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Praxis

ZFZ-Prophylaxesymposium in Sindelfingen

 

Empfehlungen für den Einsatz von Fluoriden

Ausgabe 12, 2019

Seit einiger Zeit sorgt die Diskussion um den Einsatz der Fluoride in der Zahnmedizin in der Öffentlichkeit für große Verunsicherung. Die Diskussionen reichen von rechtlichen Einwänden über toxikologische Bedenken bis hin zu Publikationen, in denen der Nutzen der Fluoridierung generell angezweifelt wird. Für weitere Verwirrung sorgt, dass es eine Leitlinie aus dem Jahr 2013 gibt und parallel dazu neue, davon abweichende Empfehlungen von Fachgesellschaften. Was gilt denn nun? Das Prophylaxesymposium des Zahnmedizinischen Fortbildungszentrums (ZFZ) Stuttgart, das im Oktober in Sindelfingen stattfand, trug zur Aufklärung bei.


Gemeinsame Aufklärung. Die Expertin und Experten des Prophylaxesymposiums (v. l.) Prof. Dr. Katrin Bekes, Prof. Dr. Elmar Hellwig, Prof. Dr. Johannes Einwag und Prof. em. Dr. Adrian Lussi verrmittelten die aktuellen Empfehlungen zur Fluorid-Anwendung im Rahmen der Kariesprophylaxe.

Die Verwirrung ist komplett: Die Zahnarztpraxen empfehlen ihren Patienten die Fluoridierung auf der Basis der aktuellen Kommunikation der Fachgesellschaften, während die meisten Informationsbroschüren zum Einsatz von Fluoriden zur Kariesprophylaxe davon abweichende (veraltete) Angaben enthalten. Wie wirken diese unterschiedlichen Infos auf die Patientinnen und Patienten? Im Zusammenspiel mit kritischen Medienberichten zu Fluoriden verzichten verunsicherte Patienten im schlimmsten Fall komplett auf den Gebrauch fluoridhaltiger Produkte. Prof. Dr. Johannes Einwag, Leiter des Zahnmedizinischen Fortbildungszentrums Stuttgart, sieht deshalb einen aktuellen Aufklärungsbedarf, um Schaden von der Zahngesundheit der Bevölkerung abzuwenden. Aus diesem Grund initiierte er das Prophylaxesymposium in Sindelfingen, zu dem knapp 300 interessierte Zahnärztinnen und Zahnärzte sowie Praxismitarbeiterinnen und -mitarbeiter gekommen waren.

Basiswissen. Grundlagen zur chemischen Wirkungsweise von Fluorid im Rahmen der Kariesprophylaxe vermittelte Prof. em. Dr. Adrian Lussi aus Bern. Er erläuterte, wie Zahnschmelz und Dentin im Detail aufgebaut sind, was bei einem Säureangriff chemisch mit den Zähnen passiert und wie Fluoride die Remineralisierung fördern bzw. die Demineralisierung hemmen. Er kam zu dem Schluss, dass bei der Kariesprophylaxe in erster Linie die lokale Fluoridapplikation mit fluoridhaltigen Zahnpasten von Bedeutung ist. Eine wachsende Bedeutung haben Fluoridverbindungen auch im Rahmen der Erosionsprophylaxe. In diesem Zusammenhang stehen vor allem die „Gegenionen“ des Fluorids (z. B. das Zinn im Zinnfluorid) im Mittelpunkt.

Anwendung von Fluoriden. Die allgemeinen Grundlagen zur wirksamen und sicheren Anwendung fluoridhaltiger Produkte übermittelte Prof. Dr. Elmar Hellwig aus Freiburg. Er zeigte auf, dass Fluorid überall in der Natur verbreitet ist und mit dem Trinkwasser und der Nahrung täglich aufgenommen wird. Diese Fluoridkonzentration reicht aber nicht aus, um eine kariespräventive Wirksamkeit zu entfalten. Fluorid muss posteruptiv an der Zahn oberfläche vorliegen, um präventiv gegen Karies wirken zu können.
Prof. Hellwig verwies auf zahlreiche internationale Leitlinien, in denen die Evidenz für die Fluoridwirkung insbesondere von fluoridhaltigen Zahnpasten beschrieben wird. Aus einem neuen Review der Cochrane Library geht deutlich hervor, wie wichtig das Zähneputzen mit fluoridhaltiger Zahnpasta ist.
Unabhängig davon kann bei kariesaktiven Patienten die Applikation von fluoridhaltigen Gelen, Lacken oder Mundspüllösungen empfohlen werden. Vor allem Patienten mit Wurzelkaries oder mit festsitzenden kieferorthopä- dischen Geräten empfiehlt sich die tägliche Anwendung hochkonzentrierter Zahnpasten zur Prävention. Bezüglich der möglichen Nebenwirkungen einer Fluoridapplikation zeigen zahlreiche Studien, dass Fluorid keine Allergien auslöst, dass Fluorid kein ätiologischer Faktor für Tumorerkrankungen oder Allgemeinerkrankungen ist, nicht die Sterblichkeitsrate erhöht und somit in den empfohlenen Dosierungen unbedenklich angewandt werden kann. Allerdings zeigt sich auch, dass die Applikation von fluoridhaltigen Kariostatika bei hohem Zuckerkonsum die Karies nicht vollständig verhindern kann. Zur Kariesprävention zählt somit auch eine bewusste Ernährung mit reduzierten Zuckermengen.


