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Leitartikel

Gesunde Zähne sind wichtig für die Lebensqualität

Ausgabe 10, 2019

Bundesteilhabegesetz, Quartiersentwicklung, Pflegepersonal-Stärkungsgesetz: Die Versorgung von älteren Menschen und Menschen mit Behinderungen rückt auch in der Gesundheitspolitik immer mehr in den Fokus. Und das ist auch gut so: Denn es muss gerade in einer älter werdenden Gesellschaft unser Ziel sein, allen Menschen so lange wie möglich den Verbleib in der vertrauten häuslichen und familiären Umgebung sowie – falls erforderlich – eine gute Versorgung im Pflegeheim zu ermöglichen.

Auch gesunde Zähne sind wichtig für die Lebensqualität. Dies gilt vor allem für Menschen mit Pflegebedarf, weil es ihnen ohne gesunde Zähne noch schwerer fällt, wie gewohnt am sozialen Leben teilzunehmen. Der Erhalt der eigenen gesunden Zähne auch im hohen Alter muss für alle Menschen im Land möglich sein.
„Gesund beginnt im Mund“ – manch einem oder einer mag dieser Slogan noch geläufg sein. Und tatsächlich ist es so: Kein anderes Organ ist gleichzeitig an so vielen Funktionen – und somit auch Fehlfunktionen – des menschlichen Organismus beteiligt wie der Mund. Das gilt für Jung und Alt. Und während bei den jungen Menschen hoffentlich schon die Eltern auf ausreichende Mundhygiene achten – wie steht’s mit den alten? Und vor allem bei denen, die in Pflegeheimen leben? Also bei einer besonders vulnerablen Personengruppe, die in der Verantwortung für ihre Gesundheit Unterstützung benötigt.
Diese Unterstützung bekommt sie auch, wie der erste „Bericht der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung und des GKV-Spitzenverbands an die Bundesregierung zur Entwicklung der kooperativen und koordinierten zahnärztlichen und p?egerischen Versorgung von pflegebedürftigen Versicherten in stationären P?egeeinrichtungen gem. § 119b Abs. 3 Satz 3 SGB V“ zeigt. Der Titel ist zwar arg sperrig, aber der Inhalt ist dafür umso klarer: Die Zahnärztinnen und Zahnärzte in Baden-Württemberg nutzen die Möglichkeit, Kooperationsverträge mit stationären Pflegeeinrichtungen abzuschließen. Und kommen ihrer Verantwortung bei der Versorgung von Pflegebedürftigen und Menschen mit Behinderungen immer stärker nach. Sie schaffen in Baden-Württemberg ein Erfolgsmodell für die Verbesserung der Mundgesundheit gesetzlich Versicherter in Pflegeheimen. Dass statistisch nun schon 30 Prozent der Pflegeeinrichtungen „ihre“ Zahnärztin bzw. „ihren“ Zahnarzt gefunden haben, freut mich persönlich sehr, zeugt es doch auch von Wertschät zung gegenüber diesen Mitbürgerinnen und Mitbürgern.

In einer Praxis in Kernen-Stetten durfte ich auf meiner diesjährigen Sommertour ein Musterbeispiel für engagierte, empathische und kompetente inklusive zahnärztliche Betreuung kennenlernen. Diesem Team und allen Zahnärztinnen und Zahnärzten im Land, die ähnliches leisten, gilt mein herzlicher Dank. Sie stärken mit ihrer wichtigen Arbeit auch den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Land.
Unsere Versorgungsstrukturen in Baden-Württemberg sind vorbildlich, gerade weil die Partner vor Ort die konkreten Bedarfe kennen, Verantwortung übernehmen und im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten Lösungen schaffen. Vor diesem Hintergrund lehne ich die aktuellen Pläne des Bundesgesundheitsministers entschieden ab, unter dem Deckmantel einer angeblich „fairen Kassenwahl“ Steuerungs- und Entscheidungsstrukturen zu zentralisieren. Das steht in eklatantem Widerspruch zur föderalen Ausrichtung unseres hochwertigen und passgenauen Gesundheitswesens. Dieses zu gewährleisten und weiterzuentwickeln, geht am besten in regionalen, selbstverwalteten Strukturen und föderalen Gestaltungsspielräumen. Diese sollten wir gemeinsam stärken, nicht weiter schwächen.