Zahnaerzteblatt.de

 

Berufspolitik

Eine Positionierung von Dr. Torsten Tomppert

 

Stoppt Fremdinvestoren im deutschen Gesundheitswesen

Ausgabe 3, 2020

Mit der Zulassung facharztgleicher Medizinischer Versorgungszentren durch das GKV-Versorgungsstärkungsgesetz im Jahr 2015 schossen auch Zahnmedizinische Versorgungszentren wie Pilze aus dem Boden. Im dritten Quartal 2019 gab es bundesweit rund 950 dieser, oft als GmbH geführten Zahnärztegesellschaften. Davon befinden sich knapp 20 Prozent in der Hand finanzstarker Fremdinvestoren. Diese agieren als Beteiligungsgesellschaften in Form von milliardenschweren Private-Equity-Gesellschaften (PEG) mit Sitz im Ausland, die mangels Alternativen vor allem im deutschen Gesundheitsmarkt Fonds auflegen und ein gelungenes Investment wittern. Private-Equity- Experte Dr. Scheuplein vom Institut für Arbeit und Technik an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen hat in seiner im letzten Jahr veröffentlichten Studie diese Investorenstrukturen und Transaktionsprozesse detailliert untersucht und einen massiven Anstieg der Übernahmen durch PE-Fonds konstatiert. So entstünden mittels der Buy-and-Build-Managementstrategie teils internationale Konzernstrukturen. Das hat meines Erachtens ganz gravierende Folgen für das deutsche Gesundheitssystem. Zudem besteht die Gefahr, den Patienten medizinisch nicht indizierte Leistungen von unter Verkaufsdruck stehenden, meist jungen Zahnärzt*innen anzubieten, nur um den nötigen Umsatz- und Gewinnrenditen zu genügen. Damit wird eine Berufsausübung auf dem Fundament freiberuflicher Werte zunehmend gefährdet. Außerdem gehen dem deutschen Staat Millionen an Steuereinnahmen und Beiträgen deutscher Krankenversicherter verloren, da laut Gelsenkirchener Studie die Gewinne der PE-Fonds an die Großinvestoren mit Sitz in diversen Steueroasen wie den Cayman Islands abfließen. Meiner Auffassung nach muss der deutsche Staat hier umgehend handeln. Ein radikaler Schnitt wäre das generelle Verbot von MVZ- und Praxentransaktionen von ausländischen PE-Fondsgesellschaften nach Investmentkriterien. Ein guter Anfang sind sicherlich die bereits mit dem Terminservice- und Versorgungsgesetz seit Mai 2019 auf den Weg gebrachten einschränkenden Maßnahmen, deren Wirkweise aber noch belegt werden muss. Alternativ wäre aus Kammersicht auch eine Änderung des Zahnheilkundegesetzes wünschenswert, in dem zum Schutz unserer Patient*innen die berufsrechtliche Kontrolle juristischer Personen des privaten Rechts sowie eine zahnärztliche Mehrheitsbeteiligung für fremdinvestorengeführte Zahnärztegesellschaften implementiert werden müsste. Wenn der Staat die genannten negativen Entwicklungen nicht stoppt, droht ein unumkehrbarer, Existenzen bedrohender Strukturwandel hin zu einem rein kommerziell gesteuerten deutschen Gesundheitssystem, in dem zukünftig wenigen Gewinnern viele Verlierer gegenüberstehen werden.

 

5. Landeskongress Gesundheit Baden-Württemberg

 

Impulsgebend und diskussionsfördernd

Ausgabe 3, 2020


Der fünfte Landeskongress Gesundheit Baden-Württemberg, unter dem Motto „Zukunftssicherung Gesundheit“, fand Anfang Februar statt, parallel zur Fachmesse MEDIZIN und zum 55. Ärztekongress der Bezirksärztekammer Nordwürttemberg. Schirmherr der Veranstaltung war Winfried Kretschmann, Ministerpräsident des Landes Baden-Württemberg. Auch in diesem Jahr zog es wieder zahlreiche prominente Gäste und Referenten der Landes- und Bundesebene ins ICS der Landesmesse Stuttgart, um sich auf hohem Niveau mit den aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen der Branche auseinanderzusetzen.

Die Veranstaltung ist bereits seit 2016 fester Anlaufpunkt für Entscheider*innen im baden-württembergischen Gesundheitswesen. Die Eröffnungsrede hielt Dr. Norbert Metke, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg (KVBW) und Mitinitiator der Veranstaltung. In seiner Einführungsrede wartete er dabei mit einer überraschenden Neuigkeit auf, denn, wie Dr. Metke ausführte, sind sich die Experten einig, dass das größte Risiko für die Weiterentwicklung der Weltwirtschaft der Bauchspeck sei. Etwas schmunzelnd führte Dr. Metke diese These weiter aus und berichtete in diesem Zusammenhang von den Resultaten des kürzlich in Davos stattgefundenen Weltwirtschaftsforums, wo sich die Gesundheitsökonomen einig waren, dass die immer weiter steigenden Kosten im Gesundheitswesen und die immer größeren Anstrengungen, die Bevölkerung gesund zu halten, die größten Herausforderungen seien. „Wie erhalten wir dieses System also am Laufen“, so seine Frage ins Auditorium. Wir können stolz sein, so sein Fazit, denn „unser Gesundheitssystem in Form der GKV ist ein Stabilitätsfaktor allererster Kategorie“: bei „ernsthaften Erkrankungen wird jeder hochqualitativ, unabhängig seiner finanziellen und intellektuellen Kapazitäten versorgt“. Ein Alleinstellungsmerkmal wie Dr. Metke diese Situation beurteilte, das Deutschland weltweit, mit Ausnahme der nordeuropäischen Staaten, auszeichne.