Empfehlung für Kinderzahnpasten. Die Deutsche Gesellschaft für Präventivzahnmedizin (DGPZM) hat gemeinsam mit der Deutschen Gesellschaft für Zahnerhaltung (DGZ), der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ), dem Bundesverband der Zahnärztinnen und Zahnärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BZÖG) und der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) neue Empfehlungen für Kinderzahnpasten beschlossen und diese in einer Pressekonferenz am 27.09.2018 der Öffentlichkeit vorgestellt.

Fluoride bei Kindern. Prof. Dr. Katrin Bekes aus Wien präsentierte in ihrem Referat „Wirksame und sichere Anwendung fluoridhaltiger Produkte – Spezielle Maßnahmen bei Kindern“ die neuen Fluoridierungsempfehlungen für diese Altersgruppe. Für Kinder gibt es seit dem letzten Jahr neue Empfehlungen für den Gebrauch fluoridhaltiger Zahnpasten, die unter der Federführung der Deutschen Gesellschaft für Kinderzahnheilkunde (DGKiZ) und der Deutschen Gesellschaft für Präventive Zahnmedizin (DGZPM) sowie weiteren Experten aus Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden verabschiedet wurden. Diese sehen vor, dass bereits ab dem Durchbruch des ersten Milchzahnes zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge einer Zahnpasta mit 500 ppm oder mit einer reiskorngroßen Menge einer Zahnpasta mit 1.000 ppm geputzt wird. Vom zweiten bis zum sechsten Lebensjahr sollte dann zweimal täglich eine Zahnpasta mit 1.000 ppm in einer erbsengroßen Menge verwendet werden.
Anlass für die Neustrukturierung ist die Tatsache, dass der Kariesrückgang im Milchgebiss im Vergleich zu den bleibenden Zähnen deutlich geringer ausfällt. Darüber hinaus werden international schon längst Zahnpasten mit höherer Fluoridkonzentration für Kinder bis zum sechsten Geburtstag empfohlen.
Eine weitere Neuerung gibt es im Bereich der Applikation von Fluoridlacken im Kleinkindalter. Das Auftragen dieser Lacke ist für Kinder zwischen dem 6. und 34. Lebensmonat seit diesem Jahr eine Kassenleistung geworden. Der Anspruch besteht zweimal je Kalenderhalbjahr, unabhängig davon, ob bei den Kindern eine (initial-) kariöse Läsion vorliegt. Kinder zwischen dem 34. Lebensmonat und dem vollendeten 6. Lebensjahr haben weiterhin unverändert Anspruch auf Fluoridierung bei hohem Kariesrisiko.

Prophylaxe-Broschüre. Abschließend gab es für die Teilnehmer/innen noch einen besonderen Service: Das ZFZ hatte die Teilnehmer/innen im Vorfeld des Symposiums gebeten, die häufigsten Fragen ihrer Patienten (FAQ) und auch des Praxisteams zum Thema Fluoride mitzuteilen.
Dutzende Fragen gingen ein, wurden gesichtet, in fünf Bereiche (Grundlagen, Wirkungsweise, Nutzen, Risiken und Anwendung) strukturiert, beantwortet und in der Broschüre „D-A-CH Prophylaxe Update 2019“ für den Praxisalltag zusammengefasst.
Prof. Dr. Johannes Einwag stellte diese Broschüre zum Abschluss des Symposiums in einer Fragestunde „Wie sag ich’s dem Patient – was sag ich dem Patient“ vor. Sämtliche Fragenkomplexe wurden nochmals detailliert erläutert, sodass die Teilnehmer/innen am Ende ein gut gefülltes Informationspaket mit nach Hause nehmen konnten bzw. gut gewappnet sind für die effektive Kariesprophylaxe in ihrer Praxis.

