Zahnaerzteblatt.de

 

Berufspolitik

Vertreterversammlung der BZK Tübingen in Lindau

 

Gemeinsam sind wir stark

Ausgabe 11, 2019

Lindau, weltbekannter Treffpunkt der Nobelpreisträger, ist seit vielen Jahren auch der Versammlungsort der gewählten Vertreterinnen und Vertreter der Bezirkszahnärztekammer Tübingen im Vorfeld der traditionellen Bodenseetagung.

Vorstand, Kreisvorsitzende, die Vertreterinnen und Vertreter der Bezirkszahnärztekammer Tübingen sind ein eingespieltes Team. Berufspolitische Standortbestimmung, Aufgaben und Herausforderungen im Berichtsjahr sind u. a. Themen sowohl der Sitzung der Kreisvorsitzenden mit dem Vorstand am Vortag der VV als auch der VV der BZK Tübingen. Dabei steht der Bericht des Vorsitzenden der BZK Tübingen, Dr. Wilfried Forschner, im Mittelpunkt.


Gemeinsam sind wir stark. Die Vertreterversammlung zeigte eindrucksvoll, dass in der Diskussion um die Gebührenordnung für Zahnärzte Handlungsbedarf besteht.

GOZ. Ein Thema, das wie kaum ein anderes die Diskussion in der VV beherrschte, drehte sich rund um die GOZ. Dabei betonte der Vorsitzende, dass die Kollegenschaft „die Türen, die die GOZ eröffne, auch nutzen sollte“. Denn vor dem Hintergrund, dass zahlreiche Positionen „schon niedriger als BEMA-Positionen bewertet sind“, sieht der Vorstand dringenden Handlungsbedarf, die Kollegenschaft über die GOZ und ihre Möglichkeiten zu informieren. Darüber hinaus gilt es, Politikern und Meinungsbildnern den Handlungsbedarf angesichts des jahrzehntelangen Stillstandes bei der GOZ deutlich zu machen.
Dr. Christian Scheytt kritisierte einmal mehr die „überbordende Verwaltung der PKV, die Kinkerlitzchen überprüfte, für die es beispielsweise nur sechs Punkte gibt“. Dr. Dr. Heinrich Schneider bemängelte „das Misstrauen, das die Politik den Zahnärztinnen und Zahnärzten mit Gesetzesvorhaben entgegenbringt, die letztlich die Selbstverwaltung gezwungen ist umzusetzen“. Dr. Michael Kalb ergänzte, dass „sowohl Politikern als auch unseren Kolleginnen und Kollegen die Augen geöffnet werden müssen“.

Approbationsordnung. Ein Thema, das seit vielen Jahren die Agenda der Berufspolitik beherrscht, ist die Approbationsordnung. Noch ist offen, wie die 2019 verabschiedete Approbationsordnung finanziell umgesetzt und in den Ländern inhaltlich in Zusammenarbeit mit Universitäten und niedergelassener Kollegenschaft gestaltet werden kann. Doch einer der Kerngedanken der neuen Appro ist, dass Studierende frühzeitig an Behandlungen teilnehmen sollen. Dazu müssen geeignete „Ausbildungspraxen“ gewonnen werden. Dr. Torsten Tomppert, der zusammen mit dem stv. Präsidenten der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg als Gast an der VV teilnahm, warb dafür, „Land-Praxen“ mit einzubeziehen, damit „Studierende auf den Geschmack kommen“.

Ressourcenschonung. Hygieneanforderungen und Müllvermeidung, Anforderungen, die sich widersprechen? Dr. Norbert Struß, stv. Präsident der LZK BW und unermüdlicher Streiter für den Berufsstand als Vorsitzender des Praxisführungsausschusses der LZK, machte deutlich, dass die Hersteller in die Pflicht genommen werden müssen. Er baue auf die EU, die mittlerweile das Problem erkannt habe und hoffentlich in der Folge die Hersteller in die Pflicht nehme.


Approbationsordnung. Prof. Dr. Bernd Koos informierte über die noch nicht geklärte Frage, wie Studierende nach der Verabschiedung der Approbationsordnung in Ausbildungspraxen praktische Erfahrungen sammeln können.

Appell. Der Vorsitzende der Bezirkszahn- ärztekammer Tübingen, Dr. Wilfried Forschner, betonte, dass die Kollegenschaft die Türen, die die GOZ eröffnet, auch nutzen sollte.

MVZ. Das Kuckucksei MVZ, das seinerzeit mit dem Versorgungsstärkungsgesetz von der Politik gelegt wurde, ist zurzeit, wie Dr. Torsten Tomppert betonte, nicht mehr so akut wie noch vor einigen Monaten. „Die dicke Welle ist bei den MVZs nicht da.“ Allerdings halte die LZK, so Dr. Tomppert weiter an der Auffassung fest, dass „der Geschäftsführer eines MVZ ein Zahnarzt sein muss“. Darüber hinaus sprach er sich deutlich dafür aus, dass „Kapital nicht an Dritte abfließen“ dürfe.


Vorstand. (v. l.) Dr. Markus Steybe, Dr. Bernd Stoll, Dr. Herbert Martin, Dr. Dr. Heinrich Schneider und Versammlungsleiter Dr. Werner Ströbele.