Passende Versorgung. Das Grußwort der Landesregierung hielt Manfred Lucha, Minister für Soziales und Integration, der die Fachtagung als impulsgebend beurteilt und den klaren Auftrag der deutschen Gesundheitspolitik darin sieht, dass „jeder am richtigen Ort, die richtige Versorgung haben muss“. Diesen Anspruch im Spannungsfeld der sozialökologischen Marktwirtschaft auszuhandeln, betrachtet der Sozialminister als das “große Pfund, das wir haben“, aber auch als „große Herausforderung und Verpflichtung“. Hierfür müsste allerdings, so auch sein Appell, mehr nach Verantwortung gefragt werden, und nicht immer nur nach Zuständigkeit. Dann könnte gelingen, dass Konzepte aus einem Guss entstehen und „inhaltsgleiche Doppelstrukturen“ vermieden werden. Bezugnehmend auf die Spahnschen Gesetze der jüngsten Vergangenheit, lässt ihn der „Zentralismus dieser Gesetze frösteln“.
Seinem eigenen Anspruch zu Beginn seiner Ausführungen, der Zuhörerschaft einen Impuls geben zu wollen, der noch bis in die Diskussion hinein anhalten solle, entsprach Prof. Dr. med. Ferdinand M. Gerlach, Vorsitzender des Sachverständigenrats zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen, in Gänze. Seinen Vortrag stellte er unter den Titel „Bedarfsgerechte Steuerung versus organisierte Verantwortungslosigkeit“ und widersprach gleich zu Beginn den Ausführungen Luchas, der Deutschlands Gesundheitssystem als führend bezeichnete. Zwar biete es umfassende Leistungen auf hohem Niveau, sei jedoch teurer und zudem entsprächen die Gesundheitsergebnisse nur dem europäischen Durchschnitt, zitierte er eine Analyse der EU-Kommission, die auch von anderen Rankings, so beispielsweise dem der Organisation for Economic Co-operation and Development (OECD) unterstrichen würde, dass Deutschland zwar eine enorm gute Zugänglichkeit zum Gesundheitswesen bescheinigte, die Qualität hingegen als durchschnittlich bezeichnete. Eine Lösung hierfür sieht Gerlach in der Zentrenbildung, in der Patient*innen, gegebenenfalls etwas weiter entfernt, aber doch gezielt und professionell behandelt werden können. Auch die digitale Dokumentation und Kommunikation betrachtete der Sachverständigenrat als „eine nationale Aufgabe mit hoher Priorität“. Mit 4,1 Ärzten pro 1.000 Einwohner weise Deutschland im Vergleich zu vergleichbaren Industriestaaten eine hohe Arztdichte auf. Sorgten sich nach der Wiedervereinigung 1990 237.000 Ärzte um das Wohl der Bevölkerung, waren es 2018 385.000. „Deutschland ist auf dem Weg zum Spitzenreiter bei der Arzt- Einwohner-Relation“.


Fest gefügt. Unser Gesundheitssystem in Form der GKV ist ein Stabilitätsfaktor allererster Kategorie – Manfred Lucha.


Kostspielig. Das Gesundheitssystem in Deutschland ist im europäischen Durchschnitt zu teuer - Prof. Dr. med. Ferdinand Gerlach.


Vorbehalte. Die hohe Regulierungdichte bindet zu viele Ressourcen und erzeugt eine Misstrauenskultur - Prof. Dr. rer. pol. Boris Augurzky.


Mehr Studierende. Deutschland braucht mehr Studienplätze an den medizinischen Fakultäten - Prof. Dr. Karl Lauterbach.

Bürokratieabbau. SPD-Gesundheitsexperte Prof. Dr. Karl Lauterbach, MdB widersprach dem Ansatz Gerlachs, Deutschland brauche weniger Ärzte und plädierte für mehr Studienplätze an den medizinischen Fakultäten. Seiner Ansicht nach fordere die wachsende Komplexität der Medizin diese Nachfrage. In der Frage nach der Vielzahl an Kliniken in der Republik waren sich die beiden Gesundheitsexperten jedoch einig: Das Angebot sei nicht bedarfsgerecht.
„Zu viel Bürokratie und zu wenig Steuerung könnten auf Dauer unser System lahmlegen“, befürchtete Prof. Dr. rer. pol. Boris Augurzky, Leiter Kompetenzbereich „Gesundheit“ am RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung. Die hohe Regulierungsdichte binde zu viele Ressourcen und erzeuge eine Misstrauenskultur und die Handlungsspielräume der einzelnen Akteure nehme dagegen immer weiter ab. Die Krankenhauslandschaft im Land zeige dies eindrücklich. In regionalen Versorgungsbudgets sieht der Experte einen möglichen Weg.
Die anschließende Podiumsdiskussion rundete den Vormittag ab. Nach der Mittagspause eröffneten die World-Café-Foren die detaillierten Fachdiskussionen. In Forum 6 und in Forum 7 trafen sich Experten und Gastgeber aus der Kassenzahnärztlichen Vereinigung und der Landeszahnärztekammer – bitte lesen Sie hierzu die Berichte auf den nachstehenden Seiten.