» richter@lzk-bw.de

 

Unterstützung durch das PRAXIS-Handbuch der LZK BW

 

Neuer „Muster-Reinigungs- und Desinfektionsplan“

Ausgabe 12, 2019


Die Reinigung und ggf. Desinfektion der Praxisräume und der Flächen und Einrichtungsgegenstände ist ein komplexes Thema und stellt die Zahnarztpraxis vor eine große Herausforderung in Bezug auf die Organisation. Zu den häufigsten hier auftretenden Fragen gehören unter anderem „Wann und mit welchem Produkt wird der Fußboden gereinigt?“, „Was ist bei der Toilettenreinigung zu beachten?“, „Wo beginnt und endet die Reinigung und ggf. Desinfektion der Einrichtungsgegenstände?“, „Wie werden Reinigungsarbeiten durchgeführt?“, „Gibt es einen Reinigungs- und Desinfektionsplan im PRAXISHandbuch?“. Um einen ersten Überblick über die verschiedenen Reinigungs- und Desinfektionsaufgaben in einer Zahnarztpraxis zu erhalten, wird im folgenden Beitrag der im PRAXIS-Handbuch neu angebotene „MusterReinigungs- und Desinfektionsplan“ vorgestellt.

Ziel. Der „Muster-Reinigungs- und Desinfektionsplan“ dient als praxisinternes Muster-Qualitätssicherungsdokument für die Organisation der Reinigung und Desinfektion der verschiedenen Praxisräume und die dort vorhandenen Flächen und Einrichtungsgegenstände. In der Zahnarztpraxis muss der „Muster-Reinigungs- und Desinfektionsplan“ an die vorhandenen Praxisräume und die dort verwendeten Produkte angepasst werden (Praxisindividualisierung).

Inhalt. Die tabellarische Struktur des neuen „MusterReinigungs- und Desinfektionsplans“ ist mit dem vorhandenen Muster-Hygieneplan im PRAXIS-Handbuch vergleichbar. Im neuen Musterplan wird die Reinigung und Desinfektion anhand der beiden Raumbeispiele „Behandlungsraum“ und „Personal- und Patiententoilette“ dargestellt. In der Spalte „WAS“ finden sich die zu reinigenden und desinfizierenden Bereiche, wie z. B. Flächen und Einrichtungsgegenstände, Waschbecken inkl. Armaturen, Fußböden und Fenster. Die Festlegung, ob eine Reinigung (R), eine Desinfektion (D) oder eine Reinigung und Desinfektion (R und D) durchgeführt werden muss, erfolgt in der nächsten Spalte. Die Häufigkeit der Reinigungs- und ggf. Desinfektionstätigkeiten wird in der Spalte „WANN“ beschrieben. Darin stehen Auswahlmöglichkeiten wie z. B. „nach jeder Behandlung“, „sofort, bei sichtbarer Verschmutzung“ oder „regelmäßig, arbeitstäglich“ bereit.
Das in der Zahnarztpraxis für die unterschiedlichen Reinigungs- und ggf. Desinfektionstätigkeiten zum Einsatz kommende Produkt wird in die Spalte „WOMIT“ eingetragen. Bei zum Einsatz kommenden Desinfektionsmitteln bitte nicht die Ansetz-Konzentration mit entsprechender Einwirkzeit nach Herstellerangaben vergessen (Spalte „Dosierung/Einwirkzeit“). Anschließend wird die Durchführung der Reinigungs- und ggf. Desinfektionstätigkeiten in der Spalte „WIE“ beschrieben. Hier erfolgt eine detaillierte Beschreibung der Vorgehensweise. Über die letzte Spalte „WER“ besteht die Möglichkeit festzulegen, wer aus dem Praxisteam die Reinigungs- und ggf. Desinfektionstätigkeiten durchführt.

PRAXIS-Handbuch. Den „Muster-Reinigungs- und Desinfektionsplan“ finden Sie als Word-Datei auf der Homepage der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg in der Online-Version des PRAXIS-Handbuchs: Dort auf das „PRAXIS-Handbuch“ klicken >>> nochmal auf „PRAXIS-Handbuch“ klicken. Auf der Startseite des PRAXIS-Handbuchs klicken Sie dann auf die Schaltfläche „3.1 Qualitätssicherung: Anhang“ >>> dann auf die Rubrik „3.1.5 Formulare“ >>> in der Rubrik „3.1.5.8 Hygiene“ finden Sie den vorgestellten „3.1.5.8.27 Muster-Reinigungs- und Desinfektionsplan“.

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