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Kultur

Herbstausstellung der Fondation Beyeler

 

Resonating Spaces

Ausgabe 11, 2019

Die Herbstausstellung der Fondation Beyeler ist fünf zeitgenössischen Künstlerinnen gewidmet: Leonor Antunes, Silvia Bächli, Toba Khedoori, Susan Philipsz und Rachel Whiteread. Zum ersten Mal stellen die international renommierten Künstlerinnen gemeinsam aus. Anders als bei einer umfassenden Gruppenschau liegt der Fokus auf exemplarischen Werken, die in sehr unterschiedlicher Form eine eigene Qualität von Räumlichkeit entfalten – als Skulptur, Zeichnung oder Soundinstallation.


Details. Toba Khedoori erfasst ihre Bildobjekte aus unmittelbarer Nähe: Das Closeup-Prinzip wird in einigen Werken so gesteigert, dass die Darstellungen nahezu ins Abstrakte kippen (Untitled, 2019).

Die Werke evozieren Räume, die zwischen dem Erkennbaren und Flüchtigen oszillieren. Sie schaffen Orte und Ruhepausen, in denen die Fähigkeit des Erinnerns ausgelöst und Bilder lebendig werden.

Klänge. Die schottische Künstlerin Susan Philipsz (*1965) erkundet die plastischen Eigenschaften von Klängen – meist unter Einbeziehung des Raums oder der konkreten Umgebung. Als Ausgangspunkte ihrer Soundinstallationen dienen ihr sowohl vokale als auch instrumentale Tonaufnahmen. Dazu greift Philipsz auf bereits existierende Musikstücke, etwa Popsongs, Volkslieder und neuzeitliche Chorä- le, zurück, die sie mit ihrer unausgebildeten Stimme und ohne Begleitung intoniert.

Spuren. Toba Khedoori (*1964) fertigt großformatige Zeichnungen und seit einigen Jahren auch kleinere Formate sowie Werke auf Leinen. Seit Mitte der 1990er-Jahre zeichnet die australische Künstlerin, die heute in Los Angeles lebt und arbeitet, architektonische Gebilde, die sie als Einzelobjekte oder in serieller Reihenfolge ohne vorgegebenen Kontext minutiös ins Bild setzt. Dabei tritt das große Format der wachsüberzogenen Papierbahnen stets in Kontrast zur zeichnerischen Präzision.

Erinnerungen. Seit den frü- hen 1990er-Jahren hat die britische Künstlerin Rachel Whiteread (*1963) ein außerordentliches plastisches Œuvre hervorgebracht. Ihre Skulpturen entstehen aus Abdrücken und Abgüssen von vertrauten Gegenständen, etwa architektonischen Strukturen oder Hohlkörpern, die in ihrer Materialität reduziert werden und dadurch meist fremd wirken.

Leerstellen. Das Œuvre von Silvia Bächli (*1956) umfasst eine Vielfalt von klein- und großformatigen Zeichnungen. Charakteristisch für ihre frühen Werke, die zu Beginn der 1980er-Jahre entstanden, sind figurative ebenso wie abstrakte Darstellungen im Kleinformat. Seit etwas mehr als zehn Jahren wendet sich die Schweizer Künstlerin auch größeren Papierarbeiten zu, die sich zusehends von Verweisen auf gegenständliche Motive lösen.

Wandlungsfähigkeit. In ihren raumgreifenden Installationen setzt sich die portugiesische Künstlerin Leonor Antunes (*1972) mit der Wandlungsfähigkeit der Skulptur und der modernen Formensprache auseinander. Seit den späten 1990er-Jahren hat die Künstlerin ortsspezifische Werke geschaffen, deren geometrische Formen und Materialvielfalt, darunter Leder, Nylon und Messing, auch für ihre aktuellen Arbeiten kennzeichnend sind.

IZZ/Fondation Beyeler