» cornelia.schwarz@izz-online.de

 

Landeskongress Gesundheit 2020

 

Intersektorale Medizin stärken

Ausgabe 3, 2020

Auch in diesem Jahr war die Landeszahnärztekammer Baden- Württemberg aktiv beim Landeskongress Gesundheit Baden- Württemberg vertreten, der am 7. Februar auf der Messe Stuttgart wieder gute Gelegenheiten bot, sich mit allen relevanten Stakeholdern und Partnern der baden-württembergischen Gesundheitslandschaft auszutauschen und über aktuelle gesundheitspolitische Themen und Probleme zu diskutieren. Die Kammer agiert nicht nur als Unterstützer des Landeskongresses, sondern wirkte auch in den am Nachmittag stattfindenden World-Café-Foren aktiv mit. Im Forum 7 ging es um die Bedeutung intersektoraler Zusammenarbeit als einem Gebot der Stunde.


Vorschlag. LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert schlug vor: „Lassen Sie uns von Kammerseite her einen interdisziplinären Arbeitskreis zur Koordinierung und Förderung neuer Strukturen einer intersektoralen Medizin gründen.“

Als Tischgastgeber übernahm Prof. Johannes Einwag, Direktor des Zahnmedizinischen Fortbildungszentrums Stuttgart, die Moderation zur Thematik „Zahngesundheit und Allgemeingesundheit – neue Erkenntnisse intersektoraler Medizin“, argumentativ unterstützt von Prof. Stefan Listl von der Universität Heidelberg.

Kausale Zusammenhänge. Immer mehr klinische Studien belegen kausale Zusammenhänge zwischen zahnmedizinischen und chronischen Allgemeinerkrankungen, so zum Beispiel zwischen Parodontitis und Diabetes mellitus. Wissenschaftlich evident ist, dass zwischen schlecht eingestelltem Blutzuckerspiegel und Parodontitis eine kausale Wechselwirkung besteht. So erhöht sich bei Diabetikern mit schlecht eingestelltem Blutzucker das Risiko an einer Parodontitis zu erkranken um das Dreifache gegenüber Gesunden. Eine Konsequenz dieser Erkenntnisse ist die Forderung nach einer stärker interdisziplinär ausgerichteten Behandlung, insbesondere auch deshalb, weil aufgrund der demografischen Entwicklung mit einer zunehmenden Lebenserwartung der Bevölkerung auch die Prävalenz chronischer Erkrankungen ansteigen wird. Die Diskutanten waren sich einig, dass zukünftige Behandlungen einerseits zunehmend hochspezialisierte Fachmediziner erfordern, andererseits aber bedingt durch verschiedene Krankheitsfaktoren die Grenzen medizinischer Fachdisziplinen überschritten werden. Dies erfordere einen interdisziplinären Handlungsansatz, der die Versorgung von Patienten nur verbessern kann, wenn die Ärzte für Krankheitszusammenhänge sensibilisiert werden und dann auch eine frühere Diagnose und eine gezieltere Koordination der Behandler möglich wird.

Intersektoraler Arbeitskreis. Allgemeiner Konsens bestand bei den Teilnehmern darin, dass in den unterschiedlichen ärztlichen Fachbereichen leider noch sehr oft die „Awareness“ fehlt, über den Deckelrand des eigenen Fachgebietes zu schauen, was mit unzureichender gegenseitiger Akzeptanz und fehlender Kommunikation untereinander begründet wird. Um das Bewusstsein für eine intersektorale medizinische Zusammenarbeit zu fördern und die Kommunikation in den Fachbereichen zu stärken, sollten zuerst kleinere regionale Kooperationen und Strukturen etabliert werden. Ein guter Anfang wäre zum Beispiel die Gründung interdisziplinärer Qualitätszirkel unter Mitwirkung verschiedener Fachärzte, Zahnärzte und auch Patientenvertreter, um Interessenkonflikte und Kommunikationshemmnisse zu beseitigen und gegenseitiges Vertrauen aufzubauen. Um diese Vernetzung zu koordinieren und Konzepte für neue Strukturen zu erarbeiten, schlug LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert vor, einen intersektoralen Arbeitskreis zwischen Landesärztekammer und der Landeszahnärztekammer zu gründen, der sich dieser Herausforderung stellt. Weitere Tische beschäftigten sich mit Fragen der notwendigen Etablierung regionaler Versorgungsverbünde und lokaler Gesundheitszentren und der Problematik, wie das bisher ungenügende Mitspracherecht von Patienten im Versorgungsalltag gestärkt werden kann.