Zusammenspiel. Das Aufgabenspektrum, das zum Wohle der Kollegenschaft, der Patienten und der Allgemeinheit von der Bezirkszahnärztekammer Tübingen wahrgenommen wird, spiegelt sich auch in den Kurzberichten der Referentinnen und Referenten wider. So berichtete Prof. Dr. Bernd Haller, Fortbildungsreferent der BZK Tübingen, über die „Aktualisierung der Themen für Fortbildung in den Kreisen“. „Das Feedback der Kolleginnen und Kollegen auf die dezentralen Fortbildungsangebote ist gut“, betonte Prof. Haller. Und dass die GOZ bei Dr. Herbert Martin in den besten Händen ist, wurde bei seinem Bericht einmal mehr deutlich. Sein Kurzbericht zeigte, dass er nicht lockerlässt in der Bemühung, „mit Politikern das Gespräch zu suchen“. So sei er im Dialog mit dem Staatssekretär Thomas Bareiß MdB. Darüber hinaus legte Dr. Martin eine Resolution zur GOZ vor, die engagiert von der VV diskutiert und einstimmig verabschiedet wurde. Dr. Tomppert stellte den Entwurf eines Antrags an die Bundesversammlung der Bundeszahnärztekammer vor, der die Bundesregierung auffordern soll, „ihrer Verpflichtung nach § 15 Zahnheilkundegesetz gerecht zu werden und eine Anpassung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ), die seit 1988 einen unveränderten Punktwert in Höhe von 5,62 Cent ausweist, vorzunehmen“. Gefordert wird eine einmalige mittlere einstellige prozentuale Anhebung des Punktwertes sowie eine regelmäßige Nominallohn-indexierte Dynamisierung des Punktwertes.
Weitere Kurzberichte gab es von Dr. Monica Cremer, Kieferorthopädie, Dr. Martin Braun, Jugendzahnpflege, PD Dr. Martin Groten, Gutachterwesen, Dr. Elmar Ludwig, Alterszahnheilkunde, ferner Dr. Rainer Früh, Röntgen, Dr. Christian Hoch, Praxisführung, und Dr. Markus Steybe, Öffentlichkeitsarbeit. Last but not least wurde die Jahresrechnung 2018 einstimmig verabschiedet.
Die Vertreterversammlung der BZK Tübingen zeigte an diesem Lindauer Sommertag einmal mehr das konstruktive Zusammenspiel der Verantwortlichen in Vorstand, VV und Kreisen. Vier Worte, das Motto von Dr. Herbert Martin, unterstreichen eindrucksvoll das wichtige Zusammenspiel in der BZK Tübingen: „Gemeinsam sind wir stark“.

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Vertreterversammlung der Bezirkszahnärztekammer Karlsruhe

 

Zukunftsgerichtete Kammerpolitik

Ausgabe 11, 2019

Ende September trafen sich die Delegierten der Bezirkszahnärztekammer Karlsruhe in Baden-Baden zur alljährlichen Vertreterversammlung. Die Rolle der Heilberufe und Strukturveränderungen im Gesundheitswesen waren die Themen, die den Vorsitzenden des Vorstandes, Dr. Norbert Engel, bewegten.

„Gesellschaftliche Entwicklungen, nicht zuletzt Anforderungen durch Gesetze, Richtlinien, Vorgaben prasseln in dichter, ungeordneter Folge mit nicht einschätzbaren Risiken auf die Praxen nieder“, kritisierte Dr. Norbert Engel zu Beginn seiner Rede. Dabei seien die Unwägbarkeiten nicht nur wirtschaftlicher Natur, sondern bergen auch organisatorische Herausforderungen, infrastrukturelle Anforderungen und komplexe Fragestellungen, die die berufliche Situation der Zahnärztinnen und Zahnärzte beeinflussen. Die ärztlichen und zahnärztlichen Versorgungsstrukturen befänden sich in einem politisch initiierten Transformationsprozess, dessen Ausgang offen sei, führte er weiter aus. Allerdings dürfe vorausgesagt werden, dass die fein- und kleingliedrige Krankenversorgungslandschaft durch Großstrukturen abgelöst werde. Ökonomische Zwänge werden in zunehmendem Maße die Ausgestaltung der Patientenbehandlung beeinflussen, das Leistungsangebot bestimmen und die Leistungspalette beschneiden. Dies gelte sowohl im Bereich des Sozialversicherungskatalogs wie auch im Bereich der privaten Leistungspalette. Wirtschaftliche Entwicklungen würden unser gesetzliches System noch stärker belasten und selbst staatliche Zuschüsse würden dieses nicht auf Dauer stabilisieren können. „Wenn es knapp wird beginnt man, sich auf das Wesentliche zu besinnen“, hob Dr. Engel hervor. Eine der dann aufkommenden Fragen sei mit Sicherheit die Notwendigkeit zahnärztlicher Leistungen im Angebotskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung.


Vorstand. Dr. Norbert Engel, Dr. Robert Heiden, Dr. Jan Wilz, ZA Torben Wenz und Dr. Wolfgang Grüner (v. l.). Nicht auf dem Bild: Geschäftsführer David Richter und Versammlungsleiter Dr. Ralph Beuchert.

Strukturwandel. Ein weiterer Faktor, der die deutsche zahn- ärztliche Versorgungslandschaft deutlich verändern werde, sei die Tendenz zu Großeinrichtungen. Diese seien politisch gewollt, die Nebenwirkungen seien vielleicht „politisch nicht beabsichtigt, aber trotzdem wirkungsvoll“. Die erste Nebenwirkung sei der Transfer von Versichertengeldern ins Ausland mittels Zahnmedizinischer Versorgungszentren, die von Fremdinvestoren finanziert werden, unter dem Aspekt des Shareholder Value. Eine weitere Nebenwirkung sei die „Aushöhlung der GOZ“. Diese Versorgungszentren, „die sich nicht unserer Kammer zugehörig fühlen, sich bei der IHK beheimatet finden und daher keine Bindung an die GOZ akzeptieren, bieten Leistungen zum standardisierten Dumpingpreis solange an, bis entsprechende kleinstrukturierte traditionelle GOZ-gebundene Konkurrenzpraxen in die Knie gehen.“ Dies begünstige die mittel- und langfristige Veränderung der Versorgungslandschaft. Monopolisierung und Gestaltungshoheit der Versorgungsanbieter seien Folgen, die dann die staatlichen Gestaltungsmöglichkeiten einschränken werden. „Profit statt Praxis. Shareholder Value statt Patient Value“, unterstrich Dr. Engel.
Eine weitere Folge sei, dass mit der Strukturänderung unseres Gesundheitswesens auch für die Angestellten die Angebotsvielfalt bezüglich der Work-Life-Balance verringert werde, da diese Zahn- ärztinnen und Zahnärzte von den beschriebenen Monopolen abhängig würden.
Des Weiteren würden „die im Sozialgesetzbuch verankerten Möglichkeiten direkter vertraglicher Beziehungen zwischen Versorgern und Krankenkassen – wenn solche Verträge zustande kommen – auch die herkömmlichen Player KV und KZV degradieren“.


