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Prophylaxe

LAGZ-Vorstandssitzung und Mitgliederversammlung 2019

 

Große Herausforderungen

Ausgabe 1/2, 2020

Ende November kamen in Kornwestheim der Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit e. V. (LAGZ) zur Vorstandssitzung und im Anschluss die Mitglieder zur Mitgliederversammlung zusammen. Im Fokus: die Umsetzung des „Konzepts für die Betreuung von unter dreijährigen Kindern in der zahnmedizinischen Gruppenprophylaxe in Baden-Württemberg“ sowie die „Early childhood caries“.

Die Herausforderungen, denen sich die Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit Baden-Württemberg (LAGZ) in den kommenden Jahren stellen muss, fasste bei der diesjährigen Mitgliederversammlung, die unter dem Vorsitz von Daniel Flachs, im Hause des BKKLandesverband/ Süd tagte, Dr. Anna Leher, Medizinaldirektorin im Landesgesundheitsamt Baden- Württemberg zusammen. „Die Zahngesundheit ist eine Erfolgsgeschichte bei den Zwölfjährigen. Bei den Sechs- bis Siebenjährigen sieht es aber nicht so gut aus. Bis 2016 lagen wir in Baden-Württemberg immer unter dem Durchschnitt. Inzwischen liegen die dmft-Werte in dieser Altersgruppe bei uns bei 1,85, während der Bundesschnitt bei 1,73 liegt.“ Das bedeutet: Bei den Milchzähnen ist die Situation deutlich schlechter als bei den bleibenden Zähnen. „Bei Dreijährigen liegt der dmft-Wert bei 0,48“, sagerte Dr. Leher. „Wenn man sich anschaut, dass man drei Jahre später fast zwei kaputte Zähne hat, dann muss man sich überlegen, was da passiert und wie man die Kinder im richtigen Moment erwischen kann.“


Vorstandssitzung. Die LAGZ-Vorstands- und Mitgliederversammlung war dieses Mal zu Gast beim BKK-Landesverband/Süd in Kornwestheim (v. l.): Dr. Tim Gerhäusser, Landkreistag BW; Ulrich Schmolz, Ministerium für Soziales und Integration BW; Dr. Anna Leher, Landesgesundheitsamt BW; Matthias Czempiel, IKK classic; Jörg Kriese, AOK BW; Gerhard Gundelfinger, vdek-LV BW; Carmen Basso, KZV BW; Daniel Flachs, BKK-LV Süd; Dr. Bernd Krämer, LZK BW, und Dr. Torsten Tomppert, Vorstandsvorsitzender LAGZ und LZK BW; und LAGZ-Geschäftsführer Johannes Clausen.

Trend. Einen weiteren Trend sieht das Landesgesundheitsamt bei Kreidezähnen. Hier liege die Prävalenz bei rund 30 Prozent, wirklich schwere Formen bei fünf Prozent. „Auch hier haben die Eltern Beratungsbedarf, deshalb ist das für die Gruppenprophylaxe interessant“, sagte Dr. Leher, die wegen MIH einen höheren Beratungsbedarf sieht. Indes werde die demografische Entwicklung in Zukunft auch der Gruppenprophylaxearbeit weiter zu schaffen machen. Wegen steigender Geburtenraten gab es in Deutschland seit 2011 mehr als 20.000 neugeborene Kinder mehr pro Jahr als in den Jahren davor. Zusdem sei der Anteil an Kindern mit Migrationshintergrund von 2008 bis 2018 von 32,3 auf 38,5 Prozent gestiegen. „Das sind ebenfalls Herausforderungen, denen Sie in der Gruppenprophylaxe begegnen. Wir hatten in der Betreuungsquote der unter Dreijährigen innerhalb von zehn Jahren einen Anstieg um etwa zehn Prozentpunkte“, sagte Dr. Leher. Hier führe der Erziehermangel zu Problemen. „Das ist ja nichts Neues, aber deutschlandweit fehlen uns bald 300.000 Erzieher“, gab Dr. Leher zu bedenken. Zudem stiegen die Hygieneansprüche in Kindertageseinrichtungen und auch der Datenschutz erschwerte das Leben der Prophylaxefachkräfte.
Das Hauptaugenmerk sieht Dr. Leher aber auf der Milchzahnkaries. „Hier gibt es seit Jahren nicht die Verbesserungen, die wir uns alle wünschen. Wir müssen die Gruppen, die es betrifft, identifizieren, spezifisch auf sie zugeschnittene Programme entwickeln statt nach dem Gießkannenprinzip, und all das dann evaluieren. Das ist der einzige Weg, den ich sehe.“ Der Vorstandsvorsitzende der LAGZ, Dr. Torsten Tomppert, berichtete vor der Mitgliederversammlung, dass die Zahnärzteschaft Baden- Württemberg die Problematik erkannt und die frühkindliche Karies seit 2014 im Blick hat. „Wir haben uns damals auf den Weg gemacht, die Betreuung der Null- bis Dreijährigen zu verbessern vor dem Hintergrund, dass frühkindliche Karies relativ stark ausgeprägt ist.“ Auf Vorgabe des Fachbeirats habe man sich mit dem Projekt auseinandergesetzt und mehrfach getagt. Mit der jüngsten Jahrestagung beim LAGZ-Forum im Kloster Schöntal habe die Umsetzung des U3-Konzepts schließlich begonnen. „Wir sind so weit, dass wir das Thema umsetzen können“, berichtete Dr. Tomppert und bedankte sich bei allen Beteiligten für den engagierten Einsatz.