» nemitz@lzk-bw.de

 

Landeskongress Gesundheit – Diskussionsforum mit Dr. Ute Maier

 

Strukturwandel gestalten, Chancen nutzen

Ausgabe 3, 2020

„Zahnärztinnen und Ärztinnen auf dem Vormarsch“ – unter diesem Titel diskutierte die Vorstandsvorsitzende der KZV Baden-Württemberg Dr. Ute Maier mit Teilnehmerinnen und Teilnehmern beim Landeskongress Gesundheit im World Café. Die gesellschaftlichen Einflüsse auf die Gesundheitsversorgung waren im Rahmen des Überthemas „Zukunftssicherung Gesundheit“ ein wichtiger Bereich des Gesundheitskongresses. Dazu gehörten die Fragen, ob der steigende Frauenanteil die Versorgungslandschaft verändert und welche Schlüsse und Auswirkungen sich daraus für die (zahn)ärztliche Versorgung, die zukünftigen Praxismodelle und Gesellschaftsbilder ergeben.


Engagierte Diskussion. Die Frage nach der Gestaltung des Strukturwandels zog einige Interessierte an.

Entwicklung. Seit den 2000er- Jahren ist der Anteil der weiblichen Studienanfängerinnen der Zahnmedizin stark angestiegen und liegt aktuell bei gut 65 Prozent. In der Humanmedizin ist ein ähnlicher Trend erkennbar – auch hier sind rund zwei Drittel der Studienanfänger Frauen. Während aktuell in der Zahnmedizin mit 59 Prozent noch mehr Männer arbeiten, werden in wenigen Jahren die Zahnärztinnen in der Mehrheit sein. Unter den Kinderund Hautärzten sind bereits heute mehr Frauen als Männer zu finden. Welche Konsequenzen bringt das für die Versorgung? Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des World Cafés waren sich einig: Es lassen sich bezüglich der Qualität der zahnmedizinischen Versorgung selbstverständlich keine Unterschiede zwischen Frauen und Männern feststellen. Man beobachtet jedoch, dass Frauen (noch) häufiger in Anstellung und Teilzeit arbeiten als ihre männlichen Kollegen. Den Diskutanten war es wichtig zu betonen, dass die Aspekte der Vereinbarkeit von Familie und Beruf einen immer größeren Stellenwert bei den jungen Kolleginnen und Kollegen beider Geschlechter spielen – nicht nur für Frauen ist eine ausgeglichene Work-Life-Balance von Bedeutung. Schon jetzt ist deutlich: Berufsausübungsgemeinschaften (BAG) werden immer beliebter, gerade weil man sich mit Kolleginnen und Kollegen fachlich austauschen und neue Arbeitszeitmodelle etablieren kann.

Stellschrauben. „Das Modell der Niederlassung mit der Möglichkeit, die Arbeitszeit freier einzuteilen, wäre eine attraktive Beschäftigungsmöglichkeit gerade auch für Zahnärztinnen und Zahnärzte mit Familie“, betonte Dr. Ute Maier. Insgesamt wurde sich für die Stärkung der Freiberuflichkeit ausgesprochen, da diese kreative Freiräume beinhalte, die gerade auch für Frauen gut nutzbar seien. Bei der Diskussion rund um Fragen der Versorgung wurde insbesondere der erwartete Rückgang der Einzelpraxis thematisiert. Hier bedarf es künftig Lösungen, um die Versorgung gerade im ländlichen Raum sicherzustellen. Holund Bring-dienste könnten eine Möglichkeit sein. Bürokratieabbau, Telemedizin, Vernetzungen und eine gute Patientensteuerung könnten wiederum dafür Sorge tragen, dass mehr Zeit am Patienten und weniger mit anderen Tätigkeiten verbracht würde. Ebenso wurde mehrfach auf die Vorträge von Prof. Gerlach und Prof. Lauterbach MdB Bezug genommen. Während Prof. Ferdinand M. Gerlach keinen zusätzlichen Bedarf sah, sprach sich Prof. Karl Lauterbach für mehr Studienplätze in der Medizin aus, um den künftigen Bedarf abzudecken. Der Forderung Lauterbachs schloss sich die Diskussionsrunde mehrheitlich an, da so auf den verstärkten Wunsch nach Teilzeitmodellen reagiert werden könne.

Sprechende Medizin. Der Beruf ändert sich – und auch viele Vorteile gehen damit einher. So könnten Frauen, gerade in den ärztlichen Interaktionen und in der sprechenden Medizin Vorteile ausspielen. Prof. Dr. phil. Robert Jütte, einer der Diskussionsteilnehmer am Tisch, berichtete von der neuen Publikation Placebo 2.0, welche die „Droge Arzt“ untersuchte. Laut den Untersuchungen ist gerade die Arzt-Patienten- Kommunikation von entscheidender Bedeutung und die Optimierung jener höchst relevant – hier würden Frauen beispielsweise mit besonderem Einfühlungsvermögen punkten.


World Café. Wie verändert der steigende Frauenanteil die Versorgungslandschaft und welche Vorteile gehen damit einher? KZV-Vorstandsvorsitzende Dr. Ute Maier diskutiertim World Café .