Delegierte. Die Vertreterinnen und Vertreter der Bezirkszahnärztekammer Karlsruhe diskutierten engagiert und verabschiedeten die vorgelegten Anträge.

Weichen stellen. Angesichts dieser Entwicklungen sei es Aufgabe der Berufsvertretung der Zahn- ärzteschaft, sich den drängenden Fragen zu stellen. „Wie gelingt es, die steigende Anzahl der angestellten Kolleginnen und Kollegen für die Kammer zu interessieren und deren Wert als Berufsvertretung für den Berufsstand anzuerkennen?“, stellte Dr. Engel die Frage in den Raum. „Wie muss die Kammer der Zukunft aussehen, um die unterschiedlichen Berufsbedürfnisse ihrer Mitglieder zu bedienen?“, „Wie kann sich die Kammer bei der sich abzeichnenden Krankenversorgungssystemkrise als fachlich unabhängiger und systemferner Partner der Politik und Gesellschaft positionieren?“ und „Wie kann die Kammer als Berufsvertretung das Selbstbewusstsein des Berufsstandes erhalten und mehren?” Hier sei die Zahnärzteschaft gefordert, Lö- sungen zu finden und mit einer zukunftsgerichteten Kammerpolitik Weichen zu stellen. Abschließend appellierte er an die Delegierten, bei der aktiven Bewältigung dieser Herausforderungen mitzuarbeiten, ihre Gedanken einzubringen, damit „auch weiterhin eine würdige Ausübung der Zahnheilkunde in Deutschland ermöglicht wird“.

Mitarbeiterinnen. Ein weiteres essenzielles Thema war der Mangel an Zahnmedizinischen Mitarbeiterinnen. Dr. Robert Heiden, Referent für Zahnmedizinische Mitarbeiter/innen, berichtete, dass mittlerweile weniger als die Hälfte der Zahnarztpraxen in BadenWürttemberg Zahnmedizinische Mitarbeiterinnen ausbildeten. Die baden-württembergische Zahn- ärzteschaft sei über den Informationsstand des Informationszentrum Zahngesundheit (IZZ) auf den Ausbildungsmessen im Land vertreten und werbe dort regelmäßig für die Ausbildung zur Zahnmedizinischen Fachangestellten. Mit Virtual-Reality-Medien solle dieser Auftritt zeitgemäß und noch attraktiver gestaltet werden, um auch hier am Puls der Zeit zu bleiben.

GOZ. Der GOZ-Punktwert war ein weiteres Thema, das die Delegierten in der Vertreterversammlung ausführlich diskutierten. GOZ-Referent Dr. Jan Wilz bemängelte, dass die Forderungen der Zahnärzteschaft nach der Erhöhung des GOZ-Punktwerts, der seit 1988 unverändert ist, von der Politik nicht wahrgenommen werden. In Deutschland hängen 150.000 Arbeitsplätze (inkl. Zahntechnik) von der Zahnmedizin ab und bis zum Jahr 2030 sollen nochmals 75.000 Personen hinzukommen. Deshalb sei eine Forderung nach einer Punktwerterhöhung mehr als nachvollziehbar, betonte Dr. Wilz.
Der Präsident der Landeszahn- ärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Torsten Tomppert, der als Gast anwesend war, verwies auf die Bestrebungen der EU, die Kammerstruktur abzuschaffen, da sie in deren Augen eine Behinderung des Binnenmarktes darstellte. Schätzungen zufolge sei mit einem Einmaleffekt von 750 Millionen Euro zu rechnen, wenn die regulierten Berufe dereguliert werden. Bei der Anpassung der GOZ sei eine einmalige Erhöhung der GOZ um einen bestimmten Prozentsatz zu favorisieren und dann eine jährliche Dynamisierung, die sich an der allgemeinen Lohnentwicklung orientiert – analog der Diäten der Parlamentarier. Diese Anpassung betrage 2,5 bis 3 Prozent jährlich und sei den Abgeordneten in Berlin bereits vom LZK-Vorstand vorgeschlagen worden.
Weitere Impressionen finden Sie in unserer Bildergalerie.

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Landesverband der Freien Berufe (LFB)

 

70 Jahre Freie Berufe

Ausgabe 11, 2019

70 Jahre ist unser Grundgesetz jung. Rückblick: Konrad Adenauer: „Heute, am 23. Mai 1949, beginnt ein neuer Abschnitt in der wechselvollen Geschichte unseres Volkes. Heute wird nach Unterzeichnung und Verkündung des Grundgesetzes die Bundesrepublik Deutschland in die Geschichte eintreten.“ Und just in diesem Jahr, 1949, wurde die Arbeitsgemeinschaft der Freien Berufe gegründet. Und 1976 wurde diese Arbeitsgemeinschaft zum heutigen Landesverband der Freien Berufe. In einer Feierstunde wurde der 70. Jahrestag der Gründung von namhaften Repräsentanten aus Politik, Freien Berufen und Wissenschaft im Hause der Bezirksärztekammer Nord-Württemberg gewürdigt.


