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Soziales Engagement

Zahnbehandlung in abgelegenen Gebieten im Himalaya

 

Einsatz in Nepal

Ausgabe 3, 2020

Seit meinem Ruhestand im Jahr 2012 habe ich bis heute sieben zahnärztliche Einsätze in Nepal durchgeführt. Sechs davon in Manthali, der Bezirkshauptstadt von Ramechhap, 130 Kilometer östlich von Kathmandu gelegen.


Zahnbehandlung. Beim Einsatz von Dr. Klaus Prinz in Nepal wurden pro Tag bis zu 100 Zähne, meistens Wurzelreste, gezogen.

Unter der Vielzahl von ärztlichen Hilfsorganisationen habe ich mich GRVD, German Rotary Volunteer Doctors, angeschlossen. Diese Organisation wird von Rotary Deutschland unterstützt, steht aber allen Hilfswilligen zur Verfügung. Jährlich werden bis zu 140 medizinische Teams in die Länder Ghana und Nepal geschickt.
Das Krankenhaus in Manthali wurde 1986 als Health Station mit Spenden einer amerikanischen Hilfsorganisation gegründet. Heute hat es 25 Betten, die Ambulanz wird jährlich von 24.000 Patienten aufgesucht. Die Patienten haben oft tagelange Fußmärsche oder Busfahrten hinter sich. Träger des Krankenhauses ist eine örtliche Genossenschaft, die sich um Gesundheit, Trinkwasser, Bewässerung, Saatgut, Sparund Kreditwesen kümmert.

Zahnstation. Bei meinem ersten Einsatz 2012 wurde das Krankenhaus von einem Arzt und drei Paramedizinern versorgt. Die Paramediziner haben eine dreijährige nicht akademische Ausbildung, vielleicht vergleichbar mit unseren Heilpraktikern. Sie arbeiten unter ärztlicher Aufsicht oder auch alleine in entlegenen Gesundheitsposten. 2012 hatte die Zahnstation einen Behandlungsstuhl und wurde von einem Paramediziner betreut. Heute ist, dank deutscher Spenden, die zahnmedizinische Versorgung an zwei Behandlungsplätzen möglich. Versorgt werden die Patienten von einem Paramediziner und seit zwei Jahren zusätzlich von einem nepalesischen Zahnarzt. Die Patienten kommen oft von weit her und haben nicht selten wochenlange Zahnschmerzen hinter sich. Entsprechend ist der Zustand der Zähne. Deshalb werden überwiegend Zahnextraktionen durchgeführt, aber auch Füllungen und Wurzelbehandlungen können gemacht werden. Überkronungen oder Zahnersatz sind kaum möglich, da das nächste Zahnlabor in Kathmandu ist.

Grundversorgung. Leider ist es um die Zahngesundheit nicht gut bestellt. Kinder mit kariesfreien Zähnen habe ich nicht gesehen. Dies ist auf den hohen Konsum von Zucker zurückzuführen. Wenn auf einem Weg viele Bonbonpapiere liegen, weist dies auf den Weg zu einer Schule hin. In den Schulen fehlt die Unterrichtung zur Zahngesundheit.
Auch das Krankenhaus hat sich seit meinen Anfängen gut weiterentwickelt. Neben dem ärztlichen Leiter sind jetzt drei nepalesische Ärzte angestellt, sodass eine gute Grundversorgung möglich ist. Immer wieder kommen Spezialisten aus Kathmandu oder ausländische Ärzte, die spezielle Behandlungen durchführen können. Hierfür stehen die Patienten auf einer Warteliste und werden dann benachrichtigt. So kommt beispielsweise zweimal im Jahr ein Team mit zwei Augenärzten, die an zwei Tagen etwa 120 Kataraktoperationen (grauer Star) machen.

Outreach Camps. Ein wichtiger Teil meiner Arbeit waren sog. „outreach camps“. Hierfür fuhr unser Team, bestehend aus Ärzten, Zahnarzt und Hilfspersonal, im Jeep zu einer entlegenen Gesundheitsstation in den Bergen. Die Fahrt ist, wegen der schlechten Verhältnisse auf den unbefestigten Straßen, immer sehr abenteuerlich. Für 50 Kilometer werden bis zu fünf Stunden benötigt. Es geht von 600 Metern Meereshöhe bis auf 2.500 Meter. Meistens war eine Übernachtung unter einfachsten Bedingungen erforderlich. Am Ort selbst warteten dann bis zu 200 Patienten auf uns, 130 für die Ärzte und 70 zur Zahnbehandlung. Pro Tag wurden bis zu 100 Zähne, meistens Wurzelreste, gezogen. Viele der Patienten haben zum ersten Mal in ihrem Leben zahnärztliche Hilfe erfahren und waren dankbar, von ihren Schmerzen befreit zu werden. Dies war die Motivation für mich, sieben Einsätze in Nepal zu machen, dazu kommt die atemberaubend schöne Landschaft mit den schneebedeckten Bergen des Himalayas im Hintergrund und die dankbare Anerkennung der Menschen für meine Tätigkeit.
Weitere Impressionen finden Sie in der Fotogalerie.

Dr. Klaus Prinz