Rahmenbedingungen. Während in den neuen Bundesländern zum Zeitpunkt der Wiedervereinigung bereits die Mehrzahl der Ärzte Frauen waren, bewirkt diese bundesweit eher neue Entwicklung auch die Veränderung von Gesellschaftsbildern. So müsse auch ein Wandel in den Köpfen vollzogen und Rollenbilder überdacht werden. Gleichzeitig wurde die Forderung gegenüber Kommunen artikuliert, dass bessere ganztägige Betreuungsangebote für Kinder dringend nötig seien. Im Bereich der Selbstverwaltung gelte es, gezielt Nachwuchsförderung zu betreiben und den Strukturwandel aktiv zu begleiten. So versuche die KZV BW beispielsweise durch eine Vorstandsreferentin für Frauen und Angestellte hier bereits ihren Beitrag zu leisten. „Die engagierte Diskussion zeigt, dass wir auf einem richtigen und guten Weg sind, um den Strukturwandel bestmöglich zu gestalten und die entstehenden Chancen zu nutzen, auch wenn diese Fragen uns weiterhin fordern werden“, so Dr. Maier.

» benedikt.schweizer@kzvbw.de

 

Neujahrsempfang „Begegnungen 2020“ im Freiburger Zahnärztehaus

 

Eingebettet in einen „Selbstläufer“

Ausgabe 3, 2020

Es ist eine schöne Tradition, die auch 2020 zahlreiche Gäste und Vertreter der Standespolitik, der Selbstverwaltungen, der Politik, der Universität, der Zahntechnikerinnung und der Krankenkassen ins Freiburger Zahnärztehaus führte: Gemeinsam luden Dr. Peter Riedel, Vorsitzender des Vorstands der Bezirkszahnärztekammer Freiburg und seitens der KZV BW der bis zum Jahresende 2019 amtierende Vorsitzende der Bezirksgruppe Freiburg, Dr. Hans Hugo Wilms, sowie dessen Nachfolger Dr. Georg Bach zum 12. Neujahrsempfang ein. Und die Veranstaltung machte ihrem Namen wieder einmal Ehre: Bereits vor dem offiziellen Programm begegneten sich die Menschen, pflegten den Austausch und im Anschluss auch das gesellige Zusammensein.


Eröffnung. Begrüßte das Auditorium: Christoph Besters, stellvertretender Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg.

Gewohnt eloquent begrüßte Christoph Besters, stellvertretender Vorsitzender der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg, das Auditorium im vollbesetzten Foyer des Fortbildungsforums Freiburg (FFZ) und freute sich, denn „so viele Gäste hatten wir noch nie“. In seiner Begrüßungsrede streifte Besters die vorrangigen Themen der aktuellen Gesundheitspolitik auf Bundes- und Landesebene, ging aber auch auf die Wünsche des Nachwuchses bei der künftigen Berufsausübung ein. Eindeutig positionierte er sich im Bezug auf die angedrohten Sanktionen des Bundesgesundheitsministeriums, welches „bei dem Thema Gematik mehr Geschwindigkeit einbringen will, Hacker hin oder her“, und die andererseits in Aussicht gestellten Chancen, die Digitalisierung zur Bewältigung der Bürokratisierung zu nutzen. Er schloss mit der Feststellung, dass hier doch viel Augenwischerei bestehe.


Ehrung. Dr. Peter Riedel, Vorsitzender des Vorstands der Bezirkszahnärztekammer Freiburg, ehrte die Berufsjubilare mit persönlichen Worten.

Standespolitik & Selbstläufer. Natürlich waren auch die investorengetragenen MVZ ein Thema in der Begrüßungsrede und ebenso die 24 Spahnschen Gesetze in nur 20 Monaten. Doch danach machte die Gesundheitspolitik der Geselligkeit Platz und Klavierkabarettistin Anne Folger nahm die Bühne ein. Was danach folgte, war eine virtuose Unterhaltung der Extraklasse: Die aus Weimar stammende Pianistin bot mit ihrem ersten Soloprogramm „Selbstläufer“ ein niveauvolles Rahmenprogramm für diesen etablierten Abend im Jahreskalender der baden-württembergischen Zahnärzteschaft. Mit Witz und Charme präsentierte die Künstlerin die Sparversion des türkischen Marsches von Mozart, in dem sie die repetitiven Themen der linken Hand entsprechend der „rentabilitätsoptimierten Analyse“ durch knappe Akkorde ersetzte und die Wiederholung sämtlicher Halbtöne einfach strich, „denn wer will schon Halbtonschritte, wenn er Ganztonschritt haben kann“. Die Kreuze flogen raus, „denn auch auf christliche Symbolik verzichten wir – außer in Bayern“ und Wiederholungen sparte sich Folger ebenfalls. Das Ergebnis war kurz, aber voller Brillanz.
Auch ihre ICE-Fahrten und überflüssige Mitbringsel mit dem Namen „Stehrumsel“ packte die in Kirchzarten lebende Musikerin in Noten. Der Sprung von der Klassik in die Moderne gelang der Tastenakrobatin wunderbar, und als sie schließlich noch ein Schmink Tutorial im YouTube-Style darbot und ihre Lider nach Beethoven-Art schminkte, erhielt sie begeisterten Applaus. Bevor Folger mit ihrer Zugabe nochmals ihr ganzes Können darbot, gab sie dem Publikum Einblicke in ihre musikalische Ausbildung in der ehemaligen DDR und Tipps ihrer Community für eine erfolgreiche Praxisgestaltung. Eine wunderbare Darbietung zwischen Kabarett, Komik und Klassik, der nach den Ehrungen (siehe auch Seite 52 dieser ZBW-Ausgabe) noch die Kulinarik im Casino folgte, die sich in diesem Jahr dem Genuss von Fisch-Delikatessen in verschiedenen Varianten widmete.

