich hatte mit Kollegen gerechnet, mit denen ich über besonders dämliche Überschriften lachen wollte, aber nicht mit einem solchen Echo – gegenwärtig habe ich mehr als 64 000 Follower.

Welches sind Ihre Lieblingseinreichungen?

Sehr gern mag ich die Überschrift, dass Pommes gegen Haarausfall helfen oder dass ein neues Medikament gefunden wurde, mit dem jeder essen kann, was er will, ohne zuzunehmen. Aber es gibt so viele andere. Ich kenne einige Wissenschaftler, die daran verzweifeln, wie ihre Arbeit dargestellt wird.

Dann besteht das Problem also darin, dass Journalisten wissenschaftliche Studien nicht verstehen?

Nein. Wissenschaftskommunikation hat drei Ebenen. Da ist erst einmal die Veröffentlichung in einem Fachjournal, dann meist eine Pressemitteilung, und erst dann kommen die Medien. Auch Wissenschaftler blasen ihre Erkenntnisse auf. Die richtigen Probleme beginnen aber mit der Pressemitteilung. Das ist in der Regel die Quelle, auf die sich Journalisten stützen, nicht das Paper.

Wie problematisch ist das?

Schlechte Überschriften erregen schnell Aufmerksamkeit, sind aber verheerend für das Vertrauen der Öffentlichkeit in Wissenschaft. Die Leute lesen ständig etwas über Durchbrüche bei Therapien gegen Krebs, Alzheimer, Morbus Crohn und fragen sich: Wo sind die denn in der Praxis? Über präklinische Forschung zu berichten, als wäre sie unmittelbar relevant für Patienten, ist so, als würde man auf einen Stapel Bretter und ein paar Nägel zeigen und sagen, schaut mal, ein Haus! Ein großer Teil der Forschung führt nicht automatisch zu neuen Therapien. Wenn aber permanent so getan wird, als täte Grundlagenforschung genau das, dann erscheint Wissenschaft als endlose Folge von Enttäuschungen, die alles Mögliche erforscht und doch nichts verändert.

Das Interview führte Julia Koch