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Leitartikel

Gemeinsam zum Erfolg

Ausgabe 11, 2019

Föderal statt zentral – so funktioniert die Zahngesundheitsförderung der Kinder in Deutschland. Seit bald 30 Jahren wird dieses Prinzip gelebt, wie sich am Slogan „Gesund beginnt im Mund“ zeigt. Die Zahngesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen ist eine Agenda der Solidarität, da sie gemäß dieses Prinzips von allen der Prävention verpflichteten Akteuren in Baden-Württemberg erfolgreich umgesetzt wird.

Der dringende Handlungsbedarf wurde erkannt: Im Januar dieses Jahres hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Richtlinie zur zahnärztlichen Früherkennung beschlossen, die die Einführung einer zahnärztlichen Früherkennungsuntersuchung für Kinder vom 6. bis zum 33. Lebensmonat sowie die Anwendung von Fluoridlack zur Zahnschmelzhärtung vorsieht. Gesetzlich krankenversicherten Kleinkindern stehen seit dem 1. Juli 2019 drei zahnärztliche Früherkennungsuntersuchungen zur Verfügung. Es ist ein weiteres Kapitel in der beispielhaften Erfolgsgeschichte der zahn- ärztlichen Prävention, die Deutschland im internationalen Vergleich einen Spitzenplatz bei der Mundgesundheit von Kindern und Jugendlichen sichert. Doch ohne die verfasste Zahnärzteschaft und ihr Engagement in Politik und Öffentlichkeit wären diese Erfolge wohl nie erzielt worden. Schon 1993 hat die Zahnärzteschaft dafür gesorgt, dass der entscheidende Passus ins Sozialgesetzbuch V aufgenommen wurde, der die Weichen für eine erfolgreiche Prophylaxe stellte. Im Lauf der folgenden Jahre entstand daraus eine solidarische und subsidiäre Präventionsarbeit.
Maßgeblich daran beteiligt sind hierzulande die Selbstverwaltungen im Gesundheitswesen, die föderal statt zentral agieren. Diesem Prinzip ist auch die Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Baden-Württemberg e. V. (LAGZ) mit ihren 37 Arbeitsgemeinschaften verp?ichtet. Am Tag der Zahngesundheit im September 2019 wurde dieses Engagement erneut von Politikern, Öffentlichkeit, Schulen und den Protagonisten der Zahngesundheit im Land gewürdigt.
Auf die erzielten Erfolge dürfen alle stolz sein, aber nachlassen dürfen sie keineswegs. Denn Geld allein kann dieses Ergebnis nicht sichern. Nötig sind gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ebenso wie Ressourcen zur Fortbildung. Das Zähneputzen in Kindertagesstätten muss weiter ausgebaut werden. Hier sind mehr Anreize, mehr Personal und Empfehlungen auch vonseiten des Kultusministeriums vonnöten. Leider hat das Ministerium bislang dem Unterrichtsfach „Gesundheit“ nicht den Stellenwert einräumen wollen, den es verdient hätte. Dabei sehen die Bildungspläne das längst vor. Hier gilt es, aktiv zu werden.

Aktivität ist auch bei der Bekämpfung der frühkindlichen Karies gefragt, denn gerade Risikokinder bedürfen einer besonderen Fürsorge. Noch immer liegt die Häufgkeit der Milchzahnkaries bei unter 3-Jährigen bei 10 bis 15 Prozent, in sozialen Brennpunkten steigen die Prävalenzen bis auf etwa 40 Prozent.
wa 40 Prozent. Dennoch überwiegen die bisherigen Erfolge, sei es durch Gruppen- und Individualprophylaxe sowie die Fluoridierung von Kinderzähnen. Hier haben jede Akteurin, jeder Akteur der Zahngesundheit – Zahnärztinnen und Zahnärzte, Verbände, die Landesregierung, das Sozialministerium, der öffentliche Gesundheitsdienst, die 1400 Patenzahnärztinnen und -zahnärzte – mit großem Engagement einen wichtigen Beitrag geleistet. Sie alle sind würdige Streiter für die Zahngesundheit der Kinder im Land.
Es bleibt abzuwarten, ob das Kultusministerium nicht doch noch seine Meinung ändert und Gesundheit als Schulfach in den Lehrplan aufnimmt. Bekanntlich braucht die Politik für Entscheidungen zum Wohle von Kindern und Eltern eine nicht unbeträchtliche Zeitspanne und das erfordert einen langen Atem – bei allen Beteiligten. Bis dahin gilt es, die Erfolge im Hier und Jetzt anzuerkennen, die zu einem wirkungsvollen Präventionskonzept gehören.