» cornelia.schwarz@izz-online.de

 

Neujahrsempfang der BZK Stuttgart

 

Es muss Augenmaß einkehren

Ausgabe 3, 2020

Im Januar lädt die Bezirkszahnärztekammer Stuttgart traditionell zu ihrem Neujahrsempfang. BZK-Vorsitzender Dr. Eberhard Montigel freute sich über 90 Gäste, die der Einladung der Bezirkszahnärztekammer am 29. Januar ins Zahnärztehaus Stuttgart gefolgt waren. In seiner Begrüßung richtete er den Blick auf die Herausforderungen, denen der Berufsstand zu Beginn des neuen Jahrzehnts gegenübersteht. „Zuvorderst geht es um die zahnärztliche Berufsausübung und die zahnärztliche Versorgung“. „Gibt es genug Zahnärztinnen und Zahnärzte, um eine fachliche gute Zahnheilkunde in Zukunft zu sichern? Stimmen die Rahmenbedingungen?“ fragte Dr. Montigel in die Runde.

In Bezug auf die zahnärztliche Versorgung ging Dr. Montigel zuerst auf die neue Approbationsordnung für Zahnärztinnen und Zahnärzte ein. Er berichtete über die verpflichtende vierwöchige Famulatur und die neuen Betreuungsrelationen, die eine bessere Betreuung der Studierenden vorsieht. Er mahnte die Politik, hierfür die erforderlichen finanziellen Mittel zu bewilligen. Denn: „Klar ist, dass wir in Baden-Württemberg keine Verringerung des Studienplatzangebotes benötigen, wenn wir nicht irgendwann auf die Zuwanderung von Zahnärztinnen und Zahnärzten aus dem Ausland angewiesen sein wollen“. Den Landesuniversitäten hat die Kammer bereits beim Treffen des LZK-Vorstandes mit den Hochschullehrern ihre Unterstützung zugesagt.
„Ein Tropfen auf den heißen Stein“ sei die 2019 im Terminservice- und Versorgungsgesetz TSVG eingeführte Begrenzung für fremdinvestorengeführte Versorgungszentren, beklagte Dr. Montigel. Nach wie vor würden versorgungsfremde Investoren aus dem Ausland mit viel Kapitaleinsatz Marktanteile erwerben. „Wir Zahnärzte scheuen nicht den Wettbewerb“, betonte Dr. Montigel unter dem Applaus der Anwesenden, „aber wir fordern einen fairen Wettbewerb und Chancengleichheit – das zahnärztliche Berufsrecht und die zahnärztliche Gebührenordnung muss uneingeschränkt auch für die I-MVZ gelten“. Für den BZK-Vorsitzenden sind es auch der bürokratische Aufwand und die ständig wachsende Regelungsdichte, die dazu führen, dass viele Praxen auf dem Land keine Nachfolger mehr finden und oftmals dann an investorengeführte Zahnärztegesellschaften verkaufen. „Hier muss Augenmaß bei den politischen Verantwortlichen einkehren“, forderte Dr. Montigel auch mit Blick auf die Praxisbegehungen im Land.
Ein Thema, das dem gesamten Berufsstand am Herzen liegt, ist der Fachkräftemangel beim Praxispersonal. „Als Kammer stehen deshalb Ausbildungs- und Mitarbeiteroffensive ganz oben auf der Agenda“, betonte Dr. Montigel und berichtete von vielen Initiativen der Kammer im Social-Media-Bereich sowie über das Projekt der Ausbildungsbotschafter.
In diesem Jahr findet die 17. Wahl zur Vertreterversammlung der Landeszahnärztekammer Baden- Württemberg für die Kammerperiode vom 1. Januar 2021 bis 31. Dezember 2024 statt. „Ich wünsche mir, dass sich viele Kolleginnen und Kollegen aktiv als Kandidaten zur Verfügung stellen und sich infolgedessen auch viele Kammermitglieder an der Wahl beteiligen“.
Abschließend verwies Dr. Montigel noch auf das mit der Winter- Akademie des ZFZ Stuttgart eingeläutete Fortbildungsjahr, „das sind Treffpunkte für alle Zahnärztinnen und Zahnärzte für den kollegialen Gedankenaustausch“. Viele gute Gespräche wünschte sich Dr. Montigel auch für den weiteren Abend und allen Anwesenden einen guten Appetit beim einladenden Buffett.

» mader@lzk-bw.de


Gastgeber. Der Vorstand der Bezirkszahnärztekammer Stuttgart arbeitet gut zusammen: v. l. Dr. Gerhard Cube, Dr. Eberhard Montigel, Dr./Med. Univ. Budapest Edith Nadj-Papp und Dr. Hendrik Putze.


Landtagspolitik. Dr. Montigel (r.) freute sich über den Austausch mit Jochen Haußmann, gesundheitspolitischer Sprecher der FDP/ DVP-Fraktion im Landtag (l.) und Rainer Hinderer, SPD-Sprecher für Gesundheit, Sucht und Arbeitsmarktintegration im BW-Landtag.

