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Grußwort Dr. Udo Lenke

Anlässlich der Koordinierungskonferenz der Öffentlichkeitsbeauftragten der Länder in Baden-Baden am 8. und 9. Mai 2015 begrüßte der Präsident der Landeszahnärztekammer BW in seiner Eigenschaft als alternierender Vorsitzender des Informationszentrums Zahngesundheit – eine Einrichtung der Zahnärzteschaft Baden-Württemberg – die über 80 Gäste, die aus allen Bundesländern angereist waren.
Grußwort des Gastgebers
Dr. Udo Lenke, Präsident der LZK BW und Vorsitzender des IZZ-Verwaltungsrates

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kur-Gäste in Baden-Baden,

ich freue mich, Sie heute im Badischen Hof begrüßen zu können, einem ehemaligen Kapuzinerkloster, das 1807 zum ersten Luxushotel Europas umgebaut wurde. Und weil hier vor allem Spezialisten für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit anwesend sind, will ich nicht unerwähnt lassen, dass es der Stuttgarter Verleger Johann Friedrich Cotta war, der die Pläne für ein Luxushotel schon lange mit sich herumtrug. Cotta hatte nicht nur Schiller und Goethe verlegt, und damit, nebenbei bemerkt, Millionen verdiente, sondern auch den ersten deutschen Presse-Großkonzern gegründet. Er erwarb das eher bescheidene Kapuzinerkloster vor der Stadt, denn in den verwinkelten, von einer Mauer umgebenen Gassen ließ sich seine Vision vom Grandhotel nicht umsetzen. Friedrich Weinbrenner, der badische  Schinkel und wichtiger Vertreter des Klassizismus, verwandelte das Kloster mit gigantischem Aufwand in eine Nobelherberge. 100 Zimmer, die die höchsten Anforderungen an die Hygiene erfüllten, dazu Salons, Konversationsräume, Lese- und Rauchzimmer, Galerien, Billard- und Frühstückssalons sowie ein hoteleigenes Casino machten den Aufenthalt hier mehr als angenehm. Dazu kam die exklusive Thermalwassernutzung, die auch nach dem Brand von 1949  bestehen blieb. Noch immer kann man in den Zimmern des Klosterbaus Thermalwasser direkt in die Badewannen fließen lassen.

Dieser neue Luxus passte in die aufstrebende Kurstadt, die sich vom römischen Soldatenbad zur internationalen Urlaubs- und Bäderstadt gemausert hatte. Mit Badekuren, Glücksspiel, Pferderennen, kulturellen Ereignissen, dem milden Klima und damals  exklusiven Sportarten wie Tennis, Golf und Reiten gelang es, den deutschen und europäischen Adel anzuziehen, ebenso  Dichter, Maler und Musiker. Ab 1817 prägten russische Aristokraten und Kosmopoliten die Baden-Badener Sommergesellschaft. Die Tatsache, dass in vielen anderen Städten das Glücksspiel verboten war, trug mit zur Anziehungskraft bei. Dostojewski, der sich in der Spielbank völlig ruinierte, sowie Gogol, Tolstoi und Turgenjew verankerten das kleine Städtchen an der Oos fest in der russischen Seele. Und zumindest bis zur jüngsten Ukraine-Krise war man daher nicht weiter verwundert, wenn russische Gäste in einer der Konditoreien ihre Schwarzwälder Kirschtorte mit 500-Euro-Scheinen bezahlten. Man hat immer genug Wechselgeld parat.

Am Ende des 19. Jahrhunderts präsentierte sich die zum Weltbad gewordene Kurstadt elegant, kulturell anspruchsvoll und voll sprühender Vitalität. Kaiser, Sultane und Maharadschas gehörten zur Klientel. Doch auch reiche Amerikaner fanden den Weg hierher an den Rand des Schwarzwaldes: Mark Twain, Lotse auf dem Mississippi, Goldgräber in Alaska, Reporter in San Francisco und schließlich hochdekorierter Autor hat sich wohl etwas despektierlich geäußert: „Es ist eine geistlose Stadt", notierte er über Baden-Baden, „aber die Bäder sind gut". Nach einer Bürstenmassage schrieb er an einen Freund. „Hier vergessen Sie nach 10 Minuten die Zeit und nach 20 Minuten die Welt". Soweit wollen wir es heute nicht kommen lassen, daher möchte ich noch einen weiteren prominenten Amerikaner zitieren:„ Baden-Baden is so nice - you have to name it twice", soll Bill Clinton bei einem Besuch in Baden-Baden gereimt haben.