Vortrag. Dr. Anna Leher vom Landesgesundheitsamt ging in ihrem Gastvortrag auf die Herausforderungen in der Prophylaxe für die kommenden Jahre ein. Auch sie sieht Handlungsbedarf im Bereich der frühkindlichen Karies.

Vorbild. Bei dem Thema „Putzen in Kitas“ falle auf, dass einige Länder das Thema inzwischen ins Kinderschutzgesetz aufgenommen haben. „Mecklenburg-Vorpommern ist in dieser Hinsicht wegweisend“, sagte Dr. Tomppert. „Ich habe darüber auch mit Minister Manne Lucha gesprochen. Es wäre wünschenswert, wenn das in Baden-Württemberg gelingen könnte.“ Die Landesregierung habe jedenfalls positiv zur Kenntnis genommen, wie gut die DMFT-Werte im Land bei den Zwölfjährigen sind. Ministerpräsident Winfried Kretschmann sei stolz auf diese Werte, von denen er im Gespräch mit Dr. Tomppert erfahren habe. Das U3-Konzept war bereits am Vormittag in der LAGZ-Vorstandssitzung Thema. Der Vorstand empfahl dort den regionalen Arbeitsgemeinschaften, das U3-Konzept 2020 zur Umsetzung zu bringen und „gegebenenfalls die hierfür notwendigen finanziellen und personellen Ressourcen vor Ort zu bestimmen und im guten Austausch festzulegen“. Der Prophylaxereferent der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg, Dr. Bernd Krämer, berichtete, dass bereits einige regionale Arbeitsgemeinschaften das Konzept umsetzten.
Positives gab es auch über den Tag der Zahngesundheit 2019 in Aalen zu berichten. Nach dem erneuten Erfolg der Veranstaltung blickte der Vorstand bereits voraus auf die kommenden Jahre. 2020 ist die regionale Arbeitsgemeinschaft im Zollernalbkreis Kooperationspartner der LAGZ und des IZZ. Veranstaltungsort ist der Bürgerturmplatz in Albstadt-Ebingen. 2021 wird die regionale Arbeitsgemeinschaft Zahngesundheit im Landkreis Tübingen Gastgeber der landeszentralen Auftaktveranstaltung sein. Für 2022 hat sich die regionale Arbeitsgemeinschaft im Landkreis Heidenheim um die Ausrichtung der landeszentralen Auftaktveranstaltung zum Tag der Zahngesundheit beworben.


Mitglieder. Vertreter der LZK BW, KZV BW, Krankenkassen, des Städtetags BW, der regionalen Arbeitsgemeinschaften Zahngesundheit und außerordentliche Mitglieder, kamen zur Mitgliederversammlung der LAGZ.

Jahresabschluss. Der Geschäftsführer der LAGZ, Johannes Clausen, stellte den Mitgliedern den Jahresabschluss sowie die Aufwands- und Ertragsrechnung für das Jahr 2018 vor. Die Mitgliederversammlung verabschiedete den Jahresabschluß einstimmig und entlastete Vorstand und Geschäftsführung für das Jahr 2018. Schwerpunkte des Haushaltes 2020 liegen auf der Förderung der Zahngesundheit von Kindern unter drei Jahren in Tageseinrichtungen oder Tagespflege.
Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Vertreterversammlung dankten Daniel Flachs für die vortreffliche Organisation der Mitgliederversammlung. Am 25. November 2020 wird die vdek die nächste Mitgliederversammlung am ausrichten und den Vorsitz übernehmen.

» christian.ignatzi@izz-online.de