 

LZK-Vorstand trifft Hochschullehrer/ innen in Rust

 

Gutes Gespräch und erfolgreiches Format

Ausgabe 3, 2020

Das letzte Treffen fand 2013 statt. Am 21. Januar 2020 trafen sich die Ärztlichen Direktoren der zahnmedizinischen Universitätskliniken in Baden-Württemberg sowie die Studiendekane mit dem LZK-Vorstand erneut. „Künftig werden die Treffen regelmäßig alle zwei Jahre stattfinden“, zeigte sich LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert sehr zufrieden mit dem Gespräch und dem neuen Format, wonach neben den Ärztlichen Direktoren auch die Studiendekane am Austausch teilnehmen. Gesprächsbedarf gab es in der Runde genug.

Eingangs begrüßte LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Gesprächs: Für die Universitätsklinik Tübingen nahm die stv. Ärztliche Direktorin, Prof. Dr. Diana Wolff in Vertretung von Prof. Dr. Bernd Koos sowie Studien- und Lehrbeauftragter Oberarzt Dr. Marco Herz teil. Aus Freiburg kamen Prof. Dr. Elmar Hellwig und Studiendekanin Prof. Dr. Nadine Schlüter. Aus Ulm fanden der Geschäftsführende Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Dr. Alexander Schramm und Studiendekan Prof. Dr. Dr. Bernd Lapatki den Weg nach Rust. Und aus Heidelberg reisten der Geschäftsführende Ärztliche Direktor Prof. Dr. Peter Rammelsberg und der Ärztliche Direktor, Prof. Dr. Christopher J. Lux an.


Universitätsklinik Tübingen. Prof. Dr. Diana Wolff freut sich auf die Zusammenarbeit mit den neuen Leitern der kammereigenen Fortbildungsinstitute.

In den Startlöchern. Die Hochschullehrer/ innen berichteten auf Bitten von Dr. Tomppert zunächst über den Stand der Umsetzung der Verordnung zur Neuregelung der zahnärztlichen Ausbildung. Alle vier Universitätskliniken stehen in den Startlöchern, um in die Studienplanungen einsteigen zu können, die bis Oktober dieses Jahres abgeschlossen sein müssen. Derzeit befinden sie sich in Gesprächen und Verhandlung mit dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg über den CNW-Wert, den curriculären Normwert, der den Lehraufwand für einen Studierenden definiert und nach Auffassung der Hochschullehrer noch deutlich zu niedrig liegt. Dr. Tomppert bot den Hochschullehrern die Unterstützung der Kammer für die Vermittlung eines weiteren Gesprächstermins bei Finanzministerin Edith Sitzmann an. Bezüglich der Approbationsordnung für Zahnärzt/innen hat die Landeszahnärztekammer bereits Gespräche mit der Finanzministerin geführt und eine zügige Umsetzung gefordert ebenso wie eine ausreichende Finanzierung angemahnt.


Gelungenes Format. LZK-Präsident Dr. Torsten Tomppert dankte den Hochschullehrern für den informativen Austausch.

Famulatur. Die neue Approbationsordnung für Zahnärzt/innen sieht eine vierwöchige Famulatur vor. Prof. Elmar Hellwig und BZK-Vorsitzender Dr. Peter Riedel stellten das seit fünf Jahren bestehende Modellprojekt „Kooperationspraxen für Famulatur“ der BZK Freiburg mit der Universitätsklinik Freiburg vor, das überaus erfolgreich läuft und als Modell für die Umsetzung der Famulatur nach der Approbationsordnung gelten kann. Im Anschluss daran bot Dr. Tomppert den Universitäten die Hilfe der Kammer bei der Umsetzung der Famulatur an. Es sei ihm sehr „an einer Steuerungsfunktion für den ländlichen Raum gelegen“, so Dr. Tomppert; die jungen Zahnärztinnen und Zahnärzte sollten die Möglichkeit einer Famulatur in Praxen im ländlichen Raum erhalten. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erörterten verschiedene Varianten und verständigten sich darauf, dass die Kammer eine Liste von interessierten Praxisinhabern nach Selbstverpflichtung durch die Zahnärztinnen und Zahnärzte auflegt, die sie den Universitätskliniken zur Weitergabe an die Studierenden zur Verfügung stellt. Das Vorgehen wird in jedem Fall mit dem Regierungspräsidium Stuttgart als zuständige Approbationsstelle abgestimmt.
Dr. Tomppert wird sich zudem im Vorstand der Bundeszahnärztekammer für eine bundeseinheitliche Vorgehensweise stark machen.
Weiteres Thema auf der Gesprächsagenda war der Masterplan Medizinstudium 2020. Die engere Verzahnung von Humanmedizin und Zahnmedizin wurde allseits begrüßt.

» mader@lzk-bw.de

 

Berufsgerichtstagung der LZK BW

 

Erfahrungsaustausch der Berufsgerichte

Ausgabe 3, 2020

Nach vier Jahren fand am 8. Februar erneut eine Berufsgerichtstagung statt. Die Verantwortlichen des Landes- und der Bezirksberufsgerichte trafen sich mit den Geschäftsführern der Bezirkszahnärztekammern und den Juristen der Landeszahnärztekammer zum Erfahrungsaustausch.