Jubiläum. Prof. Dr. Wolfgang Ewer, Dipl.-Oec. Norbert Leuz, Dr. Anne Gräfin Vitzthum von Eckstädt, Ministerpräsident Winfried Kretschmann, Dr. Björn Demuth, Dr. Torsten Tomppert und Dr. Wolfgang Miller (v. l.).

70 Jahre Freie Berufe. Anlass für Dr. Björn Demuth, Präsident des Landesverbandes der Freien Berufe Baden-Württemberg, in seiner Begrüßung die Wichtigkeit und Bedeutung des Grundgesetzes, das im Mai 1949 in Kraft trat, hervorzuheben: „[…] Es gehört zu den historisch glücklichen Fügungen, dass die Mütter und Väter unseres Grundgesetzes gemeinsam eine Verfassung erarbeitet haben, die unserem Land seit nunmehr 70 Jahren Stabilität und Freiheit, Rechtsstaatlichkeit, Zusammenhalt und demokratische Teilhabe ermöglicht.“ Dabei betonte Demuth weiter, „dass die Freien Berufe […] auf ganz spezielle Weise von den Prinzipien des Grundgesetzes und der sozialen Marktwirtschaft geleitet [werden]“. Die Gemeinwohlorientierung ist ein Wesensmerkmal der Freien Berufe und damit das zentrale Differenzierungsmerkmal etwa gegenüber der gewerblichen Wirtschaft. Gerade der Freiberufler sei „in seiner Funktion nämlich auch Wahrer und Durchsetzer grundrechtlich garantierter Rechte und Güter seines Auftraggebers und damit Garant für dessen individuelle Entfaltungsfreiheit“. Das zeige sich deutlich „im Bereich der Rechtsdurchsetzung beim Erhalt der Gesundheit, der Sicherung des Steueraufkommens, bei der Gewährleistung technischer Sicherheit und bei der Gestaltung des künstlerischen Lebens“. Und was nicht hoch genug bewertet werden kann: „Sie tragen wesentlich zum Bruttoinlandsprodukt bei, bilden junge Menschen aus und bieten viele zuverlässige und anspruchsvolle Arbeitsplätze.“

Freiheit und Stabilität. Kein Geringerer als der Ministerprä- sident des Landes Baden-Württemberg, Winfried Kretschmann, betonte ebenso wie der Präsident des LFB Baden-Württemberg die Bedeutung des Grundgesetzes, „das Dach der neuen Freiheitsordnung“. Das Grundgesetz sei ein verlässlicher Anwalt für Frieden, Freiheit und Wohlstand. 70 Jahre Stabilität, das wäre nicht möglich gewesen ohne Kammern und Verbände. Die Freien Berufe seien ein zentraler „Konjunktur- und Beschäftigungsanker und stehen für mehr als ein Drittel der mittelständischen Betriebe. Ihr Anteil am Bruttoinlandsprodukt beträgt schon zehn Prozent.“

Freiheit und Fortschritt. „Freie Berufe: Freiheit, Fortschritt, Fä- higkeiten“ hieß prägnant der Vortrag von Prof. Dr. Wolfgang Ewer, Präsident des Bundesverbandes der Freien Berufe. „Für uns als Bundesverband der Freien Berufe (BVB) ist es wichtig zu wissen, dass wir eine gute Wechselbeziehung mit den maßgeblichen Entscheidern hier im Land haben. Denn viele der für uns als Freie Berufe wichtigen Gesetzgebungsverfahren bedürfen der Zustimmung des Bundesrates. […] Sie geben uns Freien Berufen hierzulande eine starke Stimme, schaffen und pflegen Netzwerke, setzen wichtige Impulse.“ Ein Beleg für die außerordentliche Dynamik ist die Tatsache, dass „wir Freien Berufe erstmals über vier Millionen Menschen beschäftigen“, fügte Prof. Ewer hinzu. Der BVBPräsident hob in seiner Ansprache hervor, dass „der Gemeinwohlbezug […] in unserer DNA [liegt]. Wir schaffen Werte für die Gesellschaft, die sich nicht in Eurocent berechnen lassen“. Die Programm- überschrift in seinen Ausführungen erläutert Prof. Ewer: „Freiheit – wir machen die Menschen mündig. Fortschritt – wir sind maßgeblich beteiligt am Umwandlungsprozess hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. Fähigkeiten – wir erbringen Dienstleistungen von intellektuellem Kaliber und individueller Güte.“ Darüber hinaus beschäftigte sich Prof. Ewer mit den Vorschlä- gen der Europäischen Kommission, die hier darzustellen den Rahmen im ZBW sprengten.


Europäische Dimension. Prof. Dr. Anne Schäfer erläuterte die europäische Dimension der Freien Berufe sowie ihre nationalstaatliche Verankerung und europäische Ausrichtung.


Freiheitsordnung. Der Ministerpräsident des Landes BadenWürttemberg, Winfried Kretschmann, betonte die Bedeutung der Freien Berufe als Konjunktur- und Beschäftigungsanker


Gruppenbild. Dr. Gudrun Kaps-Richter umrahmt von den Kollegen aus den Körperschaften und dem Freien Verband Deutscher Zahnärzte Baden-Württemberg.

