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Soziales Engagement

Ärzteehepaar hilft in Peru bei der medizinischen Versorgung

 

Einblick in eine andere Kultur

Ausgabe 11, 2019

Der Leutkircher Zahnarzt Nikolaus von Abendroth half zusammen mit seiner Frau, einer Ärztin, bei der medizinischen Versorgung der indigenen Bevölkerung. Über die drei Jahre in Peru berichtete er der Schwäbischen Zeitung und schilderte die Erfahrungen und Eindrücke der Familie während des ehrenamtlichen Einsatzes. Das ZBW bringt einen gekürzten Nachdruck des Beitrags, der innerhalb der Serie „Vom Allgäu in die ganze Welt“ erschien.


Zahnarztteam. Das Team der Zahnklinik mit Nikolaus von Abendroth (2. v. r.).

Die Entscheidung des Ehepaares, diesen Schritt zusammen mit ihren beiden Töchtern zu wagen, hat auch viel mit ihrem Glauben zu tun, erklärt von Abendroth: „Schon in unseren Elternhäusern bekamen wir eine Prägung für ein christlichsoziales Engagement in unserer Welt. Wir wohnten in Marburg an der Lahn als wir vom Hospital Diospi Suyana in den südlichen Anden Perus hörten. In dem Hospital wird eine hochwertige medizinische Versorgung für die Ärmsten der Quechuaindianer angeboten“, erzählt der Mediziner.
Da zu dem Projekt auch eine Schule gehört, die ihre beiden grundschulpflichtigen Töchter besuchen konnten, haben sie sich dazu entschlossen, die medizinische Arbeit vor Ort zu unterstützen. „Als Zahnarzt und Ärztin war das gut möglich“, so von Abendroth.
Los ging es im Mai 2016, im Juni dieses Jahres kamen sie zurück und sind nach Leutkirch gezogen. Inzwischen mit vier Kindern, denn in Ärzteehepaar hilft in Peru bei der medizinischen Versorgung Einblick in eine andere Kultur Der Leutkircher Zahnarzt Nikolaus von Abendroth half zusammen mit seiner Frau, einer Ärztin, bei der medizinischen Versorgung der indigenen Bevölkerung. Über die drei Jahre in Peru berichtete er der Schwäbischen Zeitung und schilderte die Erfahrungen und Eindrücke der Familie während des ehrenamtlichen Einsatzes. Das ZBW bringt einen gekürzten Nachdruck des Beitrags, der innerhalb der Serie „Vom Allgäu in die ganze Welt“ erschien. Peru sind zu den beiden Töchtern noch zwei Söhne dazugekommen. Von Anfang an sei geplant gewesen, für den Zeitraum von zweieinhalb bis drei Jahren in Peru zu bleiben. „Da wir ehrenamtlich dort waren, wurde unsere Tätigkeit von Freunden und Familie mittels Spenden unterstützt.“

Patienten mit vier Zähnen. Wenn von Abendroth auf die drei Jahre zurückblickt, spricht er auch von einem neuen Verständnis. Und zwar dafür, in einer anderen, ganz fremden Kultur, zu leben. Dadurch habe er ein erweitertes Verständnis für die Herausforderungen, die Ausländer bei uns heute haben, bekommen. „Aber auch einen besonderen Einblick in eine andere Kultur zu bekommen und selbst zu erfahren, wie man mit einfachen Mitteln zurechtkommen muss“, sei eine wertvolle Erfahrung gewesen. Insgesamt sei das Leben dort langsamer, weniger stressig als in Deutschland. Auch wenn die fehlende Alltagshektik eine angenehme Erfahrung sei – bei der täglichen Arbeit würde man sich manchmal wünschen, dass es schneller geht, so von Abendroth schmunzelnd.
hmunzelnd. Auch beruflich sei die Zeit in Peru interessant gewesen. „Da sind manchmal Patienten zu uns gekommen, die nur noch vier oder fünf Zähne hatten. Die waren dann sehr froh, wenn wir ihnen einen Zahnersatz anfertigen konnten“. Auch Fälle, dass Anfang 40-Jährige zu ihm gekommen sind, die davor noch nie bei einem Zahnarzt gewesen waren, habe es immer wieder gegeben.
Aufgefallen ist ihm dabei, dass diese teilweise trotzdem kein einziges Loch in einem Zahn hatten. Er vermutet, dass das daran liegt, dass die Quechuaindianer in ärmeren höherliegenden Gebieten teilweise so arm sind, dass sie sich schlicht keine Produkte mit raffiniertem Zucker leisten können. Bei Familien im Tal dagegen, die ein bisschen Geld haben und wo sich die Kinder schon Süßigkeiten kaufen können, gebe es Kinder, die schon mit drei oder vier Jahren überdurchschnittlich kaputte Zähne hätten. „Der Zucker verbreitet sich schneller als das Bewusstsein über die richtige Zahnpflege“, so von Abendroth. Zu seinen Aufgaben habe es deswegen auch gehört, dass er und sein Team gezielt in Schulen gegangen sind, um Präventionsarbeit zu leisten.

Familie kann jetzt Spanisch. Den Schritt würden sie jederzeit wieder machen, sagt von Abendroth. „Wir finden es wichtig, aus unserer Komfortzone und unserer stark konsumorientierten Welt mal herauszukommen. Für uns als Familie erscheint auch der Zeitraum von drei Jahren im Ausland richtig, da unsere Kinder bisher wieder gut Anschluss in der neuen/alten deutschen Kultur gefunden haben“. Ein positiver Nebeneffekt der Zeit in Peru sei, dass die Familie nun spanisch sprechen könne.

Patrick Müller