Als eine von nur zwei Zahnärztekammern bundesweit verantwortet die Landeszahnärztekammer Baden- Württemberg auf Grundlage des Heilberufe-Kammergesetzes eine selbstverwaltete Berufsgerichtsbarkeit. Das heißt, die Gerichtsbarkeit wird nicht wie üblich vom Land ausgeübt, sondern von einem Kammerorgan selbst. Die Mitglieder der Berufsgerichte werden von der Kammer vorgeschlagen, aber vom Sozialministerium des Landes im Einvernehmen mit dem Justizministerium bestellt und besitzen richterliche Unabhängigkeit. Als Beisitzer fungieren Zahnärzte.

Hohe Akzeptanz. In seiner Begrüßungsrede bescheinigte der Präsident der Landeszahnärztekammer, Dr. Torsten Tomppert, den Berufsgerichten ein hohes Maß an juristischer und fachlicher Akzeptanz. Diese Akzeptanz resultiere auch aus dem Fachwissen und der Berufserfahrung der beisitzenden Zahnärzte. Dr. Tomppert bedankte sich für das Engagement der Vertreter der Berufsgerichte und wies eingangs darauf hin, dass hier eine hoheitliche Aufgabe mit Bravour gemeistert werde. Gerade deshalb befürworte er die Übertragung weiterer hoheitlicher Aufgaben auf die Kammern, wie die der Approbationsbehörde.
Der Vorsitzende des Landesberufsgerichts, Lutz-Rüdiger von Au, Präsident des Landgerichts Ulm, bedankte sich ebenfalls für das Engagement und die Gelegenheit zum Austausch.

Gesetzliche Neuerungen. Die Rechtsabteilung der Landeszahnärztekammer informierte zunächst umfassend über gesetzliche Neuerungen, die sich seit der letzten Berufsgerichtstagung im Jahr 2016 ergeben haben.
Die Berufsordnung der Landeszahnärztekammer wurde an Änderungen der Musterberufsordnung der Bundeszahnärztekammer angepasst. Umgekehrt orientiert sich die Musterberufsordnung bisweilen auch an innovativen Regelungen der Berufsordnung der Landeszahnärztekammer.
Im Rahmen der Darstellung derzeit geplanter Änderungen des Heilberufe-Kammergesetzes vor allem im Hinblick auf die Regelung von Berufspflichten bei Betreiben einer Zahnarztpraxis in Form einer juristischen Person des Privatrechts, wurden Probleme der derzeitigen Rechtslage besonders deutlich. Während ein berufsrechtswidriges Verhalten von einzelnen Zahnärzten aufgrund deren Kammermitgliedschaft der kammerrechtlichen Berufsgerichtsbarkeit unterliegt, ist die Eingriffsmöglichkeit bei juristischen Personen des Privatrechts regelmäßig nur sehr schwer oder nicht möglich. Gerade deshalb wird von Seiten der Landeszahnärztekammer seit Jahren die Kammermitgliedschaft von juristischen Personen des Privatrechts, die eine Zahnarztpraxis betreiben, befürwortet, um eine Benachteiligung der Zahnärzte zu vermeiden.
Auch die Berufsgerichte haben ihre Informationen und Vorgehensweisen an die Vorgaben der Datenschutzgrundverordnung angepasst. Tatsächliche Probleme konnten nach Angaben der Anwesenden im Rahmen der Verfahren vermieden werden.

Rückgang von Verfahren. Die Berichte aus den einzelnen Berufsgerichtsbezirken bestätigten nochmals den eingangs von Präsident Dr. Tomppert bereits dargestellten erfreulichen Rückgang der Verfahren.
Bei den Ermittlungsverfahren durch die Kammeranwälte ergibt sich kammerweit im Vergleich zu 2018 mit 88 Neueingängen ein erfreulicher Rückgang von knapp 32 Prozent auf nur noch 60 Verfahren in 2019. Interessant ist, dass davon 24 Verfahren (40 Prozent) eingestellt worden sind.
Bei den erstinstanzlichen Berufsgerichtsverfahren sind für 2019 nur 14 Verfahren zu verzeichnen, im Vergleich zum Vorjahr mit 15 Fällen ist die Fallzahl hiermit erfreulicherweise auf niedrigem Level stabil geblieben.
Während vor ein paar Jahren der Schwerpunkt der berufsgerichtlichen Verfahren auf berufswidrigen Werbemaßnahmen lag, sind die Themen heute bunt gemischt. Das mag vor allem an den inzwischen gelockerten Werbevorschriften liegen. Darüber hinaus ist die Werbung aber auch digitaler und damit oftmals komplexer geworden.

Sanktionierung. Der Erfahrungsaustausch ergab auch, dass in ein paar drastischen Fällen die berufsgerichtliche Sanktionierung an ihre Grenzen stößt. Sowohl zum Schutz der Patienten als auch des zahnärztlichen Berufsstands wäre ein schnelleres und konsequenteres Tätigwerden der Approbationsbehörde notwendig. Die Beteiligten befürworteten an dieser Stelle nochmals die Übertragung der Aufgabe der Approbationsbehörde an die Landeszahnärztekammer, zumal ohnehin die Landeszahnärztekammer durch Anfragen vonseiten des Regierungspräsidiums in diese Verfahren involviert wird.

» moessinger@lzk-bw.de