Land, Bund, Europa. Dieser Dreiklang beschäftigt, versinnbildlicht in dieser Klimax, mehr denn je die Freien Berufe – vom Architekten über den Ingenieur, Arzt und Zahnarzt bis zu den Rechtsanwälten. Vor diesem Hintergrund waren die rund 150 Festgäste gespannt auf den Festvortrag der renommierten Juristin für Sozial- und Gesundheitsrecht, Verfassungsrecht, Europäisches Berufsrecht an der Hochschule Fulda, Prof. Dr. Anne Schäfer, die die europäische Dimension der Freien Berufe – Nationalstaatliche Verankerung und europäische Ausrichtung in exzellenter Weise dezidiert erläuterte. Die Hochschullehrerin erklärte das EuGH-Urteil im Hinblick auf die Honorarordnung der Architekten und Ingenieure (HOAI). Der Europäische Gerichtshof hatte (siehe ZBW 5/2019, S. 15) die verbindlichen Mindest- und Höchstsätze der HOAI als rechtswidrig erkannt. Prof. Schäfer sah in dem Urteil keine Präjudizierung im Hinblick auf die Gebührenordnung für Ärzte und Zahnärzte, denn der Europäische Gerichtshof stellte auch fest, dass „nur Mindesthonorare dabei behilflich sind, ein Absinken der Qualität zu vermeiden“. Prof. Schäfer dokumentierte einmal mehr den überaus komplexen Rechtsrahmen zwischen Urteilen des Bundesverfassungsgerichts, des Europäischen Gerichtshofs sowie der Feststellung der EUKommission, die in den verbindlichen Mindest- und Höchstsätzen einen Verstoß gegen die EU-Dienstleistungsrichtlinie und die Niederlassungsfreiheit sahen. Es bleibt zu hoffen, so ein Insider, dass mit der Berufung von Stella Kyriakides zur EU-Gesundheitskommissarin der Blick auf die Freien Berufe und ihre Selbstverwaltung den Stellenwert erhält, den die Ärzte und Zahnärzte seit 70 Jahren erfolgreich und im Dienste der Patienten und der Gemeinwohlverpflichtung verdienen.

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Fachdental Südwest

 

Messeauftritt mit überregionaler Bedeutung

Ausgabe 11, 2019

Mitte Oktober 2019 lockte die Fachdental Südwest/id infotage dental über 5200 Zahnärzt/innen, Zahntechniker/innen, Zahnmedizinische Fachangestellte, Studierende und Auszubildende nach Stuttgart. Damit bewies diese Messe erneut ihren überregionalen Stellenwert für die Dentalbranche im Südwesten Deutschlands. Im Zentrum des Messetreibens: die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg (LZK BW), die als offizieller Partner der Fachdental viele Besucher/innen an ihrem großen Informations- und Kommunikationsstand versammelte.

Der Stand der LZK BW gemeinsam mit der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe und dem Zahnmedizinischen Fortbildungszentrum Stuttgart war auch in diesem Herbst für zahlreiche Messebesucher/innen wieder eine wichtige Anlaufstelle, um Fachinformationen aus den Bereichen Praxisführung, Qualitätsmanagement, Datenschutz, Recht oder Fortbildung einzuholen. Gleichzeitig nutzten viele die Gelegenheit, sich in entspannter Atmosphäre fachlich auszutauschen und Kontaktpflege zu betreiben. Dr. Torsten Tomppert, Präsident der LZK BW, zeigte sich mit dem Interesse der Fachbesucher mehr als zufrieden: „Unser Stand – zentral in der Messehalle – ist sozusagen die Home-Base der Kolleginnen und Kollegen. Als Partner und Dienstleister für die Kollegenschaft, wird die Kammer immer sehr gut frequentiert und berät zu Praxisbegehungen, Hygiene und anderen wichtigen Themen.“


Beste Ausbildung. Das landesweit beste Abschlussergebnis mit der Note 1,1 erzielte Anna Isabel-Schneider Segura aus Freiburg, hier mit LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert.

Fachvorträge. Die LZK BW bot zusätzlich zum eigenen Stand an beiden Messetagen in der Dental Arena interessante Fachvorträ- ge an, die auf sehr guten Zuspruch trafen. So informierte Dr. Hendrik Putze, LZK-Vorstandsmitglied, über die EDV in der Zahnarztpraxis und spannte dabei einen Bogen von der Datenschutzgrundverordnung über Datensicherheit zur Telematik und gab zahlreiche Tipps, wie sich Zahnarztpraxen gegen Cyberkriminalität wappnen können. Werbung für die Landeszahnärztekammer als wichtiger Dienstleistungspartner für Kammermitglieder machte Thorsten Beck, stv. Geschäftsführer der LZK BW. Er zeigte die gesamte Bandbreite an qualifizierten Leistungen auf, die die Kammer anbietet, um dem Zahnarzt oder der Zahnärztin den Praxisbetrieb zu erleichtern.
Bereits am Messestand konnten sich die Besucher/innen vom Dienstleistungsangebot der LZK überzeugen. Konkrete Fragen zu rechtlichen Aspekten in der Zahnarztpraxis beantworteten Corinna Stetter und Dr. Anja Mössinger von der LZKRechtsabteilung. Dass die Themen Praxisbegehung, Hygieneberatung und Arbeitssicherheit Dauerbrenner sind, zeigten die vielen Gesprä- che, die Marco Wagner, Leiter der LZK-Abteilung Praxisführung, und sein Team auf der Fachdental führten. Zudem gab Dr. Norbert Engel, Referent für Qualitätsmanagement und Versorgungsforschung der LZK BW, als Experte zum Thema Qualitätsmanagement Auskunft.


Beratungsgespräche. Viele Besucher der Fachdental kamen gezielt zum Stand der Kammer, um sich fachlich beraten zu lassen. Vorne rechts: Dr. Anja Mössinger von der LZK-Rechtsabteilung.