Wir in Baden-Württemberg haben uns an die Dopplung Baden-Baden gewöhnt, und sind daher erstaunt, wenn man fragt, ob einmal Baden nicht auch reichen würde. Aber seit die Römer viele Städte mit heißen Quellen einfach Aquae nannten, gibt es eine ganze Reihe von Orten mit dem Namen Baden. Zu den bekanntesten zählen Kurorte wie Baden bei Wien oder Baden im Aargau in der Schweiz. Und weil die Hautevolee in der einstigen Sommerhauptstadt Europas - der capitale d'été - auch in der Postkutschenzeit ihre Briefe zuverlässig bekommen wollte, wurde aus Baden in Baden bald die Marke Baden-Baden.

Sie hat bis heute ihre Anziehungskraft nicht verloren, das zeigt auch die „Schwarzwald-Scala", das Festspielhaus mit 2.500 Plätzen, die häufig ausverkauft sein sollen. Auch der SWR, die zweitgrößte Landesrundfunkanstalt Deutschlands, mit derzeit ca. 3.800 Festangestellten hat seine TV-Studios und seinen Hauptsitz in Baden-Baden. Dennoch bemerkte der Entertainer  Harald Schmidt: „An der Autobahnabfahrt Baden-Baden endet der Jugendwahn."

Er hat recht, denn die betuchte Kurstadt ist mit einem Durchschnittsalter von fast 48 Jahren der älteste Stadtkreis in Deutschland. Er übertrifft  den deutschen Durchschnitt von 45 um drei Jahre. Daher ist es pikant, wenn wir uns ausgerechnet hier mit der Generation WHY, den Millennials, zu befassen haben. Doch dazu später mehr.

Ich möchte Sie noch ganz kurz mit der jüngeren Geschichte des Musterländles bekannt machen, mit dem Südweststaat, der erst 1952 entstanden ist, drei Jahre nach Gründung der Bundesrepublik. Und das auch erst nach einigen Hin- und Her und einer turbulenten Volksabstimmung, in der die Badener für eine Beibehaltung ihres Landes votierten, aber überstimmt wurden. Ich möchte jetzt nicht unbedingt das Bonmot bemühen: Es gibt Badische und Umsymbadische. Aber eine Rivalität zwischen den Stämmen ist nicht ganz von der Hand zu weisen.
Dem trägt die Öffentlichkeitsarbeit Rechnung, die genau ausbalancieren muss, dass nicht zu viel im Schwäbischen passiert, dass die Kurpfalz nicht außen vor bleibt, dass Nord- und Südbaden zu ihrem Recht kommen, dass Hohenlohe-Franken mit im Boot ist. Aber genau das macht unsere Arbeit in der und für die Öffentlichkeit ja auch so facetten- und erfolgreich. Die Zeitungsstruktur im Südwesten zeichnet sich in besonderer Weise durch Vielfalt aus; der anfangs  genannte Verleger Cotta war wohl stilbildend. In Baden-Württemberg wird die Presselandschaft geprägt durch mittelgroße Heimatzeitungen und nicht wie in anderen Bundesländern durch Zeitungen mit hohen Auflagen. 16 Tageszeitungen mit Vollredaktionen sind im Print-, im Online- und meist auch im privaten Hörfunkbereich unsere Ansprechpartner.

Die Telefonaktionen zur Zahngesundheit, als Leserservice für die Tageszeitungen gedacht, finden daher in Mannheim ebenso statt wie am Bodensee. Das Forum Zahngesundheit gastiert in Ulm ebenso wie in Crailsheim. oder Ravensburg. Die überaus erfolgreichen IZZ-Presseforen finden jährlich wechselnd an den Universitäten und Fortbildungsstätten im Ländle statt, also in Freiburg, Ulm, Heidelberg, Karlsruhe, Stuttgart, Tübingen -  und sogar an der Universität Straßburg, die wir stillschweigend dem Südwesten zurechnen.  Die öffentlichkeitswirksamen Auftaktveranstaltungen zum Tag der Zahngesundheit verteilen sich gleichmäßig über die 37 regionalen Arbeitsgemeinschaften Zahngesundheit in den vier Regierungsbezirken Freiburg, Karlsruhe, Stuttgart und Tübingen.

In einem föderalen Staat, wo man gegen den Trend zur Globalisierung die regionalen Eigenheiten respektiert, weiß man genau, und erfährt es täglich aufs Neue, dass Gesundheit und vor allem Zahngesundheit nur regional zu organisieren ist. Auch in diesem Sinne ist Baden-Württemberg mit seinen regionalen Untergliederungen ein Musterländle.

Lassen Sie mich zum Schluss auf unser Thema, die Generation WHY zurückkommen, der Managerstudien, Sachbücher und Zeitungen eine besondere Lebenshaltung attestieren. Angeblich strebe die Generation Y nicht mehr danach, Chef zu werden, sie wolle Glück statt Geld, Freizeit statt Karriere, Privatleben statt Macht. Wenn das alles stimmt, sind diese Millennials genau die richtige Klientel für Baden-Baden! Doch das werden wir im Laufe der nächsten zwei Tage näher ergründen. Nun wünsche ich einen guten Verlauf und einen angenehmen Aufenthalt!