Cyberkriminalität. Der Fachvortrag in der Dental Arena von Dr. Hendrik Putze u. a. zum Thema Datendiebstahl in der Praxis sprach viele Besucher/innen an.


Praxisführung. Marco Wagner im Gespräch mit Dr. Karen Folttmann, die sowohl im Haushaltsausschuss der LZK BW als auch der BZK Karlsruhe (als dessen Vorsitzende) aktiv ist.


Verlosung. Das digitale Glücksrad lockte zahlreiche Besucher/ innen an den Messestand. Zu gewinnen gab es Fortbildungsgutscheine und weitere attraktive Preise.


Gewinner. Dr. Axel Kohler freut sich mit Rita Nagel von der Akademie für Zahnärztliche Fortbildung Karlsruhe, dass er am digitalen Glücksrad einen Fortbildungsgutschein gewonnen hat.


Fachaustausch. Die Experten in Sachen Dienstleistungsangebot der LZK BW, Thorsten Beck (l.), sowie für Qualitäts- und Risikomanagement, Dr. Norbert Engel, tauschten sich auf der Fachdental aus.


Statement. Der Präsident der LZK BW, Dr. Torsten Tomppert, war auf der Fachdental Südwest ein gefragter Gesprächspartner. Hier stand er dem TV-Team der Messe Stuttgart Rede und Antwort.

 

Spendenaufruf

 

Dentales Erbe bewahren

Ausgabe 11, 2019

Über 40.000 Fachbücher, Zeitschriftenbände, Dissertationen, Fotos, Grafiken aus dem 16. und Archivalien aus dem 19. Jahrhundert: Die Sammlung Proskauer/Witt der Bundeszahnärztekammer ist Teil des historischen Gedächtnisses der Zahnärzteschaft. Doch die Sammlung ist verstreut und in Containern eingelagert. Jetzt soll sie mit dem Dentalhistorischen Museum im sächsischen Zschadraß in der Nähe von Leipzig zusammengeführt werden. Das hat ein bei der BZÄK gebildeter Arbeitskreis aus den Präsidenten der Landeszahnärztekammern Berlin, Sachsen und Baden-Württemberg Dr. Karsten Heegewaldt, Dr. Thomas Breyer und Dr. Torsten Tomppert sowie dem BZÄK-Vizepräsidenten Prof. Dr. Christoph Benz beschlossen.

Die Geschichte der Proskauer/ Witt-Sammlung ist schon häufig erzählt worden, Dr. Gisela Tascher vom Arbeitskreis Geschichte der Zahnheilkunde der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) hat sie in den zm verkürzt wie folgt wiedergegeben: Der jüdische Zahnarzt Curt Proskauer, auf dessen Initiative 1927 das Reichsinstitut für Geschichte der Zahnheilkunde gegründet wurde, verkauft 1927 seine auf 50.000 Reichsmark geschätzte umfangreiche Bibliothek und Privatsammlung dem Reichsverband der Zahnärzte Deutschlands. 1931 inthronisiert die Fédération Dentaire Internationale (FDI) das Reichsinstitut für Geschichte der Zahnheilkunde, als „Internationale Zentralstelle für die Katalogisierung historischer Objekte aus der Zahnheilkunde“. Proskauer leitet dieses weltweit einmalige Institut wie auch die Bibliothek bis 1933 – nach der nationalsozialistischen Machtergreifung wird er als Jude entlassen, ausgegrenzt und verfolgt, 1938 ins KZ Buchenwald deportiert, kommt aber nach fünf Wochen frei und emigriert mit seiner Familie 1939 über Italien in die USA.
Fritz H. Witt, Kommilitone Proskauers in Jena und Geschäftsführer des Reichsverbands, übernimmt die Betreuung der Sammlung und Bücherei und baut sie aus. 1937 folgt der Berliner NS-konforme Medizinhistoriker Walter Artelt als Leiter des Reichsinstituts.
Den Krieg überstehen Sammlung und Bibliothek nicht unbeschädigt, bleiben aber im Kern – vor allem durch den Einsatz von Witt – erhalten. 1954 finden beide ein neues Zuhause im neu erbauten Zahnärztehaus in Köln, wo sie katalogisiert und erweitert werden. 1965 folgt in Köln die Neugründung des Forschungsinstituts für Geschichte der Zahnheilkunde.
Witt, bis 1956 Geschäftsführer des „Bundesverband der Deutschen Zahnärzte“ (BDZ), leitet und betreut die Sammlung, das Institut und die Bücherei bis zu seinem Tod. Von 1968 bis 1977 ist dann Robert Venter Leiter des Forschungsinstituts mit der Sammlung und der Bücherei. Der Jurist und zahnärztliche Multifunktionär Venter ist mitverantwortlich für die Ausgestaltung der gesetzlichen Rahmenbedingungen der zahn- ärztlichen Berufsausübung des NS-Staats – wie dafür, dass nach 1945 Teile dieser gesetzlichen Bestimmungen in Kraft bleiben. 1974 veröffentlicht Venter mit Kurt Maretzky im Auftrag des BDZ die „Geschichte des deutschen Zahn- ärztestandes“, worin er die Zeit der NS-Diktatur umdeutet und verharmlost.
Von 1985 bis 1995 folgt als Leiterin des Forschungsinstituts die Kölner Medizinhistorikerin Marielene Putscher, die ebenfalls die NSZeit verharmloste und sogar deren Aufarbeitung behinderte.
In der Folge wird das Forschungsinstitut mit der Sammlung und der Bücherei von KZBV und BZÄK aufgelöst. Im Rahmen des Umzugs der BZÄK von Köln nach Berlin in den Jahren 1999/2000 wird die Sammlung in Containern in Berlin eingelagert.
Seit 2013 sind die Bestände gesichert und der wissenschaftlichen Forschung zugänglich. Im Frühjahr 2017 sahen Mitglieder des Forschungsprojekts „Zahnheilkunde im Nationalsozialismus“ das Historische Archiv der BZÄK ein und erfassten die eingelagerten Archivalien provisorisch. Dabei stellten sie fest, dass diese Archivalien eine zentrale Überlieferung für die Erforschung der Geschichte der deutschen Zahnmedizin in den vergangenen drei Jahrhunderten und ein wichtiges Zeugnis der fachkulturellen Identität des Berufsstands darstellen. Die BZÄK beschloss daher, den Bestand fachgerecht zu katalogisieren, einzulagern und ein Findbuch erstellen zu lassen. Parallel dazu ist die BZÄK dabei, für die Unterbringung der Sammlung eine neue Bleibe zu finden.

Historisches Gedächtnis. Im August 2018 fand eine Vorstandssitzung der BZÄK in Zschadraß statt. Die Präsidenten der Landeszahnärztekammern besichtigten die ebenfalls gefährdete Sammlung des Dentalhistorischen Museums in der Nähe von Leipzig. LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert sieht es als Verpflichtung an, das historische Gedächtnis der Zahnärzteschaft zu sichern und zu erhalten. Es war für ihn deshalb keine Frage, im neugebildeten Arbeitskreis der BZÄK mitzuarbeiten.

ZBW: Herr Dr. Tomppert, wie sind Sie darauf gekommen, sich in dem Arbeitskreis der BZÄK zu engagieren?

Dr. Tomppert: Geschichte hat mich schon immer interessiert. Es kann nicht sein, dass eine der bedeutendsten Sammlungen zahnmedizinischer Geschichte in Containern ruht. Wir müssen unser einmaliges dentalhistorisches Erbe erhalten und deshalb stand es für mich und meine Kollegen aus Sachsen und Berlin außer Frage, dass wir uns kümmern und das in die Hand nehmen. Nur wer seine Wurzeln kennt, kann die Zukunft gestalten.

In einem deutschlandweiten Aufruf innerhalb des Berufsstandes rufen Sie jetzt für Spenden unter dem Stichwort „Dentales Erbe bewahren“ auf. Für was werden die Spendengelder verwendet?

Wenn das Spendenaufkommen hoffentlich eine gewisse Höhe erreicht, werden wir die Proskauer/ Witt-Sammlung nach Zschadraß bringen. Die Exponate in den Containern werden gesichtet und katalogisiert.

Sie haben sich sicherlich innerhalb des Arbeitskreises bereits Gedanken für die Zukunft der dann weltweit größten Sammlung kulturhistorischer Gegenstände aus 5.000 Jahren Zahnheilkunde gemacht? Was ist geplant?

Zunächst hoffe ich, dass die Sammlung Proskauer/Witt mithilfe der Spenden eine neue Heimat in Zschadraß findet. Für die Zukunft könnte ich mir eine Wanderausstellung vorstellen. Und für Baden-Württemberg wüsste ich auch schon einen wunderbaren Ort für die Exponate: Das Medizinhistorische Museum zur Zahnheilkunde des 20. Jahrhunderts in Bietigheim-Bissingen. Das Haus Schmelzle ist ein denkmalgeschütztes Gebäude in Bietigheim-Bissingen. Das einstige Wohn- und Praxisgebäude des Zahnarztes Richard Schmelzle ist als medizinhistorisches Museum zur Zahnheilkunde des 20. Jahrhunderts an einigen Tagen im Jahr auch öffentlich zugänglich.

» mader@lzk-bw.de

 

SnowDent 2020

 

Auf die Herausforderungen der Praxis vorbereitet sein

Ausgabe 11, 2019

Nach den Erfolgen in den vergangenen Jahren findet auch im Jahr 2020 der SnowDent-Existenzgründer-Workshop in Ischgl statt. Vom 3. bis 5. April 2020 haben junge Zahnärztinnen und Zahnärzte, die in einem Angestelltenverhältnis tätig sind, gerade ihre Niederlassung planen oder sich erst kürzlich mit der eigenen Praxis selbstständig gemacht haben, wieder die Chance, sich mit dem SnowDentExistenzgründer-Workshop fit zu machen für die Herausforderungen der Zukunft in der Zahnarztpraxis.

Praxisübernahme und Neugründung, Praxisformen und Möglichkeiten der zahnärztlichen Berufsausübung, die richtige Honorarordnung mit BEMA & GOZ, Praxisorganisation und Qualitätsmanagement und welche Unterstützungen erhalten Sie von der Kammer und der KZV? Mit diesen und vielen weiteren Themen macht Sie der SnowDentExistenzgründer-Workshop der Landeszahnärztekammer BadenWürttemberg – mit freundlicher Unterstützung der Kassenzahn- ärztlichen Vereinigung BadenWürttemberg – vertraut.

Ultimatives Skierlebnis. Neben den Seminaren kommt das Ski- und Snowboardfahren nicht zu kurz: Gemeinsam wird das alpine Gelände um Pardatschgrat, Greitspitze, Viderjoch und Palinkopf erkundet. Ischgl bietet eine Vielzahl an blauen, roten und schwarzen Pisten – ein ultimatives Skierlebnis für anspruchsvolle Skifahrer ebenso wie für Anfänger.
Veranstaltungsort ist das Viersternehotel Antony in zentraler Lage in Ischgl. Im Preis inbegriffen sind neben zwei Übernachtungen inkl. Frühstücksbuffet im Hotel Antony, zwei gemeinsame Abendessen, ein Come Together in der Stube des Hotel Nevada, Anreise im modernen Reisebus, 2-TagesSkipass und alle Seminargebühren. Der Reisepreis beträgt 469 EUR im Einzelzimmer und 429 EUR im Doppelzimmer.

Begrenztes Kontingent. Nutzen Sie die Chance, sich für die künftigen Herausforderungen in der Zahnarztpraxis fit zu machen und melden Sie sich für den SnowDentExistenzgründer-Workshop von 3. bis 5. April 2020 in Ischgl an. Da wir mit reger Beteiligung an der bereits vierten Auflage unseres SnowDent rechnen und die Teilnehmerzahl begrenzt ist, sollten Sie Ihre Reiseanmeldung baldmöglichst an die Geschäftsstelle der Landeszahn- ärztekammer, Kerstin Frankenberger, frankenberger@lzk-bw.de, Tel. 0711/22845-26 richten.
Den Flyer mit den detaillierten Informationen und der Anmeldung finden Sie unter www.lzk-bw.de.

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Gemeinsame Gutachtertagung im Zahnärztehaus Freiburg

 

Alles nur eine Frage der Funktion?

Ausgabe 11, 2019

Die 110 Sitzplätze im großen Hörsaal des Freiburger Zahnärztehauses waren nahezu komplett belegt, als dort am zweiten Oktobersamstag die Gutachtertagung ausgerichtet wurde. Wie in den Vorjahren war es eine gemeinsame Gutachtertagung beider Körperschaften und so trafen sich neben den Vertragsgutachtern der Bezirksdirektion Freiburg der KZV BW auch die Privat- und Gerichtsgutachter der BZK Freiburg. Geladen waren außerdem, auch dies einer Freiburger Tradition entsprechend, Vertreter der Krankenkassen.


Auditorium. Anfang Oktober trafen sich rund 110 Gutachter sowie Krankenkassenvertreter zur gemeinsamen Gutachtertagung im Freiburger Zahnärztehaus.

Die diesjährige Qualifizierungsveranstaltung für Gutachter stellte den Aspekt der Funktion in den Mittelpunkt und so stand die Gutachtertagung unter dem Motto „Alles nur eine Frage der Funktion – von Stütz und Last im Gutachterwesen“. In den Jahren zuvor beschäftigten sich die südbadischen Gutachter mit den Themen „Frage der Schuld“ (2013), „Macht der Sprache“ (2015) und „Zurück zu den Wurzeln“ (2017).

(Un)sinn Komplettsanierung. Den Auftakt bildete der Vortrag des Hamburger Hochschullehrers Professor Dr. Guido Heydecke, der in seinem beeindruckenden Vortrag über „Wir denken von Ohr zu Ohr! – vom Sinn und Unsinn einer Komplettsanierung mit Überkronung aller Zähne und Bisshebung“ sprach. Gleich zu Beginn betont Heydecke „wenn Sie etwas verändern, dann immer so, dass Sie es wieder rückgängig machen können“. Anhand faszinierender und hervorragend dokumentierter Fallbeispiele stellt der hanseatische Hochschullehrer seinen Entscheidungslogarithmus für Bisshebungen und Komplettsanierungen vor.

Funktionsdiagnostik. Hier knüpfte der Beitrag von Dr. Wolfram Bücking, Wangen im Allgäu, an, der über „Funktionsdiagnostik – was von gestern oder top aktuell?“ sprach. Aus einem Erfahrungsschatz von über vierzig Jahren zahnärztlicher Tätigkeit mit Funktionsdiagnostik als Tätitgkeitsschwerpunkt schöpfend, führte Bücking die Bedeutung einer guten Diagnostik als Basis der weiteren Entscheidungsfindung aus. Ein spektakuläres Fallbeispiel einer Patientin, die unmittelbar vor einer maximalinvasiven Dysgnathie-OP stand und die er rein prothetisch rehabilitierte, war der rote Faden, der sich durch seine Ausführungen zog.

Standespolitik. „Das einvernehmlich bestellte Gutachterwesen – Quo vadis?“ war das Thema der Vorstandsvorsitzenden der KZV Baden-Württemberg, Dr. Ute Maier, die sichtlich zufrieden berichten konnte, dass das Drohszenario einer flächendeckenden Gutachtenerstellung ohne Berücksichtigung der einvernehmlich bestellten Vertragsgutachter zwischenzeitlich durch Vereinbarungen mit allen Krankenkassen abgewandt werden konnte. Mit einem Blick in die Zukunft über die Online-Kommunikation mit Krankenkassen, die auch auf das Vertragsgutachterwesen ausstrahlen wird, schloss die KZV-Chefin ihre Ausführungen

Leitlinien und Nomenklatur. In die neue Paro-Nomenklatur und die aktuellen drei S3-Paro-Leitlinien führte Dr. Anne Kruse, Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie, Universität Freiburg, ein und dies trotz des eher „trockenen“ Themas auf höchst vergnügliche und interessante Weise. Eine rege Diskussion nach Ende ihres Vortrages war Zeichen dafür, dass ihre Botschaften beim Auditorium angekommen waren.

Kultureller Reichtum. „Habsburg übernehmen Sie!“ – mit diesem launigen Titel startete der Münstertäler Kunstexperte Arno Herbener eine höchst vergnügliche, lehrreiche und kurzweilige Reise in die Zeit als Freiburg vorderösterreichische Landeshauptstadt war. Er verstand es darzustellen, warum die Südbadener so sind wie sie sind. Seine Ausführungen waren die Fortsetzung des Auftaktvortrages der Gutachtertagung 2017, wo Herbener die frühe Phase Südbadens darstellte. Das Auditorium ließ den Kunstexperten erst dann ziehen, als er fest versprach 2021 wiederzukommen und bei der nächsten Gutachtertagung die Trilogie mit „Gefahr für den Oberrhein – die Franzosen kommen!“ zu vollenden.

Dr. Georg Bach